Terror im Irak Bagdad regiert politisch ignorant

Mit dem Abzug der US-Kampftruppen nimmt der Terror gegen die Schiiten drastisch zu. Der Hauptgrund: Die Sunniten sehen sich im neuen Machtgefüge an den Rand gedrängt

Im Irak geht erneut die Angst um. Vor sechs Wochen noch hatte die Bevölkerung den Abzugstermin der amerikanischen Kampftruppen aus ihren Städten zum Nationalfeiertag gemacht. Die letzten im Zweistromland stationierten britischen Soldaten sind inzwischen ganz nach Hause gefahren.

Endlich, sechs Jahre nach der Invasion der „Koalition der Willigen“, fühlten sich die Iraker auf dem Weg in eine selbstbestimmte Zukunft – und fanden sich nun jäh zurück auf dem Boden der Tatsachen: Großbomben im Herzen der Hauptstadt, zwei Ministerien in Trümmern, Hunderte Tote und Verletzte, Woche für Woche Serienterror gegen schiitische Moscheen und Marktplätze. Sogar ein ganzes Dorf mitsamt seiner Bewohner wurde dem Erdboden gleich gemacht, der US-Botschafter entging nur um ein Haar einem fern gezündeten Sprengsatz.

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Der amerikanische Präsident Barack Obama will das Thema Irak möglichst schnell zu den Akten legen. Nur noch raus, je eher, desto besser – ohne dass das Land im Chaos versinkt, bleibt auch nach der Groß-Attacke am Dienstag die Devise im Weißen Haus. In Afghanistan die Taliban bekriegen, in Pakistan die innere Lage stabilisieren und Iran an der Atombombe hindern, darin sieht die Administration ihre künftigen Prioritäten in der turbulenten Region.

Darum hofft man in Washington, dass die irakische Führung nun aufwacht und ihr stolzes Pochen auf irakische Souveränität endlich mit entsprechenden Taten untermauert. Denn Bagdad mangelt es an politischer Weitsicht, an Kompetenz und Verantwortungsgefühl sowie an Disziplin. Die Sicherheitskräfte haben zwar 750.000 Mann unter Waffen und sind seit Jahren von US-Ausbildern gedrillt. Doch auf sich gestellt agieren sie nachlässig, ohne Eigeninitiative und vielfach auch korrupt.

Die mit viel Pomp in Bagdad inszenierte Versteigerung der ersten acht Öl- und Gaslizenzen, die endlich die nötigen Infrastrukturmittel in die Staatskasse spülen sollten, endete als totaler Fehlschlag. Fast alle großen Energiekonzerne der Welt reisten verärgert ab. Die größte Hypothek für die Zukunft jedoch liegt in den ungelösten Spannungen zwischen den Bevölkerungsgruppen und Regionen. Jeder hat mit jedem noch gefährliche Rechnungen offen – nur die schiitisch dominierte Regierung tut wenig, um die Konflikte politisch zu entschärfen.

Leser-Kommentare
  1. "Endlich, sechs Jahre nach der Invasion der „Koalition der Willigen“, fühlten sich die Iraker auf dem Weg in eine selbstbestimmte Zukunft" -- das ist doch wohl ein Witz!
    Im Land herrscht(?)/ existiert eine durch die USA installierte Regierung, vorwiegend aus Schiiten bestehend. Das Land wird in einen Bürgerkrieg abdriften, von dem später auch der Norden erfasst werden wird.

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