Teheran Irans Präsident begehrt auf

Ahmadineschad beharrt darauf, dass die Opposition vom Ausland gesteuert sei. Und er will deren Führer bestrafen. Damit stellt er sich gegen Revolutionsführer Chamenei

Irans umstrittener Präsident Mahmud Ahmadineschad ist am Freitag auf offenen Konfrontationskurs zum Obersten Religionsführer Ajatollah Ali Chamenei gegangen. Bei einer Ansprache vor dem Freitagsgebet in Teheran forderte er die iranische Justiz auf, auch die Führer und Schlüsselpersonen der Opposition zu verhaften und zu bestrafen. "Wer provoziert und organisiert hat, wer die Strategie des Feindes umgesetzt hat, dem muss mit Härte begegnet werden“, rief er vor Tausenden seiner Anhängern aus, die "Exekutiert die Rädelsführer!“ skandierten.

Namen nannte Ahmadineschad nicht - gemeint jedoch sind die beiden bei der Präsidentenwahl am 12. Juni angeblich unterlegenen Kandidaten Mir Hussein Mussawi und Mehdi Karroubi sowie die Ex-Präsidenten Hashemi Rafsandschani und Mohammed Chatami.

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Gleichzeitig wiederholte Ahmadineschad in seiner Rede den Vorwurf, Großbritannien habe versucht, einen Umsturz des iranischen Systems zu organisieren. David Miliband, "der Außenminister der alten Kolonialmacht“, habe dem Außenminister eines mit dem Iran befreundeten Landes gesagt, "diesmal machen wir eine exakt geplante Arbeit und werden die Islamische Republik erledigen“, behauptete Ahmadineschad. Aus welchem "befreundeten Land“ diese Informationen stammen, sagte er indes nicht.

Zwei Tage zuvor hatte Ayatollah Chamenei dagegen in einer Fernsehbotschaft versucht, die Empörung im Volk über die Schauprozesse gegen rund 160 Oppositionelle zu dämpfen und erklärt, er sehe bislang keine Beweise für die Anschuldigung, die Unruhen im Land seien vom Ausland gesteuert worden. Damit schob Chamenei faktisch möglichen Todesurteilen einen Riegel vor und erweckte erstmals den Eindruck, er suche einen politischen Ausweg, um den Massenprozess zu beenden.

Der letzte Woche von ihm ernannte Justizchef Sadegh Laridschani und dessen neuer Generalstaatsanwalt Gholam-Hossein Mohseni Ejei gelten als Gegner dieses Justizspektakels. Laridschani kündigte zudem an, er werde auch Täter in den Reihen der Sicherheitskräfte zur Verantwortung ziehen. Chamenei sagte bei seiner Ansprache, er schätze die Arbeit der Basidschi-Milizen bei den Protesten. Das bedeute aber nicht, dass "bestimmte Verbrechen“ nicht untersucht würden.

Leser-Kommentare
    • FahadA
    • 28.08.2009 um 19:26 Uhr

    Die naechsten Tage werden spannend. Heute hat der Director General der Wiener Atomenergiebehoerde IAEA seinen letzten Report zum Stand des iranischen Atomprograms veroeffentlicht (falls nicht erwuenscht, mag die Redaktion den link entfernen), der ungewoehnlich kritisch ist, obwohl Tehran in einem bemerkenswerten Anflug von Offenheit den Inspektoren die Anlagen in Arak und Natanz Mitte des Monats ploetzlich geoeffnet hatte. Ende naechsten Monats werden wir den 'neuen' (und alten) Praesidenten dann wieder waehrend der UNO Vollversammlung in New York erleben. Bis dahin koennte sich die internationale Gemeinschaft bezueglich neuer Sanktionen schon eindeutiger positioniert haben.

    Ob Obamas Geduld zu Ende geht und Israel gruenes Licht erhaelt, die Anlagen in Esfahan, Natanz, Arak zu bombardieren? Warten wir's ab.

    Freelance

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    Es ist bald aus mit Chameneis Kettenhund Ahmadi. Er beißt wild um sich, Chamenei wird ihn fallen lassen in der Hoffnung, sich zu retten.
    Das übrigens könnte Rafsandshanis merkwürdige Äußerung neulich erklären - er sprach von *Gehorsam gegenüber dem obersten Führer* und gleich danach von Redefreiheit und konstruktiver Kritik. Das ist eher keine Kehrtwende, wie Reuters interpretierte.
    Man schart sich wohl um Chamenei, um Ahmadi zu isolieren und zu erledigen. Chamenei bekommt etwas Zeit, verliert aber seine Machtbasis der letzten Jahre. Die Umarmung könnte ihm zum Würgegriff werden.

    Grünes Licht für Israel? Glaube ich kaum. Das Regime zerlegt sich gerade so wundervoll, man sollte es nicht dabei stören.

    Es ist bald aus mit Chameneis Kettenhund Ahmadi. Er beißt wild um sich, Chamenei wird ihn fallen lassen in der Hoffnung, sich zu retten.
    Das übrigens könnte Rafsandshanis merkwürdige Äußerung neulich erklären - er sprach von *Gehorsam gegenüber dem obersten Führer* und gleich danach von Redefreiheit und konstruktiver Kritik. Das ist eher keine Kehrtwende, wie Reuters interpretierte.
    Man schart sich wohl um Chamenei, um Ahmadi zu isolieren und zu erledigen. Chamenei bekommt etwas Zeit, verliert aber seine Machtbasis der letzten Jahre. Die Umarmung könnte ihm zum Würgegriff werden.

    Grünes Licht für Israel? Glaube ich kaum. Das Regime zerlegt sich gerade so wundervoll, man sollte es nicht dabei stören.

  1. Ahmadinadsched versteht es wie kein anderer, alle Seiten gleichzeitig zu Feinden zu machen. Chamenei war doch immer noch der einzige, der seine katastrophale Politik befürwortete. Er verheddert sich in seinen eigenen Lügen, wenn er behauptet, Protestkundgebungen habe es nicht gegeben und sie seien vom Ausland inszeniert worden. Wenn es keine gab, hat das Ausland keine inszeniert.

  2. Es ist bald aus mit Chameneis Kettenhund Ahmadi. Er beißt wild um sich, Chamenei wird ihn fallen lassen in der Hoffnung, sich zu retten.
    Das übrigens könnte Rafsandshanis merkwürdige Äußerung neulich erklären - er sprach von *Gehorsam gegenüber dem obersten Führer* und gleich danach von Redefreiheit und konstruktiver Kritik. Das ist eher keine Kehrtwende, wie Reuters interpretierte.
    Man schart sich wohl um Chamenei, um Ahmadi zu isolieren und zu erledigen. Chamenei bekommt etwas Zeit, verliert aber seine Machtbasis der letzten Jahre. Die Umarmung könnte ihm zum Würgegriff werden.

    Grünes Licht für Israel? Glaube ich kaum. Das Regime zerlegt sich gerade so wundervoll, man sollte es nicht dabei stören.

    • Lido
    • 29.08.2009 um 9:05 Uhr

    Das greift man zur übermächtigen Keule, nämlich "der Böse da draußen": Wenn es an Erklärungsmöglichkeiten mangelt, waren es "die bösen Mächte aus dem Ausland".
    Mit gleicher Argumentation haben bereit die Kommunisten die Probleme ihrer Staatsform erklärt.

    Ob die Kommunisten nach ihrer strengen Lehre oder die religösen nach ihrer Gesellschaftsinterpretation - all diese Modelle scheitern daran, dass sie mit absolutem Wahrheitsanspruch gelebt werden sollen. All missachten die Prinzipien, wie menschliches Zusammenleben funktioniert.

    Meinungsfreheit oder Vielfalt anzuerkennen würde die absolute Richtigkeit der religösen Staatsform, ihren 100% Anspruch, in Frage stellen. Insofern bestätigt dies hier nur: diese Gesellschaft kann nicht funktionieren.

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