Das Geschäft ist pleite! Die Angst vor einer Insolvenz ist groß. Allein bis Mai mussten 13.354 Unternehmen aufgeben. Tendenz steigend. "Scheitern ist auch eine Chance, wenn man aus den Fehlern lernt", sagt einer, der die Firmenpleite erlebt hat. Dabei hatte 1992 alles gut angefangen: Joachim Niering aus Krefeld war aufgefallen, dass es Bedarf an Porzellanreparatur gab und wenige Unternehmen, die diese Dienstleistung anboten. Der Pädagoge entwickelte eine Geschäftsidee: Als Franchisegeber stattete er Gründer mit dem kaufmännischen und technischen Know-how zur Porzellanreparatur aus und ermöglichte ihnen so den Aufbau einer eigenen Existenz. Das notwendige Kapital für sein Franchise-Unternehmen nahm er aus seinem Privatvermögen.

Heute sagt der 52-Jährige, dies sei sein erster Fehler gewesen. "Man hatte mich gewarnt. Aber ich hielt meine Idee für so gut." Jetzt sagt er: "Selbst beste Ideen brauchen Vorlaufzeit – und das kostet eben viel Geld!"

Das Geschäft lief nur wenige Jahre gut. Niering gab sein Wissen, die Franchisenehmer monatlich ihre Lizenzgebühren. Dann geschah etwas, womit Nierig nicht gerechnet hatte: Die Lizenznehmer machten sich unabhängig. Die Gebühreneinnahmen fehlten, Gerichtsprozesse folgten. Niering sah sich vor dem Aus. Er stellte einen Insolvenzantrag, dann sanierte er die Firma mit der Hilfe eines Insolvenzplans. Das war teuer. Der Unternehmer musste Kredite aufnehmen.

"Eine Insolvenz kann ein neuer Anfang sein", sagt Hildegard Allemand. Die Fachanwältin für Insolvenzrecht in Köln: "Vollstreckungsmaßnahmen der Gläubiger sind dann nicht mehr möglich und ein Betrieb kann fortgeführt werden." Allerdings müssten zur Eröffnung des Verfahrens noch genügend Werte übrig sein, um zumindest die Kosten des Verfahrens zu decken.

Bei Joachim Nierig war das der Fall, und nach vier Jahren Durststrecke war der Rettungsplan erfüllt. Der Unternehmer glaubte, das Franchisesystem wieder aufbauen zu können. Er scheiterte abermals. Heute räumt er Fehler ein: "Ich habe krampfhaft an einer Idee festgehalten, die früher mal funktioniert hat, statt etwas Neues zu wagen." Jetzt war die Firmenpleite unabwendbar. Und jetzt kam auch noch eine private Insolvenz dazu. Der Unternehmer verlor fast alles und erkrankte schwer. Gleichzeitig nahm er die Pleite auch als Befreiung wahr.

Mit einem Insolvenzverfahren ist eine Restschuldbefreiung verbunden. "Das ist eine Erleichterung", erklärt Anwältin Allemand, "denn die Mahnschreiben und Anrufe der Gläubiger, der Inkassounternehmen und die Besuche des Gerichtsvollziehers hören endlich auf. Die Betroffenen müssen allerdings sechs Jahre lang ihr pfändbares Einkommen abführen, es besteht grundsätzlich eine Arbeits- und Auskunftspflicht. Nach sechs Jahren wird durch einen Gerichtsbeschluss die Restschuldbefreiung erteilt."

Dem ehemaligen Unternehmer Nierig geht es heute wieder besser. Jetzt gibt er seine Erfahrungen als Berater für Unternehmen und Privatpersonen weiter, die es besser machen. "Man muss sich klar machen, dass die Insolvenz zwar ein ökonomischer, aber kein menschlicher Zusammenbruch ist und nicht das ganze Leben beeinflussen darf."

Auch dann, wenn man beispielsweise als Geschäftsführer einer GmbH für die Verbindlichkeiten der GmbH persönlich bürgen muss. Die Insolvenzanwältin Allemand warnt Unternehmer davor, gerade in diesem Fall die Firma um jeden Preis retten zu wollen und die Insolvenz zu verschleppen. Dies ist strafbar. Auch wer haftet, hat eine Perspektive: Über den Weg einer Privatinsolvenz bekommen auch Geschäftsführer von verschuldeten GmbHs eine Restschuldbefreiung.