Dass sich offensichtlich Geld mit wissenschaftlichen Dienstleistungen verdienen lässt, zeigte am Sonntag ein Blick auf die Homepage des "Focus". Das Magazin hatte am Tag zuvor öffentlich gemacht, dass die Kölner Staatsanwaltschaft bundesweit gegen rund 100 Professoren ermittelt. Sie sollen Geld genommen haben, um Kandidaten zu Doktortiteln zu verhelfen. Rund um den Artikel über die Bestechungsvorwürfe prangten auch am Sonntag diverse, über die Internetsuchmaschine Google automatisch generierte kleine Anzeigen wissenschaftlicher Helfer. Ein Link versprach dabei "Promotionshilfe: Unterstützung Promotion/Habil. Finden passender Professur. www.promotion-d.de" und führte zu einer Saarbrücker Firma namens "West Promotionshilfe GmbH", die den Zusatz "Institut für wissenschaftliche Forschung" trägt. Eine andere Annonce warb: "Diplom- und Hausarbeiten. Wir beraten & unterstützen Sie bei Ihren akademischen Arbeiten. Wissenschaftsberater. com". Dahinter verbirgt sich die ACAD Write GmbH in Halle an der Saale. Offeriert wird unter anderem "Unterstützung bei der Planung und Realisierung Ihres wissenschaftlichen Projekts, von der Themenwahl über den inhaltlichen und logischen Aufbau der Arbeit bis zum Timing" inklusive Literatur- und Datenbankrecherchen. "West Promotionshilfe" bietet zudem an, bei der Suche nach einem geeigneten Doktorvater behilflich zu sein.

Damit ist auch das "Institut für Wissenschaftsberatung" in Bergisch Gladbach in die Kritik geraten – allerdings zusammen mit dem Vorwurf, dass Professoren Geld gezahlt wurde, um möglicherweise ungeeignete Kandidaten anzunehmen.

Wie lauten die konkreten Vorwürfe?

Die rund hundert Hochschullehrer sollen laut "Focus" illegalerweise bis zu 4000 Euro von der Wissenschaftsberatungsfirma in Bergisch Gladbach bekommen haben, um promotionswilligen, aber möglicherweise ungeeigneten Kandidaten schnell zu ihrem Doktortitel zu verhelfen. Der Kölner Oberstaatsanwalt Günther Feld sagte am Sonntag der dpa: "Es geht um die Frage, ob die Professoren bei der Auswahl ihrer Kandidaten bestochen wurden." Der Eindruck, die Kunden des Instituts hätten darüber hinaus gar keine Doktorarbeit geschrieben, stimme dagegen "so nicht", sagte Feld.

Falls sich der Verdacht bestätigt, hätten die Professoren ihre Dienstpflichten verletzt, wonach sie Doktoranden unentgeltlich betreuen müssen. Außerdem wäre die freie Auswahl der Promotionsstudenten durch die Geldzahlungen beeinträchtigt worden. Die Firma in Bergisch Gladbach war bereits im März 2008 durchsucht worden. "Wir haben nach der Razzia eine Unmenge an Material ausgewertet", sagte Feld. "Dabei hat sich der konkrete Verdacht gegen die jetzt Beschuldigten ergeben." Es werde aber noch einige Zeit dauern, bis die zahlreichen Ermittlungsverfahren in dem Fall abgeschlossen seien. Danach werde die Staatsanwaltschaft "einzeln entscheiden, ob wir das Verfahren einstellen oder ob wir einen Strafbefehl oder eine Anklage fertigen", sagte Feld. Laut dem Deutschen Hochschulverband droht den Betrügern die Aberkennung ihrer Titel. Welche Universitäten sind betroffen?

Der bundesweite Betrug mit gekauften Doktortiteln lief offenbar an vielen renommierten Universitäten. Betroffen sollen unter anderem Hochschulen in Frankfurt am Main, Tübingen, Leipzig, Rostock, Jena, Bayreuth, Ingolstadt, Hamburg, Hannover, Bielefeld, Hagen, Köln und die Freie Universität (FU) Berlin sein. Ein Sprecher der FU sagte dem Tagesspiegel, bisher lägen der Universität keine Informationen oder ein Schreiben der Staatsanwaltschaft vor. Laut "Focus" soll es sich bei den Beschuldigten um "Honorarprofessoren aus allen Fachbereichen" handeln – von Medizin über Jura bis hin zu Wirtschafts- und Ingenieurswissenschaften. Honorarprofessoren unterscheiden sich von ordentlichen Professoren dadurch, dass sie noch einem anderen Hauptberuf nachgehen und in der Regel nur wenige Lehrveranstaltungen abhalten. Dafür erhalten sie kein Honorar, sondern tun dies der Ehre (lateinisch "honor") wegen. Nach Angaben Felds dürfen sie jedoch über die Vergabe akademischer Titel entscheiden. Der Oberstaatsanwalt sprach von "Aushilfsprofessoren oder Privatdozenten", gegen die ermittelt werde.

Was ist über das beschuldigte Unternehmen bekannt?

Die Firma in Bergisch Gladbach war im März 2008 durchsucht worden. Sie war wegen eines Verfahrens vor dem Hildesheimer Landgericht ins Visier der Kölner Ermittler geraten: Dort wurde der Geschäftsführer im Juli 2008 wegen schwerer gewerbsmäßiger Bestechung zu dreieinhalb Jahren Haft und einer Geldstrafe von 75 000 Euro verurteilt. Er hatte einem Jura-Professor der Uni Hannover 61 Doktorkandidaten vermittelt, die wegen ihrer schlechten Examensnoten eigentlich ungeeignet waren. Der Hochschullehrer selbst war im April 2008 zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt worden.

Gibt es so etwas häufiger?