Insolvenzverfahren Arcandor-Chef Eick geht mit 15 Millionen Euro
Am Dienstag beginnt das Insolvenzverfahren für den Handelskonzern Arcandor. 38.000 Beschäftigte bangen um ihren Job – und schauen verständnislos auf die Abfindung ihres Chefs
Viele der rund 38.000 Beschäftigten der Handelshäuser Karstadt und Quelle blicken in eine ungewisse Zukunft. Wie es mit ihren Unternehmen weitergeht, mit ihren Arbeitsplätzen zumal, kann ihnen auch knapp drei Monate nach dem Insolvenzantrag niemand sagen. Bei der Versandhandelssparte um Quelle werden zum Jahresende rund 3700 Stellen gestrichen, bei Karstadt stehen entsprechende Verhandlungen noch bevor. Beide Traditionshäuser suchen einen Partner und eine Perspektive.
Auch der Chef der Muttergesellschaft Arcandor, Karl-Gerhard Eick, weiß wohl nicht, wie es mit ihm beruflich weitergeht. Nur, dass er den Konzern verlassen wird. Wenn am Dienstag das Amtsgericht Essen aller Voraussicht nach das Insolvenzverfahren gegen die wichtigsten Gesellschaften von Arcandor eröffnet und den Insolvenzverwalter zu deren Chef ernennt, wird Eick nicht mehr gebraucht. Der Machtverlust wird ihn schmerzen, aber Einbußen hat er keine. Im Gegenteil: Eick bekommt die volle Höhe seines über fünf Jahre laufenden Vertrages als Abfindung ausgezahlt, insgesamt 15 Millionen Euro. Immerhin muss nicht der marode Handelskonzern diese Summe aufbringen, sondern die Privatbank Sal. Oppenheim, Hauptaktionärin von Arcandor, die Eick erst im März dieses Jahres ins Unternehmen holte.
Die Arbeitnehmer haben dennoch kein Verständnis für die Millionenabfindung. "Eick wird für eine Aufgabe belohnt, die er nicht erfüllt hat", sagte der Vorsitzende des Quelle-Betriebsrats Ernst Sindel dem Tagesspiegel. Die einfachen Angestellten dagegen hätten keine Garantien. "Sie müssen am Ende die Zeche zahlen, obwohl sie am wenigsten dafür können", so Sindel. Auch bei Karstadt sind viele Beschäftigte vor den Kopf gestoßen, berichtete Betriebsratschef Hellmut Patzelt: "Sie können die Verträge zwischen Herrn Eick und Sal. Oppenheim nicht erklären. Das ist für die Mitarbeiter nicht nachvollziehbar." Sindel sieht in solchen Verträgen einen klaren Gewissenskonflikt. "Eine Bank und ein Unternehmen haben völlig unterschiedliche Interessen", erklärte Sindel. Es werde stets nur über die Höhe von Managergehältern gestritten, aber es gehe auch darum, wem ein Chef wirklich verpflichtet ist. Eick selbst verteidigte die Höhe seiner Abfindung. "Ich komme aus einfachen Verhältnissen und weiß, dass 15 Millionen Euro sehr viel Geld ist – auch für mich", sagte er der Bild am Sonntag. Er habe stets betont, dass er lieber hart und mit Herzblut arbeite und nicht vorzeitig aufhören möchte.
Der Abgang von Eick symbolisiert den neuen Abschnitt, der bei Arcandor nun beginnt und einschneidende Veränderungen nach sich zieht. Mit der Eröffnung des offiziellen Insolvenzverfahrens endet die dreimonatige Schonfrist, die das deutsche Insolvenzrecht vorsieht. In dieser Phase zahlt die Bundesagentur für Arbeit die Löhne und Gehälter, bei Arcandor wurden Verträge mit Lieferanten und Vermietern ausgesetzt und müssen nun nachverhandelt werden.
Vor allem bedeutet der neue Abschnitt aber die Trennung von Karstadt und Quelle. Die beiden Unternehmen gehen nach zehnjähriger Verbindung, darunter zwei Jahre unter dem von Ex-Chef Thomas Middelhoff stammenden Kunstnamen Arcandor, künftig eigene Wege. Das Konzerndach Arcandor mit knapp 100 Mitarbeitern soll nach den Plänen des noch vorläufigen Insolvenzverwalters Klaus-Hubert Görg abgewickelt werden. Das heißt, zunächst werden alle Vermögensgegenstände wie etwa Firmenwagen oder Gemälde veräußert. Danach soll der Name aus dem Handelsregister gelöscht werden.
Für Karstadt und Quelle soll ein Käufer gefunden werden, allerdings auf unterschiedlichen Wegen. Die Warenhauskette will Görg eigenständig sanieren und anschließend als Ganzes veräußern. Davon erhofft sich der Insolvenzverwalter mehr als von dem Verkauf einzelner Vorzeigeobjekte wie etwa dem KaDeWe. Das durchkreuzt die Pläne des Metro-Konzerns, der etwa zwei Drittel der 90 Karstadt-Filialen mit der eigenen Tochter Kaufhof fusionieren will. Anfang 2010 will Görg mit dem fertigen Sanierungsplan um Investoren werben. Die neuen Verträge vor allem mit den Vermietern und die Einschnitte bei den Arbeitnehmern werden Karstadts Kosten erheblich drücken. Das soll Käufer anlocken.
Bei Quelle drängt die Zeit. Das Versandhaus soll mit der Sparte Primondo so bald wie möglich verkauft werden. Es soll mehrere Interessenten geben, öffentlich hat sich bisher keiner bekannt. Auch das Versandgeschäft will Görg nur als Ganzes verkaufen, doch das wird schwierig. Spezialversender wie der TV-Sender HSE 24 sind begehrt und Quelle braucht dringend Geld. Weil die Kundenzahlungen erst in Raten eingehen, finanziert sich Quelle über mehrere Banken, seit der Insolvenz zu sehr schlechten Konditionen. Jetzt wird nachverhandelt. Dass die Finanzierung überhaupt weiterläuft, verdankt Quelle einem staatlichen Kredit.
- Datum 31.08.2009 - 10:54 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Herr Eick geht nach 3 Monaten "Arbeit" mit 15 Millionen Euro. Langjährige Mitarbeiter stehen nach 10- und 20jähriger Dienstzeit vor dem Nichts. Wenn die entlassen werden, gibt es nicht einen Cent Abfindung. Aber es kommt noch dicker: seit ein paar Monaten im Amt, droht die neue KaDeWe-Chefin Vierkötter ihren Mitarbeitern: in Zukunft gibt's nur noch 80% des Gehalts fix, der Rest muss über ein zurzeit noch ungeklärtes Bonus-System "verdient" werden. Dazu haben sich die Verkäufer (Nettogehalt ca 1300 Euro) auf eigene Kosten im "schwarz-weißen Teamdress" einzukleiden. Im Prinzip tragen damit die ca 1500 Verkäufer im KaDeWe mittlerweile die unternehmerische (finanzielle) Verantwortung, ohne selbst etwas zu Sagen zu haben. Und was macht die Belegschaft? Sie läßt die Köpfe hangen und geht weiter zum Schrubben. Ist schon mal jemand auf die Idee gekommen, zur jetzigen Wahlkampfzeit auf die Straße zu gehen und zu streiken. Wenn nicht jetzt, wann dann? Vollblutidiot07
... ist der Böse hier.
Der hat einen Vertrag unterschrieben und dem steht das Geld zu - ob er es verdient hat ist natürlich ein anderes Thema.
Wer auch immer in der Privatbank Sal. Oppenheim ihm diesen Vertrag angeboten hat, ist der eigentliche Volldepp und der gehört auf der Stelle gefeuert.
Aber warscheinlich stehen diesem Jemand ebenfalls 15 Mille zu wenn er geht...
gibt es nicht. Herr Eick wurden diese dinge wohl seitens der Inhaber zugesagt! Blöd sind die Inhaber nicht Herr Eick wer von uns würde da ablehnen oder wenn er sowas verhandeln könnte kleinere Brötchen Backen. Hierzu sei gesagt das Deutschlands Unternehmer hier den Fehler machen und dazu gehören auch die Eigner von Arcandor. Was die Mitarbeiter angeht so ist sicherlich was dran aber auch da ist es leider so das das Unternehmen Heute mit dem Rücken zur Wand steht und nur noch wenig Spielraum hat. OB da sturer Streik weiterhilft? Wohl eher kreatives Verhandeln mit klaren Zielen und Vereinbarungen.
Wie bitte? Nach Ansicht von ist ein Streik von Grund auf "stur"? Stattdessen helfe da "wohl eher kreatives Verhandeln mit klaren Zielen und Vereinbarungen". Ich lasse mich auf dieses Gedankenspiel mal ein und erlaube mir die Frage: Was bitte soll die Belegschaft an "Kreativität" in eine solche Verhandlung einbringen, wenn die betroffenen Arbeitnehmer nur noch von oben herab von der Geschäftsleitung über Zwischenstände der Verhandlungen zwischen möglichen Investoren, Politikern und dem Insolvenzverwalter informiert werden. Da gibt es keinen Spielraum für "Kreativität", schon gar nicht von Arbeitnehmerseite. Da geht es um (Steuer-) Gelder für die armen Investoren und die künftigen Boni für die Geschäftsleitung von Sal. Oppenheim. Die Einzigen, die niemals aktiv an irgendeinem Verhandlungstisch sitzen werden, sind doch die Arbeitnehmer. Daran sieht man übrigens auch, dass dieses Gedöns von der "Mitbestimmung der Arbeitnehmer im Unternehmen" seit Jahren ein leeres Geschwätz unserer lieben Regierung ist. Man muss nicht unbedingt die LINKE wählen, um diese Zusammenhänge zu kapieren. Vollblutidiot07
"Was bitte soll die Belegschaft an "Kreativität" in eine solche Verhandlung einbringen, wenn ..."
Vielleicht statt dem schwarz-weißen Teamdress ein seriös wirkendes Grau als Farbe vorschlagen?
Verstehen Sie mich nicht falsch, ich möchte in dieser Angelegenheit nicht zynisch sein.
Es entspricht aber der Erfahrung, dass die Menschen wie hier erst mit dem Hintern hochkommen, wenn sie selber nachteilig betroffen sind. "Der Schmidt von der 2. Etage ist jetzt arbeitslos. Hätte vielleicht etwas mehr ranklotzen müssen, aber der macht ja schon die Treppe immer so schlampig. Wird schon richtig sein; wer keine Leistung bringt ist heute eben schnell weg, wenn es auffällt, da gibt es nichts." Drei Tage später ist Großmaul selber arbeitslos und der Text ändert sich auf wunderbare Weise ...
Und erzähle mir bitte keiner, dass die Mitarbeiter jahrelang nicht gemerkt haben, dass es bei Arcandor krieselt. Aber warum sollte man sich darum kümmern, so lange der Lohn bezahlt wird? Nun, auch das ist Aufgabe eines MITarbeiters und der Arbeitnehmervertretung, dumpfe Befehlsempfänger gibt es im Dutzendpack billiger.
Alles Gute
Kai Hamann
Spannungsfeld ist eine Lösung zu suchen. Denn auch die Mitarbeiter neigen zu Lethargie und verweisen gerne auf die Herren da oben die es doch richten sollen und dafür bezahlt werden. Aber was noch wichtiger ist die Gewerkschaften sind gefordert sich hier Kreativ als Mittler einzuzbringen. Was nichts daran änder wenn ein Strukturwandel ansteht und das ist in teilen bei den Kaufhäusern der Fall......
Internet und kleine Internethändler graben hier das Grab für die Kaufhäuser.
cooler vertrag
kein wunder dass die jetzt pleite sind und vor der insolvenz stehen
wer würde bei dem vertrag nicht schauen, dass die firma in den A.. geht, bekommt man doch so in kurzer zeit eine mehrjähriges gehalt ausbezahlt, und kann entweder 5 jahre urlaub machen oder sich bei einer anderen firma noch zusätzlich die taschen vollstopfen
wer hat dieses vertragswerk bei der bank, die ja selbst in schieflage befindet, ausgehandelt??
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