Der freie Journalist Donald Bostrom hatte in der schwedischen Tageszeitung Aftonbladet schwerwiegende Vorwürfe wiedergegeben, die Palästinenser gegen Israel erhoben hatten: Sie behaupteten, dass toten Verwandten in Israel Organe gestohlen worden seien. Der Bericht wurde jedoch mit keinen Beweisen untermauert.

Der Artikel löste in Israel einen Sturm der Entrüstung aus. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verlangte, dass die schwedische Regierung den Bericht als Antisemitismus verurteilt und bezeichnete ihn als "Blutlüge". Innenminister Eli Jischai ordnete nach Angaben des israelischen Rundfunks eine Aussetzung der Aufenthaltsgenehmigung Bostroms an.

Der Streit wird vor allem in der Presse ausgetragen. Israelische Zeitungen titelten scharfzüngig "Blonder Rassismus" und "Freiheit der Diffamierung". Die linksliberale Haaretz schrieb jedoch, dass die "erregte und demagogische Reaktion" von Außenminister Avigdor Lieberman Israel Schaden zugefügt habe und verwies auf die derzeitige Stellung Schwedens als Ratsvorsitzenden der Europäischen Union.

Lieberman hatte die fehlende Reaktion der schwedischen Regierung mit dem angeblichen "Schweigen" während des Holocausts verglichen und damit die Stimmung weiter angeheizt. Der Außenminister verwies darauf, dass im Fall der umstrittenen Mohammed-Karikaturen das schwedische Außenministerium 2006 deren Veröffentlichung verurteilt und mit einen Brief an die jemenitische Regierung ihr Bedauern ausgedrückt habe.

Die schwedische Regierung lehnt im aktuellen Fall eine öffentliche Verurteilung unter Verweis auf die Meinungs- und Pressefreiheit ab. Diese sei ein unentbehrlicher Bestandteil der schwedischen Gesellschaft. Der geplante Besuch des schwedischen Außenministers Carl Bildt in Israel könnte aufgrund der angespannten Situation verschoben werden, hieß es aus Regierungskreisen.