Dieses Spitzmaulnashorn lebt in einem Zoo in Australien. Seine Artgenossen in Freiheit sind vom Aussterben bedroht, weil Wilderer die Tiere töten, um die Hörner auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen © Adam Pretty/Getty Images

Es sind skrupellose Morde, die Johnny Rodrigues beschreibt. Die Mörder "benutzen eine Axt und zerhacken das Gesicht, sie lassen nur eine blutige Masse übrig", berichtet der Chef der simbabwischen Conservation Task Force, einer Naturschutzgruppe. "Was für die Mörder zählt, ist nur eins: das Horn."

Die Wilderei in Simbabwe hat stark zugenommen. Nach letzten Schätzungen sollen in den vergangenen zwei Jahren, in denen Simbabwe endgültig im politischen Chaos versank, 216 der einheimischen Rhinozerosse getötet worden sein. In Simbabwe leben überwiegend Spitzmaulnashörner der Unterart Diceros bicornis minor. Diese Tiere werden auch Schwarze Nashörner genannt, im Gegensatz zu den Weißen Nashörnern (Breitmaulnashörner), die in Simbabwe nur sehr selten als Import aus Südafrika vorkommen.

Für weitere Artikel zum Thema Artenschutz klicken Sie auf das Bild © Mauricio Lima/AFP/Getty Images

Nur knapp 500 Exemplare haben nach Schätzungen von Tierschützern in Simbabwe überlebt, doch auch sie sind in großer Gefahr: Rodrigues berichtet, dass derzeit bis zu vier Nashörner im Monat von Wilderern erlegt werden. "Wenn das noch ein paar Jahre so weiter geht, sind keine Nashörner mehr übrig", sagt er.

"Wir erleben eine Zunahme der Nashornwilderei im ganzen südlichen Afrika", bestätigt Christof Schenck, der Geschäftsführer der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft, der gerade erst durch Simbabwe gereist ist. "Wir sehen, dass es professionelle asiatische Banden gibt, vor allem aus Vietnam und China, die in Afrika Nashörner wildern."

In Asien ist ein Horn je nach Größe und Zustand mehrere tausend Euro wert. "Im arabischen Raum werden Dolchschäfte aus den Hörnern geschnitzt, und in China wird das Horn als Aphrodisiakum und als Bestandteil dutzender Arzneimischungen verwendet", sagt Schenck. Der Markt dafür wachse seit Jahren. "Es gibt immer mehr Chinesen, die der Mittelschicht angehören und sich auch teure traditionelle Medizin leisten können", sagt er. "Da gibt es einen schier endlosen Absatzmarkt."

In Simbabwe leben nach Schätzungen von Naturschützern nur noch etwa 500 dieser Spitzmaulnashörner. Auch Breitmaulnashörner sind wegen der Wilderei in Afrika vom Aussterben bedroht © Dan Kitwood/Getty Images

Von einer alarmierenden Zunahme der Nashornwilderei spricht auch ein Bericht, den eine Allianz aus Naturschutzgruppen jüngst bei einem Treffen des UN-Artenschutzabkommens CITES vorgelegt hat. Demnach sind seit mindestens 15 Jahren nicht mehr so viele Nashörner gewildert worden wie derzeit. Mehr als 14 Millionen Jahre reicht die Stammesgeschichte des Nashorns zurück. Doch wenn der derzeitige Trend anhält, dann werden die letzten 18.000 Nashörner Afrikas nicht mehr lange überleben.

Wer Simbabwes Nationalparks besucht, sieht schnell, wie leicht die Wilderer es haben. Die Wildhüter haben keine Autos, keine Funkgeräte und kaum Munition; viele sind monatelang nicht bezahlt worden und müssen selber wildern gehen, um sich und ihre Familien zu ernähren.