ZEIT-ONLINE-Lügendetektor "Wir haben die Arbeitslosigkeit reduziert"Seite 2/2

Die Regierung schönt die Zahlen, um von ihren Versäumnissen auf dem Arbeitsmarkt abzulenken, lautet denn auch ein häufiger Vorwurf. Freilich ist die Versuchung vor der Wahl besonders groß. Schon Helmut Kohl ließ vor seiner Abwahl 1998 ein Sonderprogramm auflegen, das kurzfristig 100.000 neue Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen finanzierte. Zehn Jahre zuvor hatte er es Arbeitslosen über 58 besonders leicht gemacht, staatliche Unterstützung zu beziehen, und sie im Gegenzug aus der amtlichen Statistik gestrichen.

Sein Nachfolger Gerhard Schröder veranlasste 2004, dass Teilnehmer an Trainingsmaßnahmen künftig nicht mehr als arbeitslos zu zählen seien. Unter Angela Merkel und ihrem Arbeitsminister Olaf Scholz wurde gerade eine neue Verschönerungsmaßnahme verabschiedet: Seit Mai tauchen Arbeitslose nicht mehr in der Statistik auf, die von einem privaten Vermittler betreut werden.

Dennoch ist die Arbeitsmarktbilanz der vergangenen Jahre positiv. Der Rückgang sei eindeutig nicht durch statistische Tricks zustande gekommen, sagt man bei der BA.

Ein Erfolg der CDU ist das jedoch nicht. Die neuen Arbeitsplätze entstanden durch die Reformen der rot-grünen Vorgängerregierung, sagen Ökonomen. Merkels Glück war es, dass sie unter ihrer Ägide immer noch wirkten. Dabei nahm die Kanzlerin im Frühjahr 2008 schon einen Teil der Schröderschen Änderungen wieder zurück. Mehr Geld für Erwerbstätige statt neue Stellen für Arbeitslose, lautete die Devise der Regierung zu jener Zeit.

Auch der Aufschwung, ohne den viele neue Jobs gar nicht entstanden wären, war kaum das Werk der CDU. Zwar begann die Große Koalition die Legislaturperiode mit einem Konjunkturpaket. Doch die Idee dazu wurde ebenfalls schon unter Schröder geboren. Deutschland wuchs 2006 und 2007 vor allem, weil die Weltwirtschaft boomte – die Exporte, nicht die Unionsparteien, zogen das Land aus der Krise.

Die CDU schafft Arbeitsplätze? Eine Legende.

Die SPD ist freilich auch nicht besser. "Die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes hat Hunderttausende Arbeitsplätze in Deutschland gesichert", tönen die Sozialdemokraten. Und verschweigen: Zwar können die Unternehmen bis zu zwei Jahre lang Kurzarbeitergeld bekommen, um Entlassungen zu vermeiden. Doch die meisten haben die Unterstützung zunächst nur für wenige Monate beantragt.

Im Herbst laufen viele Anträge aus. Dann müssen Firmenchefs neu überlegen, ob sie eine – theoretisch unkompliziert erhältliche – Verlängerung beantragen werden. Sind die wirtschaftlichen Aussichten gar zu schlecht, könnten sie sich dagegen entscheiden. Dann sind die "sicheren" Kurzarbeiter ganz schnell ohne Job. Und die offizielle Arbeitslosenzahlen steigen wieder um eine sechsstellige Ziffer.

Zum Weiterlesen:

Das Wahlprogramm der CDU kann hier heruntergeladen werden. Das Programm der SPD gibt es hier . Der Monatsbericht Juli 2009 der BA gibt (auf Seite 67) Aufschluss über das Ausmaß der Unterbeschäftigung und ist hier verfügbar.

 
Leser-Kommentare
  1. Es sit immer wieder ärgerlich wie die Entwicklung der Arbeitslosigkeit Gegenstand der Propaganda und der Politik wird. Das mag zwar Angesichts der Nöte der Betroffenen verständlich sein, ist aber auch ebenso unseriös.

    Je nach Betrachtungsweise könnte man durchaus behaupten, dass jede Arbeitsmarktpolitik der letzten 30 Jahre im Saldo vor allem Jobs gekostet hat.

    Auch die "Reformen" Schröders stehen unter diesem Vorbehalt, setzten sie doch die Finanzmarktblase voraus und begünstigten sie diese. Diese künstlichen Beschaffungsmassnahmen sind aber auf Dauer eher kontraproduktiv.

    Politik kann keine Jobs schaffen, höchstens planwirtschaftliche, wovon sie ja auch reichlich Gebrauch gemacht hat.
    Letztlich kann Politik nur Rahmenbedingungen schaffen, die Märkte und Produzenten stärkt und für einigermaßen faire Bedingungen sorgt.

    Das aber ist mittlerweile völlig aus dem Ruder gelaufen, z.T. durch eigenes Verschulden, z.T. durch Fehleinschätzung, z.T. durch internationalen Druck.

    Deutschland leidet unter 2 Problemen:
    1. die zu geringe Kaufkraft der Arbeitnehmer durch staatliche Abgaben.
    2. durch internationale Konkurrenz, die nur zu einem geringen Teil auf wettbewerbsfähiger Qualität beruht, als vielmehr durch Intransparenz und Verbrauchermanipulationen beruht, sowie auf Subventionswettbewerbe.
    Das in Fernost z.B. Elektronikartikel soviel günstiger angeboten werden können, ist durch fairen Wettbewerb nicht erklärbar.

    Aufgrund des Verlustes dieser Industrien hat sich Deutschland vom Export hochwertiger Güter vor allem auch im Maschinenbau abhängig gemacht.
    Doch ohne nennenswerte Produktion des Massenbedarfs für das eigene Land ist auf Dauer kein Wohlstand in der Breite möglich. Gleiches gilt für die unzureichende Qualitätskontrolle und Vergleichbarkeit äußerlich gleicher Produkte.

    Dafür allerdings müßten viele heilige Kühe der Wirtschaftspolitik geschlachtet werden, es wird Zeit, das die Diskussion dafür in Gang kommt.

    H.

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    Verlaufen nur mehrere Fehler.

    Erstens ist Arbeitslosigkeit doch sehr wichtig, da davon nicht nur die Kaufkraft der Arbeitnehmer (mehr Arbeitslose -> höhere Abgaben oder aber höhere Schulden, wie man es nimmt) abhängt sondern ebenso die Kaufkraft der Volkswirtschaft als solche. Ferner hängen davon Unternehmergewinne ab und davon wiederrum die Wirtschaft selbst.

    Zweitens ist die "zu geringe" Kaufkraft weniger ein Problem der Abgaben und Steuern als ein viel größeres Problem der unter der Schröder-Regierung eingeführten prekären Beschäftigungsverhältnisse. Mini-Jobs, teilweise Umgehungen des Kündigungsschutzes und noch viele andere nette Mittel fallen exakt auf DIESE Maßnahmen zurück. Sollten sie daran Zweifel haben, so würde ich mir an ihrer Stelle erstens die Statistiken der prekären Beschäftigungsverhältnisse anschauen und zweitens dazu dann noch die Reallohnentwicklung im Zeitraum seit ca. 2000. Dann fallen nämlich direkt mehrere Dinge ins Auge...

    Und nein, Politik kann nicht nur Rahmenbedingungen schaffen sondern auch offensiv eingreifen. Nennt sich Fiskalpolitik, aber derartig ineffektiv eingesetzt wie im Moment ist sie - ich hoffe da stimmen sie mir zu - nur eine BE-lastung. (Vergleich: Autowrackprämie, da werden wir nach der Wahl noch viel Spaß haben wenn die ausläuft...)

    Das, was mich ehrlich an diesem Artikel freut ist, dass dieses Problem der Statistikverschleierung endlich einmal offen gesagt wird und nicht - wie seit Jahren üblich - totgeschwiegen wird.

    Ein weiterer Schritt in die richtige Richtung, hoffentlich begreift das Volk endlich wer letztlich der Henker und wer der Gehenkte sein wird...

    Verlaufen nur mehrere Fehler.

    Erstens ist Arbeitslosigkeit doch sehr wichtig, da davon nicht nur die Kaufkraft der Arbeitnehmer (mehr Arbeitslose -> höhere Abgaben oder aber höhere Schulden, wie man es nimmt) abhängt sondern ebenso die Kaufkraft der Volkswirtschaft als solche. Ferner hängen davon Unternehmergewinne ab und davon wiederrum die Wirtschaft selbst.

    Zweitens ist die "zu geringe" Kaufkraft weniger ein Problem der Abgaben und Steuern als ein viel größeres Problem der unter der Schröder-Regierung eingeführten prekären Beschäftigungsverhältnisse. Mini-Jobs, teilweise Umgehungen des Kündigungsschutzes und noch viele andere nette Mittel fallen exakt auf DIESE Maßnahmen zurück. Sollten sie daran Zweifel haben, so würde ich mir an ihrer Stelle erstens die Statistiken der prekären Beschäftigungsverhältnisse anschauen und zweitens dazu dann noch die Reallohnentwicklung im Zeitraum seit ca. 2000. Dann fallen nämlich direkt mehrere Dinge ins Auge...

    Und nein, Politik kann nicht nur Rahmenbedingungen schaffen sondern auch offensiv eingreifen. Nennt sich Fiskalpolitik, aber derartig ineffektiv eingesetzt wie im Moment ist sie - ich hoffe da stimmen sie mir zu - nur eine BE-lastung. (Vergleich: Autowrackprämie, da werden wir nach der Wahl noch viel Spaß haben wenn die ausläuft...)

    Das, was mich ehrlich an diesem Artikel freut ist, dass dieses Problem der Statistikverschleierung endlich einmal offen gesagt wird und nicht - wie seit Jahren üblich - totgeschwiegen wird.

    Ein weiterer Schritt in die richtige Richtung, hoffentlich begreift das Volk endlich wer letztlich der Henker und wer der Gehenkte sein wird...

  2. Was meiner Meinung nach das Hauptproblem ist und dessen machen sich alle Parteien schuldig. Es wird stets so getan, als sei die Massenarbeitslosigkeit zu überwinden, dabei wird konsequent übersehen, dass die Massenarbeitslosikeit strukturelle Gründe hat und in allen entwickelten kapitalistischen Gesellscahften zu beobachten ist. Vollbeschäftigung dagegen gibt es nur in historisch ganz kurzen Zeitabschnitten, wenn ein völlig überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum von statten geht. Jedoch stimmt die CDU Formel "Wachstum schafft Arbeit" offensichtlich auch nicht ganz, da wir bekanntlich bis 2008 stetiges (wenn auch teilweise geringes) Wirtschaftswachstum hatten, was jedoch mit einer mehr oder weniger ebenfalls steigenden Arbeitslosigkeit einherging.
    Deshalb sollte man m. E. fragen wie man mit den Arbeitslosen umgeht, wenn man ihnen ja offensichtlich nicht die Schuld dafür geben kann, dass es nicht genügend Arbeit gibt. und ob es sich eine Gesellschaft dauerhaft leisten kann eine derart große Gruppe ständig zu stigmatisieren, kontrollieren und zu Disziplinieren. Gleichzeitig wird das Motto Hochgehalten "du musst nur flexibel sein und dich noch mehr anstrengen, dann klappt es auch" diese Lüge ist meiner Meinung nach immernoch viel zu verbreitet.

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    "...dabei wird konsequent übersehen, dass die Massenarbeitslosikeit strukturelle Gründe hat..."

    Stellt sich die Frage nach der Struktur die das verursacht.


    "Vollbeschäftigung dagegen gibt es nur in historisch ganz kurzen Zeitabschnitten, wenn ein völlig überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum von statten geht."

    Imho ist das auch nur eine Kaufkraftfrage. Der Kapitalismus neigt zum Umverteilen von unten nach oben. Die Spitze konsumiert aber so gut wie gar nicht, sondern kann sehr viel Geld zurücklegen (sinkender Grenznutzen des Geldes bei steigendem Einkommen und Vermögen). In einem Fiat-Money-System, in dem alles kursierende Geld aus Krediten besteht, die verzinst zurückgezahlt werden müssen, führt dieses ständige "Geld abzweigen" zwangsläufig in eine Rezession, außer ein entsprechend großes Wachstum sorgt für entsprechend stark steigende Neukredite. Das nennt man Wachstumszwang.

    Imho ist es genau das was man auf der ganzen Welt beobachten kann und es passt auch gut zu den weltweit aufgehenden Einkommens- und Vermögensscheren. Somit wäre Vollbeschäftigung sehr wohl zu erreichen, wenn man Einkommen und Vermögen etwas mehr nivelliert, etwa über Erbschaftssteuern etc.

    Aber du hast natürlich recht, von dieser Erkenntnis sind die Kasper in Berlin und ihre gekauften Wirtschafts"experten" noch meilenweit entfernt. Außer vielleicht die LINKE.


    "...dabei wird konsequent übersehen, dass die Massenarbeitslosikeit strukturelle Gründe hat..."

    Stellt sich die Frage nach der Struktur die das verursacht.


    "Vollbeschäftigung dagegen gibt es nur in historisch ganz kurzen Zeitabschnitten, wenn ein völlig überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum von statten geht."

    Imho ist das auch nur eine Kaufkraftfrage. Der Kapitalismus neigt zum Umverteilen von unten nach oben. Die Spitze konsumiert aber so gut wie gar nicht, sondern kann sehr viel Geld zurücklegen (sinkender Grenznutzen des Geldes bei steigendem Einkommen und Vermögen). In einem Fiat-Money-System, in dem alles kursierende Geld aus Krediten besteht, die verzinst zurückgezahlt werden müssen, führt dieses ständige "Geld abzweigen" zwangsläufig in eine Rezession, außer ein entsprechend großes Wachstum sorgt für entsprechend stark steigende Neukredite. Das nennt man Wachstumszwang.

    Imho ist es genau das was man auf der ganzen Welt beobachten kann und es passt auch gut zu den weltweit aufgehenden Einkommens- und Vermögensscheren. Somit wäre Vollbeschäftigung sehr wohl zu erreichen, wenn man Einkommen und Vermögen etwas mehr nivelliert, etwa über Erbschaftssteuern etc.

    Aber du hast natürlich recht, von dieser Erkenntnis sind die Kasper in Berlin und ihre gekauften Wirtschafts"experten" noch meilenweit entfernt. Außer vielleicht die LINKE.

  3. Verlaufen nur mehrere Fehler.

    Erstens ist Arbeitslosigkeit doch sehr wichtig, da davon nicht nur die Kaufkraft der Arbeitnehmer (mehr Arbeitslose -> höhere Abgaben oder aber höhere Schulden, wie man es nimmt) abhängt sondern ebenso die Kaufkraft der Volkswirtschaft als solche. Ferner hängen davon Unternehmergewinne ab und davon wiederrum die Wirtschaft selbst.

    Zweitens ist die "zu geringe" Kaufkraft weniger ein Problem der Abgaben und Steuern als ein viel größeres Problem der unter der Schröder-Regierung eingeführten prekären Beschäftigungsverhältnisse. Mini-Jobs, teilweise Umgehungen des Kündigungsschutzes und noch viele andere nette Mittel fallen exakt auf DIESE Maßnahmen zurück. Sollten sie daran Zweifel haben, so würde ich mir an ihrer Stelle erstens die Statistiken der prekären Beschäftigungsverhältnisse anschauen und zweitens dazu dann noch die Reallohnentwicklung im Zeitraum seit ca. 2000. Dann fallen nämlich direkt mehrere Dinge ins Auge...

    Und nein, Politik kann nicht nur Rahmenbedingungen schaffen sondern auch offensiv eingreifen. Nennt sich Fiskalpolitik, aber derartig ineffektiv eingesetzt wie im Moment ist sie - ich hoffe da stimmen sie mir zu - nur eine BE-lastung. (Vergleich: Autowrackprämie, da werden wir nach der Wahl noch viel Spaß haben wenn die ausläuft...)

    Das, was mich ehrlich an diesem Artikel freut ist, dass dieses Problem der Statistikverschleierung endlich einmal offen gesagt wird und nicht - wie seit Jahren üblich - totgeschwiegen wird.

    Ein weiterer Schritt in die richtige Richtung, hoffentlich begreift das Volk endlich wer letztlich der Henker und wer der Gehenkte sein wird...

    Antwort auf "Nebensächlich"
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    außer das Arbeitslosigkeit eine große negative Bedeutung für eine Volkswirtschaft hat, das entspricht auch meiner Denke und deckt sich mit meinen Ausführungen.

    Arbeitslosigkeit ist aber nur ein Symptom für andere Probleme. Versucht man das Problem direkt durch "Schaffung" von Jobs zu lösen, bekämpft man nur Symptome und lädt sich dadurch langfristig nur neue Probleme auf. Die steigende Staatsverschuldung und am langen Ende die strukturell zunehmende Arbeitslosigkeit sind direkte Folgen einer solchen Politik. Sie kann letztlich auch nur zu einer Begünstigung der Reichen führen.

    Ebenso ist der Druck auf die Löhne, also die Tendenz zu Minijobs etc. eine Folge und nicht Ursache des Problems. Den hohen Lohnkosten steht eine zu geringe Kaufkraft gegenüber, damit gibt es strukturellen unternehmerischen Druck vor allem Personalkosten einzusparen. Durch Strukturveränderungen bedingt entsteht Arbeitslosigkeit und damit der Druck einzugreifen, werden die Begünstigungen und die staatliche Finanzierung solcher Maßnahmen nicht mehr zurückgefahren, wächst von Zyklus zu Zyklus das Problem.
    Und wenn Sie meinen, dass man mit Fiskalpolitik da eingreifen kann, so ist das so pauschal falsch.
    Im Gegensatz z.B. zu den nordischen Staaten wird bei uns die Abgabenlast zur Umlegung von Einkommen auf eine größere Gruppe verwendet, durch Schaffung von öffentlich bezahlten Arbeitsplätzen (Planwirtschaft), in Schweden, aber auch anderswo fließt stattdessen viel mehr Geld direkt an die Arbeitnehmer zurück, der öffentliche Sektor ist bei weitem nicht so aufgebläht.
    Zusätzlich ist Fiskalpolitik, so sie denn über die Schaffung fairen Wettbewerbs hinaus eingesetzt wird immer problematisch, wie man an diversen industriepolitischen Massnahmen oder den Sonderabschreibungen z.B. im Osten sehen kann.
    Im Grunde ist aktive Fiskalpolitik immer planwirtschaftlich, weil sie von der zentralen Beurteilungsfähigkeit ausgeht, was auf Dauer richtig und was falsch ist.
    Sie hebelt in dieser Weise das Regulativ des Marktes aus. Wenn Fiskalpolitik dazu dient z.B. gleiche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen, Folgekosten wie z.B. Umweltkosten (die auch tatsächlich aufgewendet werden) den Verursachern zuzuweisen, so dient das dem Wettbewerb. Beachten muss man allerdings wiederum, dass wir nicht alleine sind und in Drittstaaten Wettbewerbsvorteile entstehen, wenn dort diese Kosten nicht von den Verursachern erhoben werden (durch rücksichtslose Verschmutzung oder durch Nichtumlage=versteckte Subvention).

    Die hohe Zustimmung für ihre Antwort wundert mich wenig, ist doch ihre Meinung zur Sache seit über 30 Jahren gängige politische Praxis und sozialer Konsens und hat damit auch zur aktuellen Situation geführt.
    Allerdings sind die Schwierigkeiten des Staatshaushaltes, die langfristig steigende strukturelle Arbeitslosigkeit ebenso damit verknüpft.
    Der Traum von der Vollkaskogesellschaft hat eben einen hohen Preis und kurzfristige Erfolge rechtfertigen am Ende doch nicht die langfristige Verluste.

    H.

    außer das Arbeitslosigkeit eine große negative Bedeutung für eine Volkswirtschaft hat, das entspricht auch meiner Denke und deckt sich mit meinen Ausführungen.

    Arbeitslosigkeit ist aber nur ein Symptom für andere Probleme. Versucht man das Problem direkt durch "Schaffung" von Jobs zu lösen, bekämpft man nur Symptome und lädt sich dadurch langfristig nur neue Probleme auf. Die steigende Staatsverschuldung und am langen Ende die strukturell zunehmende Arbeitslosigkeit sind direkte Folgen einer solchen Politik. Sie kann letztlich auch nur zu einer Begünstigung der Reichen führen.

    Ebenso ist der Druck auf die Löhne, also die Tendenz zu Minijobs etc. eine Folge und nicht Ursache des Problems. Den hohen Lohnkosten steht eine zu geringe Kaufkraft gegenüber, damit gibt es strukturellen unternehmerischen Druck vor allem Personalkosten einzusparen. Durch Strukturveränderungen bedingt entsteht Arbeitslosigkeit und damit der Druck einzugreifen, werden die Begünstigungen und die staatliche Finanzierung solcher Maßnahmen nicht mehr zurückgefahren, wächst von Zyklus zu Zyklus das Problem.
    Und wenn Sie meinen, dass man mit Fiskalpolitik da eingreifen kann, so ist das so pauschal falsch.
    Im Gegensatz z.B. zu den nordischen Staaten wird bei uns die Abgabenlast zur Umlegung von Einkommen auf eine größere Gruppe verwendet, durch Schaffung von öffentlich bezahlten Arbeitsplätzen (Planwirtschaft), in Schweden, aber auch anderswo fließt stattdessen viel mehr Geld direkt an die Arbeitnehmer zurück, der öffentliche Sektor ist bei weitem nicht so aufgebläht.
    Zusätzlich ist Fiskalpolitik, so sie denn über die Schaffung fairen Wettbewerbs hinaus eingesetzt wird immer problematisch, wie man an diversen industriepolitischen Massnahmen oder den Sonderabschreibungen z.B. im Osten sehen kann.
    Im Grunde ist aktive Fiskalpolitik immer planwirtschaftlich, weil sie von der zentralen Beurteilungsfähigkeit ausgeht, was auf Dauer richtig und was falsch ist.
    Sie hebelt in dieser Weise das Regulativ des Marktes aus. Wenn Fiskalpolitik dazu dient z.B. gleiche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen, Folgekosten wie z.B. Umweltkosten (die auch tatsächlich aufgewendet werden) den Verursachern zuzuweisen, so dient das dem Wettbewerb. Beachten muss man allerdings wiederum, dass wir nicht alleine sind und in Drittstaaten Wettbewerbsvorteile entstehen, wenn dort diese Kosten nicht von den Verursachern erhoben werden (durch rücksichtslose Verschmutzung oder durch Nichtumlage=versteckte Subvention).

    Die hohe Zustimmung für ihre Antwort wundert mich wenig, ist doch ihre Meinung zur Sache seit über 30 Jahren gängige politische Praxis und sozialer Konsens und hat damit auch zur aktuellen Situation geführt.
    Allerdings sind die Schwierigkeiten des Staatshaushaltes, die langfristig steigende strukturelle Arbeitslosigkeit ebenso damit verknüpft.
    Der Traum von der Vollkaskogesellschaft hat eben einen hohen Preis und kurzfristige Erfolge rechtfertigen am Ende doch nicht die langfristige Verluste.

    H.

  4. Danke an die ZEIT und Frau Endres, die sehr schön die Zahlen auffechert.
    Politiker können Wahlen nur mit dem Versprechen gewinnen, Arbeitsplätze zu schaffen. Deshalb ist immer noch von Vollbeschäftigung die Rede, obwohl die Sockelarbeitslosigkeit trotz der demographischen Entwicklung weiterhin bei zwei bis vier Millionen liegen wird. Und da ist noch nicht mal eingeplant, dass die Exportwirtschaft in den nächsten Jahren Schwierigkeiten haben wird weiter in ausreichendem Maße zu wachsen.
    Eigentlich sollten wir uns damit beschäftigen, wie wir unser Leben jenseits der regulären Erwerbsarbeit gestalten. Hier gäbe es Möglichkeiten für geminnütziges Engagement, Sinngebung.
    Doch das tun wir nicht. Die BRD wurde auf Arbeit aufgebaut, doch was passiert mit uns, wenn dieser Lebensinhalt flächendeckend wegbricht beziehungs weise nur noch unregelmäßiger und prekär geleistet werden kann?

  5. Aus dem Artikel: Im Herbst laufen viele Anträge aus. Dann müssen Firmenchefs neu überlegen, ob sie eine – theoretisch unkompliziert erhältliche – Verlängerung beantragen werden. Sind die wirtschaftlichen Aussichten gar zu schlecht, könnten sie sich dagegen entscheiden. Dann sind die "sicheren" Kurzarbeiter ganz schnell ohne Job.

    Das passt ja genau zu dieser Meldung.

    Nach der Wahl wird es bitter...

    • joG
    • 27.08.2009 um 12:37 Uhr

    Ggf wäre auch zu prüfen in wie weit eine Stabilisierung der Arbeitsstatistik eine einfache Folge von zehn Jahren minderen Wachstums in Folge der Euro Einführung und eines handwerklich schlampigen Anschlußes der DDR ist. In dieser Zeit wurden deutsche Arbeiter relativ zu ihren europäischen Kameraden billiger.
    Durch die so nun preiswertere deutsche Arbeit ist Deutschland konkurrenzfähiger und kann diesen Faktor stärker einsetzen.

    • domit
    • 27.08.2009 um 12:42 Uhr

    Indem Sie ( wie alle anderen Medien ) brav die bekannte Teilstatistik als jeweils aktuelle "Arbeitslosenzahlen" veröffentlichen, ziehen Sie sich am selbstgefertigten Ring durch die Arena. Es kann nicht so schwer sein, die getrennten Statistiken zu addieren und dann die regierungsseits gewünschte Zahl zu kennzeichnen.

  6. 8. Naja

    ...in der Tat etwas merkwürdig, dass die ZEIT plötzlich Zahlen hinterfragt, die sonst kommentarlos wiedergegeben werden. Jeder der rechnen kann und mit offenen Augen durch die Welt geht muss mitbekommen, dass die offizielle Zahl der Arbeitslosenzahlen ein rechter Witz ist. Viel aussagekräftiger finde ich die Tatsache, dass die Aufwendungen für HartzIV immer weiter steigen, ein starkes Indiz, dass es immer mehr Menschen in Deutschland zunehmend schlechter geht. Aber wie sagte schon der gute alte Churchill: "Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast."

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Redaktion

    Lieber 1234fire,

    vielen Dank für den Hinweis. Wir melden tatsächlich regelmäßig die aktuellen offiziellen Arbeitsmarktzahlen, ohne im Detail auf die Hintergründe der Statistik einzugehen. Aber dass das tatsächliche Ausmaß der Unterbeschäftigung weit über der offiziellen Quote liegt, hat auch die ZEIT in der Vergangenheit schon aufgeschlüsselt. Hier zwei Artikel von Kolja Rudzio, die sich mit dem Thema befassten:

    http://www.zeit.de/2009/2...
    http://www.zeit.de/2008/3...

    Beide sind auch im Lügendetektor-Text verlinkt. Viel Spaß beim Weiterlesen!

    Beste Grüße,

    Alexandra Endres
    Redaktion ZEIT ONLINE

    Redaktion

    Lieber 1234fire,

    vielen Dank für den Hinweis. Wir melden tatsächlich regelmäßig die aktuellen offiziellen Arbeitsmarktzahlen, ohne im Detail auf die Hintergründe der Statistik einzugehen. Aber dass das tatsächliche Ausmaß der Unterbeschäftigung weit über der offiziellen Quote liegt, hat auch die ZEIT in der Vergangenheit schon aufgeschlüsselt. Hier zwei Artikel von Kolja Rudzio, die sich mit dem Thema befassten:

    http://www.zeit.de/2009/2...
    http://www.zeit.de/2008/3...

    Beide sind auch im Lügendetektor-Text verlinkt. Viel Spaß beim Weiterlesen!

    Beste Grüße,

    Alexandra Endres
    Redaktion ZEIT ONLINE

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