Stadien-Rangliste So eng und so laut
Die englische "Times" wählte jüngst das Dortmunder Stadion zum schönsten der Welt. Hat es den Titel überhaupt verdient? ZEIT ONLINE hat eine eigene Rangliste erstellt
© dpa - Bildfunk

Blick in den ausverkauften Signal Iduna Park in Dortmund
Fans von Borussia Dortmund wussten es längst, und nun hat es auch die Times aus England bestätigt: Das Stadion des BVB, der Signal Iduna Park, ist das schönste Fußballstadion der Welt. Die gewaltigen Ränge, die die Geräusche mit einer ohrenbetäubenden Intensität auf den Platz schleudern, machen es zum Klassiker unter den Stadien, heißt es.
In der Times-Rangliste "The top ten football stadiums" liegt das Giuseppe-Meazza-Stadion in Mailand auf Platz zwei vor Liverpools Stadion an der Anfield Road. Auf den weiteren Rängen folgen das Inönü Stadion in Istanbul, die Allianz Arena in München, das Bernabeu-Stadion in Madrid, La Bombonera in Buenos Aires, das Dinamo-Stadion in Bukarest, Nou Camp in Barcelona und Craven Cottage in London.
Die schönsten Stadien von ZEIT ONLINE heißen ganz anders.
- Datum 02.09.2009 - 16:57 Uhr
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Es hat schon was arg Subjektives wenn man eine Rangfolge von Fußballstadien, oder neuerdings Fußballarenen aufstellen will. Das war den Autoren natürlich auch bewusst. Das schönste am Fußball sind ja die Geschichten, die oft lange nachwirken.
Deshalb erzähle ich am besten auch eine Geschichte. Die Geschichte von meinem Sportplatz, in meinem Heimatdorf. Der Sportplatz liegt nur knapp 200 m von meinem Elternhaus entfernt. Klar, dass ich schon mit fünf, sechs jahren jeden Tag dort war, und mit den anderen Kindern aus dem Dorf kickte. Natürlich hab' ich an Sonntagen auch der Ersten und Zweiten Mannschaft bei den Punktspielen zugeschaut. Ich erinnere mich noch ganz genau an mein erstes Spiel: Der TSV spielte gegen Häfnerhaslach und gewann 5:1. Im nächsten Heimspiel, da gewann wir nur 4:1, gegen Bissingen. Das muss jetzt so ungefähr 40 Jahre her sein, aber an die Ergebnisse erinnere ich mich noch immer. Damals war auch der ganze Platz von Pappelbäumen umsäumt, und im Herbst lagen auf dem Rasen Unmengen von Laub, die auch nicht immer weggeräumt wurden. Überhaupt war der Platz nicht sonderlich gut, in den Strafräumen gab es kaum Grün. Gleich neben dem Fußballplatz war der Fluß, und so fand schon häufig mal ein Ball den Weg ins Wasser, und wurde von uns Kindern nach großen Mühen wieder rausgefischt. Jedenfalls war es mein Kindheitstraum, zumindest in diesen frühen Jahren, einmal für die Erste Mannschaft des TSV spielen zu dürfen. Ich begann dann auch in der D- und C-Jugend zu spielen, verlor aber in der Jugendzeit den Bezug zum Fußball. Später kam dann das Studium, und ich verfolgte die Ergebnisse meines TSV meist nur noch aus der Zeitung. Ich war dann schon über 30, und die Bäume am Spielfeldrand waren längst abgeholzt, auch der Rasen war inzwischen herrlich dicht und grün, da joggte ich abends mal am Fußballplatz vorbei. Einige meiner früheren Freunde, trainierten dort für die Erste oder Zweite Mannschaft. Sie fragten mich, ob ich nicht Lust hätte, mal mitzutrainieren. Warum eigentlich nicht? So fing es an. Ich trainierte dann regelmäßig mit, und irgendwann spielte ich auch in der Zweiten Mannschaft. Ich war da schon Mitte/Ende Dreißig, und die erste Mannschaft war damals viel zu gut. Aus Personalmangel wurde dann die Zweite Mannschaft eingestellt, und auch bei der ersten Mannschaft häuften sich die Abstiege! Also genauer gesagt, zwei Abstiege, bis wir in der untersten Klasse waren.
Vor einem Jahr tranierte ich mit dem Team in der Saisonvorbereitung mit, inzwischen schon im Alter von 46. Allerdings rechnete ich nicht mit einem Einsatz. Irgendwann im Spätherbst war dann die Personaldecke so dünn, dass mich der Trainer bat, doch als Auswechselspieler bereit zu stehen. Eigentlich sollte ich ja Stürmer spielen, zumindest offensiv, aber dann stand einer unserer Manndecker kurz vor einem Platzverweis, und so wurde ich in der 60. Minute eingewechselt. Ich gab also mein Debüt mit 46 Jahren in der Ersten Mannschaft des TSV. Mein Kindheitstraum war mit einer Verspätung von 40 Jahren wahr geworden! Das Spiel stand übrigens 1:1 zum Zeitpunkt meiner Einwechslung. Das Endergebnis war dann ein 7:1 für uns. Ich musste häufiger den Torschützen gratulieren als dass ich Ballkontakte hatte. Mein Gegenspieler war ein ziemlich lauffauler Achtzehnjähriger!
Wenn ich heute am Platz vorbei laufe denke ich immer: Ja, mein Platz!
Lieber Autopoietiker,
natürlich waren wir uns in der Redaktion der Subjektivität bewusst. Wir wollten mit echten Erlebnissen auf die Liste der Times antworten. Und: Sie haben recht: Diese kleine Textreihe hätte nicht mein Stadion, sondern mein Platz heißen sollen. Vielen Dank für Ihre schöne Geschichte!
Lieber Autopoietiker,
natürlich waren wir uns in der Redaktion der Subjektivität bewusst. Wir wollten mit echten Erlebnissen auf die Liste der Times antworten. Und: Sie haben recht: Diese kleine Textreihe hätte nicht mein Stadion, sondern mein Platz heißen sollen. Vielen Dank für Ihre schöne Geschichte!
Anmerken sollte man an dieser Stelle allerdings, dass das sogenannte Times-Ranking keineswegs das Ergebnis einer echten Leser-Wahl oder das Gesamtfazit der Times-Sportredaktion darstellt. Nein, es ist noch nicht einmal durch eine Online-Umfrage zustande gekommen, sondern die persönliche Meinung eines einzelnen Autors, wie Trainer Baade in seinem Blog-Eintrag so trefflich dokumentiert.
Vermutlich hat die Zeit-Online-Redaktion ein Vielfaches an Arbeitszeit in ihr Ranking gesteckt, als es im Original der Fall war.
Warum bloß kann man sich nicht einfach darüber freuen, dass mit der Times eine englische Zeitung ein deutsches Stadion zum schönsten der Welt gekürt hat?
Ich denke, dazu kann man den Dortmundern auch mal gratulieren.
Sicher hängt an so einer Liste immer stark das subjektive Empfinden, aber mir ist trotzdem schleierhaft, wie ausgerechnet das Bochumer Ruhrstadion auf die Zeit-Spezial-Eigen-Liste kommen kann, wenn man vorher am Westfalenstadion rummäkeln musste.
wir singen Grünwalder Stadion, Grüüüünwalder Staaaaadion...
definitiv die #1 !!!
Puuh, endlich konnte ich einen wirklich sinnvollen Beitrag auf diesem Forum einbringen.
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Lieber Autopoietiker,
natürlich waren wir uns in der Redaktion der Subjektivität bewusst. Wir wollten mit echten Erlebnissen auf die Liste der Times antworten. Und: Sie haben recht: Diese kleine Textreihe hätte nicht mein Stadion, sondern mein Platz heißen sollen. Vielen Dank für Ihre schöne Geschichte!
@1: coole Geschichte!
@3: Stimmt - das war auch die Sache, die mich an dem Ranking gewundert hatte. Aber die Engländer haben ja keine Ahnung - alles Mist. :)
Generell kann man festhalten - es zählen bei so einem Ranking immer die eigenen Erinnerungen und die sind in der Rückbetrachtung immer besser als im Jetzt.
Deswegen sind bei der Zeit ja auch so viele (fast nur) alte Stadien dabei, die schon abgerissen sind und heute keinen mehr vom Hocker reissen, aber damals das nonplusultra waren und eine tolle Atmosphäre boten; in dem Sinne ist das gar kein Ranking mit Platz 1-11, sondern es wurden einfach persönliche Geschichten aneinandergepappt und dann Plätze davor geschrieben.
Aber ich denke, wenn man heute mal Bundesligaspieler fragt, wo die Hütte brennt, dann wird das Westfalenstadion auf jeden Fall auch weit mit vorne dabei sein. Fans braucht man nicht zu fragen, denke ich - die sind in dem Fall einfach zu parteiisch.
Also irgendwie sollte das anders heissen. Schönstes Fussballstadion? Schön im Bezug auf die Architektonik oder schön im Bezug auf die Atmosphäre? Scheint mir bei Times und Zeit beides Atmosphäre zu sein. Architektonisch fänd ich am schönsten immer noch das Münchner Olympiastadion. Und am hässlichsten: die Münchner Allianz-Arena.
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Man sollte auch bei Rot über die Ampel gehen dürfen, zumindest wenn kein Auto kommt und auf der anderen Straßenseite jemand Hilfe braucht.
Also so ein Ranking aufzustellen, ohne dass das berühmte Stadion an der Anfield Road erwähnt wird, find ich persönlich ziemlich enttäuschend. Geschichtlich (es exisitert schon deutlich länger als 100 Jahre), atmosphärisch (Früher gab es hier den berühmten Kop noch mit Stehplätzen , wo u.a. der Fangesang entstand, als das typisch englische Wetter die Sicht des Tores gegenüber versperrt hat - bis zum Taylor-Report halt), vom drumherum her (die vielen Pubs usw.) und selbst vom Verein her, der dort spielt (Liverpool FC, der erfolgreichste Verein Englands, hätte es hier wirklich ohne wenn und aber wenigstens erwähnt gehört!
Und Anfield gehört zweifelsohne zu den bekanntesten Stadien der Welt.
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