Projekt Microsoft Natal Alles unter Kontrolle

Microsoft will mit seinem "Project Natal" das Spiel-Erleben revolutionieren: Der menschliche Körper ist der Controller. Doch die Konkurrenz schläft nicht

Autorennen fahren sieht mit "Natal" so aus

Autorennen fahren sieht mit "Natal" so aus

"All you need ist life experience": Alles was du brauchst, ist Lebenserfahrung. Wenn es nach Alex Kipman geht, wird die Videospielwelt bald eine Revolution erleben. Kipman ist der Mann hinter "Project Natal", einer neuen Steuerung für Microsofts Spielkonsole Xbox 360. Sie soll die Handhabung von Videospielen gänzlich intuitiv machen. Kein nervöses Knöpfchendrücken mehr, kein wildes Wackeln mit dem Analog-Stick: "Project Natal" verzichtet auf herkömmliche Gamecontroller. An ihre Stelle treten Gesten, Gesichtsausdruck und Stimme des Spielers.

Was ein bisschen nach Zauberei klingt, ist tatsächlich die clevere Kombination bereits bestehender Technologien. Die Hardware dafür verbirgt sich in einem nur etwa zwanzig Zentimeter breiten Gehäuse, das an die Xbox angeschlossen wird. Das Wunderkästchen enthält unter anderem eine 3D-Tiefenkamera. Mit ihr analysiert Natal den Raum vor der Konsole; jede Person, die sich in der Nähe befindet, wird registriert. Die Kamera scannt den Körper und erstellt daraus ein dreidimensionales Modell ("Sceletal Mapping").

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Wie sich die Person bewegt, erkennt Natal an der Verschiebung der Knochen ("Motion Capturing"). Auch den Gesichtsausdruck des Spielers analysiert das System. Darüber hinaus untersucht es mit einem Mikrofon die Spielerstimme auf Melodik, Tonhöhe und andere Faktoren. Aus diesen Puzzleteilen soll zuverlässig die Grundstimmung der Person erkannt werden. Das Spiel reagiert dann sowohl auf die Bewegungen als auch auf die Emotionen des Spielers.

"Project Natal" sorgte bei seiner Enthüllung Anfang Juni für großes Aufsehen. Spieledesigner Peter Molyneux verblüffte mit seinem Computergeschöpf "Milo": Der virtuelle Dreikäsehoch reagiert mit Hilfe der Technik auf Aussagen und Emotionen des Spielers. Zwar kann "Milos" künstliche Intelligenz nur einfachste Sätze entziffern. Doch das Beispiel zeigt, welche Möglichkeiten in der Technologie stecken.

Wann Natal fertig werden könnte, darüber schweigt sich Microsoft aus. Auf Europas größter Spielemesse Gamescom in Köln war das Projekt dem Unternehmen nur eine Randnotiz wert. Man arbeite an der Fertigstellung, sagte Peter Molyneux zum Messeauftakt. Aber auch ein künftiger Marktkonkurrent ist in Köln nicht zu sehen: Der "Motion Controller" für die Playstation 3, mit dem sich Sony erst kürzlich gegen Microsoft positioniert hatte. Mit diesem System werden die Bewegungen des Spielers, ähnlich wie bei Natal, in 3D und Echtzeit ins Spielgeschehen übertragen. In einem Demo-Video verwandelt sich der Stick wahlweise in einen Tennisschläger, ein Schwert oder eine Taschenlampe nebst Lichtkegel.

Von einem Trend zu sprechen, ist sicher nicht verkehrt – die Revolution wird aber noch ein Weilchen auf sich warten lassen. Unterdessen scheffelt Nintendo mit seiner beliebten Wii-Konsole weiter Geld. Erst im Juni hat das japanische Unternehmen mit der "Wii MotionPlus" ein Zusatzmodul herausgebracht, das die Handbewegungen des Spielers sehr viel genauer aufzeichnet, als es der Standardcontroller "Wiimote" konnte. Die Verbesserung dürfte der Wii einen weiteren Absatzschub geben.

Dennoch glaubt Microsoft, mit Natal die Nintendo-Dominanz brechen und gleichzeitig Sony in Schach halten zu können. Dass die "greifbaren" Controller irgendwann vollständig vom Markt verschwinden, glaubt aber selbst Natal-Schöpfer Kipman nicht. Er spricht von "Hybrid-Spielen", die beide Systeme nutzen: Natal für die Bewegungen, einen Controller nur für bestimmte Spielhandlungen.

Leser-Kommentare
  1. Sowohl hier wie auch in den "Fachmagazinen" und den meisten Blogs im Netz bleibt ein entscheidendes Detail verschwiegen, mit dem Natal große Schwierigkeiten bekommen wird: Es ist extrem schwer, auf einem Fleck halbwegs natürliche Laufbewegungen auszuführen.
    Das ist auch der Grund dafür, weshalb sämtliche Demos, die zur Vorführung der Technologie in Anschlag gebracht wurden, mit festem Spielerstandort operierten. Seien es nun Rennspiele, Kampfsportvarianten oder "Milo", dessen Kamera ohne Eigenbewegung des Spielers dem Kind folgte.

    Die Technologien Nintendos und Sonys haben dieses Problem nicht, weil sie sich nicht vornehmen, den gesamten Körper abzubilden. Das macht sie kostengünstiger, gleichzeitig aber weniger flexibel. Hinzu kommt: Wer der Begeisterung für Nintendos Wii nachzugehen versucht und bald festgestellt hat, dass sämtliche Bewegungen äußerst bequem vom Sofa und mit minimalem Aufwand ausgeführt werden können, weil eben nur der Controller bewegt werden muss, der hat das ganze bald als nicht mehr so spaßig und aufregend empfunden.

    Ich habe starke Zweifel, dass Project Natal das obige Problem bald überwinden wird. Alle Lösungen, die man sich für die Eigenbewegung oder das "Umsehen" im virtuellen Raum vorstellen kann, werden 'verstümmelte' Körperbewegungen erfordern, die das Spielerlebnis schmälern. Dann doch lieber die wirklich wirkliche Welt erkunden...

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    Man muss ja nicht zwanghaft jedes Spiel auf Natal ausrichten. Quake wäre ziemlich unlustig. Aber z.B. Strategiespiele stelle ich mir traumhaft vor: Vor dem Fernseher stehen und eine Geländekarte mit den Händen drehen, Einheiten mit 'nem Fingerzeig aktivieren und von hü nach hott schicken. Geschicklichkeits/Kombinatinsspiele würden mit Natal, sofern es denn in der Lage ist präzise zu arbeiten, viel reizvoller als zuvor werden. Aber Mass Effect 2 könnte ich mir damit auch nicht vorstellen. Ich bin sehr gespannt.

    lG

    Man muss ja nicht zwanghaft jedes Spiel auf Natal ausrichten. Quake wäre ziemlich unlustig. Aber z.B. Strategiespiele stelle ich mir traumhaft vor: Vor dem Fernseher stehen und eine Geländekarte mit den Händen drehen, Einheiten mit 'nem Fingerzeig aktivieren und von hü nach hott schicken. Geschicklichkeits/Kombinatinsspiele würden mit Natal, sofern es denn in der Lage ist präzise zu arbeiten, viel reizvoller als zuvor werden. Aber Mass Effect 2 könnte ich mir damit auch nicht vorstellen. Ich bin sehr gespannt.

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  2. die spiele sind bald so gut, daß man genauso gut vor die tür gehen kann und es in echt machen kann und keiner merkt den unterschied . . .
    hat eigentlich RL immer noch die beste graphik oder wurde das auch schon getoppt?
    ;-)

  3. Man muss ja nicht zwanghaft jedes Spiel auf Natal ausrichten. Quake wäre ziemlich unlustig. Aber z.B. Strategiespiele stelle ich mir traumhaft vor: Vor dem Fernseher stehen und eine Geländekarte mit den Händen drehen, Einheiten mit 'nem Fingerzeig aktivieren und von hü nach hott schicken. Geschicklichkeits/Kombinatinsspiele würden mit Natal, sofern es denn in der Lage ist präzise zu arbeiten, viel reizvoller als zuvor werden. Aber Mass Effect 2 könnte ich mir damit auch nicht vorstellen. Ich bin sehr gespannt.

    lG

  4. Natal ist eine nette Idee. Ich habe auch eine Xbox 360 und werde mir Natal auf jeden Fall holen, sobald es auf den Markt kommt. Aktuellen Schätzungen zufolge wird das übrigens Ende 2010 soweit sein.

    Ich glaube aber, dass die Begeisterung und Vorfreude vieler Xbox 360-Besitzer nach dem Erscheinen schnell einer gewissen Ernüchterung weichen wird. Aus folgenden Gründen:

    1. Natal braucht viel Platz, mehr Platz als viele haben. Damit Natal beispielsweise den ganzen Körper erfassen kann, muss man so weit von Natal entfernt stehen dass die eingebaute Kamera den gesamten Körper von Kopf bis Fuss "sieht".
    Egal welches Natal-Demovideo man sich beispielsweise anschaut: man sieht riesige Räume, in denen sich der Spieler 3-4 Meter vom Fernseher entfernt befindet und trotzdem nichts herumsteht das ihn behindern könnte. Viele Wohnzimmer mögen dafür durchaus gross genug sein - Xbox 360-Besitzer sind der Statistik nach aber fast ausschliesslich Jungs zwischen 11 und 17 Jahren. Und die haben üblicherweise kein riesiges halbleeres Wohnzimmer, sondern nur ein kleines Kinderzimmer in dem jeder Quadratmeter bestmöglich ausgenutzt wird. Und dort steht auch die Xbox 360, weil die Jungs keine Lust haben ihre Xbox 360 im Wohnzimmer zu spielen wo Vater merkt dass sie ihre Freizeit fast ausschliesslich mit dem Töten virtueller Gegner verbringen, oder Mutter just dann eine ihrer Telenovelas sehen will wenn man nur noch 300 Gegner abschlachten muss bis man zum Endboss des aktuellen Levels kommt.

    2. Bei realistischer Betrachtung muss man sagen, dass Natal im Grunde nur ein besseres PlayStation EyeToy (= eine Webcam mit eingebautem Mikrofon) ist. Natal kann bis zu einem gewissen Grad auch Tiefeninformationen erfassen, das ist aber auch schon der einzige echte Vorteil, und es gibt einfach nur wenige Spielkonzepte die erst durch diese Tiefeninformationen möglich werden. Somit wird es für Natal nur wenige Spiele geben, die nicht auch grundsätzlich mit Sonys EyeToy möglich wären - es gibt aber nur sehr wenige Spiele die das EyeToy nutzen.

    3. Die meisten Leute wollen sich bei einem Computerspiel gar nicht grossartig bewegen. Gerade Xbox 360-Besitzer zählt man zu den Hardcore-Gamern, die viele Stunden am Stück spielen und dafür bislang faul auf dem Sofa lagen und nur ein paar Finger bewegten. Die wollen nicht von nun an stundenlang am Stück mit vollem Körpereinsatz durchs Zimmer hampeln.

    4. Es gibt auch kaum Computerspiele, bei denen man eine controllerlose Steuerung mit Natal einer Steuerung mit Controller vorziehen wird. Der Controller reagiert einfach schneller, genauer, und macht es durch seine vielen Knöpfchen leichter, schnell zwischen einer Vielzahl von Aktionen auszuwählen.

    5. Natal zielt ganz klar auf Casual Gamer, dabei ist die Xbox 360 DIE Hardcore-Gamer-Konsole schlechthin. Wie erfolgreich Natal wird, dürfte daher stark davon abhängen wie gut Microsoft es schafft mit der Xbox 360 eine völlig andere Zielgruppe als bisher anzusprechen.

    Meine Prognose:
    Natal wird zwar ein Erfolg, die Leute werden aber schnell einsehen dass Natal nicht zum Standard-Eingabegerät und der Controller überflüssig wird, sondern dass Natal nur bei einer kleinen Zahl von Casual-Games wirklich Sinn macht. Natal wird ein paar richtig gute Sport-/Fitness-spiele ermöglichen, ideal für Leute die etwas wie Wii Fit suchen um zuhause ein paar Kalorien zu verbrennen. Ausserdem wird es ein paar sehr lustige Minispielsammlungen für gesellige Runden geben.
    Die meisten anderen Spiele hingegen werden Natal gar nicht oder nur für kleine Gimmicks zwischendurch benutzen.

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