Vorsicht mit privaten Daten im Internet? "Mal ehrlich, dieser Ratschlag ist doch eine Binsenweisheit", sagt Annette Gerlach, Personalerin bei einem größeren Unternehmen in der Chemiebranche und selbst gerade in der Bewerbungsphase. Dass man intensiv über einen Bewerber recherchiert, komme erst von der Führungsetage an vor, nach dem Durchschnittsbewerber werde allenfalls gegoogelt. "Natürlich googeln wir, welche Treffer auf der ersten Seite kommen, aber in sozialen Netzwerken nach Informationen zu suchen oder gar nach Bildern, Videos oder Forumseinträgen schauen wir erst bei Bewerbern, die sich um eine repräsentative Stelle bewerben", erläutert Gerlach. Die Suche nach den Partybildern oder den unseriösen Bekanntnschaften der Bewerber sei ein Mythos. Dafür fehle den Personalern schlicht die Zeit. Selten habe sie erlebt, dass über Praktikanten, Auszubildende oder Mitarbeiter auf den unteren Hierarchieebenen umfangreich recherchiert wurde, sagt Annette Gerlach.

Zwar hat eine Befragung des Bundesverbraucherschutzministeriums ergeben, etwa ein Viertel der befragten Unternehmen nutze im Bewerbungsprozess auch Informationen aus sozialen Netzwerken. 16 Prozent gaben an, Bewerber nicht zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu haben, weil der Eindruck zu schlecht war, den sie über diese Webseiten gewonnen hätten. Daraus sollte man jedoch keine übertriebene Panik ableiten, sagt Annette Gerlach.

Eine Umfrage des Karriereportale StepStone bestätigt die Meinung der Personalerin. Sie zeigt, dass besonders Fach- und Führungskräfte der Meinung sind, soziale Netzwerke taugten sowieso nur bedingt für die Karriere. Jeder fünfte Bewerber um eine Führungsposition verzichtet demnach komplett auf eine Mitgliedschaft bei Xing, Facebook oder LinkedIn. Allerdings nicht, weil sie ein Durchleuchten von Personalern fürchten, sondern vielmehr, weil ihnen der Nutzen für ein berufliches Fortkommen zu gering erscheint. Diejenigen, die einen Account in solchen Communitys haben, gaben an, die Netzwerke für private Kontakte zu verwenden. Natürlich ist die StepStone-Umfrage nicht ganz uneigennützig: Auf der Seite können Bewerber ihre Lebensläufe in eine Datenbank eintragen.

Solche Datenbanken von Jobbörsen seien Erfolg versprechend, wenn man eine neue Stelle sucht, sagt Gerlach. Auf die sozialen Netzwerke ganz verzichten würde sie dennoch nicht. Ihren derzeitigen Job habe sie über die Businessplattform Xing gefunden. "Wer zum Beispiel eine Abteilung aufbauen soll, muss auch Vernetzung zeigen. Das würden die Personaler checken", sagt Gerlach. "Auch Twitter wird noch unterschätzt." Unternehmen würden den Mikrobloggingdienst gerne für ihr Personalmarketing nutzen: Sie twittern offene Stellen oder weisen auf Aktivitäten hin, die für mögliche Mitarbeiter interessant sein könnten.

Gerlach ist nicht nur Personalerin – sie bewirbt sich gerade auch selbst um eine neue Stelle. In den für sie relevanten Netzwerken und Plattformen ist sie deshalb mit einem Bewerber-Account vertreten, auf ihrer Internetseite können sich potenzielle Arbeitgeber in einem mit einem Passwort geschützten Bereich informieren. Den Zugangscode sendet Gerlach den Unternehmen mit ihren Bewerbungsunterlagen zu. Und wer über ihre Accounts in den Networks auf ihre Seite findet, kann ein Passwort anfordern. So behält sie die Kontrolle darüber, wer persönliche Daten von ihr erhält. Außerdem führt sie ein Bewerbungs-Blog, das sie mit rein beruflichen Informationen füllt.

"Es hängt von der Branche ab, in der man arbeitet, welche Äußerungen in Foren, Kommentaren oder Blogs negative Auswirkungen haben. Ich würde meine politische Gesinnung beispielsweise nicht kundtun, in anderen Jobs könnte es dagegen von Vorteil sein, durchaus politisch engagiert zu sein", sagt Gerlach. Die Kontrolle behalte, wer häufig nach sich selbst googelt und darauf achtet, dass private Auftritte oder Partybilder nicht auf der ersten Seite in der Trefferliste zu finden sind. "Wenn man einen neuen Geschäftsführer oder Unternehmensrepräsentanten sucht, dann kann man erwarten, dass dessen Reputation auch im Internet einwandfrei ist."

Was aber tun, wenn sehr private Daten in Suchmaschinen weit oben gelistet werden? "Wenn Einträge ein ungünstiges Licht auf einen werfen können, sollte man den Anbieter darum bitten, diese zu löschen", sagt Svenja Hofert, die ein Buch zum Thema Jobsuche im Web 2.0 geschrieben hat. Einen Anspruch auf Löschung haben die Urheber aber bei selbst verfassten Beiträgen nicht. Auf eine Präsenz im Web würde sie jedoch nicht verzichten. "Man sollte das Internet dafür nutzen, sich positiv darzustellen." Gegen Einträge, die dokumentieren, dass sich jemand in seiner Freizeit ehrenamtlich engagiert oder sein Fachwissen öffentlich niederschreibt, sei nichts einzuwenden. Im Gegenteil, der Mensch hinter der Bewerbung werde so authentisch und gewinne an Profil.

Den total angepassten und völlig durchleuchteten Bewerber wollten aber die wenigsten Unternehmen, sagt Gerlach – nicht einmal als Personalentwickler. "Wir sind auch nur Menschen. Durchschnittlich hat man eine halbe Stunde pro Bewerber. Da kann man grad mal googeln."