Bundestagswahl Mehr Spannung als gedacht
Am Ende lautet die Frage: Was ist weniger appetitlich? Ein Bündnis mit den geistigen Erben des Mauerbaus? Oder eines mit den Erben der größten Wirtschaftskrise seit 1945?
Was entscheidet einen Wahlkampf, dessen Kontrahenten weder über Charisma noch Temperament verfügen? Was prägt ihn, wenn Großereignisse wie Wiedervereinigung, Oderflut oder Irakkrieg fehlen? Was polarisiert, wenn sich Gegensätze wie Freiheit oder Sozialismus und Krieg oder Frieden allseits in Pragmatismus auflösen? Nichts.
Selbst Ersatzbuhmänner (Guttenberg) wie auch Ersatzskandale (Dienstwagen) haben rasch an Erregungspotenzial eingebüßt. Und trotzdem steuert die Republik auf einen spannenden Endspurt zu. Eine historisch tiefengeschärfte Koalitionsdebatte bahnt sich an. Ausgang offen.
Das Schlüsseldatum ist der kommende Sonntag, wenn im Saarland, in Thüringen und Sachsen über neue Landtage abgestimmt wird. Die Umfragen deuten auf eine psychologische Wende hin. Im Saarland könnte ein CDU-Ministerpräsident von einem SPD-Herausforderer abgelöst werden. Das gab’s in der alten Bundesrepublik zum letzten Mal vor 18 Jahren.
In Thüringen muss Regierungschef Dieter Althaus (CDU) ebenfalls um seine Mehrheit bangen. Auch in Sachsen wird die CDU wohl, wenn auch bei Weitem nicht so dramatisch, Stimmen verlieren. Das setzte einen Trend fort, über den man in der CDU ungern spricht. Seit Angela Merkel Kanzlerin ist, brach ihre Partei bei jeder Wahl, einschließlich der fürs Europaparlament, zum Teil massiv ein. Nur Roland Koch in Hessen legte nach dem Ypsilanti-Debakel ganz bescheiden zu.
Falls es so kommt, schallen in einer Woche zwei Botschaften durchs Land. Erstens: Ja, es gibt sie noch, die Alternative zur Rückkehr in die christlich-liberale Wertewelt. Wenn sich Linke, SPD und Grüne zusammenraufen, bilden sie einen nicht unerheblichen Machtfaktor, auch bundesweit. Zweitens: Die Kaiserin ist entblößter, als ihre persönliche Beliebtheit suggeriert. Man könnte sogar sagen: Je populärer Angela Merkel, desto schwächer ihre Partei. Das eine bedingt das andere.
Die Identitätsentkernung der CDU – weg mit allen nationalen, konservativen, ordnungsliberalen und christlichen Werten – ist schließlich ihr Werk, das den präsidialen Nimbus der Kanzlerin zwar nährt, aber eben nicht mannschaftsdienlich ist. Zu diesem Kalkül gehört auch die Weigerung, einen inhaltlichen Wahlkampf zu führen, was freilich weniger gemein als gerissen von ihr ist, weil von jeder Kontroverse nur der Herausforderer profitieren würde.
Rot-Rot-Grün contra Schwarz-Gelb. Plötzlich wäre er wieder da, der Lagerwahlkampf, und die SPD täte gut daran, ihn nicht zu defensiv zu führen. Denn die Genossen wollen, dass ihre Führung etwas will, dass sie Ehrgeiz, Ideale und Gestaltungswille hat, dass da noch ein Herz schlägt in der Brust und man sich nicht damit begnügt, als ewig schrumpfender Juniorpartner in einer großen Koalition stetig kleinere „sozialdemokratische Akzente“ zu setzen. Außerdem ist Rot-Rot nicht an sich verwerflich, wie die Arbeit des Berliner Senats zeigt, sondern dann, wenn es durch Wortbruch zustande kommen soll, Beispiel Hessen.
Am Ende lautet die Frage: Was ist weniger appetitlich? Eine Koalition mit den geistigen Erben von Mauerbau und Stacheldraht, wo die DDR seit 20 Jahren der Vergangenheit angehört? Oder ein Bündnis mit den geistigen Erben der größten Finanz- und Wirtschaftskrise in der deutschen Geschichte, deren volle Folgen noch nicht in der Gegenwart angekommen sind? Diese Alternative markiert, worum es im Kern am 27. September geht. Das ist alles andere als langweilig.
- Datum 28.08.2009 - 11:15 Uhr
- Serie opi
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Solche Attribute sind nicht sachlich und gehören nicht in einen Zeit-Artikel.
Überhaupt: Wenn man diesen Artikel nicht gelesen hat, hat man bestimmt nichts verpasst!
Die Allianz von "ZEIT" und "Tagesspiegel" führt leider dazu, dass sich die boulevardesken Tagesspiegel-Artikel auch auf der ZEIT-Seite herumtreiben. Und in der Tat: Wenn man Tsp- Erzeugnisse verpasst, hat man nichts versäumt.
Die Allianz von "ZEIT" und "Tagesspiegel" führt leider dazu, dass sich die boulevardesken Tagesspiegel-Artikel auch auf der ZEIT-Seite herumtreiben. Und in der Tat: Wenn man Tsp- Erzeugnisse verpasst, hat man nichts versäumt.
Am Ende lautet die Frage: Was ist weniger appetitlich? Eine Koalition mit den geistigen Erben von Mauerbau und Stacheldraht, wo die DDR seit 20 Jahren der Vergangenheit angehört? Oder ein Bündnis mit den geistigen Erben der größten Finanz- und Wirtschaftskrise in der deutschen Geschichte, deren volle Folgen noch nicht in der Gegenwart angekommen sind?
hierzu sollte man der vollständigkeit halber anmerken, dass die erben des mauerbaus vor allem in der ost-cdu zu finden sind. das sind nämlich genau die leute, die es zulassen, dass ein vorbestrafter politiker seine tat in der springerpresse in einer mitleidsnummer ausschlachtet, um daraus politisches kapital zu schlagen.
und dass die thüringer JU (entfernt. Bitte verzichten Sie auf Analogien dieser Art. Die Redaktion/jk) versucht, die veranstaltungen des politischen gegners zu sprengen, spricht für eine zutiefst verrottete politische kultur in dieser sog. christlich-demokratischen partei.
und im hinblick auf mögliche politische alternativen von erben der krise zu sprechen, greift ebenfalls zu kurz. diese leute haben uns die krise vererbt, die wahren erben sind wir.
[entfernt. Bitte verzichten Sie auf herabwürdigende Angriffe und Analogien dieser Art. Die Redaktion/ mwe]
[entfernt. Bitte verzichten Sie auf herabwürdigende Angriffe und Analogien dieser Art. Die Redaktion/ mwe]
Was entscheidet einen Wahlkampf, dessen Kontrahenten weder über Charisma noch Temperament verfügen?
Da denkt man sich spontan:Die Sachthemen - was sonst!
Was prägt ihn, wenn Großereignisse wie Wiedervereinigung, Oderflut oder Irakkrieg fehlen?
Da denkt man sich spontan:Die Sachthemen - was sonst!
Was polarisiert, wenn sich Gegensätze wie Freiheit oder Sozialismus und Krieg oder Frieden allseits in Pragmatismus auflösen? Nichts.
Da denkt man sich spontan:Die Sachthemen - was sonst!
Leider weit gefehlt - das eigentliche Problem der Wahl ist, dass es verantwortliche Politikerinnen und Politiker gibt, die zwar bekunden, dass es wichtige Sachthemen gibt und dass sie sie am besten lösen können - wie sie dies jedoch machen wollen, darüber möchten sie mit dem Wähler am liebsten gar nicht sprechen
Am Ende lautet die Frage: Was ist weniger appetitlich? Eine Koalition mit den geistigen Erben von Mauerbau und Stacheldraht, wo die DDR seit 20 Jahren der Vergangenheit angehört? Oder ein Bündnis mit den geistigen Erben der größten Finanz- und Wirtschaftskrise in der deutschen Geschichte, deren volle Folgen noch nicht in der Gegenwart angekommen sind?
Die Formulierung des Autors ist suggestiv. Man muss ihm aber zugute halten, dass die hier beschrieben Sicht der Dinge (Linke = sozialistische Mauerbauer; FDP = neoliberales Großkapital) von einer großen Mehrheit geteilt werden.
Im Übrigen habe ich zu keiner dieser Parteien derzeit großes Vertrauen.
Wie schnell kommt man eigentlich von der Unschuldsvermutung zur Sippenhaft? Weil die Eltern schlecht waren, sind es auch die Kinder? Weil jemand irgendwie arabisch aussieht, und die Araber überwiegend Muslime sind, Osama Bin Laden ein Muslim ist, ist der arabisch aussehende Mensch irgendwie auch ein Verbrecher?
Und ich dachte... aber das ist wohl das Problem, nicht wahr? Das eigenständige Denken.
Selbiges verrät mir allerdings, dass es sich aber nicht um die "Erben der Krise" handelt, sondern durchaus auch um diejenigen, die aktiv daran mitwirkten.
Zumindest was den Mauerbau angeht, kann man wohl tatsächlich von den "Erben" sprechen - wohl dem, der an die Eingangs gemachte Bemerkung denkt.
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"Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen."
sind uns leider zuwider, weil wir in vielen Fällen merken, was das für eine Augenwischerei ist, der Landesvorsitzende bei der Eröffnung eines Behindertenheimes, das keinem einzigen Schwerbehinderten, der Arbeit sucht, helfen wird, was auch sonst durch den Staat nicht geschieht. Das ist solch eine Farce! Linke, die uns Klischees um die Ohren knallen, die kein Mensch zurzeit erreichen kann.
Unmögliches? Rückschritt? Egal... die Stimme zählt. Sind das unsere Interessenverwalter?
http://kallewestrich.blog...
Die Allianz von "ZEIT" und "Tagesspiegel" führt leider dazu, dass sich die boulevardesken Tagesspiegel-Artikel auch auf der ZEIT-Seite herumtreiben. Und in der Tat: Wenn man Tsp- Erzeugnisse verpasst, hat man nichts versäumt.
die eine Ex - FDJ Propagandasekretärin als Vorsitzende hat, sind wirklich ganz schön unappetetitlich.
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