Gamescom-Jobbörse Spielefirmen haben Nachwuchsprobleme

Wer nicht nur spielen, sondern Spiele entwickeln will, hat gute Chancen. Hochschulen können gar nicht so viele Designer und Modeller ausbilden, wie die Branche sucht

Shigeru Miyamoto verdient sicher mehr als 3500 Euro im Monat, ist der Gamedesigner doch Entwickler von Klassikern wie "Donkey Kong", "Zelda", "Wii Music" und "Super Mario Bros"

Shigeru Miyamoto verdient sicher mehr als 3500 Euro im Monat, ist der Gamedesigner doch Entwickler von Klassikern wie "Donkey Kong", "Zelda", "Wii Music" und "Super Mario Bros"

Auf der Videospielemesse Gamescom ist von der Wirtschaftskrise wenig zu spüren. Zu Zehntausenden strömen die meist jugendlichen Besucher durch die Hallen. Für viele Firmen sind die Fans aber nicht nur als Konsumenten interessant. Sie stellen auch ein großes Reservoir an Talenten dar. Wer seit Jahren begeistert Computer oder Konsole spielt, kennt sich bestens mit den Stärken und Schwächen seiner Lieblingsspiele aus. Auch auf praktische Design-Erfahrung können viele zurückgreifen: Sei es beim "Modding", bei dem Computerspiele nach den eigenen Wünschen unprogrammiert und erweitert werden, oder einfach nur beim Zeichnen selbst erfundener Monster, Waffen und Raumschiffe. Gamedesign ist für viele von ihnen ein Traumberuf.

Den Erfahrungsschatz der Fans will die Industrie heben, zumal sie seit Jahren unter Nachwuchssorgen leidet. Universitäten, Fachhochschulen und private Ausbilder liefern noch zu wenige Absolventen, um die Nachfrage der Firmen zu bedienen.

Anzeige

Auf der Gamescom soll ein "Job & Karriere"-Forum beide Seiten zusammenbringen. Veranstalter ist der IDG-Verlag, der unter anderem die Magazine GameStar und GamePro veröffentlicht. Am Stand in Halle acht können Bewerber direkt mit einigen der wichtigsten deutschen Firmen in Kontakt treten. Gameforge und Bigpoint beispielsweise, die Weltmarktführer bei Browsergames. Allein Gameforge, das in Karlsruhe sitzt, will bis Ende des Jahres 100 Stellen besetzen. Auch das Unternehmen Crytek, das mit dem Shooter Crysis Spieler begeistert und Medienwächter auf den Plan ruft, ist auf dem Jobforum vertreten.

"Natürlich hat auch die Spielebranche unter der Wirtschaftskrise zu leiden", sagt Forum-Organisator Heiko Klinge. "Allerdings ist der deutsche Spielemarkt trotz Krise 2008 noch um fünf Prozent gewachsen."

Jeden Berufseinsteiger nehmen die Firmen deswegen aber nicht. Selbst ein Abschluss an einer Privatuniversität wie der Berliner "Games Academy", die monatliche Studiengebühren von 800 Euro verlangt, garantiert keinen Job. "Es gibt kaum eine Branche, in der Noten so wenig zählen", sagt Heiko Klinge. "Wichtiger als die Ausbildung ist das eigene Portfolio. Habe ich schon mal an einem Fan-Projekt mitgearbeitet, habe ich schon mal ein Level gebaut, ist meine Mappe gut?"

Eine weitere Voraussetzung sind Praktika. "In der Spielebranche bedeutet ein Praktikum nicht Kaffeekochen, sondern die konkrete Mitarbeit an einem Projekt", sagt Klinge. Hier sieht er die Universitäten gegenüber den Privatschulen im Vorteil, weil sie Praxissemester anbieten. Allerdings werden Studiengänge mit Schwerpunkt Computerspiele bis heute nur an wenigen Universitäten gelehrt, etwa in Darmstadt, Magdeburg oder Regensburg.

Auch dass es keine klar abgegrenzten Berufsbilder gibt, bereitet der Branche Schwierigkeiten. Für Schulabgänger und Quereinsteiger ist die Vielzahl an Ausbildungswegen verwirrend. Die "Games Academy" listet alleine 14 mögliche Jobs auf, vom Programmierer über den Grafikdesigner bis zum "Localisation Manager", der sich um die Übersetzung der Spielinhalte in verschiedene Sprachen kümmert. Die Grenzen zwischen diesen Jobprofilen sind fließend, etwa beim "Produktmanager", der an Entwicklung und Vermarktung gleichermaßen beteiligt ist.

Leser-Kommentare
  1. 1. Mhhh..

    Ich habe in diesem Bereich völlig andere Erfahrungen. Dumping Löhne wir sonst nirgendwo in der gesamten IT Branche, jeder zweite Arbeitgeber geht vor Ende eines Projekts plötzlich pleite oder wird verkauft - darüberhinaus wird gut 90% der Programmierarbeit im Games-Bereich in Weissrussland gemacht.

    Jungen Leuten diese Branche anzupreisen ist etwa genauso sinnvoll wie die Empfehlung heutzutage Ton-Ingenieur zu werden.

    Dieser Artikel ist aus meiner Sicht reine PR für ein dubioses Job-Forum. Keine der geschilderten "Tatsachen" treffen meiner Erfahrung nach zu.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich kenne die Branche, und der Autor hat wohl diverse PR-Meldungen zu unkritisch übernommen.

    Ich kenne die Branche, und der Autor hat wohl diverse PR-Meldungen zu unkritisch übernommen.

  2. um Spiele zu übersetzen? Das wäre wohl mit Kanonen auf Spatzen zu schießen. Dass jemand im IT-Bereich etwas von Marketing verstehen sollte, ist sicher nicht falsch, wenn es vor allem ums Verkaufen geht. Wenn er aber tatsächlich selber Marketing machen müsste - Marketing-Leute sind ja echt Mangelware - wäre vollkomene Verschwendung.

    • kkr
    • 22.08.2009 um 19:29 Uhr

    selbst das für Programmierer ist nicht so dolle, dass man dort anfangen will. Vor allem gibt es auch übelsten Druck und hohe Arbeitsbelastung zT auch am Wochenende. Da ist schon ein wenig Motivation oder Naivität gefragt.

    Selbst als Programmierer ist man woanders besser aufgehoben...

    PS: ich kann das beurteilen

  3. Ich kenne die Branche, und der Autor hat wohl diverse PR-Meldungen zu unkritisch übernommen.

    Antwort auf "Mhhh.."
  4. Die Firmen sind in erster Linie auf der Messe vertreten, um sich zu präsentieren.
    Da macht es sich natürlich gut, wenn man viele Leute sucht, denn das signalisiert Erfolg, Wachstum und gute Zukunftsaussichten.

    Auf potentielle Vertragspartner wirkt das besser als wenn es aussieht, als habe ein Unternehmen Schwierigkeiten und als müsse in Betracht gezogen werden, dass es das Unternehmen in ein bis zwei Jahren gar nicht mehr gibt.

    Stellengesuche gehören heutzutage auch zur PR.

    Dass es dann so schwierig ist, die vielen Stellen zu besetzen, zeigt, wie dringend neue Mitarbeiter tatsächlich gebraucht werden.

  5. Ich habe noch nie auf Zeit.de einen Artikel gelesen, der in seiner Aussage so falsch ist wie dieser. Etwas Recherche hätte hier ganz andere Erkenntnisse zu Tage gefördert, ohne das es Pulitzer-Preis-verdächtige Ausmaße angenommen hätte. Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen. Gerade in Deutschland, wo Tätigkeiten die irgendetwas mit 3D/ Animation/Grafik/etc. zu tun haben, nichts kosten dürfen, weil es ja soviel Spaß macht (und für Spaß kann man ja nicht noch zahlen...), ist es grob fahrlässig jungen Menschen einzureden, sie hätten in dieser Branche eine Zukunft.
    Mit der steigenden Komplexität von Computerspielen werden in der Tat immer mehr Arbeitskräfte pro Projekt benötigt, jedoch mit der Konsequenz, das sich eine Auslagerung wesentlicher Teile der Produktion (bzw. der gesamten Produktion) zu unseren osteuropäischen Nachbarn - oder gleich nach Asien - noch mehr lohnt. Niemand braucht studierte 3D-Grafiker oder Game-Designer. Es zählen einzig und allein die individuellen Fähigkeiten kongruent zum jeweiligen Projekt.

  6. wer will schon gerne in einer Branche arbeiten, in der die nächste schwachsinnige Gesetzesinitiative irgendwelcher populistischer Politiker einem nicht nur den aktuellen Arbeitsplatz, sondern auch jedwede weitere Beschäftigungsmöglichkeit kosten kann? Stichwort: "Killerspiel"-Verbot.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service