Leichtathletik-WM Viele Medaillen, viele Fragen

Die WM war ein Erfolg, ein Befreiungsschlag sind die neun Berliner Tage aber nicht. Der Leichtathletik fehlt die Glaubwürdigkeit und die mediale Aufmerksamkeit

Wer die Augen schloss im Olympiastadion in Berlin und für ein paar Minuten einfach nur zuhörte, der merkte schnell, dass diese WM kein Reinfall sein konnte. Zu enthusiastisch, zu fair, zu laut war das Publikum. Große Momente hatten diese Titelkämpfe deshalb einige. So als Jennifer Oeser im 800 Meter-Lauf des Siebenkampfes stürzte, wieder aufsprang, die entstandene Lücke zu lief und vom Publikum geschoben noch zur Silbermedaille spurtete.

Oder als der Äthiopier Ali Abdosh im Vorlauf über 5000 Meter seinen Schuh verlor und dem Feld zehn Runden lang hinterherjagte, lautstark bejubelt von den Rängen.

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Derart angetrieben riefen auch die Gastgeber ihr Potential ab. Mehr Medaillen als vor zwei Jahren in Osaka: Die Ein-Medaillen-Pleite der Olympischen Spiele in Peking haben die Athleten wieder gutgemacht. Die Erfolge von Ariane Friedrich und Raul Spank, von Ralf Bartels und Betty Heidler oder die Medaille der starken Frauen-Sprintstaffel um die schnellste Weiße dieser WM - Verena Sailer: Dies alles tat den wunden Seelen der deutschen Funktionäre sichtlich gut.

Wie viele der 2100 Teilnehmer ihre Leistung sauber erzielt haben, bleibt dabei ein Geheimnis. Dreifach-Weltmeister und Doppel-Weltrekordler Usain Bolt, dem großen und vielleicht einzigen Star dieser WM, schlagen neben Begeisterung und ungläubigem Bewundern auch viele Zweifel und Misstrauen entgegen. Nach dem 100-Meter-Finale hielt sich in Berlin hartnäckig das Gerücht, ein Finalteilnehmer sei des Dopings überführt worden.

Bislang sind nur ein marokkanischer Hindernis- und eine nigerianische Hürdenläuferin als Betrüger entlarvt, aber die Vermutungen zeigen: Die Leichtathletik hat weiterhin ein massives Glaubwürdigkeitsproblem. Drogen-Dealer Angel Heredia hatte vor den Wettkämpfen gesagt, kein Sieger der WM werde ungedopt sein. Der Plan des Weltverbandes IAAF, die Leichtathletik über Stars wie Usain Bolt und neue Weltrekorde zurück ins Blickfeld zu holen, ist zum Scheitern verurteilt.

Ein Nachspiel wird der Fall der umstrittenen 800 Meter-Weltmeisterin Caster Semenya haben. Nach einem Bericht der Schweizer Zeitung Blick hat der südafrikanische Verband schon im Vorfeld gewusst, dass die 18-jährige Semenya keine Frau ist, sondern ein Zwitter. Angeblich hat Südafrikas Cheftrainer Ekkart Arbeit, der in den achtziger Jahren vorletzter Cheftrainer der DDR war, die Athletin hormonell so behandelt, dass sie bei Doping-Kontrollen als Frau durchgeht.

Semenya soll erst in Berlin erfahren haben, dass sie keine Frau ist: "Niemand hat mir je erklärt, dass ich keine Frau sei. Warum hat man mich hierher gebracht? Man hätte mich zu Hause in meinem Dorf lassen sollen", sagte die Teenagerin.

Etwa 400.000 Zuschauer besuchten laut Veranstalter BOC die Abendveranstaltungen der neun WM-Tage. Im Vorfeld hatten Marketing-Chef Michael Mronz und Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit immer wieder von bis zu 550.000 Zuschauern gesprochen und behauptet, das Stadion werde jeden Abend voll sein. Die Lücken auf den Rängen jedoch waren teilweise erschreckend. Von Montag bis Mittwoch war das Stadion nur halb gefüllt. Ein Grund waren sicherlich die hohen Preise, grade mit Blick auf die Einkommensschwäche vieler Berliner.

Leser-Kommentare
    • clubby
    • 23.08.2009 um 13:23 Uhr

    Welchen Wert hat es in einer Informationsgesellschaft, ob man ne 1/1000tel Sekunde schneller rennen kann als andere? Gar keinen.

    Und machen wir uns nichts vor, das ganze trägt sich auch nur durch die Berichterstattung. Erst die große Euphorie aufgrund von Rekorden, dann erst das kritische Nachfragen aufgrund von Doping. So hält sich das Rad selbst am Laufen. Das geht nun schon seit Jahrzehnten so. Irgendwann hat auch der dümmste Zuschauer dieses Business kapiert und wendet sich ab.

  1. Nun hat es also auch "Die Zeit" erwischt. Die Würde des Menschen ist nicht mehr wichtig, wenn die Medaillen im Vordergrund stehen.

    [entfernt. Bitte verzichten Sie auf persönliche Angriffe und abwertende Analogien. Die Redaktion/ mwe]

    Sie passiert einer südafrikanischen Sportlerin. Einer Sportlerin, in deren Heimatland noch vor kurzer Zeit Menschen nach Hautfarbe klassifiziert wurden.

    Bedenkenlos schreibt Die Zeit: "Semenya soll erst in Berlin erfahren haben, dass sie keine Frau ist". Was ist Frau Semanya dann? Die Menschenwürde ist unanstastbar. So steht der Artikel 1 mit gutem Grund im Grundgesetz. Im Berlin 2009 wurde die Menschwürde mit Füßen getreten.

    Dieses unglaubliche Ereignis muß ein Nachspiel haben. Der südafrikanische Verband will die Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen anrufen. Es bleibt zu hoffen, daß diese Anrufung stattfindet.

    Damit die Sportfunktionäre und -berichterstatter wieder zur Besinnung gebracht werden. Hier geht es nicht um Betrug durch Hormonbehandlung oder Betrug durch Doping. Das Maß für Menschlichkeit ist den Funktionären und Berichterstattern bei ihrem Kampf um Laborstatistiken abhanden gekommen.

    Ein solcher Sport hat seine Berechtigung verloren. Die unapettitliche Diskussion Medaillenvergabe im 800 m Lauf erinnert mehr an Dr. Mengele als an Fairness des Sports.

    Es hätte dem Gastland Bundesrepublik Deutschland angesichts seiner historischen Verpflichtung gut angestanden, diese Diskussion zu unterbinden.

    Wo waren der Bundespräsident, wo war der für Sport zuständige Innenminister, wo war der Regierende Bürgermeister von Berlin???

    Wenn Medaillengewinner umarmt werden können und ein schönes Wahlkampffoto winkt, sind die politischen Würdenträger so schnell zur Stelle wie Usain Bolt an der 100 m Marke.

    Bei der notwendigen Verteidigung der Menschenrechte einer Sportlerin sind sie abgetaucht. Die NPD wird das Verhalten der demokratischen Politiker mit Freude beobachtet haben. Ihr Menschbild wurde in zweifacher Weise bestätigt.

  2. Jetzt mal ernsthaft. Ich glaube nicht, dass irgendwas da richtig lief.
    Ich meide mittlerweile fast jede größere Sportveranstaltung in den Medien.
    Im Vorfeld gab es bereits folgendes zu lesen: hier.
    Daraus geht hervor, dass Afrika im Vorfeld kaum kontrollierte, und nach anderen Berichten auch Jamaika keine Kontrolle in den Letzten Jahren hatte. Das einzige Sportereignis das meiner Ansicht nach kein Doping braucht ist Turmspringen, und das seh ich mir auch gerne an!
    Zu wissen, dass so schlecht geprüft wird lässt mich diese Sportveranstaltung meiden. Nur durch Blödheit wird man heute noch erwischt. Die Drogen zu entwickeln ist finanziell tragbarer als das Aufklären der Drogen durch bestimmte Verfahren zu entwickeln, deshalb wird auch niemand gedopt sein in Berlin.
    Ehrlich mich widert es an.

  3. erst einmal muss ich kommentar zwei zustimmen, dass ich es bedenklich finde, wie mit der sportlerin in der öffentlichkeit, aber vor allem von seiten ihres eigenen verbandens, umgegangen wird - mich stimmt es sehr traurig, dass die medaillengier offensichtlich vorrang vor dem schutz von Caster Semenya hatte. ich bin mir ziemlich sicher (und ihre reaktionen und die ihrer familie zeigen es), dass sie auf eine solche situation/reaktion nicht gefasst war - und der südafrikanische verband dies offensichtlich (man beachten den kommentar der trainer) billigend in kauf nahm.

    das die medienlandschaft hier übriges dazu tut, ist schade und zusätzlich schmerzhaft, denn eigentlich zeigt der fall doch nur eines: wir können nicht so einfach eine binäre geschlechtervorstellung mit klaren rollen aufrechterhalten, denn selbst wenn irgendwelche x-chromosome in irgendeiner anzahl nach biologischen grenzsetzungen frau semenya zu einem "mann" machen würden, so widerspricht das allem anschein nach ihrem selbstgefühl und ihrer bisherigen lebenserfahrung. anstatt also diesen komplexen, ungerechten (und für den sport herausfordernden) sachverhalt eventuell mal in einem artikel aufzugreifen, wird wie selbstverständlich so getan, als ob sie keine frau wäre! hallo, wer hat denn da bitte die definitionsmacht. hallo, wieso reproduzieren (offensichtlich nicht besonders sensible/sensibilisierte) journalisten diese eindeutige misshandlung eines menschen ... es macht mich sehr traurig.

    aber der artikel hat ja noch eine interessante stastik zu bieten: die schnellste weiße der wm. herr drepper, was wollen sie uns damit mitteilen?????

    meines wissens nach ist die wm der leichtathleten eine nationenveranstaltung, keine hautfarben-geschichte! welche information beinhaltet der verweis auf die hautfarbe einer sportlerin also??? es gäbe ja themen im sport, in denen die thematisierung der hautfarbe relevanz hat (diskriminierung, rassismus oder soziale benachteiligung aufgrund von hautfarbe und sport als aufstiegschance), aber in ihrem artikel scheint das eine wahllose kategorie zu sein, deren verwendung mir nur zwei optionen übrig lässt: sie sind sehr oberflächlich und unreflektiert bei bestimmten themen oder [...]
    bitte klären sie mich auf!

    [Entfernt. Bitte unterlassen Sie Unterstellungen dieser Art. Vielen Dank. / Die Redaktion as]

  4. Seltsam, ja vor fast gruselig waren insbesondere die Siegerehrungen vor der "historischen Kulisse" über dem Marathontor. Im Hintergrund blickte man auf (original?) erhaltene Treppenstrukturen des alten Oly-Stadions, das bekanntlich 1936 zur von den Nationalsozialisten missbrauchten Olympiade gebaut wurde und zudem in Albert Speers Germania - Plänen eine Rolle spielte.
    Wie man angesichts der realen Geschichte dieses Stadions einen solchen Hintergrund bei der Siegerehrung auszuwählen vermochte, ist schon sehr eigenartig. Sieht aber toll aus, so ein Bild. Auch dieses Bild, so scheint es, gehört zu einer ganzen Reihe von (Oberflächen-) Bildern, die gesendet aber nicht genügend reflektiert wurden. Man wird genau dies in Erinnerung behalten von der LA - WM in Berlin.

  5. [Entfernt wegen Doppelpostings. / Die Redaktion as]

  6. Freier Autor

    Zum Thema Caster Semenya: Vielleicht ist die Stelle im Text etwas unglücklich formuliert, aber ich bin ebenso der Meinung, dass der Umgang der Verbände mit Caster Semenya absolut nicht in Ordnung ist. Natürlich wäre es gut, wenn im Sport nun eine Diskussion einsetzen würde, wie in Zukunft mit Intersexuellen umgegangen werden kann/wie Intersexuelle in den Sport eingebunden werden können. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es ohne eine Norm - und sei sie notgedrungen willkürlich - geht. Damit die Chancengleichheit in irgendeiner Form gewahrt bleibt. Der südafrikanische Verband hätte Semenya jedenfalls nicht zur WM nach Berlin schicken sollen, um ihr diese Diskussionen zu ersparen.

    Zum Thema Verena Sailer/schnellste Weiße: Ich finde absolut nichts daran, hervorzuheben, dass Verena Sailer in Berlin schnellste weiße Frau der Welt war. Läuferinnen afrikanischer Abstammung dominieren die Sprintdisziplinen seit Jahrzehnten. Da ist es etwas besonderes, wenn eine Deutsche soweit vorne landet. Das ist eine rein objektive Feststellung, weder oberflächlich noch sonstwie motiviert.

    @ Yuminae: Mit welcher Begründung klammern Sie Turmspringen aus?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    vielen dank erstmal für die antwort auf meine/unsere kommentare herr drepper.

    um gleich auf das thema verena sailer zu kommen: auch in ihrer antwort reproduzieren sie leider wieder eine gewisse ungenaue betrachtungsweise - sie setzen die staatsbürgerlichkeit mit der hautfarbe gleich. wieso? ich kann es nachvollziehen, wenn journalist_innen darauf verweisen, dass verena sailer, die schnellste deutsche ist oder die schnellste europäerin über 100m, aber nochmals: was hat das denn bitte schön mit der hautfarbe zu tun?

    ich habe schlichtweg ein ungutes gefühl, wenn nationalstaatlichkeit (also wir deutschen - als wären wir deutsche alle weiße!) und aussehen gleichgesetzt werden. und ebenso: afrikanische abstammung und deutsche zu vergleichen ist wie äpfel und birnen. das eine ist eine geographische kategorie, das andere eine rechtliche! gleichzeitig impliziert es eine gegensätzlichkeit.

    und inwiefern es eine "objektive" beobachtung sei, dass verena sailer die schnellste "weiße" frau sei, sei auch mal dahingestellt, denn woher nehmen sie diese gewißheit bzw. was ist denn ihre definition von weiß (oder, um endlich die richtige sprache zu finden pink!); wissen sie genau, dass frau sailer nicht auch nicht-pinke vorfahren hat z.b. eine urgroßmuuter oder so?

    zumal, wenn man sich dann auch noch historische definitionen von nicht-weiß anschaut, dann fielen darunter auch iren, ost- und südeuropäer und religionen (d.h. juden). es ist ja eben nicht so, dass pink/weiß einzig die bezeichnung einer hautfarbe ist/war.

    oder: gerade, wenn ich an den us-amerikanischen kontext denke, dann ist die wahrscheinlichkeit, dass die "offensichtlich" afro-amerikanischen läuferinnen (und ich frage mich, wenn die familie einer sprinterin bereits seit 200 jahre in den usa lebt, ob wir außenstehende das recht haben, sie immer noch als afrikanischer abstammung zu bezeichnen; welche ideen stecken dahinter? es sind us-amerikanerinnen, jamaikanerinnen, etc.) und läufer pinke vorfahren haben (historisch betrachtet) nicht sehr unwahrscheinlich, d.h. sie könnten sehr wohl auch als "weiße" läuferinnen betrachtet werden, oder? bzw. ab wann ist denn ein mensch pink oder nicht-pink? hat denn jemand überprüft, ob nicht drei viertel von carmelita jeters verwandten pinke hautfarbe haben, aber einzig ihr vater/mutter/opa/oma/wasweißich nicht?

    also: ab welchem anteil melanin in der haut wird ein mensch pink/nicht-pink? schauen sie sich doch nur mal die "passing"-literatur an, um ein gefühl für die "objektivität" der hautfarbe zu bekommen (von der "one-drop-rule" will ich gar nicht erst anfangen).

    was ich damit sagen will, ist folgendes: dieses thema ist einfach so verdammt kompliziert, dass ein bezug auf die hautfarbe so viele diskurse, problematiken und ungenauigkeiten nach sich zieht, dass es doch so viel einfacher wäre, solche kategorien nur dann zu verwenden, wenn sie auch etwas kommunizieren und wenn sie dies nicht tun, dann doch einfach weglassen: "verena sailer war die schnellste deutsche." oder "sie ist die erfolgreichste deutsche auf den 100m seit jahren und könnte eventuell in die phalanx der us-sprinterinnen und jamaikanerinnen einbrechen." oder "tolle sache."

    p.s.: oder haben sie da etwa ein wenig vorschnell von der sueddeutschen abgeschrieben?

    vielen dank erstmal für die antwort auf meine/unsere kommentare herr drepper.

    um gleich auf das thema verena sailer zu kommen: auch in ihrer antwort reproduzieren sie leider wieder eine gewisse ungenaue betrachtungsweise - sie setzen die staatsbürgerlichkeit mit der hautfarbe gleich. wieso? ich kann es nachvollziehen, wenn journalist_innen darauf verweisen, dass verena sailer, die schnellste deutsche ist oder die schnellste europäerin über 100m, aber nochmals: was hat das denn bitte schön mit der hautfarbe zu tun?

    ich habe schlichtweg ein ungutes gefühl, wenn nationalstaatlichkeit (also wir deutschen - als wären wir deutsche alle weiße!) und aussehen gleichgesetzt werden. und ebenso: afrikanische abstammung und deutsche zu vergleichen ist wie äpfel und birnen. das eine ist eine geographische kategorie, das andere eine rechtliche! gleichzeitig impliziert es eine gegensätzlichkeit.

    und inwiefern es eine "objektive" beobachtung sei, dass verena sailer die schnellste "weiße" frau sei, sei auch mal dahingestellt, denn woher nehmen sie diese gewißheit bzw. was ist denn ihre definition von weiß (oder, um endlich die richtige sprache zu finden pink!); wissen sie genau, dass frau sailer nicht auch nicht-pinke vorfahren hat z.b. eine urgroßmuuter oder so?

    zumal, wenn man sich dann auch noch historische definitionen von nicht-weiß anschaut, dann fielen darunter auch iren, ost- und südeuropäer und religionen (d.h. juden). es ist ja eben nicht so, dass pink/weiß einzig die bezeichnung einer hautfarbe ist/war.

    oder: gerade, wenn ich an den us-amerikanischen kontext denke, dann ist die wahrscheinlichkeit, dass die "offensichtlich" afro-amerikanischen läuferinnen (und ich frage mich, wenn die familie einer sprinterin bereits seit 200 jahre in den usa lebt, ob wir außenstehende das recht haben, sie immer noch als afrikanischer abstammung zu bezeichnen; welche ideen stecken dahinter? es sind us-amerikanerinnen, jamaikanerinnen, etc.) und läufer pinke vorfahren haben (historisch betrachtet) nicht sehr unwahrscheinlich, d.h. sie könnten sehr wohl auch als "weiße" läuferinnen betrachtet werden, oder? bzw. ab wann ist denn ein mensch pink oder nicht-pink? hat denn jemand überprüft, ob nicht drei viertel von carmelita jeters verwandten pinke hautfarbe haben, aber einzig ihr vater/mutter/opa/oma/wasweißich nicht?

    also: ab welchem anteil melanin in der haut wird ein mensch pink/nicht-pink? schauen sie sich doch nur mal die "passing"-literatur an, um ein gefühl für die "objektivität" der hautfarbe zu bekommen (von der "one-drop-rule" will ich gar nicht erst anfangen).

    was ich damit sagen will, ist folgendes: dieses thema ist einfach so verdammt kompliziert, dass ein bezug auf die hautfarbe so viele diskurse, problematiken und ungenauigkeiten nach sich zieht, dass es doch so viel einfacher wäre, solche kategorien nur dann zu verwenden, wenn sie auch etwas kommunizieren und wenn sie dies nicht tun, dann doch einfach weglassen: "verena sailer war die schnellste deutsche." oder "sie ist die erfolgreichste deutsche auf den 100m seit jahren und könnte eventuell in die phalanx der us-sprinterinnen und jamaikanerinnen einbrechen." oder "tolle sache."

    p.s.: oder haben sie da etwa ein wenig vorschnell von der sueddeutschen abgeschrieben?

  7. vielen dank erstmal für die antwort auf meine/unsere kommentare herr drepper.

    um gleich auf das thema verena sailer zu kommen: auch in ihrer antwort reproduzieren sie leider wieder eine gewisse ungenaue betrachtungsweise - sie setzen die staatsbürgerlichkeit mit der hautfarbe gleich. wieso? ich kann es nachvollziehen, wenn journalist_innen darauf verweisen, dass verena sailer, die schnellste deutsche ist oder die schnellste europäerin über 100m, aber nochmals: was hat das denn bitte schön mit der hautfarbe zu tun?

    ich habe schlichtweg ein ungutes gefühl, wenn nationalstaatlichkeit (also wir deutschen - als wären wir deutsche alle weiße!) und aussehen gleichgesetzt werden. und ebenso: afrikanische abstammung und deutsche zu vergleichen ist wie äpfel und birnen. das eine ist eine geographische kategorie, das andere eine rechtliche! gleichzeitig impliziert es eine gegensätzlichkeit.

    und inwiefern es eine "objektive" beobachtung sei, dass verena sailer die schnellste "weiße" frau sei, sei auch mal dahingestellt, denn woher nehmen sie diese gewißheit bzw. was ist denn ihre definition von weiß (oder, um endlich die richtige sprache zu finden pink!); wissen sie genau, dass frau sailer nicht auch nicht-pinke vorfahren hat z.b. eine urgroßmuuter oder so?

    zumal, wenn man sich dann auch noch historische definitionen von nicht-weiß anschaut, dann fielen darunter auch iren, ost- und südeuropäer und religionen (d.h. juden). es ist ja eben nicht so, dass pink/weiß einzig die bezeichnung einer hautfarbe ist/war.

    oder: gerade, wenn ich an den us-amerikanischen kontext denke, dann ist die wahrscheinlichkeit, dass die "offensichtlich" afro-amerikanischen läuferinnen (und ich frage mich, wenn die familie einer sprinterin bereits seit 200 jahre in den usa lebt, ob wir außenstehende das recht haben, sie immer noch als afrikanischer abstammung zu bezeichnen; welche ideen stecken dahinter? es sind us-amerikanerinnen, jamaikanerinnen, etc.) und läufer pinke vorfahren haben (historisch betrachtet) nicht sehr unwahrscheinlich, d.h. sie könnten sehr wohl auch als "weiße" läuferinnen betrachtet werden, oder? bzw. ab wann ist denn ein mensch pink oder nicht-pink? hat denn jemand überprüft, ob nicht drei viertel von carmelita jeters verwandten pinke hautfarbe haben, aber einzig ihr vater/mutter/opa/oma/wasweißich nicht?

    also: ab welchem anteil melanin in der haut wird ein mensch pink/nicht-pink? schauen sie sich doch nur mal die "passing"-literatur an, um ein gefühl für die "objektivität" der hautfarbe zu bekommen (von der "one-drop-rule" will ich gar nicht erst anfangen).

    was ich damit sagen will, ist folgendes: dieses thema ist einfach so verdammt kompliziert, dass ein bezug auf die hautfarbe so viele diskurse, problematiken und ungenauigkeiten nach sich zieht, dass es doch so viel einfacher wäre, solche kategorien nur dann zu verwenden, wenn sie auch etwas kommunizieren und wenn sie dies nicht tun, dann doch einfach weglassen: "verena sailer war die schnellste deutsche." oder "sie ist die erfolgreichste deutsche auf den 100m seit jahren und könnte eventuell in die phalanx der us-sprinterinnen und jamaikanerinnen einbrechen." oder "tolle sache."

    p.s.: oder haben sie da etwa ein wenig vorschnell von der sueddeutschen abgeschrieben?

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