GCO vs. Gamescom In Köln spielen, in Leipzig reden

Zwei Spielemessen kämpfen um die Gunst des Publikums. Die Kölner Messe war erfolgreicher, aber als Fachmesse hat auch der Standort Leipzig eine Zukunft

Deutschlands große Computerspielmesse ist von Leipzig nach Köln umgezogen worden. Dadurch solle sie internationaler und noch erfolgreicher werden, hatten Vertreter des Branchenverbandes BIU gesagt. Leipzig richtete dieses Jahr stattdessen die Games Convention Online aus, eine Spezialmesse für Computerspiele, die nur online gespielt werden. Jetzt ist auch die erste Gamescom in Köln zu Ende. Zeit für eine Bilanz: Hat sich der Ortswechsel gelohnt?

Wichtigster Indikator für Erfolg und Misserfolg von Messen ist der Publikumszuspruch. Daran gemessen war Köln ein Erfolg. Nach Angaben der Veranstalter drängten 245.000 Menschen in die Ausstellungshallen. Das sind immerhin 42.000 mehr als im Jahr zuvor, als die Messe noch in Leipzig stattfand. Dort kam es beinahe zu einem Verkehrsinfarkt. Die Menschenmassen verstopften damals zeitweise die Verbindungsgänge zwischen den Ausstellungshallen. Das Messegelände in Köln ist hingegen weitläufiger, sodass mehr Besucher eingelassen werden können. Und in Leipzig gab es dieses Jahr keine Verstopfungen mehr, zur Online-Messe reisten nur 43.000 Interessierte an.

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Voller Erfolg also für Köln? Es mag wohlfeil wirken, wenn die Kommentatoren sich auf die Zuschauerzahlen stürzen und daran die Messen bewerten. Schließlich sollte auch die Qualität des Ausgestellten zählen. Aber Computerspielmessen funktionieren als Publikumsmagnete. Die Hersteller wollen immerhin möglichst vielen Menschen ihre Neuheiten vorstellen. Selbstverständlich werden in abgetrennten Bereichen auch Geschäfte zwischen den Ausstellern gemacht. Auch eine Konferenz mit Fachvorträgen gehört mittlerweile zum üblichen Programm.

Die Hauptsache aber ist auch aus Herstellersicht der Kontakt zum möglichst zahlreichen Publikum. Und da sieht es gut aus in Köln. Die Verkehrsanbindung und die Infrastruktur sei besser als die in Leipzig, deswegen könnten mehr Besucher kommen. Und ob man die Stände in Leipzig oder Köln aufbaut, ist den Herstellern egal – die Hallen sehen von innen alle gleich aus. 

Nur, wie war das mit den Neuheiten? Eigentlich gab es keine. Bewegungssteuerung sei im Kommen, konnte man erfahren. Und dass Fortsetzungen von erfolgreichen Spielen auch erfolgreich sind. Das sind wirklich keine neuen Erkenntnisse. Die Kölner Messe war als Spektakel erfolgreich, inhaltlich konnte sie aber keine Akzente setzen. Wer auf der großen Spielemesse in Los Angeles (E3) war, konnte sich einen Besuch auf der Gamescom eigentlich sparen.

Darin liegt die Chance für die kleinere Online-Messe in Leipzig. Die vielfältigen Interaktionsmöglichkeiten via Internet, dank derer Hunderttausende Spieler zeitgleich gegeneinander antreten können, sollten die Innovationsfreudigkeit der Spieleentwickler anregen. Neue technische Voraussetzungen ziehen schließlich in der Regel auch neue Spielekonzepte nach sich – auch wenn solche auf der diesjährigen Premiere der Online-Messe noch nicht zu finden waren.

Natürlich könnten diese Neuheiten auch im Rahmen der großen Gamescom präsentiert werden. Doch noch ist der Onlinespiele-Markt recht klein. Hersteller von Online-Spielen können sich, abgesehen vom Marktführer Blizzard, eine große Präsentation nicht leisten und gehen im Vergleich zu den Ständen der Branchenriesen unter. Deswegen könnte sich für Online-Only-Firmen der Gang zur Games Convention Online in Leipzig auch 2010 lohnen. Dort ist man unter sich und kann in Ruhe fachsimpeln. Als echte Publikumsmesse aber hat sie wohl keine Chance.

 
Leser-Kommentare
    • muna
    • 25.08.2009 um 10:41 Uhr

    Ich war wirklich enttäuscht von der gamescom in Köln - angefangen von der Anreise (die Beschilderung bis zum Parkhaus war super, von dort konnte man allerdings entweder ewig auf einen Platz im ShuttleBus warten oder laufen, was sich dank fehlender Wegweiser als schwierig erwies.)

    Durch die Messe waren wir nach drei Stunden durch - neue Spielinhalte haben wir nicht gesehen, die Warteschlangen waren zu lang (wer will schon über 2 Stunden anstehen um zehn Minuten spielen zu können?).

    An manchen Ständen konnte man wenigstens anderen Spielern über die Schulter schauen, doch auch das war nicht überall möglich, teilweise waren die Plätze von aller Augen abgeschirmt (aufgrund Altersbeschränkung?). Warum hat man denn bitte ein Bändchenssystem und nutzt es dann nicht entsprechend?

    Wir hatten uns extra online-Tickets besorgt, um nicht anstehen zu müssen. Aber auch das hat nicht geklappt - ab in die Schlange für das Altersfreigabebändchen - auch dieses System sollte optimiert werden.

    Mein Fazit für die Gamescom 2009 - das war meine erste und letzte Gamescom in Köln!

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