Fussball als Kunst Von der Schönheit, Jürgen Sparwasser zu sein

Er schießt Tore ohne Ball, schlägt Pässe auf Mitspieler, die es nicht gibt: Der Schauspieler Massimo Furlan stellt alleine Fußballspiele nach

Wie kann der Mann so frei zum Schuss kommen?, fragen sich die Fußballexperten, die am vorigen Sonntag ans Millerntor gekommen sind. Völlig ungedeckt darf der Stürmer mit der Nummer 14 in der 78. Minute in den Strafraum eindringen und das einzige Tor des Abends schießen. Doch er hat nicht nur in dieser Szene keine Gegenspieler, er hat neunzig Minuten lang keine Gegenspieler. Und er hat nicht nur keine Gegenspieler, er hat auch keine Mitspieler und auch keinen Trainer. Nicht mal ein Ball ist im Spiel.

Den Mann, den wir hier im verschwitzten blau-weißen Dress mit Nockenschuhen über das Grün laufen sehen, ist auch kein Fußballer. Er ist Schauspieler und Regisseur (also im theater-, nicht im günternetzermäßigen Sinne). Er kommt aus der Schweiz und heißt Massimo Furlan und kopiert Fußballspiele. Er erfüllt sich einen Traum: Er kopiert Helden seiner Kindheit. Furlan war schon Michel Platini und zerlegte als Hans Krankl die Deutschen in Córdoba.

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Heute stellt er das Spiel BRD gegen die DDR (WM 74) nach. Und er darf Jürgen Sparwasser sein, der Siegtorschütze für die Ostdeutschen. Furlan hat jede Bewegung Sparwassers verinnerlicht: jedes Abwinken, jeden Laufweg, jeden Pass, jede Grätsche, jedes Armrudern, jedes Stutzenzurechtziehen. Er tut dies mit Ernst und Würde. Als technische Hilfe hat Furlan einen Knopf im Ohr. Das ist wichtig, denn er muss synchron agieren mit den beiden Originalradiotönen aus Ost und West, die die gut tausend Zuschauer per Transistor verfolgen können, den sie am Eingang ausgehändigt bekommen haben.

Furlans historische Vorlage, das einzige deutsch-deutsche A-Länderspiel, ist eine Wegmarke der Sportgeschichte. Der Sport stand zu dieser Zeit im Zeichen des Kalten Kriegs, entsprechende Bedeutung wurde dem Duell in der Öffentlichkeit beigemessen. Sofort nach Abpfiff und lange Jahre danach wurde spekuliert, ob die BRD, damals Europameister, Favorit und später Weltmeister, absichtlich verloren habe. Etwa um einen mannschaftsinternen Machtkampf auszutragen – zu Lasten des Trainers Helmut Schön und Günter Netzers und zu Gunsten des Kapitäns Franz Beckenbauer. Auch kursierte das Gerücht, die Stasi habe ihre Finger im Spiel gehabt. Man denke an den zeitgeschichtlichen Hintergrund: Keine zwei Monate zuvor musste Willy Brandt als Kanzler zurücktreten, weil sein Referent Günter Guillaume ein Spitzel des DDR-Geheimdienstes war.

Plausibler für die Theorie des Gewinnenlassens ist die sportliche Ausgangslage: Beide Teams waren bereits vor dem Spiel für die Zwischenrunde qualifiziert, den Gruppenzweiten, letztlich die BRD, erwartete aber der leichtere Weg ins Finale, die Gegner Jugoslawien, Schweden und Polen. Die DDR hingegen schied chancenlos gegen Brasilien, Holland und Argentinien aus. Vielleicht ist es aber bloß ein Zeichen für westdeutsche Überheblichkeit, dass man der DDR keinen Sieg zutraute. Dabei hatte der FC Magdeburg mit Sparwasser im selben Jahr den Europapokal der Pokalsieger gewonnen.

Leser-Kommentare
  1. Was soll denn dieser Quatsch auf der Startseite von ZEIT-online?

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    ... ich habe den Artikel gerne gelesen.
    Es sei Ihnen unbenommen, ihn für Quatsch zu halten. Ich wusste jedoch nicht, dass auf der Startseite nur Artikel stehen dürfen, die Sie als quatschfrei beurteilt und genehmigt haben.
    Vielleicht (aber auch nur vielleicht) ist Ihre Meinung aber gar nicht der allgemeingültige Maßstab, wer weiss...

    Was soll denn dieser Quatsch auf der Startseite von ZEIT-online?

    Z.B. mich unterhalten?

    Ich habe den Artikel auch gerne gelesen. Mir gefällt diese Mischung aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Wissen, Kunst ect. pp.

    Erinnert mich an meine Kindheit. Da habe ich auch immer Gerd Müller gespielt. Allerdings mit Ball. Ohne Ball stelle ich mir das doch etwas trostlos vor.

    ... ich habe den Artikel gerne gelesen.
    Es sei Ihnen unbenommen, ihn für Quatsch zu halten. Ich wusste jedoch nicht, dass auf der Startseite nur Artikel stehen dürfen, die Sie als quatschfrei beurteilt und genehmigt haben.
    Vielleicht (aber auch nur vielleicht) ist Ihre Meinung aber gar nicht der allgemeingültige Maßstab, wer weiss...

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    Z.B. mich unterhalten?

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    Erinnert mich an meine Kindheit. Da habe ich auch immer Gerd Müller gespielt. Allerdings mit Ball. Ohne Ball stelle ich mir das doch etwas trostlos vor.

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    Es sei Ihnen unbenommen, ihn für Quatsch zu halten. Ich wusste jedoch nicht, dass auf der Startseite nur Artikel stehen dürfen, die Sie als quatschfrei beurteilt und genehmigt haben.
    Vielleicht (aber auch nur vielleicht) ist Ihre Meinung aber gar nicht der allgemeingültige Maßstab, wer weiss...

    Antwort auf "Quatsch"
  3. Was soll denn dieser Quatsch auf der Startseite von ZEIT-online?

    Z.B. mich unterhalten?

    Ich habe den Artikel auch gerne gelesen. Mir gefällt diese Mischung aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Wissen, Kunst ect. pp.

    Erinnert mich an meine Kindheit. Da habe ich auch immer Gerd Müller gespielt. Allerdings mit Ball. Ohne Ball stelle ich mir das doch etwas trostlos vor.

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  4. Das ist ja so als wuerde ich die beruehmte Rede von Martin Luther King (alternativ die von Joseph Goebbels) nachmachen, nur halt ohne Ton und wuerde dafuer nen Artikel auf der Zeit bekommen und zusaetzlich wuerden mir irgendwelche Intellektuelle (oder welche die sich dafuer halten) Beifall klatschen.

    Hab ich jetzt eigentlich Jehova gesagt?

  5. Redaktion

    Sie haben noch Mut zu Tabubrüchen, pu_king81.

  6. Danke, Herr Fritsch, für den schönen Artikel.
    Ich bin der Meinung, jede Aktion, ob nun Kunst oder keine Kunst, die das Ziel hat „die Reinheit, Echtheit und Schönheit des Spiels zu offenbaren“, ist zu begrüßen. Die Performance hätte ich mir gerne angesehen.

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