Fahrzeugindustrie Abwrackprämie sorgt für Autoboom in Deutschland
Zwei Millionen Autokäufer profitierten von der Abwrackprämie, die Neuzulassungen schossen nach oben. Doch kommendes Jahr müssen viele Autohändler um ihre Existenz fürchten
Die Abwrackprämie ist Geschichte, der entsprechende staatliche Fördertopf ist leer. Knapp acht Monate nach Einführung der Konjunkturmaßnahme im Rahmen des staatlichen Konjunkturprogramms ist die Summe von fünf Milliarden Euro verbraucht. Von der Finanzspritze profitierten knapp zwei Millionen Autokäufer – und die Autohersteller weltweit.
Mit rund 275.000 Neuzulassungen liegt der Gesamtmarkt im August um 28 Prozent über dem Vorjahresmonat. Dies teilte der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) am Mittwoch in Bad Homburg mit. Damit habe der deutsche Automarkt in den ersten acht Monaten des Jahres trotz der globalen Krise mit 2,675 Millionen Neuzulassungen ein Plus von 26,8 Prozent erzielt. Im Juli lag das Plus bei den Neuzulassungen bei 30 Prozent, im Juni sogar bei 40 Prozent.
VDIK-Präsident Volker Lange sagte, die Abwrackprämie habe deutlich zur Belebung der privaten Nachfrage beigetragen: "Die Mehrzahl der Käufer, die die Umweltprämie beantragt haben, hätten sich ohne die Förderung nicht für einen Neuwagen entschieden." Dieser Boom werde auch in den kommenden Wochen anhalten, da die vorliegenden Aufträge nach und nach abgearbeitet werden müssten.
Mit der Ausschöpfung des Fördertopfs werde die Neuwagen-Nachfrage aber deutlich sinken, so Lange weiter. Diese Einschätzung teilen auch viele Marktforscher, die für das kommende Jahr mit einem Rückgang der Pkw-Neuzulassungszahl um eine Million rechnen. Sie befürchten, dass sehr viele Autokäufe wegen des außerordentlichen Anreizes vorgezogen wurden und der Bedarf damit gedeckt ist. VDIK-Mann Lange geht allerdings davon aus, "dass der Rückgang moderater ausfallen kann als noch im Frühjahr erwartet". Grund sei die ausgesprochen hohe Zahl von erstmaligen Neuwagen-Käufern.
Auch für die deutschen Autohändler hat sich die Abwrackprämie als voller Erfolg erwiesen. "Für die Kfz-Branche war diese Förderungsmaßnahme das beste, was man sich nur vorstellen konnte", sagte der Präsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe, Robert Rademacher.
Sein Verband habe Umfragen in Auftrag gegeben, wonach 45 Prozent der Befragten einen für das Jahr 2010 geplanten Neuwagenkauf wegen der Prämie ins Jahr 2009 vorgezogen haben. Das entspreche etwa 900.000 Käufern. Von diesen Käufern hätten aber auch zwei Drittel erklärt, das erste Mal in einem Autohaus gekauft zu haben. "Das ist für unser Gewerbe eine Riesenchance", sagte Rademacher. Denn normalerweise hätten sich diese Kunden auf dem Gebrauchtwagenmarkt umgeschaut.
Rademacher räumte ein, dass im kommenden Jahr einige hunderttausend Käufe fehlen könnten. Damit werde man dort anknüpfen, wo man 2009 eigentlich gelandet wäre. Doch er geht davon aus, "dass unsere Betriebe sich in vielen Fällen bereits eingerichtet haben auf ein schwächeres Jahr 2010. Auch da werden wir durchkommen". Diese Hoffnung begründete er mit einer erwarteten Wiederbelebung der Industrie. So werde der gewerbliche Absatz voraussichtlich wieder anspringen.
Wie das zuständige Bundesamt für Ausfuhrkontrolle und Wirtschaft (Bafa) am Mittwoch mitteilte, ist der staatliche Fördertopf für die Abwrackprämie für Altautos leer. Punkt 10.14 Uhr sei der letzte noch mögliche Antrag eingegangen. Eine Fortsetzung der Abwrackprämie wird es trotz mannigfaltiger Forderungen aus Industrie und Verbänden nicht geben.
Manche Branchenbeobachter gehen davon aus, dass in der Automobilbranche nun 90.000 Arbeitsplätze abgebaut werden könnten. "Wir können im Handel bis zu 6500 Betriebe verlieren. Wenn man davon ausgeht, dass ein Händler im Durchschnitt 14 Mitarbeiter hat, so kommen wir glattweg auf 90.000 Personen, die jedenfalls nicht einen sicheren Arbeitsplatz haben", sagte Wolfgang Meinig vom Forschungsinstitut Automobilwirtschaft.
Meinig kritisierte, dass durch die Abwrackprämie eine künstliche Konjunktur inszeniert worden sei. "Im nächsten Jahr werden wir 800.000 Fahrzeuge weniger verkaufen. Das ist ein riesengroßes Problem." Wenn man davon ausgehe, dass ein Händler 120 Fahrzeuge im Jahr verkaufen muss, bestehe die Gefahr, dass sich im nächsten Jahr 6500 Händler verabschieden müssten. Die Händler seien wie ein Hund zur Jagd getragen worden.
Ähnliche Zahlen wurden bereits vergangene Woche bekannt. Auch laut einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger könnte das Ende der Abwrackprämie die Zahl der Insolvenzen entlang der gesamten automobilen Wertschöpfungskette deutlich steigen lassen und insgesamt 90.000 Arbeitsplätze gefährden.
Doch offenbar hat das Ende der Abwrackprämie für Autokäufer auch etwas Gutes: Nach einer Studie schnellen die Rabatte für Neuwagen derzeit in die Höhe. Im August ermittelte das Car-Center der Universität Duisburg-Essen 344 Rabattaktionen der Hersteller – das war ein neues Rekordniveau. Viele Wagen waren mit ungewöhnlich hohen Rabatten zu haben. "Die Autohändler leiten ab September eine neue Rabattschlacht im Automarkt ein – diesmal eben ohne Staatszuschuss", sagte Experte Ferdinand Dudenhöffer.
- Datum 03.09.2009 - 13:35 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
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durften wir also bezahlen, damit eine Minderheit sich ein paar neue Autos kaufen durfte.
Und kaum bleibt dieses Spielgeld weg, droht mal wieder der Weltuntergang(TM) und Milliarden Arbeitsplätze sind bedroht.
Gut, man könnte jetzt argumentieren, die 62€ tun ja keinem Weh, aber zusätzlich zu dem ganzen adneren Müll, den wir alle finanzieren, da schmerzt es schon. ( Und wenn ich jetzt mal rechne, dass dieses Geld ja nur von denen kommt, die auch aktiv Kohle verdienen, da wird mal schnell ein Betrag über 100 € davon )
Jeder jetzt mit Steuergeldern subventionierte Autoverkauf ist ein Verkauf weniger zum vollen Preis, wenn die Krise vorbei ist.
Stellen sie sich mal vor, sie fliegen durch den Weltraum! Sie messen ständig den Kurs. Sie stellen fest, dass sie ganz langsam in das Gravitationsfeld eines Sonnensystes geraten, in dem es nur lebensfeindliche Planeten gibt. Mit einem kurzen Zünden der Triebwerke haben sie jedoch die Möglichkeit diesem Gravitationsfeld zu entkommen, und sie gelangen in das Gravitationsfeld eines anderen Systems, in dem es ganz wundervolle Planeten gibt.
Dies nur als Bild.
In der Theorie nichtlinearer Systeme spricht man von Attraktoren. Das sind die meist etwas unscharfen Zustände, die ein komplexes System einnehmen kann, und in denen es dann eine gewisse Zeit verharrt, also stabil ist. Für ein ökonomisches System könnte solch ein Attraktor z.B, durch den Begriff der Depression geprägt sein. Der Versuch, der durch die Abwrackprämie unternommen wurde, lässt sich durchaus mit dem kurzzeitigen Zünden eines Steuertriebwerkes vergleichen. Möglicherweise konnte damit das Wirtschaftssystem von dem Abgleiten in den "Depressions-Attraktor" bewahrt bleiben. Wenn sich das System Wirtschaft dann aufgrund seiner Eigendynamik erholt, war der Steuereingriff richtig. Dann ist es auch nicht so schlimm, dass man eine gewisse Menge an Treibstoff verbraucht hat.
Um noch mal das Eingangsbild aufzugreifen. Wäre man schon sehr viel weiter in das Kraftfeld des unerwünschten Sternes gekommen, bräuchte man dann schon sehr viel mehr Treibstoff um dem Gravitationsfeld zu entkommen.
Fazit: Schnelle Steuerimpulse können sehr wohl einen sinnvollen Effekt haben.
Ob die Abwrackprämie nun ein Erfolg war, wird möglicherweise nie abschließend bewertet werden können, da wir ja nun nicht wissen, wohin unsere Wirtschaft ohne sie tendiert hätte, sprich, ob wir damit wirklich den Attraktor "Depression" angesteuert hätten.
Dass uns nun allerdings der konjunkturelle Totalabsturz zumindest für den Moment erspart geblieben ist, spricht jedoch dafür, dass die Abwrackprämie nicht gänzlich sinnlos war.
Die Abwrackprämie ist ein Musterbeispiel erfolgreicher Konjunkturpolitik. Sie hat schnell gewirkt und damit eine Abwärtsspirale und eine Depression in Deutschland verhindert. Die Prämie ist daher kein Nullsummenspiel, denn ihre Multiplikatorwirkung war ausgesprochen hoch. Wegen der Konjunkturerholung wird der Automarkt im nächsten Jahr auch nicht dramatisch einbrechen. Im Gegenteil: weil mit einem nachlaufenden Effekt der Abwrackprämie zu rechnen ist, dürften die Autohändler noch im nächsten Jahr finanziell von der jetzigen Prämie profitieren und hohe Gewinne einfahren.
das nach den fetten Jahren die mageren Jahre folgen, ist doch hinlänglich bekannt.
Das fette Jahr ist vorbei und es beginnen die 10 - 15 mageren Jahre für den Automobilbereich.
Schön, dass Zwei Millionen Autokäufer von der Abwrackprämie profitierten.
Bezahlen müssen jedoch auch diejenigen, die nicht in den Genuss der Prämie kamen.
Was jetzt von vielen als toller Erfolg bejubelt wird, kommt ab dem nächsten Jahr als grosser Katzenjammer auf alle zurück.
Die fdp überlegt ja schon, um wieviel Prozent die MWST erhöht werden muss.
Weiterhin frohes schaffen, Deutschland!
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