Leichtathletik-WM Der Marsmensch Bim Bum Bolt

Schon jetzt ist klar: Die WM in Berlin war die des Usain Bolt. Doch wie viele Zweifel an seinen Leistungen sind erlaubt? Eine internationale Presseschau

"Bolt bricht den Rekord der Rekorde". "Rakete Bolt", "Marsmensch Bolt", "Blitzstrahl Bolt", "Bim Bum Bolt". Ja, "in Berlin ist wieder eine Mauer gefallen". Die Schlagzeilen zu Usain Bolts Weltrekord über 100 Meter waren Superlative. Als der 22 Jahre alte Sprinter seinen Weltrekord auf 9,58 Sekunden verbessert hatte, stimmten die Zeitungen rund um den Globus in Lobeshymnen ein. Es waren Bolts 41 Schritte im 100-Meter-Rennen und vier Tage später sein Sieg über 200 Meter, die die Leichtathletik-WM zu Bolts Turnier machten.

"Er ist einfach ein Monster. Bis zuletzt hatte er behauptet, nicht in Topform zu sein. Doch er liegt Lichtjahre vor all seinen Gegnern", schrieb die italienische Sportzeitung Gazzetta dello Sport. "Bolt stellt einen der unglaublichsten Rekorde aller Zeiten auf", kommentierte Tuttosport. Ob bewusst oder unbewusst von den italienischen Journalisten gewählt – das Wörtchen "unglaublich" passt. Zwar ist Usain Bolt bei keiner Dopingkontrolle positiv getestet worden, doch wer glaubt dem Ausnahmesportler seine Ausnahmeleistung?

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Die niederländische Zeitung De Volkskrant äußerte physische Zweifel am Weltrekord: "Der Mensch sollte über 100 Meter nie unter 9,60 Sekunden laufen können. Bei dieser hohen Geschwindigkeit sollten die Muskeln reißen und die Knochen brechen - lautete die Voraussage von Physiologen und Biomechanikern. Doch Usain Bolt sprintete zu 9,58 Sekunden."

Biomechanik hin oder her – die deutsche Presse glaubt dem Spitzensport schon lange nichts mehr. Namen wie Jan Ullrich, Dieter Baumann oder Claudia Pechstein sind das Trauma der jüngsten deutschen Sportgeschichte. Ihre Dopingbefunde haben sich tief in das Bewusstsein der Journalisten gebrannt.

Die Athleten stehen unter Generalverdacht. Noch bevor der erste Startschuss durch das Olympiastadion hallte, kommentierte die Berliner Morgenpost: "Wo Profi-Sport tobt und mithin großes Geld, da wird geschummelt, pharmazeutisch, aber auch auf jede andere Art: Der eine trägt Wunderschuhe, der andere feilt seinen Speer, tritt mit Psycho-Guru an oder einem Spritzenplan, den kein Labor der Welt nachweisen kann."

"Rennt und tanzt so ein Homunkulus?" fragte die FAZ und schloss nicht aus, Bolt könne gar ein künstlich geschaffener Mensch sein. Usain Bolt – "freundlich und sympathisch, nicht nur beim jamaikanischen Tanz Luggo Luggo. Doch das Geschäft der besten Sprinter besteht aus mehr als dem, was man auf der Bahn sieht und in Interviews hört. Manchmal ahnt man, dass es ein Tanz auf der Rasierklinge ist." Zur Erinnerung: einen konkreten Verdacht gibt es nicht, aber Zweifel.

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