Bund der Vertriebenen Szenen einer WiedervereinigungSeite 2/2

Am Ende freundlicher Applaus, von Steinbach eine Umarmung und Wangenküsse für die "liebe, verehrte Frau Bundeskanzlerin". Otto Schily nickt Merkel knapp zu. Den früheren Bundesinnenminister hat sich Steinbach für dieses Jahr als Träger des Preises ihres Verbands ausgesucht. Schily, sagt die Vertriebenenpräsidentin in ihrer Laudatio, habe mit einem Auftritt vor dem BdV vor zehn Jahren die "ideologische Mauer" zwischen den Vertriebenen und der Linken in Deutschland durchbrochen. Dass es zugleich ein höchst raffinierter Schachzug ist, ausgerechnet einen SPD-Spitzenpolitiker ausgerechnet auf der Veranstaltung auszuzeichnen, auf der Merkel spricht, weil nämlich die SPD sich nicht empören und von Wahlkampfauftritt und Schlimmerem sprechen kann, das sagt Steinbach natürlich nicht. Schily hat es aber verstanden: "Gegen Kritik kann man sich wehren", merkt er an, "gegen Lob nicht."

 
Leser-Kommentare
  1. Zitat von Willy Brandt vom 28. Oktober 1969
    Wir wollen mehr Demokratie wagen. Wir werden unsere Arbeitsweise öffnen und dem kritischen Bedürfnis nach Information Genüge tun.

  2. schlägt wieder zu. Gelernt ist halt gelernt.

  3. Der Spagat wird allmählich zum Ausrutscher. Ihre Mutter stammt aus Elbing. Selbst das ist an ihr abgeglitten.

  4. ist keine Schnulze, viel mehr ein sehr schönes und anrührendes altes Liebeslied, durchaus mit eigenwilliger Poesie. Allein die Verse

    "Krankheit, Verfolgung, Betrübnis und Pein
    Solln unsrer Liebe Verknotigung sein"

    sind einmalig. Die Wortschöpfung "Verknotigung" als Höhepunkt des Verspaares ist von größter Prägnanz. Da changiert der Text zwischen ernstem Inhalt und kurioser Sageweise auf eine Weise, die zeigt, dass das Sprechen von der Liebe grenzwertig ist und deshalb mitunter seltsame Blüten treibt. Ich jedenfalls will diese entzückenden Zeilen nicht missen.

  5. Ich kann verstehen, wenn alte Menschen in guter Erinnerung an ihre Heimat denken, aus der sie infolge der Kriegsgeschehen vertrieben wurden. Solche Erinnerungen sind im Rückblick überwiegend Erinnerungen an Elternhaus, Schule und erste Lieben. Wir sprechen heute also von Menschen der Jahrgänge um 1920.

    Es wird wohl nur noch wenige 80 bis 9ojährige geben, für die der Bund der Vertriebenen eine politische Funktion ausüben kann. Später geborene haben ihre Sozialisatin in der Zeit nach 1945 in der Bundesrepublik oder in der DDR erlebt. Für die kann der BdV nicht sprechen und Interessen wahrnehmen.

    Deshalb frage ich mich auch immer, wenn ich lese, >Präsidentin des Bundes der Vertriebenen<, wen vertritt die Dame denn nun, oder vertritt sie nicht nur so eine Art Folkloreverein mit Rückgriff auf lange zurücklegende schöne, aber überholte Traditionen?

    Das Lied der „Ännchen von Tharau“ kenne ich auch, mein Großvater hatte es auf meine 1867 in Rommenau, Kreis Breslau geborene Großmutter umgedichtet. Weil sie Anna hieß, sang er immer „Ännchen von Rommenau“ Beide sind lange tot, auch die ausgedrückte Innigkeit dieses romantischen Liedes ist lange vergangen - so ist das eben mit Erinnerungen!

    Letztes Jahr war ich zum ersten Mal nach Kriegsende in meiner Geburtsstadt Breslau. Ich war beeindruckt von der Lebendigkeit der Stadt und von ihren Bewohnern. Sie hat offensichtlich die alte kulturelle Brückenfunktion wiedererlangt, die sie auch vor dem Krieg hatte. Es wird auch wieder Deutsch gesprochen, obwohl Englisch eigentlich jeder zu sprechen scheint.

    Es gibt auch in Polen Vertriebene, die ein ähnliches Schicksal erlitten haben, wenn auch unter anderen Voraussetzungen. Man sollte den alten Vorschlag wieder aufgreifen ein gemeinsames Zentrum der Erinnerung dieser Geschehnisse in Breslau errichten. Das ausgerechnet im Land der Verursacher ein solche Versöhnungsstätte entstehen soll ist ein Widerspruch in sich.

    Für Frau Steinbach wäre das eine lohnende und zukunftsweisende Aufgabe. Zum Schluss könnte sie dann den Verein auflösen, weil der letzte echte Vertriebene bis zur Realisierung wohl verstorben wäre.

    Es wird dringend Zeit sich Gedanken über die gemeinsame Zukunft in Europa zu machen, als die gehabten Differenzen zu pflegen!

  6. Die deutschen Vertriebenen haben hierzulande einen schweren Stand. Selbst die Minimalforderung nach einigen Räumen in einem Museum gilt als umstritten. Ganz zu schweigen von der Forderung nach der Abschaffung von Vertreibungsdekreten, Erhalt ihrer 800-jährigen Kultur, Unterstützung für die in der Heimat verbliebenen Minderheit und der Hoffnung, dort wieder willkommen zu sein. Die Politikerin Erika Steinbach klammert dies alles aus. Merkel stehen die ehemaligen Bruderstaaten näher als Vertriebene, Katholiken, Arbeitslose.
    Auch die deutsche Bevölkerunghat mehr Verständnis für ausländische Opfer"ethnischer Säuberung"

  7. Ich bin Vertriebener.Habe mir gerade von meiner Heimatstadt Landsberg/Warthe -heute Gorzow - meine Geburtsurkunde schicken lassen.
    Ich bin 82 Jahre liebe nach wie vor meine Heimat -Die Neumark in Brandenburg.Ich wünsche allen jetzigen Bewohnern das gleiche Heimatgefühl sie zu vertreiben wäre ein neues Verbrechen.
    Mit Vertreibungen mit dem Elend der Menschen -Deutschen wie Polen- sollte man nicht Wahlkampf treiben. Wir Landsberger und Gorzower sollten gemeinsam den Politikern klar machen: Wer Vertreibung egal welcher Form zu seinem Vorteil ausnutzen will dem zeigen wir die rote Karte denn schäbiger geht es nicht mehr. Ich bin ein Europäer!
    Walter Wasilewski

    • H-Yo
    • 24.08.2009 um 11:00 Uhr

    Da zeigt Frau Merkel doch, wie schwarz die Ecke wirklich ist, in der sie sich versteckt! Kaum ein Verband hat in Deutschland so viel Schaden angerichtet wie der Vertriebenenverband mit seiner Vorsitzenden Erika Steinbach. Er verhindert eine Aussöhnung mit Deutschlands östlichen Nachbarn UND er verhindert eine Aussöhnung der Vertrieben mit ihrer Vergangenheit. Ich bin entsetzt wie sogar die Kinder der Vertriebenen noch aufgehetzt werden und ihnen ein Unrecht eingeredet wird, das keines ist.

    Ich habe großes Verständnis für die Heimatliebe der Vertriebenen! Aber die Vertriebenen, die ihre alte Heimat besonders lieben, respektieren auch die Menschen, die dort heute leben und sind bereit, den Schmerz, der auf beiden Seiten der Grenze verursacht wurde, endlich zu vergessen. Und diese Vertriebenen schließen sich ganz sicher nicht einer Erika Steinbach an! Ihr Geschichts- und Politikverständnis ist von vorgestern!

    Dort auf Stimmenfang zu gehen, statt endlich mit einem konkreten Wahlprogramm herauszurücken, ist billig und feige Frau Merkel!

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