DrogenanbauAfghanistans Opium-Bauern erhöhen Ertrag

Auf einem Viertel weniger Anbaufläche als bisher haben Afghanistans Bauern Rekorderträge erzielt: Die für die Taliban lukrative Opium-Produktion sank nur um zehn Prozent

Der Anbau des für die Rauschmittelproduktion wichtigen Schlafmohns in Afghanistan ist zum zweiten Mal in Folge deutlich gesunken. Nach Angaben der Vereinten Nationen schrumpften die Anbauflächen 2009 im Vergleich zum vergangenen Jahr um 22 Prozent. Während afghanische Bauern im vergangenen Jahr noch auf 157.000 Hektar den illegalen Anbau betrieben, waren es 2009 nur noch 123.000 Hektar. Mit 193.000 Hektar war 2007 das Rekordjahr gewesen.

Als Grund für das Schrumpfen der Flächen nannten die UN vor allem die fallenden Preise für Opium, das zur Droge Heroin weiterverarbeitet werden kann. Die Produktion nahm 2009 allerdings nur um zehn Prozent auf 6900 Tonnen ab, da die Bauern durch das günstige Wetter Rekorderträge erzielen und mehr Opium pro Schlafmohn-Stängel gewinnen konnten.

Anzeige

Mit 6900 Tonnen stellten die afghanischen Farmer immer noch mehr Opium her, als alle Heroinsüchtigen der Welt pro Jahr konsumierten – das sind weltweit 5000 Tonnen, vor allem in Form von Heroin.

Auch scheint der Preisverfall stärker zum Anbaurückgang beigetragen zu haben, als die Bemühungen der internationalen Truppen in Afghanistan: Sie zerstörten nur vier Prozent der Schlafmohnpflanzen und beschlagnahmten zwei Prozent der Ernte.

Die UN geben sich dennoch optimistisch: "Der afghanische Opiummarkt verliert an Rückhalt", sagte Antonio Maria Costa vom UN-Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung. Afghanistans Anti-Drogen-Minister, General Khodaidad, sagte, in 20 der 34 afghanischen Provinzen gebe es keinen Drogenanbau mehr.

Es wird seit Langem vermutet, dass die Taliban jährlich viele Millionen Dollar aus dem illegalen Drogenhandel gewinnen. Westlichen Offiziellen zufolge finanziert er auch Verbrechen und Korruption.

Immer komme noch 90 Prozent des weltweiten Rohopiums, aus dem sich Heroin gewinnen lässt, aus Afghanistan. Nach einem stetigen Anstieg nach dem Sturz der Taliban war der Anbau von Schlafmohn, aus dem das Rohopium gewonnen wird, im vergangenen Jahr erstmals zurückgegangen. Der Trend setzte sich in diesem Jahr fort.

"In einer Zeit des Pessimismus über die Lage in Afghanistan sind diese Ergebnisse gute Nachrichten", sagte Costa.

 
 

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • sam84
    • 02. September 2009 16:49 Uhr

    Bemerkenswert wie unterschiedlich die Online-Zeitungen 'Spiegel-Online' und 'Zeit-Online' über ein und dasselbe Thema berichten.

    Die Schlagzeile des Spiegel-Online Berichts über das Opium-Problem in Afghanistan lautet:
    "Westen feiert Erfolg im Opiumkrieg gegen Taliban
    Der neue Opium-Bericht der Uno weckt Hoffnungen: Zum zweiten Mal in Folge sinkt die Produktion in Afghanistan, die britische Regierung spricht gar von einem "dramatischen Turnaround". Doch die Drogenbarone bleiben mächtig - und könnten den Rauschgiftmarkt jederzeit mit Tausenden Tonnen fluten."

    Den auf dieser Seite veröffentlichte Bericht kennen Sie bereits:
    "Afghanistans Opium-Bauern erhöhen Ertrag
    Auf einem Viertel weniger Anbaufläche als bisher haben Afghanistans Bauern Rekorderträge erzielt: Die für die Taliban lukrative Opium-Produktion sank nur um zehn Prozent."

  1. Immer diese Betonung"....der für die Taliban lukrative Opium Produktion...."
    Wenn die Opiumproduktion für die Taliban so lukrativ ist, warum haben sie sie dann bekämpft als Sie noch an der Macht waren?
    Warum war der Anbau von Schalfmohn auf dem Höhepunkt ihrer Macht am geringsten?
    Warum stieg der Anbau erst wieder als "der Westen" ins Land einmaschiert ist?
    Mag sein, das das alles verblendete Fanatiker sind, aber rechnen werde sie doch wohl können, oder?
    Aber nein, das machen alles die bösen, bösen Taliban. Damit hat "der Westen" nichts zu tun.
    Wenn ich das schon lese 4 % vernichtet und 2% beschlagnahmt.
    Sorry, Leute das geht besser. Sonst seid ihr doch auch nicht so sparsam mit dem Napalm.
    Stellt sich einem wieder die Frage: Wer profitiert?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    In diesem Link:

    http://de.wikinews.org/wi...

    finden sich Hinweise darauf, daß die Taliban die Schafzucht zumindest nicht gefördert, sondern eher unterdrückt hat. Dadurch haben sie indirekt aber wiederum den Opiumanbau gefördert.

  2. dass es in den meisten Medien jetzt so klingt, als seien die Taliban die treibende Kraft hinter der afghanischen Opium-Produktion.

    Dabei waren es bekanntlich gerade die Taliban, die wegen ihrer strengen Auslegung des Islam rigoros gegen den Schlafmohn-Anbau in Afghanistan vorgegangen sind, wodurch die in Afghanistan produzierte Opium-Menge binnen kürzester Zeit rapide gesunken ist - von ca. 90% der gesamten weltweiten Opium-Produktion auf fast 0 im Jahr 2001.

    Erst als die Amerikaner kurz darauf in Afghanistan einmarschierten, konnten die Schlafmohn-Bauern endlich wieder in Ruhe ihre Drogen anbauen und die Produktion ging wieder steil nach oben - weshalb böse Zungen damals ja behauptet haben dass ein wichtiger Grund für den Einmarsch in Afghanistan wohl war, dass die CIA nicht mehr hinnehmen wollten dass die Taliban den lukrativen Heroin-Markt austrocknen. Schliesslich wurde schon mehrfach nachgewiesen, dass die CIA (und vermutlich auch andere Geheimdienste) ihre Finger im internationalen Drogenhandel haben...

  3. In diesem Link:

    http://de.wikinews.org/wi...

    finden sich Hinweise darauf, daß die Taliban die Schafzucht zumindest nicht gefördert, sondern eher unterdrückt hat. Dadurch haben sie indirekt aber wiederum den Opiumanbau gefördert.

  4. Ist ja unglaublich, was die ZEIT ihren Lesern hier wieder bietet.

    Die Taliban würden vom Drogenanbau profitieren, behauptet der Artikel, dabei sind es die Drogenbarone und Warlords, die in Afghanistan vom Sturz der Taliban durch die USA profitiert und diesen möglich gemacht haben.

    Lügt nur immer weiter so offensichtlich. Bald glaubt Euch keiner mehr irgendetwas.

  5. Es ist richtig, daß die Taliban den Anbau von Opium und auch von Haschisch untersagt haben. Dies hat in erster Linie eine religiöse Motivation in Bezug auf die strenggläubigen, fundamentalistischen sunnitischen Islamisten - für die Taliban die einzig wahren Gläubigen.

    Für alle anderen, eben die Ungläubigen, sehen die Taliban den Genuß von O. und H. als gestattet an:
    Abdul Rashid, the head of the Taliban's anti-drugs control force in Kandahar, spelled out the nature of his unique job. He is authorized to impose a strict ban on the growing of hashish, "because it is consumed by Afghans and Muslims." But, Rashid told me without a hint of sarcasm, "Opium is permissible because it is consumed by kafirs in the West and not by Muslims or Afghans."
    ( http://en.wikipedia.org/w... )

    Mullah Amir Mohammed Haqqani, der führende Anti Drogen Beauftragte in Nagarhar, erklärte den Opiumanbau für generell und für immer als illegal.

    Andere Quellen behaupten, daß die Taliban jedoch Profite aus dem Anbau gezogen hätten, indem sie durch Verknappung die Preise in die Höhe trieben:
    http://fpc.state.gov/docu...

    Die ganze Angelegenheit ist schwer durchschaubar, weil sich Wahrheit und Lügen bzw. Verschweigen mischen - bei wem auch immer.

  6. den wirklichen Reibach bei der Drogengeschichte machen nicht die Bauern und auch nicht die Taliban, die das Rohopium verkaufen, sondern diejengen, die daraus hochwertiges Heroin herstellen. Und die sitzen nicht am Hindukusch! Von daher ist schon klar, von welcher Seite die geringste Bereitschaft kommt, den Anbau zu stoppen...
    Und dass "Geheimdienst" und "Mafia" im Prinzip nur zwei verschiedene Worte für das gleiche sind, ist ja auch kein allzugroßes Geheimniss...
    ____
    Zur Idee der Weltverbesserer an sich: pfiffig, aber wenn's tatsächlich funktionert, wird's eh nie umgesetzt (siehe oben...).
    Allerdings, meine Herren - wie wär's, wenn Sie statt gleich Flugzeuge und Millionen zu fordern, erst mal höflich um ein paar tausend für einen Feldversuch bitten würden. Und dann mal Beweisen, dass Ihr kühner Plan funktionieren kann.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
  • Schlagworte UN | Afghanistan | Dollar | Droge | Drogenanbau | Drogenhandel
Service