Internet-Wahlkampf Online zum WahlsiegSeite 2/2
Das lehrt auch ein Blick in die Videobörse YouTube. Politisch gesehen war Obama dort der unbestrittene König. Der etwas anzügliche Videosong „Crush on Obama“ (Verknallt in Obama), bei dem sich eine kurvige Schönheit in Sehnsucht nach dem „besten aller Kandidaten“ an dessen Plakate schmiegt, schlug dort bereits 2007 um Längen Hillary Clintons Versuche, die YouTube-Nutzer über ihre Wahlkampfhymne abstimmen zu lassen. Möchten deutsche Wähler ihre Politiker in solchen verfänglichen Situationen sehen?
Obamas Rede zur Rassenfrage kurz vor der Vorwahl in Pennsylvania wurde millionenfach angeklickt. Könnte das der Rede eines deutschen Politikers widerfahren – ohne Obamas Rhetorik und Aura und ohne den vorausgegangenen Konflikt um die Hasspredigten seines schwarzen Pfarrers? Der Musiker will.i.am vertonte Teile des Texts als „Yes we can“-Song; auch dieses Video schauten sich Millionen im Netz an.
Die Website barackobama.com wurde zu einem populären Kommunikationsforum. Wer seine Postleitzahl eingab, erfuhr, welche Wahlkampftermine in der Umgebung geplant sind, welche Nachbarn Obama-Fans sind – gefolgt von der Aufforderung, sich bekannt zu machen und gemeinsam eine Hausparty für den Kandidaten zu veranstalten. Das passt zum distanzlosen Umgangsstil in den USA. Würden auch Deutsche das mitmachen oder es als Grenzüberschreitung in ihre Privatsphäre empfinden?
Nicht zuletzt der Datenschutz setzt der Nachahmung Grenzen. Die Vorschriften in den USA sind weniger streng als in Deutschland. Man darf Datenbanken mit E-Mail-Adressen oder Handynummer für SMS anlegen, sofern die Menschen sie freiwillig herausgegeben haben. Man braucht nicht ihre ausdrückliche Genehmigung, um sie für den Wahlkampf zu nutzen. - „Bing“, da kommt die nächste E-Mail von info@barackobama.com, einer Webseite, die offiziell unabhängig vom Weißen Haus operiert. Unter der Überschrift „Organizing for America“ bittet Direktor Mitch Stewart um täglich einen Dollar Spende, bis zu dem Tag, an dem der Kongress die Gesundheitsreform beschlossen hat. Man brauche das Geld, um dem Anzeigenkrieg der Reformgegner in Radio und Fernsehen eine positive Werbung entgegenzusetzen.
- Datum 24.08.2009 - 07:18 Uhr
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- Serie wahlen
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel 23.8.2009
- Kommentare 8
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... ist nicht nach Deutschland übertragbar, weil die deutsche Geschichte, Sprache und Kultur so viel Pathos nicht vertragen. Jemand, der auf Deutsch Reden wie er schwänge, würde als Schwätzer abgetan.
Tatsächlich stellt sich die Frage, ob das die Reden als Schwätzerei oder die Deutschen als politisch visionsloses und leidenschaftsloses Volk diskreditiert. Ich glaube oder fürchte, dass von beidem was dabei ist.
Sicher verkörperte Obama nach der fürchterlichen Ära Bush Vergleichbares wie Schröder nach der Ära Kohl. Der Vergleich hinkt, was die Persönlichkeiten betrifft, ganz sicher, was die politische Lage des Landes betrifft, jedoch nicht. Ein weiterer Grund, weshalb in Deutschland kein Obama gefunden werden wird: Die hiesige politische Lage. Es bekämpfen sich nicht zwei Lager, die machen seit vier Jahren gemeinsame Regierungsarbeit.
Dass Obama ausgerechnet "Sozialdemokrat" ist und "trotzdem", d.h. trotz des sonst weit verbreiteten Niedergangs sozialdemokratischer Ideen, die Wahl gewonnen hat, darf nicht ohne die Vorgeschichte betrachtet werden und kann nicht ohne weiteres auf Europa übertragen werden, weil die USA ein Zwei-Parteien-System sind, in dem den Gegner bzw. den Wechsel wählen immer nur eine Option übrig lässt. Die war diesmal (sozial)demokratisch. Das sieht in Deutschland (leider?) anders aus.
Das System in Deutschland ist doch ganz anders.
Beispiel: unser Wahlsystem.
Die Partei wird gewählt und darf Abgeordnete entsenden. Und es wird ein Direktkandidat im Wahlkreis gewählt.
So weit die Theorie.
Praktisch sieht es so aus:
die Partei allein entscheidet, wer sicher in den Bundestag kommt oder nicht. Das tut sie, indem sie den Leuten, die in den Bundestag kommen sollen einen festen Listenplatz zuteilen. Die Liste ist fest und derjenige, der oben steht kommt auch als Abgeordneter in den Bundestag (zumindest in sicheren Wahlkreisen).
Dabei es dann sogar egal, wer als Direktkandidat gewinnt oder eben verliert. Durch diese Listenmandate kommt jeder, der von der Partei aufgestellt wird und oben auf der Liste steht als Abgeordneter in den Bundestag.
Die "Wahloption" gerät damit zur Farce. Der Grundsatz der Unmittelbarkeit der Wahl ist damit in Deutschland überhaupt nicht realisiert.
(nähere Details dazu in: "Volksparteien ohne Volk").
Als Resümee lässt sich festhalten:
jemand wie Obama hätte in Deutschland keine Chance, weil er in der Partei auf dem Weg nach oben zu viele Feinde hätte. Hier sind eher Leute vom Typ Musterschwiegersohn mit Schmierentheatercharakter gefragt.
"stark" darf in Deutschland nur derjenige sein, der bereits an der Macht ist. Nur da braucht er eben nicht mehr hochsteigen sondern seine Position nur noch halten.
sowohl die politische Kultur wie die Internetkultur ist hier anders. In den USA besteht die Spannung eher zwischen Exekutive und Parlament, hier eher zwischen Regierungs- und Oppositionsparteien. Die meisten Deutschen, zumindest der älteren und mittleren Generation, sind auch eher an dem interessiert, was es Schwarz auf Weiß gibt. Insofern sind Wahlprospekte nicht schlecht, allerdings muss eben etwas Substantielles drinstehen. Leider ist das nicht der Fall. Und in Wahlprogrammen werden Logik und Sprache in einem Maße malträtiert, dass man sich als Leser geradezu als Mittäter fühlt und spätestens nach dem dritten Absatz das Lesen beendet.
Leider wurde meiner Lieblings-"Partei" das Walkämpfen ( in Deutschland ) nicht erlaubt.
Dort, wo sich die mächtigen Laibe rollen und der Speck für das nächste 16-fache Jahresquartal an Politikbedürftige durch 'Listenwal' verteilt wird, wird sich keiner meiner Lieblingfunktionäre in Speck und Sud wälzen und von frischen Fischeierchern und perlenden Schaumweinen nun kein huldvolles Löffelchen gerreicht werden dürfen.
Es ist nun schon bekannt, daß hier in Deutschland eine Person, ( in Person unser Bundeswahlleiter Roderich Egeler ) über die künftigen Nahrungs- und Ambientegewohnheiten unserer mehr oder weniger politischen Parteien entscheidet.
Die große Frage - die ich nun mit meiner Lieblingspartei ungelöst teilen muß ist:
Wie kommen wir jetzt trotzdem an die leckeren Fischeier, den sprudelnden Prosecco und den ganzen Walfischspeck ran ?
Gehen wir in den Untergrund und werden wir jetzt direkt asymmetrisch ?
Ich hoffe es wird nächsten Monat wieder etwas mehr Themen von Interesse geben.
Im Moment lohnt es sich leider kaum Zeitung zu lesen oder Tagesschau zu sehen.
wenn sie meinen 750 milionen seien haupsächlich von internetusern gesammelt.
hää??
sie meinten wohl der grossteil kam von von den industrien die jetzt ja auch die bailout gelder erhalten haben.
und der clip vom obama girl hat gar nicht die obama gang erstellt sondern die utube usergruppe barelypolitical.
wenn sie einen politiker suchen der das internet von unten genutzt hat suchen sie nach ron paul.
"Obamas" anschaue......meine Güte......;--)))
70% wissen noch nichts übers Web, könnens nicht "benutzen" - unsere altbackene Polit-Kaste hat nixx aufem Kasten diesbezüglich.
"Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen." (Karl Valentin)
Für Mr. Obama war es nach den Bush Jahren klar, dass eine diffamierte Masse an Menschen, Internet-Information affin, vernetzt und am Puls des Geschehens darauf wartete eine Alternative zu unterstützen.
Indem er Anknüpfungspunkte für deren Aktivitäten (via Web) lieferte wurde "Change" zu dieser/einer Alternative.
Er stellte sich auf eine Stufe mit seinen Wählern, er wurde erreichbar.
Nun ist er: Mister President, well done.
Deutsche Politik/er im Internet funktionieren wie immer: Wir sagen euch! Sowohl "gemeine Deutsche" als auch der Informierte kann darin keine Alternative erkennen; weil es da keine gibt. Es findet sich auch kein Grund aktiv zu werden.
Der Leidensdruck reicht wohl immer noch nicht.
Allerdings braut sich da was zusammen.
Ein kleines unbeugsames Dorf, an den Klippen internationaler Finanzströme....
Through our ears and though our eyes the Universe becomes aware of its beauty.
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