Humanismus Menschenrechte sind keine Ansichtssache

Das hört man oft: Menschenrechte seien eine naive Idee des Westens – oder Deckmäntelchen für imperialistische Tendenzen. Das ist falsch. Menschenrechte sind universell

Ein somalisches Flüchtlingskind in einem Lager in Kenia. In seiner Heimat ist Bürgerkrieg, Menschenrechte werden missachtet

Ein somalisches Flüchtlingskind in einem Lager in Kenia. In seiner Heimat ist Bürgerkrieg, Menschenrechte werden missachtet

Nicht erst seit dem Debakel im Irak, das sich nun in anderer Form in Afghanistan zu wiederholen scheint, glauben in Deutschland viele, dass es für die militärischen Engagements der westlichen Welt keinerlei Berechtigung gibt. Denn eine Einmischung in die Binnenverhältnisse eines anderen Landes, egal in welchem Zustand sich dieses befindet und von wem es regiert wird, sei in jedem Fall der Versuch, einer anderen Gesellschaft die eigenen Wertvorstellungen zu oktroyieren. Manche, wie der Autor und Philosoph Richard David Precht, meinen darin gar eine seit den Alten Griechen bestehende Überheblichkeit des Westens feststellen zu können.

Nun gibt es in der Geschichte in der Tat genügend Beispiele für Invasionen und Feldzüge der Alten Welt mit alles andere als edlen Motiven, von der Heiligen Inquisition bis zur Idee der Herrenrasse. Bei der Intervention in Afghanistan geht es heute jedoch um pragmatische und nicht fanatische Ziele - zum Beispiel darum, eine Taliban-Herrschaft zu verhindern. Darüber hinaus soll die Intervention dem Land dauerhaft Demokratie und Menschenrechte bescheren.

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Sicherlich ist die Frage sehr berechtigt, ob ausgerechnet militärische Interventionen das richtige Mittel sind, um diese durchzusetzen und ob militärische Mittel zur Durchsetzung von Menschenrechten nicht ein Widerspruch an sich sind.

Doch die grundlegende Frage besteht darin, ob die Werte Menschenrechte und Demokratie einen universellen Anspruch besitzen und sie in Einzelfällen die Berechtigung für ein bewaffnetes Eingreifen liefern können – unabhängig von der aktuellen Frage nach der Legitimität und dem Sinn des Afghanistan-Engagements.

Hier beginnt das große Missverständnis. „Der Kampf für die Menschenrechte ist die Blaue Blume der linken Romantik“, behauptet Precht, der selbst in einem linken Elternhaus aufgewachsen ist. Merkwürdig nur, wer demnach plötzlich zur Linken zählen soll – George W. Bush benutzte den Begriff „Menschenrechte“ ebenso wie Angela Merkel. Alles blaue Blümchen? Nach dieser Vorstellung handelt es sich bei den verantwortlichen westlichen Politikern lediglich um törichte Idealisten, die zu glauben scheinen, mit etwas gutem Willen allein ließe sich die Welt verändern.

Tatsächlich ist der Begriff der Menschenrechte jedoch kein idealistisches Konstrukt, dem naive westliche Politiker, Europäer wie Amerikaner, mit einem Hang zur Selbstüberschätzung verfallen sind. Denn der ökonomische Aufstieg der westlichen Demokratien wäre ohne die Aufklärung nicht zu denken - und Grundlage der Aufklärung war die Befreiung des Individuums von der Allmacht der Religion, der „Blutsbande“, also der ethnischen Zugehörigkeit, und der Übermacht des Staates.

Daraus resultierte das Versprechen der bürgerlichen Gesellschaft, bestimmte existenzielle und soziale Mindeststandards zu garantieren – wie etwa das Recht, nicht gefoltert zu werden, ein Dach über dem Kopf zu haben oder eine halbwegs solide Schulbildung in Anspruch nehmen zu können. Kurz: die Menschenrechte.

Leser-Kommentare
  1. Wenn auch die Griechen und Argentinier nicht wirklich froh über den Angriff der Türken und Engländer waren, so haben sie doch anerkannt das sie durch die Eroberer von ihrer Militärdiktatur befreit wurden. Nicht nur die Beispiele von "Einmischung" mit militärischen Mitteln in Ruanda, Somalia sowie in Europa, Srebrenica und Kosovo werfen die Frage nach dem Sinn militärischer Einmischung auf. Auch wie wir im Fall Sudan / Tschad sehen, stößt militärische "Hilfe" / Beistand für unterdrückte Minderheiten einfach schon aus strategischen Überlegungen an seine Grenzen. Die Verpflichtung zum Schutz ist oft verbunden mit der Kenntnis des Rohstoffreichtums eine Landes verbunden. Wie wäre es zum Beispiel wenn ehrlich gesagt würde, wir füllen die Tanks unserer Autos mit dem Leben der Menschen aus diesen Ländern? Ob Öl und Wasser (Sudan), Kupfer (Tibet und A-Stan). War es nicht die Regierung Clinton, die die Talibs jahrelang toleriert hatte weil die UNACAL dort mit Hilfe der Talibs Pipelines bauen wollte? Oder, ist Saudi Arabien etwa eine Demokratie? Warum verlangen wir dort nicht die Durchsetzung von Menschenrechten? Warum spricht kein Chinese über Tibet oder Xinjiang? Oder warten wir das wir bis sich eine militärische Einmischung rechtfertigen lässt?

  2. Ich gebe Frau Dückers völlig recht.
    Wer Menschenrechte von der Nationalität des Subjektes abhängig macht trtt sie mit Füßen.

    Dilemma ist, daß Interventionspolitik im Regelfall die Situation nicht besser macht. Bei militärischen Einsätzen in Ländern, deren Bevölkerung weder mit Demokratie noch mit Menschenrechten etwas anfangen kann, und die durch die Gewaltorgie des Krieges auch nicht eben darauf eingestimmt wird, ist der Fall klar. Davon profitieren diejenigen Kreise, die im Krieg den Invasoren paroli bieten können.
    Aber auch wohlmeinendere Maßnahmen wie milliardenschwere Entwicklungshilfe scheinen in der Gesamtbilanz (siehe Afrika) nicht sehr hilfreich zu sein, da sie letzlich nur den Status quo stabilisieren helfen.

    Wer Menschenrechte und Demokratie durchsetzen will, sollte einerseits bei der Ausbildung neuer Generationen helfen, vor allem aber ein makelloses Vorbild abliefern (wozu in punkto Demokratie allenfalls die Schweiz bereit ist, Deutschland jedenfalls nicht). Militarismus, wie er jetzt wieder Staatsraison ist, ist ebensowenig dem Ruf der angeblichen Menschenrechtsländer zuträglich wie die Weltherrschaft der Konzerne und ihrer (Patent-)Anwälte oder wie die neuentdeckte Leidenschaft des Westens für Zensur und Geheimpolizei.

    Bevor man in Übersee im Interesse der Waffenlobby Bomben wirft, wäre es wohl angemessen, erst einmal das eigene Haus in Ordnung zubringen. Sonst ist die Heuchelei zu offensichtlich.

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    allerdings wird es schwierig sein solch ein markelloses Vorbild abzuliefern. Demnach wirkt Ihre Forderung selbst etwas heuchlerisch. Sie sagen nämlich, dass wir bei anderen Ländern auf jeden Fall die Menschenrechte durchsetzten sollen, aber nur wenn bei uns selber alles in Ordnung ist. Ergo: kein Durchsetzen der Menschenrechte in anderen Ländern.

    allerdings wird es schwierig sein solch ein markelloses Vorbild abzuliefern. Demnach wirkt Ihre Forderung selbst etwas heuchlerisch. Sie sagen nämlich, dass wir bei anderen Ländern auf jeden Fall die Menschenrechte durchsetzten sollen, aber nur wenn bei uns selber alles in Ordnung ist. Ergo: kein Durchsetzen der Menschenrechte in anderen Ländern.

  3. sollen besser schweigen.

    Und wie wäre es, wenn alle Befürworter eines Krieges in Afghanistan selber eine Waffe in die Hand nehmen würden, anstatt Kanonenfutter dorthinzuschicken?

    Die Selbstmordrate in der US- und Britischen Armee (und ganz sicher auch bald in der Bundeswehr) zeigt, dass man mit modernen westlichen Männern/Menschen keine Kriege mehr führen kann.

    Deshalb wird das Feld auch bald den Borderlinesöldner à la Blackwater überlassen, was sicher für die Menschenrechte vor Ort nicht förderlich ist.

  4. 4. na,

    nichts für ungut, aber die idee, dass menschenrechte auf der gesamten welt gelten, ist nun auch wieder nicht neu. es werden nur, wie in so vielen anderen artikeln westlich-liberaler intellektueller auch, die beiden nachfolgenden überlegungen vergessen:

    welches ist der spezifische weg jedes landes hin zu mehr menschenrechten?

    was können wir als der entwickelte norden tun, um mehr menschenrechte in ländern zu ermöglichen, in denen diese fehlen?

    solange p e r m a n e n t A gesagt wird, ohne auch mal B und C zu sagen, kommen wir nicht vom fleck, sondern müssen jedes mal wieder zusehen, wie der menschenrechts-terminus von einem haufen perverser zwangsbeglücker zweckentfremdet wird.
    hermetisch abgeriegelte gedankenspiele rund um etymologien und historische entwicklungen bringen nix! nicht mal erkenntnisgewinn.

    und strukturbedingte armut ist die schlimmste form von gewalt. viel eher sollten wir mal darüber diskutieren.

  5. Der Mensch der Moderne ist Pragmatiker, er lässt sich nicht auf ein politisches Schema aus Bismarcks Zeiten ein. Der Mensche der Moderne lebt in der Gegenwart und will Zukunft gestalten, statt immer wieder aufs Neue alte Kämpfe neu aufzuführen.
    Die Vertreter der Vormoderne sehen das naturgemäss anders, eben so, wie sie es nur sehen können. Verschwenden wir unser kurzes Leben nicht damit, die von IRGENDWAS zu überzeugen, sie werden es nicht verstehen.
    Menschenrechte sind der Katechismus der Zivilisation, sie sind universell und jeder Zweifel schlicht prä-zivilisatorisch. Es sind ja nicht umsonst immer wieder die ausgewiesenen Barbaren-Staaten China, Iran, Burma, Nord-Korea, die sich hier in Relativierungen ergehen.

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    Wenn ich die Jahreszahlen noch recht zusammenkriege, war Bismarck ein Mensch, der mitten in der Moderne gelebt hat und der mit seinen Aktionen gegen die Katholiken auch noch der Moderne recht entsprechend gehandelt hat.
    Es waren weiterhin die Imperialisten (ungefähr ebenfalls Bismarcks Epoche), die sich damals schon der Argumentation bedient haben, man müsse den "Barbarenstaaten" und den "präzivilisatorischen" Unterbelichteten endlich die glückseligmachende Zivilisation bringen. Menschenrechte wurden dabei allerdings keine beachtet.

    Versuchen sie doch wenigstens Zweiflern Argumente entgegenzusetzen, anstatt diese der Einfachheit halber als "präzivilisatorisch" zu beschimpfen. Ich bin gewiss kein Mensch der die Universalität der Menschenrechte bezweifelt, aber ich schätze kritisches Denken und vernünftige Argumentationen. Beides finde ich in ihrem Kommentar nicht.

    Wenn ich die Jahreszahlen noch recht zusammenkriege, war Bismarck ein Mensch, der mitten in der Moderne gelebt hat und der mit seinen Aktionen gegen die Katholiken auch noch der Moderne recht entsprechend gehandelt hat.
    Es waren weiterhin die Imperialisten (ungefähr ebenfalls Bismarcks Epoche), die sich damals schon der Argumentation bedient haben, man müsse den "Barbarenstaaten" und den "präzivilisatorischen" Unterbelichteten endlich die glückseligmachende Zivilisation bringen. Menschenrechte wurden dabei allerdings keine beachtet.

    Versuchen sie doch wenigstens Zweiflern Argumente entgegenzusetzen, anstatt diese der Einfachheit halber als "präzivilisatorisch" zu beschimpfen. Ich bin gewiss kein Mensch der die Universalität der Menschenrechte bezweifelt, aber ich schätze kritisches Denken und vernünftige Argumentationen. Beides finde ich in ihrem Kommentar nicht.

    • peto1
    • 26.08.2009 um 7:59 Uhr

    Da gebe ich ihnen recht, Ansicht ist keine Moralische frage sondern Veranlagung,
    Es ist beweisbar das zwei Menschen die völlig unter verschiedenen Umwelt beddingungen Leben und aufgewachsen sind die selbe idee und das selbe streben haben können, obwohl sie von den Umwelt beddingungen des anderen nichts wissen der Mench ist kein Ameisenvolk sondern ein Individium und deshalb wird es immer Individialismus anstreben und grenzen ziehen, Gruppen können sich nur bilden ,Nicht weil sie der selben Ansicht sind sondern weil sie der selben Umwelt beddingungen unterliegen.

  6. "Grundlage der Aufklärung war die Befreiung des Individuums von der Allmacht der Religion, der „Blutsbande“, also der ethnischen Zugehörigkeit, und der Übermacht des Staates."

    Genau das ist doch der Weg um Menschenrechte in Ländern zu etablieren in denen sie einfach nicht "bekannt" sind, oder eine perverse Abwandlung sind. Der Islam ist nur EIN Beispiel wie Menschen unterdrückt und "falsch" erzogen werden. Erst wenn sich die Völker von den oben genannten Geißeln befreit haben können die Menschen würdig leben.

    Zu den militärischen Einsätzen lässt sich nur sagen, das sie an sich nicht schlecht sein müssten, jedoch leider viel zu oft die "Hilfe" als Vorwand für eigene Interessen missbraucht werden.

    Der Schlüssel kann nur sein die Menschen zu vermitteln das Freiheit und Gleichheit das Fundament einer gerechten und erstrebenswerten Gesellschaft sind. Darüber sollte sicht nicht streiten lassen.

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    • SF
    • 26.08.2009 um 8:57 Uhr

    Auf theoretischer Ebene bin ich vollkommen einverstanden, dass Menschenrechte ein universelles Recht sind, das jedem Inviduum unabhängig von Nationalität, Geburtsort etc. zusteht. Auch den Einsatz für Menschenrechte weltweit halte ich für legitim.

    Aber wie soll nun dieser Einsatz aussehen?

    Den Kampf für die Menschenrechte haben in den westlichen Industrienationen Heerscharen von Bauern, Arbeitern, Frauen und andere Gruppen geführt

    Und gerade, weil dieser Kampf in unseren Gesellschaften selbst ausgetragen wurde und das Ergebnis am Ende eines langen, schmerzhaften Prozesses stand, können wir uns heute so stark mit ihnen identifizieren.
    Kann eine Gesellschaft sich auch so stark mit etwas identifizieren, das nicht nur eigene Prozesse hervorgebracht wurde?

    Kommentar 7 schreibt:
    Genau das ist doch der Weg um Menschenrechte in Ländern zu etablieren in denen sie einfach nicht "bekannt" sind, oder eine perverse Abwandlung sind. Der Islam ist nur EIN Beispiel wie Menschen unterdrückt und "falsch" erzogen werden. Erst wenn sich die Völker von den oben genannten Geißeln befreit haben können die Menschen würdig leben.

    (Auf die Aussage, dass der Islam ein Weg sei, Menschen falsch zu erziehen, will ich gar nicht eingehen - sonst wäre die Diskussion ruckzuck wieder da, wo sie im Zeit-Forum meistens landet). Aber ich bin vollkommen einverstanden, damit, dass sich Völker von Geißeln in Form von Unterdrückung befreien müssen. Befreien, nicht befreit werden!

    Nicht, weil ich nicht glaube, dass es legitim wäre, sondern weil ich nicht glaube, dass es funktionieren kann.

    • SF
    • 26.08.2009 um 8:57 Uhr

    Auf theoretischer Ebene bin ich vollkommen einverstanden, dass Menschenrechte ein universelles Recht sind, das jedem Inviduum unabhängig von Nationalität, Geburtsort etc. zusteht. Auch den Einsatz für Menschenrechte weltweit halte ich für legitim.

    Aber wie soll nun dieser Einsatz aussehen?

    Den Kampf für die Menschenrechte haben in den westlichen Industrienationen Heerscharen von Bauern, Arbeitern, Frauen und andere Gruppen geführt

    Und gerade, weil dieser Kampf in unseren Gesellschaften selbst ausgetragen wurde und das Ergebnis am Ende eines langen, schmerzhaften Prozesses stand, können wir uns heute so stark mit ihnen identifizieren.
    Kann eine Gesellschaft sich auch so stark mit etwas identifizieren, das nicht nur eigene Prozesse hervorgebracht wurde?

    Kommentar 7 schreibt:
    Genau das ist doch der Weg um Menschenrechte in Ländern zu etablieren in denen sie einfach nicht "bekannt" sind, oder eine perverse Abwandlung sind. Der Islam ist nur EIN Beispiel wie Menschen unterdrückt und "falsch" erzogen werden. Erst wenn sich die Völker von den oben genannten Geißeln befreit haben können die Menschen würdig leben.

    (Auf die Aussage, dass der Islam ein Weg sei, Menschen falsch zu erziehen, will ich gar nicht eingehen - sonst wäre die Diskussion ruckzuck wieder da, wo sie im Zeit-Forum meistens landet). Aber ich bin vollkommen einverstanden, damit, dass sich Völker von Geißeln in Form von Unterdrückung befreien müssen. Befreien, nicht befreit werden!

    Nicht, weil ich nicht glaube, dass es legitim wäre, sondern weil ich nicht glaube, dass es funktionieren kann.

  7. Der extreme Kulturrelativismus ist eine Haltung, die nicht nur Gleichgültigkeit mit dem Schicksal anderer Menschen spiegelt, sondern auch qua ihrer Argumentation anti-individualistisch, somit letztendlich vormodern ist.

    Und das muss wohl der schwerste Vorwurf sein, den man einer Haltung machen kann. Ist es nicht erstaunlich, wie wichtig wir unsere eigene Zeit nehmen, dass sich etwas allein dadurch disqualifizieren kann, dass es "vormodern" ist? Pikant wird die Verknüpfung mit "anti-individualistisch". Weite Teile der heutigen Welt sind kulturell weniger individualistisch geprägt als Europa und die USA. Sind sie alle "vormodern", was wohl so viel heißen soll wie "keine ernsthafte Alternative für vernünftige Menschen"?

    Vielleicht ist ja ein Ausweg aus dem Dilemma im ersten Teil des zitierten Satzes erkennbar: Das eigentliche Problem ist doch nicht der Relativismus (denn er ist eine praktische Übung in Toleranz), sondern die Gleichgültigkeit - oder umgekehrt das Mitleid, dass wir anderen Menschen auf natürliche, menschliche Art entgegenbringen. Vielleicht muss sich an der Schlussfolgerung des Artikels (Intervention kann nötig sein) gar nicht viel ändern, wenn man sie nur mit dem eigenen Mitleid, also der eigenen Menschlichkeit, begründet anstatt mit dem geballten Missionseifer von Individualismus und Moderne.

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    • Hainuo
    • 26.08.2009 um 10:10 Uhr

    Ein sehr treffender Kommentar. Die Haltung, dass unser Individualismus das einzige auf dieser Welt sei, was zu gelten hat, macht die Leute hier blind für andere Systeme, die durchaus effizienter sein können als unser westliches.

    Demokratie und Menschenrechte scheinen in diesem Artikel allzu gleichwertig, als wäre Ersteres Bedingung für das Zweite. Den ganzen Artikel lang stört dies beim Lesen, denn eigentlich bin ich auch für die Einhaltung und Aufrechterhaltung von Menschenrechten. Schlimm wäre es, einen anderen Zustand als erstrebenswert zu erachten. Die westliche Arroganz stört allerdings. Beinahe klingt es so, als wären Menschenrechte ohne Demokratie nicht zu gewährleisten. Schaut man sich die Demokratien dieser Welt mal an, wird man feststellen, dass in den wenigsten die Menschenrechte gewahrt werden. Und George W. Bush als Vertreter der Menschenrechte aufzuführen hat auch einen makaberen Beigeschmack...
    Die Ziele der Aufklärung sind sicherlich etwas Vernünftiges, in dem Artikel klingt es jedoch so, als ob diese seit ehedem auch wirklich umgesetzt wurden. Wenn man sich aber mal die nur sehr kurze Zeit anschaut, in welcher wirklich weitestgehend die Menschenrechte gewahrt sehen, dann ist dies erschreckend kurz. Die Menschenrechte sind trotz früher Aufklärung auch erst mit dem Wohlstand gekommen und werden genauso wieder mit ihm weiterziehen. Von Ländern mit geringerem Wohlstand die gleiche Leistung zu verlangen, ist schlichtweg arrogant und richtet mehr Schaden an, als das es hilft.

    Das der Wohlstand allerdings in vielen Ländern keinen Einzug erhält, ist unter anderem Produkt unseres Wohlstandes. Um diesen zu wahren werden andere Länder künstlich schwach gehalten und ausgebeutet. Das hat mit der Verbreitung unserer verlogenen Menschenrechte herzlich wenig zu tun. Auf der anderen Seite verlangen wir von China eine Entwicklung ohne Entwicklungszeit. Es wird gefordert, dass China die Menschenrechte wahren soll. Die Entwicklung und Verbesserung der Jahre wird unterschlagen. Eine Entwicklung, für die wir jahrhunderte Zeit hatten, soll plötzlich sofort umgesetzt werden. Sehr arrogant. Zudem ist wirklich zu bezweifeln, ob die Demokratie in China wirklich zur Verbesserung der Menschenrechte beitragen könnte. Ich will mir dieses Chaos nicht ausmalen, ein unregierbares Land wäre das Resultat. Jeder soll seinen Weg finden, hilfe von außen hat noch selten funktioniert. Menschenrechte werden eher gewahrt, wenn ein Land gut regiert wird, da es keiner Unterdrückung benötigt. Mit ständigen Interventionen wird jedes Land auseinandergerissen, gespalten und geschwächt. Keine gute Grundlage.

    Nebenbei, es fällt mir gerade im Kontext asiatischer Länder ein. Viele asiatische Länder, wie bsp. Südkorea und China, konnten ihre Lebensbedingungen nur verbessern, indem vorher ein gewaltiger Kraftakt durch die Bevölkerung geleistet werden musste. Diese Phase entspricht nicht im geringsten den Menschenrechten, beschehrt den Ländern aber langfristig Wohlstand und bessere Lebensbedingungen, inkl. einer größeren Bedeutung der Menschenrechte. Jetzt stellt sich die Frage, ob solche Entwicklungen moralisch einwandfrei sind oder nicht. Auf Dauer gesehen muss man allerdings den Erfolg anerkennen. Und der Erfolg hat nichts mit unserem tollen Individualismus zu tun, sondern mit einem ausgeprägten Gruppendenken. Diese Unterschiede zu leugnen hilft auch nicht weiter. Es mag viele Chinesen geben, die dem Individualismus anhängen, ich kenne aber eine mindestens genauso große Anzahl derer, welche ihr System offenkundig bevorzugen (und sie sind nicht reich oder in führenden Positionen).

    Nur als Ergänzung, bevor hier die Rede von chinesischer Propagandamaschinerie ist: ich bin Deutscher und auch keineswegs indoktriniert, und sicher bin ich nicht begeistert von vielen Menschenrechtsverletzungen in China (es gibt nebenbei auch noch andere Länder, die so etwas tun...), aber die westliche Arroganz ist dermaßen unerträglich, dass man manchmal heulen möchte. Die Unwissenheit auch. Was von China verlangt wird, dass haben wir selbst mal nicht eingehalten. Das wird nur gerne vergessen. Aber weil wir es gerade mal unsere 50 Jahre mit ein bisschen mehr Menschlichkeit geschafft haben, fühlen wir uns verpflichtet dieses allen unter die Nase zu halten. Bin gespannt, wann wir mal wieder zu den Bösen gehören. 20 Jahre, 30 Jahre? Wer weiss...
    --------
    Ein Mensch, der Zeitung liest, erfährt:
    "Die Lage völlig ungeklärt."
    Weil dies seit Adam so gewesen,
    Wozu denn da noch Zeitung lesen?

    • Hainuo
    • 26.08.2009 um 10:10 Uhr

    Ein sehr treffender Kommentar. Die Haltung, dass unser Individualismus das einzige auf dieser Welt sei, was zu gelten hat, macht die Leute hier blind für andere Systeme, die durchaus effizienter sein können als unser westliches.

    Demokratie und Menschenrechte scheinen in diesem Artikel allzu gleichwertig, als wäre Ersteres Bedingung für das Zweite. Den ganzen Artikel lang stört dies beim Lesen, denn eigentlich bin ich auch für die Einhaltung und Aufrechterhaltung von Menschenrechten. Schlimm wäre es, einen anderen Zustand als erstrebenswert zu erachten. Die westliche Arroganz stört allerdings. Beinahe klingt es so, als wären Menschenrechte ohne Demokratie nicht zu gewährleisten. Schaut man sich die Demokratien dieser Welt mal an, wird man feststellen, dass in den wenigsten die Menschenrechte gewahrt werden. Und George W. Bush als Vertreter der Menschenrechte aufzuführen hat auch einen makaberen Beigeschmack...
    Die Ziele der Aufklärung sind sicherlich etwas Vernünftiges, in dem Artikel klingt es jedoch so, als ob diese seit ehedem auch wirklich umgesetzt wurden. Wenn man sich aber mal die nur sehr kurze Zeit anschaut, in welcher wirklich weitestgehend die Menschenrechte gewahrt sehen, dann ist dies erschreckend kurz. Die Menschenrechte sind trotz früher Aufklärung auch erst mit dem Wohlstand gekommen und werden genauso wieder mit ihm weiterziehen. Von Ländern mit geringerem Wohlstand die gleiche Leistung zu verlangen, ist schlichtweg arrogant und richtet mehr Schaden an, als das es hilft.

    Das der Wohlstand allerdings in vielen Ländern keinen Einzug erhält, ist unter anderem Produkt unseres Wohlstandes. Um diesen zu wahren werden andere Länder künstlich schwach gehalten und ausgebeutet. Das hat mit der Verbreitung unserer verlogenen Menschenrechte herzlich wenig zu tun. Auf der anderen Seite verlangen wir von China eine Entwicklung ohne Entwicklungszeit. Es wird gefordert, dass China die Menschenrechte wahren soll. Die Entwicklung und Verbesserung der Jahre wird unterschlagen. Eine Entwicklung, für die wir jahrhunderte Zeit hatten, soll plötzlich sofort umgesetzt werden. Sehr arrogant. Zudem ist wirklich zu bezweifeln, ob die Demokratie in China wirklich zur Verbesserung der Menschenrechte beitragen könnte. Ich will mir dieses Chaos nicht ausmalen, ein unregierbares Land wäre das Resultat. Jeder soll seinen Weg finden, hilfe von außen hat noch selten funktioniert. Menschenrechte werden eher gewahrt, wenn ein Land gut regiert wird, da es keiner Unterdrückung benötigt. Mit ständigen Interventionen wird jedes Land auseinandergerissen, gespalten und geschwächt. Keine gute Grundlage.

    Nebenbei, es fällt mir gerade im Kontext asiatischer Länder ein. Viele asiatische Länder, wie bsp. Südkorea und China, konnten ihre Lebensbedingungen nur verbessern, indem vorher ein gewaltiger Kraftakt durch die Bevölkerung geleistet werden musste. Diese Phase entspricht nicht im geringsten den Menschenrechten, beschehrt den Ländern aber langfristig Wohlstand und bessere Lebensbedingungen, inkl. einer größeren Bedeutung der Menschenrechte. Jetzt stellt sich die Frage, ob solche Entwicklungen moralisch einwandfrei sind oder nicht. Auf Dauer gesehen muss man allerdings den Erfolg anerkennen. Und der Erfolg hat nichts mit unserem tollen Individualismus zu tun, sondern mit einem ausgeprägten Gruppendenken. Diese Unterschiede zu leugnen hilft auch nicht weiter. Es mag viele Chinesen geben, die dem Individualismus anhängen, ich kenne aber eine mindestens genauso große Anzahl derer, welche ihr System offenkundig bevorzugen (und sie sind nicht reich oder in führenden Positionen).

    Nur als Ergänzung, bevor hier die Rede von chinesischer Propagandamaschinerie ist: ich bin Deutscher und auch keineswegs indoktriniert, und sicher bin ich nicht begeistert von vielen Menschenrechtsverletzungen in China (es gibt nebenbei auch noch andere Länder, die so etwas tun...), aber die westliche Arroganz ist dermaßen unerträglich, dass man manchmal heulen möchte. Die Unwissenheit auch. Was von China verlangt wird, dass haben wir selbst mal nicht eingehalten. Das wird nur gerne vergessen. Aber weil wir es gerade mal unsere 50 Jahre mit ein bisschen mehr Menschlichkeit geschafft haben, fühlen wir uns verpflichtet dieses allen unter die Nase zu halten. Bin gespannt, wann wir mal wieder zu den Bösen gehören. 20 Jahre, 30 Jahre? Wer weiss...
    --------
    Ein Mensch, der Zeitung liest, erfährt:
    "Die Lage völlig ungeklärt."
    Weil dies seit Adam so gewesen,
    Wozu denn da noch Zeitung lesen?

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