Iran
Geständnis im Schauprozess
Der Druck des iranischen Regimes zeigt Wirkung: Einer der führenden Reformer hat sich vor Gericht umfassend schuldig bekannt. Ihm droht die Todesstrafe
In dem umstrittenen Schauprozess vor dem Revolutionsgericht in Teheran hat der Vertreter der Anklage jetzt erstmals "die maximal mögliche Strafe" für die vor Gericht stehenden Mitglieder der Reformbewegung gefordert. Zuvor hatte einer der prominentesten Mitarbeiter des früheren Präsidenten Mohammed Chatami, Saeed Hajjarian, ein "umfassendes Geständnis" abgelegt und sich von seiner jahrzehntelangen politischen Arbeit distanziert.
Den Angeklagten wird vorgeworfen, die Unruhen nach den Präsidentschaftswahlen angestachelt und einen "sanften Putsch" geplant zu haben. Ihnen droht die Todesstrafe. Der Opposition und den Familien der Gefangenen zufolge wurden alle Geständnisse durch Folter und Isolierhaft erpresst.
Saeed Hajjarian bekannte sich im Sinne der Anklage schuldig. Er habe mit falschen Analysen über die Wahl "schwere Fehler gemacht", heißt es in seinem Geständnis. Er bat das iranische Volk um Verzeihung und erklärte, seine früheren Ideen "widersprechen dem Weg des Imams", gemeint ist der verstorbene Revolutionsführer Ajatollah Chomeini.
Hajjarian genießt im Lager der Reformer großes Ansehen, weil er Ende der neunziger Jahre eine mysteriöse Mordserie an iranischen Intellektuellen aufklärte und nachweisen konnte, dass die Spur der Täter ins Geheimdienstministerium führte. Als Rache wurde gegen ihn im Jahr 2000 ein Mordanschlag verübt, den er knapp überlebte. Seitdem ist er teilweise gelähmt und kann nur schwer sprechen.
Der prominente 55-jährige Reformer wurde nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Irna von zwei Männern in den Gerichtssaal getragen, sein Geständnis von einem Vertrauten verlesen. Seine Frau hatte ihn einmal Ende Juli im Gefängnis besuchen dürfen und berichtet, ihr Mann habe während der ganzen Zeit geweint. Ständig seien mehrere Beamte um sie herum und eine Kamera auf sie beide gerichtet gewesen, sodass ihr Mann nicht habe frei sprechen können.
Mit Hajjarian standen am Dienstag vor Gericht auch der frühere stellvertretende Außenminister Mohsen Aminsadeh, der einstige stellvertretende Innenminister Mostafa Tajzadeh und der ehemalige Regierungssprecher Abdollah Ramezanzadeh sowie der Publizist Saeed Laylaz und der amerikanisch-iranische Wissenschaftler Kian Tajbakhsh.
Unterdessen hat der vormalige Präsidentschaftskandidat Mehdi Karroubi die erste Zeugenaussage eines jungen Mannes auf seiner Website veröffentlicht, der angibt, im Polizeigefängnis Kahrizak vergewaltigt worden zu sein. Karroubi machte klar, er werde fortan weitere Berichte ins Netz stellen, wenn die Justizorgane nicht aufhörten, diese Fälle zu leugnen. "Sie haben mir im Gefängnis die Augen verbunden, mich gefesselt und fast zu Tode geprügelt", heißt es in dem Text des jungen Mannes. "Danach haben sie mir etwas angetan, was selbst bei Ungläubigen und Götzenverehrern verabscheut wird."
Als Reaktion darauf installierte Parlamentspräsident Ali Laridschani, der zunächst die Vergewaltigungsvorwürfe Karroubis als "nicht belegt" abgetan hatte, eine parlamentarische Untersuchungskommission unter der Leitung des Abgeordneten Kazem Jalali. Sie will die bisher vier Zeugen, die sich bei Karroubi gemeldet haben, anhören. Nach Angaben von Jalali zögern die jungen Leute jedoch, weil sie um ihre persönliche Sicherheit fürchten.
- Datum 2.9.2009 - 16:38 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE 25.8.2009
- Kommentare 8
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Kann sein, sie sagen nicht aus. Dann wird Karrubi als Lügner hingestellt.
Kann sein, sie sagen aus. Kann sein, dass man sie danach wieder verhaftet. Nach ein paar Tagen tauchen sie im Gerichtssaal auf, widerrufen alles und bitten beim Volk um Entschuldigung.
...
Ich frage mich, ob dieses Gespann Chamenadi überhaupt noch über den Moment hinausdenkt. Wenn ja, werden sie wohl die förmliche Diktatur anstreben - müssen, denn spätestens jede weitere Wahl (oder "Wahl") wäre ihr Untergang.
Journalisten schreiben weiter Briefe, Ätzte auch, Lehrer auch. Studenten sowieso. Kann man wirklich Alle verhaften?
Ich glaube nicht, dass dieses Gespann überhaupt denken kann, wenn sie einen vorwerfen er sei Mitglied einer terroristischen Gruppe, dessen Vater von dieser Gruppe umgebracht wurde. Der Man heißt Beheshti. Sein Vater wurde von Mojahedin in einem Anschlag getötet.
[Ein deutschsprachiges Blog über den Iran: http://dustandtrash.blogspot.com]
Es reicht nun nicht mehr den Gegner zu besiegen, ob mit rechtlichen Mitteln oder ohne. Man will jegliches Aufbäumen der Gesellschaft im Keim ersticken und das möglichst auf Jahre. Ich möchte nicht sarkastisch sein, aber wir sehen hier den Wahlkampf der Regierung für die nächsten "Wahlen" (das darf man ruhig mit Apostroph setzen).
Dafür wird das Mittel der Demütigung und gezielten Ausschaltung von Oppositionspolitikern eingesetzt. Entweder man tötet sie oder man lässt sie ihr Gesicht vor sich selbst und noch wichtiger, vor der Gesellschaft verlieren. Die nächsten Wahlen sollen von ihnen um keinen Preis mehr negativ beeinflußt werden.
Das ist Entmenschlichungspolitik. Oder wie man es auch nennen mag. Ich würde gerne wissen wie sich Regimertreue dieses Mal die Sache schmackhaft reden!
denken sie auch nicht, dass dieser Schauprozess eher dass Image der Regierung schadet? Diese Gerichtsshows sind ja wirklich zu lächerlich, dass man sie ernst nehmen könnte.
Negative Wirkung haben sie aber auf die wirklich religiöse Regierungstreue Bevölkerung, da sie so widerlich sind, dass sogar die konservative Groß-Ajatollahs nicht mehr unkritisch bleiben können.
[Ein deutschsprachiges Blog über den Iran: http://dustandtrash.blogspot.com]
Journalisten schreiben weiter Briefe, Ätzte auch, Lehrer auch. Studenten sowieso. Kann man wirklich Alle verhaften?
Ich glaube nicht, dass dieses Gespann überhaupt denken kann, wenn sie einen vorwerfen er sei Mitglied einer terroristischen Gruppe, dessen Vater von dieser Gruppe umgebracht wurde. Der Man heißt Beheshti. Sein Vater wurde von Mojahedin in einem Anschlag getötet.
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denken sie auch nicht, dass dieser Schauprozess eher dass Image der Regierung schadet? Diese Gerichtsshows sind ja wirklich zu lächerlich, dass man sie ernst nehmen könnte.
Negative Wirkung haben sie aber auf die wirklich religiöse Regierungstreue Bevölkerung, da sie so widerlich sind, dass sogar die konservative Groß-Ajatollahs nicht mehr unkritisch bleiben können.
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Ich hoffe, dass die Schauprozesse diese Wirkung haben, fürchte aber, dass sie eher ihr eigentliches Ziel erreichen: Die große Masse einzuschüchtern die dann dem Folter und Menschrechtverachtenden Regime freie Hand lässt.
Solche Schauprozesse gab es auch in Europa einmal. Sie waren auf ähnlichem Niveau wie hier beschrieben und unfassbar Menschenverachtend.
Ich hatte gehofft, dass sowas heute nicht mehr möglich wäre, habe mich aber wohl leider geirrt. Amrer Iran.
Dafür sind Schauprozesse doch da! Wozu hat man sie sonst? Bei Stalin war das auch immer so. Dafür sorgen Leute wie Beria.
sagten schon während der Aufstände, dass man ihren Aussagen in den zu erwartenden Prozessen nicht glauben solle, dass sie dann immer mit Folter erpresst worden seien. Es ist widerlich!
Es auch nur als Möglichkeit anzunehmen, dass jemand seine jahrzehntelange Tätigkeit, die ihm Anerkennung und Achtung einbrachte, so in den Dreck ziehen würde, ist ein schäbiger "Witz".
Ich fühle mit den Opfern dieser Folterungen.
Ich hoffe, dass die Schauprozesse diese Wirkung haben, fürchte aber, dass sie eher ihr eigentliches Ziel erreichen: Die große Masse einzuschüchtern die dann dem Folter und Menschrechtverachtenden Regime freie Hand lässt.
Solche Schauprozesse gab es auch in Europa einmal. Sie waren auf ähnlichem Niveau wie hier beschrieben und unfassbar Menschenverachtend.
Ich hatte gehofft, dass sowas heute nicht mehr möglich wäre, habe mich aber wohl leider geirrt. Amrer Iran.
Deren Ziel kann ich leider nicht wissen.
Angst haben die Menschen sowieso wegen der Straßenschlachten. Angst haben die Menschen seit Jahren vor ihnen. Nur war der Wut größer und kann mit solchenn Sachen nur noch Größer werden. Deshalb schätze ich das ganze als einen Fehler ein. Vielleicht bin ich zu optimistisch, aber ein Dikator der keinen Fehler macht stürzt ja nicht! Ich hoffe auch dass ich recht habe. :)
[Ein deutschsprachiges Blog über den Iran: http://dustandtrash.blogspot.com]
Deren Ziel kann ich leider nicht wissen.
Angst haben die Menschen sowieso wegen der Straßenschlachten. Angst haben die Menschen seit Jahren vor ihnen. Nur war der Wut größer und kann mit solchenn Sachen nur noch Größer werden. Deshalb schätze ich das ganze als einen Fehler ein. Vielleicht bin ich zu optimistisch, aber ein Dikator der keinen Fehler macht stürzt ja nicht! Ich hoffe auch dass ich recht habe. :)
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