Gesundheitspolitik Ein Kompromiss gegen das Wohl der Frühchen

Bei der Frage, wer extrem Frühgeborene behandeln darf, ändert sich wenig. Während Kliniken und Krankenkassen froh sind über eine Einigung, leidet das Wohl der Kinder.

Lösungen erfordern Kompromisse. Doch in diesem Fall geht es um mehr als um ein Entgegenkommen. Denn hier steht das Wohlergehen extrem Frühgeborener auf dem Spiel. Um deren Lebenschancen zu verbessern, wurde heute über einen Antrag der Krankenkassen entschieden. Die hatten ihn im Gemeinsamen Bundesausschuss, der Selbstverwaltung des Gesundheitswesens, eingebracht. Die Forderung: Sehr kleine Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht von weniger als 1500 Gramm sollen künftig nur noch in jenen Krankenhäusern betreut werden, die mindestens 50 solcher Fälle im Jahr vorweisen können.

Eine stattliche Zahl, die garantieren soll das extreme Frühchen vernünftig versorgt werden. Bislang sind solche Risikogeburten in vielen kleinen Kliniken eher der Ausnahmefall. In 140 Krankenhäusern kam 2007 gerade ein einziges dieser gefährdeten Kinder zur Welt. Nicht unbedingt ein Beleg dafür, dass das Personal reich an Erfahrung in der Betreuung der Winzlinge ist.

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Doch der Antrag ging der Deutschen Krankenhausgesellschaft zu weit. Kleine Kreiskrankenhäuser würden dadurch von der Betreuung der Frühgeborenen ausgeschlossen. Auch manche mittelgroße Klinik, die in ihrer pädiatrischen Intensivstation regelmäßig Frühchen versorgt, hätte zurückstehen müssen. Die satten Gelder der Krankenkassen für die Behandlung der Frühchen von rund 120.000 Euro wären damit künftig an größere Häuser verteilt worden.

Kein Wunder also, dass der Entwurf so nicht durchging: Am Ende einer stundenlangen Sitzung wurde eine Mindestfallzahl von gerade einmal 14 festgelegt. Auf Seiten der Deutschen Krankenhausgesellschaft dürfte man aufgeatmet haben. Die Pauschalen für die Frühchen werden weiter relativ breit verteilt. Nur wenige Krankenhäuser müssen künftig ihre Intensivstationen verkleinern.

Doch auch im Lager der Krankenkassen herrscht eine gewisse Zufriedenheit. Erstmals wurde eine gesetzlich festgelegte Fallzahl durchgesetzt, die wenigstens ansatzweise für eine gebündelte Betreuung sorgt. Endlich ein Einstieg in mehr Qualität in der Betreuung besonders kleiner Frühgeborener, heißt es.

Aber reicht das den Frühchen? Sollen hier überhaupt die gleichen Maßstäbe angesetzt werden, wie in einer gewöhnlichen Debatte, in der jeder schließlich den einen Teil seiner Position aufgibt, um dem anderen Teil zum Erfolg zu verhelfen? Nein, neben der existenziellen Lebensfrage der Frühgeborenen darf kein Platz sein für das übliche Gespann aus finanziellen Interessen und eitlen Motiven, etwa von Leitern überschaubarer Kinderstationen.

Natürlich ist es nicht so, dass es ständig zu Todesfällen kommt, weil die kleineren Krankenhäuser grobe Fehler machen. Dass sie eine hervorragende Ausstattung haben, ist kaum zu bestreiten. Auch die Leiter der Kinderabteilungen sind in der Regel auf dem neuesten Stand der Forschung, Skandale sind keine bekannt. Ob bei ihnen die Säuglinge niedrigere Überlebenschancen als in größeren Krankenhäusern haben, ist nicht bewiesen.

Leser-Kommentare
  1. im deutschen Gesundheitssystem.

    Das die Erfahrung des Personals mit bestimmten Operationen die Erfolgsaussichten eher positiv beeinflusst sollte keiner großen Diskussion bedürfen.

    Allerdings gilt dieser Sachverhalt nicht nur in der Betreuung von Frühchen, sondern auch bei anderen Operationen. Nur würden für die kleineren Krankenhäuser dann zunehmend lukrative Geschäftsfelder wegfallen.

    Auch in anderen Punkten wird in dt. Krankenhäusern geschlampt - siehe z.B. Missbrauch von Antibiotika und vor allem bei der Krankenhaushygiene. Mehr Geld zu investieren ist nicht die einzige Möglichkeit die Qualität zu verbessern - die ideologiefreie, auf das Wohl des Patienten bedachte, Umsetzung von bekannten Forschungsergebnissen und eine funktionierende Qualitätskontrolle wären schon einmal ein Anfang.

    Es ist doch schon extrem komisch, wenn die Erfolgsaussischten bei bestimmten Behandlungen bei gleichem Mitteleinsatz in einigen Krankenhäusern viel erfolgreicher sind,als bei anderen.

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    Es ist natürlich nicht nur wünschenswert, sondern notwendig, daß in allen medizinischen Einrichtungen (Arztpraxen, Krankenhäusern usw.) strenge Hygiene praktiziert wird und Antibiotikagebrauch auf notwendige Bakteriumbekämpfung beschränkt ist. Ich kann nicht beurteilen, ob Mißbrauch und Mißstände in diesem Bereich in Deutschland so frappierend sind, wie Sie hier wieder einmal betonen. Vielleicht haben Sie irgendwo schlechte Erfahrung gemacht oder Sie haben Zugang zu Qualitätsuntersuchungen mit negativen Ausgang, die mir unbekannt sind. Ich bin nicht überzeugt, daß solche Mißstände ein großes Problem in der Gesundheitsversorgung in Deutschland darstellen. Auch glaub ich nicht, daß diese Probleme in kleineren Krankenhäusern eher anzutreffen sind als in großen, im Gegenteil die Qualitätskontrolle kann in großen Einrichtungen eher unterlaufen werden. Ohne Zweifel hat Personal in großen Krankenhäusern häufig mehr Erfahrung und daher bessere Erfolgsaussichten für komplizierte Eingriffe, insbesondere haben sie die bessere Ausrüstung dafür. Trotzdem sind viele kleinere Krankenhäuser absolut notwendig, weil sonst die medizinische Versorgung außerhalb der Bevölkerungsballungsgebiete schwierig bis unmöglich wird. Lukrative Geschäftsfelder sind nicht die wichtigsten Kriteria, die für kleinere Krankenhäuser sprechen.

    Was Mißbrauch von Antibiotika angeht, ist das größte Problem die weitverbreitete Anwendung in der Nutztierhaltung einerseits, und noch schlimmer, in alltäglichen Haushaltsmitteln. Handseifen, Spülmittel, einige Kosmetika, die Liste ist so lang, ich kann sie gar nicht alle aufzählen. Trotz aller Mahnung aus medizinischen Kreisen, wird dieser Mißbrauch bei der einschlägigen Industrie munter vorangetrieben und von der Bevölkerung gerne benutzt, in der Annahme eine besonders hygiene Umwelt zu schaffen. In Speichelproben von Voluntär Studenten und Angestellten stellten wir im Labor zu unserm Entsetzen fest, daß nahezu alle Probanden (USA) resistente Bakterien gegen gängige Antibiotika (Ampicillin, Streptomycin) beherbergen. Bei gesunden Menschen verursachen diese Bakterien keine Probleme, für durch Krankheit geschwächte Menschen sind sie eine Gefahr. Der Patient bringt die Infektion also häufig mit sich ins Krankenhaus und wird eine Gefahr für andere bereits geschwächte Menschen. Beste Hygienevorkehrung kann diese Gefahr nicht vollständig bändigen. Auch Infektionskranke selbst tragen zu dem Problem bei, wenn Medikamente entgegen Arztanweisungen vorzeitig abgesetzt werden, weil der Patient meint, die Infektion sei überstanden nur weil er/sie sich wieder besser fühlt.

    Es ist natürlich einfacher alle Schuld aufs medizinische Personal zu schieben, dann muß man sich über eigene Verantwortung keine Gedanken machen.

    Es ist natürlich nicht nur wünschenswert, sondern notwendig, daß in allen medizinischen Einrichtungen (Arztpraxen, Krankenhäusern usw.) strenge Hygiene praktiziert wird und Antibiotikagebrauch auf notwendige Bakteriumbekämpfung beschränkt ist. Ich kann nicht beurteilen, ob Mißbrauch und Mißstände in diesem Bereich in Deutschland so frappierend sind, wie Sie hier wieder einmal betonen. Vielleicht haben Sie irgendwo schlechte Erfahrung gemacht oder Sie haben Zugang zu Qualitätsuntersuchungen mit negativen Ausgang, die mir unbekannt sind. Ich bin nicht überzeugt, daß solche Mißstände ein großes Problem in der Gesundheitsversorgung in Deutschland darstellen. Auch glaub ich nicht, daß diese Probleme in kleineren Krankenhäusern eher anzutreffen sind als in großen, im Gegenteil die Qualitätskontrolle kann in großen Einrichtungen eher unterlaufen werden. Ohne Zweifel hat Personal in großen Krankenhäusern häufig mehr Erfahrung und daher bessere Erfolgsaussichten für komplizierte Eingriffe, insbesondere haben sie die bessere Ausrüstung dafür. Trotzdem sind viele kleinere Krankenhäuser absolut notwendig, weil sonst die medizinische Versorgung außerhalb der Bevölkerungsballungsgebiete schwierig bis unmöglich wird. Lukrative Geschäftsfelder sind nicht die wichtigsten Kriteria, die für kleinere Krankenhäuser sprechen.

    Was Mißbrauch von Antibiotika angeht, ist das größte Problem die weitverbreitete Anwendung in der Nutztierhaltung einerseits, und noch schlimmer, in alltäglichen Haushaltsmitteln. Handseifen, Spülmittel, einige Kosmetika, die Liste ist so lang, ich kann sie gar nicht alle aufzählen. Trotz aller Mahnung aus medizinischen Kreisen, wird dieser Mißbrauch bei der einschlägigen Industrie munter vorangetrieben und von der Bevölkerung gerne benutzt, in der Annahme eine besonders hygiene Umwelt zu schaffen. In Speichelproben von Voluntär Studenten und Angestellten stellten wir im Labor zu unserm Entsetzen fest, daß nahezu alle Probanden (USA) resistente Bakterien gegen gängige Antibiotika (Ampicillin, Streptomycin) beherbergen. Bei gesunden Menschen verursachen diese Bakterien keine Probleme, für durch Krankheit geschwächte Menschen sind sie eine Gefahr. Der Patient bringt die Infektion also häufig mit sich ins Krankenhaus und wird eine Gefahr für andere bereits geschwächte Menschen. Beste Hygienevorkehrung kann diese Gefahr nicht vollständig bändigen. Auch Infektionskranke selbst tragen zu dem Problem bei, wenn Medikamente entgegen Arztanweisungen vorzeitig abgesetzt werden, weil der Patient meint, die Infektion sei überstanden nur weil er/sie sich wieder besser fühlt.

    Es ist natürlich einfacher alle Schuld aufs medizinische Personal zu schieben, dann muß man sich über eigene Verantwortung keine Gedanken machen.

    • iSammy
    • 21.08.2009 um 14:12 Uhr

    Als Arzt auf einer Frühgeborenenintensivstation mit 40 - 50 extrem Frühgeborenen pro Jahr kann ich mit der aktuellen Fallzahlentscheidung gut leben. Eine höhere Fallzahl, wie z.B. die von einzelnen Interessenverbänden geforderten 50/Jahr halte ich für problematisch, da die damit einhergehende Zentralisierung zu einer Unterversorgung in ländlichen Gebieten führt. Eine Frühgeburt beginnt häufig plötzlich, so dass der Transport in ein Perinatalzentrum der Maximalversorgung (Level 1), in einem zentralisierten System noch schwieriger wird. Die Erstversorgung muss dann vom Pädiater oder Anästhesisten eines peripheren Klinikums vorgenommen werden. Dieser besitzt jedoch auf Grund der fehlenden Regelmäßigkeit über wenig Übung.
    Gerade in der Primärversorgung kommt es jedoch auf einen neonatologisch erfahrenen Arzt an.
    Unbestritten bleibt, dass 1 - 10 Kinder im Jahr nicht ausreichen um im "Training" zu bleiben.
    Daher denke ich, dass der getroffene Kompromiss eine gute Entscheidung für das wohl unserer Frühgeborenen ist.

    Eine Leser-Empfehlung
  2. Es ist natürlich nicht nur wünschenswert, sondern notwendig, daß in allen medizinischen Einrichtungen (Arztpraxen, Krankenhäusern usw.) strenge Hygiene praktiziert wird und Antibiotikagebrauch auf notwendige Bakteriumbekämpfung beschränkt ist. Ich kann nicht beurteilen, ob Mißbrauch und Mißstände in diesem Bereich in Deutschland so frappierend sind, wie Sie hier wieder einmal betonen. Vielleicht haben Sie irgendwo schlechte Erfahrung gemacht oder Sie haben Zugang zu Qualitätsuntersuchungen mit negativen Ausgang, die mir unbekannt sind. Ich bin nicht überzeugt, daß solche Mißstände ein großes Problem in der Gesundheitsversorgung in Deutschland darstellen. Auch glaub ich nicht, daß diese Probleme in kleineren Krankenhäusern eher anzutreffen sind als in großen, im Gegenteil die Qualitätskontrolle kann in großen Einrichtungen eher unterlaufen werden. Ohne Zweifel hat Personal in großen Krankenhäusern häufig mehr Erfahrung und daher bessere Erfolgsaussichten für komplizierte Eingriffe, insbesondere haben sie die bessere Ausrüstung dafür. Trotzdem sind viele kleinere Krankenhäuser absolut notwendig, weil sonst die medizinische Versorgung außerhalb der Bevölkerungsballungsgebiete schwierig bis unmöglich wird. Lukrative Geschäftsfelder sind nicht die wichtigsten Kriteria, die für kleinere Krankenhäuser sprechen.

    Was Mißbrauch von Antibiotika angeht, ist das größte Problem die weitverbreitete Anwendung in der Nutztierhaltung einerseits, und noch schlimmer, in alltäglichen Haushaltsmitteln. Handseifen, Spülmittel, einige Kosmetika, die Liste ist so lang, ich kann sie gar nicht alle aufzählen. Trotz aller Mahnung aus medizinischen Kreisen, wird dieser Mißbrauch bei der einschlägigen Industrie munter vorangetrieben und von der Bevölkerung gerne benutzt, in der Annahme eine besonders hygiene Umwelt zu schaffen. In Speichelproben von Voluntär Studenten und Angestellten stellten wir im Labor zu unserm Entsetzen fest, daß nahezu alle Probanden (USA) resistente Bakterien gegen gängige Antibiotika (Ampicillin, Streptomycin) beherbergen. Bei gesunden Menschen verursachen diese Bakterien keine Probleme, für durch Krankheit geschwächte Menschen sind sie eine Gefahr. Der Patient bringt die Infektion also häufig mit sich ins Krankenhaus und wird eine Gefahr für andere bereits geschwächte Menschen. Beste Hygienevorkehrung kann diese Gefahr nicht vollständig bändigen. Auch Infektionskranke selbst tragen zu dem Problem bei, wenn Medikamente entgegen Arztanweisungen vorzeitig abgesetzt werden, weil der Patient meint, die Infektion sei überstanden nur weil er/sie sich wieder besser fühlt.

    Es ist natürlich einfacher alle Schuld aufs medizinische Personal zu schieben, dann muß man sich über eigene Verantwortung keine Gedanken machen.

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