Neben Wendelin Wiedeking sei auch der Ex-Finanzchef von Porsche, Holger Härter, ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Stuttgart sagte, nach Hinweisen der Finanzaufsicht BaFin sei ein Ermittlungsverfahren gegen beide Personen eingeleitet worden.

Es handele sich derzeit um einen Anfangsverdacht. "Wir stehen noch ganz am Anfang der Ermittlungen", sagte die Justizsprecherin. Ob und wann Anklage erhoben werde, sei noch völlig offen.

Porsche teilte mit, die Geschäftsräume am Stammsitz Stuttgart-Zuffenhausen seien am Donnerstag durchsucht worden. Die Beamten hätten diverse geschäftliche Unterlagen beschlagnahmt. "Porsche weist die erhobenen Vorwürfe zurück", heißt es in der Mitteilung. Das Unternehmen werde mit den Ermittlern zusammenarbeiten und unterstütze die Beamten in vollem Umfang.

Die BaFin bestätigte, Anzeige wegen Marktmanipulationen beim Übernahmekomplex VW-Porsche erstattet zu haben. Die Anzeige sei Anfang August bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart erstattet worden, sagte eine BaFin-Sprecherin in Bonn. Die Anzeige beziehe sich auf einen Teilaspekt, die Untersuchung der Übernahme sei noch nicht abgeschlossen.

Anlass für die Ermittlungen sind die extremen Ausschläge bei VW-Aktien im Herbst 2008. Der Wert der Papiere vervielfachte sich, abgekoppelt vom sonstigen Marktgeschehen. Zuvor hatte sich Porsche sukzessive den Zugriff auf mehr als 74 Prozent der VW-Stammaktien gesichert. Als die Stuttgarter dies offiziell mitteilten, schoss der Kurs in die Höhe. Zeitweise kostete eine VW-Stammaktie mehr als 1000 Euro, der Konzern wurde damit das wertvollste Unternehmen der Welt. Porsche erzielte hohe Renditen, die Führung bekam hohe Boni.

Schon auf der Porsche-Hauptversammlung im Januar hatten große Investoren das Vorgehen von Wiedeking und Härter hart kritisiert. Sie warfen beiden Managern vor, dem Ansehen des Finanzplatzes Deutschland geschadet zu haben, und sprachen von Anzeichen für Kursmanipulation.

Derzeit liegt das Papier bei 145 Euro. Auch in der jüngsten Vergangenheit gab es jedoch Kursturbulenzen: Nachdem das Emirat Katar vergangenen Freitag Optionen auf 17 Prozent der VW-Stammaktien erworben hatte, verloren die Stämme um 40 Prozent an Wert. Die Vorzugsaktien hingegen gewannen seit Wochenbeginn um rund 15 Prozent.