Bankenrettung Ein Parlamentsretter namens HRE-Ausschuss
38 Zeugen in 22 Sitzungen: Die Arbeit des HRE-Ausschusses ist beendet. Die Untersuchung war dringend notwenig und weit mehr als überflüssiges Wahlkampfgetöse
Zigtausende von Aktenseiten mussten kopiert und gelesen werden. 38 Zeugen wurden in 22 Sitzungen befragt. Und anstatt Sommerferien gab es für die meisten Beteiligten nur harte Arbeit. Mit einem enormen Kraftakt haben elf Abgeordnete des Bundestages so versucht, binnen weniger Monate Aufklärung über einen ungeheuerlichen Vorgang zu leisten: die Rettung der Großbank Hypo Real Estate und damit des gesamten Finanzsystems mittels staatlicher Garantien in Höhe von 87 Milliarden Euro und der anschließenden Verstaatlichung zum Preis von voraussichtlich zehn Milliarden Euro.
Nein, einen Skandal im klassischen Sinn hat der Untersuchungssausschuss nicht aufgedeckt. Weder Finanzminister Peer Steinbrück noch seine Mitarbeiter oder die Bankenaufseher haben gegen Recht und Gesetz verstoßen.
Gleichwohl war die Untersuchung keineswegs überflüssiges Wahlkampfgetöse der Oppositionsparteien, wie SPD-Abgeordnete in blinder Vasallentreue zu ihrem Minister verbreiten ließen. Im Gegenteil, erst durch die Arbeit der parlamentarischen Aufklärer kam heraus, dass die von Steinbrück als "bewährt" gepriesene Bankenaufsicht gefährliche Schwachstellen hat und die Regierung aus ideologischer Verblendung heraus teure Fehler machte.
So wussten die Aufseher das ganze Jahr 2008 anhand der von ihnen selbst angestellten Untersuchungen, dass das wachsende Misstrauen am Interbankenmarkt die HRE zu Fall bringen würde. Aber sie konnten nicht eingreifen, weil sie riskante Geschäftsmodelle nicht untersagen dürfen – ein Umstand, den selbst der frühere Chef des Bankenverbandes vor dem Ausschuss dringend reformbedürftig nannte.
Heraus kam auch, dass die Regierung viel zu lange auf eine "privatwirtschaftliche Lösung" für die HRE setzte und deshalb im entscheidenden Moment, als ohne Staatshilfe nichts mehr ging, unvorbereitet war. Darum gab sie Garantien in Höhe von 35 Milliarden Euro für ein Unternehmen, das schon drei Monate später fünf Milliarden Euro Verlust buchen musste, so dass nur noch die Verstaatlichung das Fälligwerden der Garantien verhindern konnte.
Widerlegt wurde schließlich auch die dreiste Propagandalüge, dem Minister und der Kanzlerin sei es durch ihre kühle Verhandlungstaktik gelungen, die übrige Finanzwirtschaft an den Kosten für die HRE-Sanierung zu beteiligen. Genau das Gegenteil ist richtig. Über die vom Staat garantierten Notkredite werden gerade jene Banken und Versicherungen, deren Einlagen in Höhe von 30 Milliarden Euro bei der HRE durch die Rettung gesichert wurden, noch einmal 300 Millionen Euro Zinsgewinne erzielen.
Mit anderen Worten: Die Hauptbegünstigten, die Gläubiger der überschuldeten HRE, zahlen keinen Cent für deren Sanierung, sondern verdienen noch daran. Das ist die Perversion von Marktwirtschaft und das Ergebnis, wenn die Regierung inmitten der weltgrößten Finanzkrise die Führung einem Kartell von Großbankern überlässt.
Während das Publikum so zumindest über die Umstände der HRE-Rettung einiges erfuhr, liegen alle anderen Aktionen zur Bankenstützung nach wie vor im Dunkeln. Denn ausgerechnet zu diesem beim Wahlvolk höchst umstrittenen Programm zur Stützung der Privilegierten hat die große Koalition das Budgetrecht ausgehebelt und die völlige Entmachtung des Parlaments erzwungen.
Insofern war dieser Untersuchungsausschuss ein dringend nötiges Lebenszeichen eines ansonsten weitgehend scheintoten Parlaments. Wir brauchen mehr davon.
- Datum 21.08.2009 - 09:30 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
- Kommentare 4
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Banken hin Banken her, eins sollte doch klar sein das das Wirtschafts System nicht Rund läuft wie es sein sollte. Zur zeit ist es so das ,Ob Wirtschaft oder Politik nur noch sekundär und Kurzfristig planen, es müsse aber für Wirtschaft und Politik wieder Langfristige perspektiven geben, dazu müssen Politik und Wirtschaft übereinstimmen und damit es am ende doch weiter geht und jeder arbeitnehmer der arbeitet ,trotz arbeit nicht arm bleibt im gegenteil , Eine Schonse hat sich wieder was leisten kann und Bauen kann, das währe dan im sinne von allen, aber dazu müsste ein Wirtschafts Reform statt finden wo alle etwas dafon haben und die gesetze angepasst werden.
Man nehme sich andere Staaten auf der welt als beispiel.
Ich nicht ganz ehrlich gesagt.
Wir kennen doch alle das Sprichtwort: Eine ..... hackt de Anderen kein Auge aus.
Es ist traurig, aber wahr, wir sind in dieser Politik, alle Parteien sind die gleiche Chose......................., gefangen. Die Politiker halten zusammen, das sieht man doch mit Ulla Schmidt und all den vielen anderen Skandalen, es kommt nichts, oder nur lächerliches dabei raus.
(Der eine unterschlägt Millionen und bekommt Bewährung, die andere klaut im Dienst einen Apfel und wird fristlos entlassen.)
Recht ist das schon lange nicht mehr.
Ich denke aber auch oft noch ein anderes altes Sprichwort das da lautet: Der Krug geht so lange zum Brunnen bis er bricht.
Na ja, es ist ja nun abzusehen wann er bricht. Lange wird es nicht mehr dauern.
nicht noch ideotischere Ausreden, "wie wir konnten riskante Geschäfte nicht verbieten" ? Das kann man wohl verbieten, wenn man das gesellschaftliche Allgemeinwohl vorn anstellt.
Wenn man sich die Nutzerurteile der bei "Spiegelonline" durchgeführten Bewertungen der Regierungsmitglieder anschaut, stellt man fest, dass Steinbrücks Taktik, vor den Kameras den wildentschlossenen Aufräumer und Finanzfachmann zu mimen und bzgl. seiner wohldokumentierten Irrtümer und Fehler aufs allgemeine Vergessen zu setzen, glänzende Erfolge einfährt. Daran wird auch dieser ernüchternde Zeit-Artikel leider nichts ändern.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren