Online-Lexikon Wikipedias Freiheit wird eingeschränkt

Die englischsprachige Wikipedia will Einträge über Politiker und Prominente künftig vor Veröffentlichung von einem Redakteur prüfen lassen

Laut Wikimedia Foundation sieht der Prüfmechanismus vor, dass neue Beiträge über lebende Personen erst von erfahrenen Wikipedia-Autoren auf ihre Richtigkeit geprüft werden müssen, bis diese auf der Webseite sichtbar werden. Bisher erscheinen neue Einträge sofort. 

Eine Testphase von zwei Monaten werde in "den kommenden Wochen" auf der englischsprachigen Website starten, sagte Mike Peel, Vorsitzender des britischen Ablegers Wikipedia UK. Die Entscheidung sei nach einer Umfrage unter Wikipedia-Nutzern gefallen. 80 Prozent von 259 Teilnehmern hätten sich für die neue Maßnahme ausgesprochen.

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Mit diesem Verfahren sollen unter anderem Falschmeldungen über den Tod berühmter Personen verhindert werden. Anfang 2009 hatte es zwei Wikipedia-Einträge gegeben, in denen die US-Senatoren Edward Kennedy und Robert Byrd fälschlicherweise für tot erklärt worden waren. Im März 2009 wurden falsche Wikipedia-Informationen nach dem Tod des französischen Filmmusikkomponisten Maurice Jarre in den britischen Tageszeitungen The Guardian und The Independent übernommen.

Die Idee der "Revisionen im Wartestand" ("flagged revisions") ist nicht neu: Die deutsche Wikipedia-Website verfügt bereits seit längerem über einen solchen Mechanismus. Nach eigenen Angaben werden dort schon seit rund einem Jahr neue Einträge vor der Veröffentlichung zwischengespeichert und gesichtet, um Vandalismus zu verhindern.

Laut New York Times verfügen allein auf der deutschen Wikipedia-Website rund 7.500 Nutzer über den Status, Änderungen freigeben zu können. Die englische Version, in der rund drei Mal so viele Artikel veröffentlicht werden, würde wohl deutlich mehr Redakteure benötigen.

Wie Golem.de berichtet, sieht Mathias Schindler, Projektmanager bei Wikimedia Deutschland, keine Einschränkungen durch die Änderungen in der englischsprachigen Ausgabe: "Wir freuen uns auf die Einführung der 'Gesichteten Versionen' in der englischsprachigen Wikipedia und halten diese Softwareerweiterung nicht für eine Einschränkung der Editierbarkeit der Inhalte. Im Gegenteil, durch 'Gesichtete Versionen' kann bei vielen Artikeln die Halbsperrung ausgeschaltet werden, ohne sich weit sichtbaren Vandalismus ins Haus zu holen", sagte er auf Anfrage.

 
Leser-Kommentare
    • marxo
    • 25.08.2009 um 21:50 Uhr
    1. "Frei"

    Auf Wikipedia herrscht immer noch das Gesetz des Mobs und dementsprechend unfrei ist es. Neuerungen sind aufgrund der institutionellen Starre nicht möglich. Die Verzweiflung der Überarbeitung bindet Wikipedia an ein abgehalftertes Regelwerk.
    So ist es ausgerechnet Wikipedia, mehr ein Blog als eine Website, das das Verlinken von Blog-Artikeln als Quellen rigide verbietet - ohne jede Qualitätsprüfung oder Abwägung. Umgekehrt kann jeder noch so stupide Zeitungsartikel verlinkt werden, solange er online verfügbar ist.
    Wikipedia ist umsonst, aber wenn es um das Einschätzen des Wahrheitsgehalts von Artikeln geht, zählt der Verkaufsrang der Quelle.

    http://nichtidentisches.w...

    • Hugo_P
    • 25.08.2009 um 22:42 Uhr

    Dafür ist wikipedia nicht geeignet, weder für Journalisten noch für wissenschaftliche Arbeiten. Als Einstieg/für weiterführende Quellen und für "Stammtischdiskussionen" wie sie halt in Foren wie diesem auf gewisse Art und Weise geführt werden, auf jeden Fall! Ist besser, als sich mit ner Suchmaschine totzusuchen, nur ist gerade geschichtsrelevantes und eh kontrovers zu diskutierendes mit Vorsicht zu behandeln.
    Was Naturwissenschaften, Kultur u.ä. angeht ists aber durchaus ok für "Hobbyinteressierte".

    Das mit den Weblogs als Quellen ist durchaus überdenkenswert, da geb ich marxo Recht.

    Hat halt nicht jeder die Deutsche Nationalbibliothek umme Ecke und/oder soviel Zeit und Lust, ewig den Spreu vom Weizen zu trennen bei ner "freestyle"-Suche im Internet, ich nutz das gerne, aber ohne den Anspruch zu hegen, daß alles, was bei wikipedia aufgeführt wird der Weisheit letzter Schluß ist.

    • SP1
    • 26.08.2009 um 7:41 Uhr

    aber es gibt keine "deutsche" Wikipedia, nur eine deutschsprachige, in der unter anderem Schweizer und Österreicher mitschreiben.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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