Freilassung Jubelnde Libyer empfangen Lockerbie-Attentäter
Der von Schottland begnadigte Attentäter al-Megrahi wurde in seiner Heimat von Hunderten Menschen empfangen. Die USA fordern, dass ihn Libyen unter Hausarrest stellt
Acht Jahre nach seiner Verurteilung wegen des Bombenanschlags auf einen Pan-Am-Jumbo über dem schottischen Lockerbie ist der Attentäter Abdel Bassit Ali Mohammed al-Megrahi aus dem Gefängnis entlassen worden und nach Libyen zurückgekehrt. Bei seiner Landung am späten Abend in Tripolis wurde al-Megrahi nach Berichten libyscher Medien von Hunderten Landsleuten begrüßt.
Zuvor hatte der schottische Justizminister Kenny MacAskill den 57-Jährigen, der an Prostatakrebs im Endstadium leidet, begnadigt. Ärzte gehen davon aus, dass er weniger als drei Monate zu leben hat. Der Libyer war der einzige, der für das Attentat zur Rechenschaft gezogen wurde. 270 Menschen wurden damals getötet, darunter viele Amerikaner.
Obwohl die Rückkehr al-Megrahis in das nordafrikanische Land nicht von den staatlichen Medien angekündigt worden war, fanden sich am Flughafen der Hauptstadt Tripolis zahlreiche junge Libyer ein, die ihm zujubelten und schottische sowie libysche Fahne schwenkten. Nachdem das Flugzeug aus Großbritannien gelandet war, umarmte al-Megrahi seine auf dem Rollfeld wartenden Söhne. Viele der Jugendlichen trugen Transparente mit dem Namen des Nationalen Jugendverbands, der Saif al-Islam Gadhafi nahe steht, einem der Söhne des Staatsführers Muammar al-Gadhafi. Auf den Spruchbändern waren Slogans zu lesen wie: "Du hast versprochen und Wort gehalten, Abdel Basset al-Megrahi zu seiner Familie zurückzubringen."
Während die Rückkehr des Libyers in seiner Heimat gefeiert wurde, stieß die vorzeitige Haftentlassung bei vielen Angehörigen der Opfer auf Unverständnis und heftige Kritik. US-Präsident Barack Obama kritisierte die Freilassung als "einen Fehler". Er kündigte an, bei der libyschen Regierung darauf zu dringen, dass al-Megrahi in seiner Heimat unter Hausarrest gestellt werde. Auch das Außenministerium warnte die libysche Regierung vor einer "Heldenfeier" für al-Megrahi. Dies wäre "inakzeptabel" und würde Folgen für die Beziehungen beider Länder haben, sagte Außenamtssprecher Philip Crowley in Washington.
Al-Megrahi war der Einzige, der für das Attentat kurz vor Weihnachten 1988 verurteilt worden war. Er hatte erst am Dienstag eine zweite Berufung zurückgezogen und damit einen Teil der Angehörigen enttäuscht, die sich von einer Neuauflage des Verfahrens neue Informationen zu den Hintergründen des Verbrechens erhofft hatten. Denn an der Schuld al-Megrahis hatte es stets Zweifel gegeben. So tauchte etwa die Theorie auf, dass Lockerbie die Vergeltung Irans für den Abschuss eines iranischen Flugzeugs vom Typ Airbus mit 290 Menschen an Bord durch ein US-Kriegsschiff im Jahr 1988 war.
Er selbst nannte seine Verurteilung eine "Schande". Vor seiner Abreise hatte al-Megrahi in einer Erklärung seine Unschuld beteuert und den Hinterbliebenen der Anschlagsopfer sein Mitgefühl ausgesprochen.
Libyen hatte 2003 formell die Schuld für den Tod der 270 Menschen übernommen und Entschädigungszahlungen für die Hinterbliebenen zugestimmt. Später verlautete aus der libyschen Führung, man habe die Verantwortung nur übernommen, um ein Ende der UN-Sanktionen zu erreichen.
Staatschef Muammar al-Gadhafi versucht seit 2003 die Beziehungen zum Westen zu verbessern. Damals gab er sein Atomwaffenprogramm auf. Im vergangenen Jahr hat das Land 1,5 Milliarden Dollar in einen Fonds zur Entschädigung von Terrorismus-Opfern eingezahlt. Die Gelder kommen hauptsächlich den Angehörigen von Opfern des Lockerbie-Attentats zu Gute.
- Datum 06.09.2009 - 17:51 Uhr
- Serie News
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, bm
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Nun, Totgesagte leben ja bisweilen noch recht lange - man darf gespannt sein!
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