POP

Meister der Melancholie: die Band

Beirut im Astra-Kulturhaus

Der Boden scheint auf einmal nicht mehr aus Beton, als die Trompeten und das Akkordeon der elfköpfigen amerikanischen Folkband Beirut zu den ersten Tönen im ausverkauften Astra-Kulturhaus anheben. Eine Zwischenwelt tut sich auf. Die Reise beginnt mit einem zaghaften melodischen Balkanmarsch; Zach Condon, der Gitarrist und Sänger, ist überhaupt ein Meister der Melancholie, er strahlt Unerreichbarkeit aus. "Ich bin kein Berliner" begrüßt der 23-jährige Musiker das Publikum in gebrochenem Deutsch. Und stolpert gleich wieder ins Englische: "Das wird eine sehr betrunkene Nacht."

Condon braucht eine Weile, um sich warm zu singen. Aber als er die Trompete beiseite legt und zur Ukulele greift, ist allen klar, hier kommt der "Elephant Song", die Hymne aus dem Debütalbum der Band "Gulag Orquestra". Selbst die schlechte Akustik in der Halle des ehemaligen Reichsbahn-Ausbesserungswerks an der Revaler Straße kann den Frontmann nicht aufhalten. Am Ende steht er allein auf der Bühne; seine Stimme hat seine Sehnsucht jetzt eingeholt. Sechs Zugaben braucht die Band, bis die Melancholie weggewischt ist und die Fans nach zwei seligen Stunden mit frisch geerdetem Pop auf die Straße entlassen. Im Herbst, so hört man, geht Condon wieder ins Studio. Matthias Lehmphul

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