Europäische Union Ein neuer Präsident muss her
Fünf Jahre lang war Barroso Präsident der Europäischen Kommission. Um das Projekt Europa zu retten, darf er auf keinen Fall noch einmal gewählt werden
© Dominique Faget/AFP/Getty Images

Nach dem Willen der europäischen Regierungschefs soll José Manuel Barroso wieder Präsident der Europäischen Kommission werden
Das politische Europa kehrt aus dem Sommerurlaub zurück, und ein hektisches Programm wartet in Brüssel. Das wichtigste Thema ist die Wahl des Präsidenten der nächsten Kommission: Wer wird es sein und wie wird er ernannt werden?
Im Moment kandidiert offiziell nur der amtierende Präsident José Manuel Barroso. Er hat die formelle Unterstützung des Europäischen Rates erhalten, also von den Staatsführern Europas. Ob er jedoch die notwendige Unterstützung des Europäischen Parlaments erhalten wird, ist unklar.
In den vergangenen fünf Jahren war Barroso ein schwacher Präsident ohne Vision und Ehrgeiz, ohne Führungsstärke und Einfluss. Er hat wenig aus dem Recht der Kommission gemacht, Gesetzesinitiativen auf den Weg zu bringen. Stattdessen lavierte er herum, immer darum besorgt, den konservativen Regierungen gefällig zu sein – insbesondere denen der großen Staaten.
Sofern diese Kommission überhaupt einen Eindruck in der europäischen Politik hinterlassen hat, dann durch die Anwendung einer neoliberalen Agenda und das Ausmerzen von bestehenden sozialdemokratischen Projekten wie die Lissabon Strategie. Eine entschlossene Antwort auf die Wirtschafts- und Finanzkrise hat die Kommission jedenfalls nicht gefunden.
Die Folgen sind desaströs. Der Brüsseler Thinktank Bruegel hat kürzlich eine Studie von André Sapir, einem Mitglied von Barrosos Group of Economic Policy Analysis, veröffentlicht, die beschreibt, wie die Lage der Dinge in Europa ist: "Höchstwahrscheinlich wird man sich dieser Krise erinnern als jenem Moment, in dem Europa unwiderruflich an Boden verloren hat, sowohl politisch als auch wirtschaftlich. In wirtschaftlicher Hinsicht besteht das Risiko, dass die Krise in einer Abwärtsspirale aus Fast-Stagnation, steigender Verschuldung der öffentlichen Haushalte und abnehmender Innovationskraft münden wird. In politischer Hinsicht wird der Europäischen Union wahrscheinlich zur Last gelegt werden, dass sie neoliberale Reformen gefördert hat, anstatt eine koordinierte Reaktion auf die Krise vorangebracht zu haben."
Anlässlich der Wahlen zum Europäischen Parlament im Juni 2009 drückten viele Bürger Europas aus, wie ihrer Meinung nach die nächsten fünf Jahre gestaltet werden sollten. Das Ergebnis war nicht eindeutig: Parteien mit einer Europa-freundlichen Ausrichtung wie die Grünen konnten Erfolge feiern, aber auch Parteien mit Europa-skeptischen Einstellungen verbesserten ihre Ergebnisse. Die Konservativen konnten ihr Niveau halten.
Die Sozialdemokraten, die versucht hatten, zugleich gegen und für Europa zu sein, mussten hingegen Verluste hinnehmen. Die Sozialdemokratische Partei Europas (PES) präsentierte sich in einer besonders schlechten Verfassung: Sie konnte sich nicht auf einen Kandidaten für die Präsidentschaft der Kommission einigen und verkündete bereits vor der Europawahl, dass sie den neoliberalen Barroso unterstützen wolle. Nachdem sie Stimmen verloren hatte, änderte sie nach den Wahlen ihre Meinung, und lehnt nun Barrosos Kandidatur ab. Ob sie dieses Mal ihr Wort hält? Das ist eine offene Frage.
Gibt es noch eine Chance, dass weitere fünf Jahre unter der Präsidentschaft Barrosos verhindert werden können? Die Antwort hängt davon ab, nach welchen Modalitäten er gewählt werden wird. Gemäß dem Vertrag von Nizza genügt zur Wahl des Präsidenten eine einfache Mehrheit, während nach den Vorgaben des Vertrags von Lissabon eine absolute Mehrheit notwendig ist. Doch der Vertrag von Lissabon ist noch nicht ratifiziert. Ein neues Referendum muss in Irland abgehalten werden, und die Präsidenten von Polen und Tschechien müssen den Vertrag noch unterzeichnen.
Vieles spricht dafür, auf den Vertrag von Lissabon zu warten, der noch weitere institutionelle Veränderungen enthält. So soll es anstelle des Prinzips der halbjährlichen Rotation einen ständigen Präsidenten des Europäischen Rates geben und einen Hohen Repräsentanten für Außenpolitik und Sicherheitsfragen. Zudem soll die Zahl der nationalen Kommissare verändert werden. Weil durch die Umsetzung des Vertrags von Lissabon das Europäische Parlament an Macht gewinnt, wäre es logisch, dass das Parlament die Kommission ernennt und sich der Rat um seine eigenen Angelegenheiten kümmert.
Wenn der nächste Präsident nach den Regeln des Vertrags von Lissabon gewählt wird, würde sich die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass die Wahl nicht auf Barroso fallen wird. Er kann auf die 268 Stimmen der Fraktion der Europäischen Volksparteien (EPP) zählen und auf die 54 Stimmen der Konservativen. Das sind 44 Stimmen zu wenig, um eine absolute Mehrheit zu erreichen. Barroso könnte sich um die Unterstützung der anti-europäischen Fraktion "Europa der Freiheit und der Demokratie" bemühen, aber diese Möglichkeit ist nicht sehr angenehm.

Stefan Collignon ist Professor für Wirtschaftspolitik an der Sant'Anna School of Advanced Studies in Pisa, Italien. Zurzeit ist er als Gastwissenschaftler an der London School of Economics tätig.
Im Gegensatz dazu fehlt einer Koalition aus Sozialisten, Liberalen, Grünen und den übrigen Linken nur acht Stimmen zur absoluten Mehrheit. Sie könnte vielleicht sogar ein paar Stimmen aus den Reihen der EPP erhalten. Gemessen an ihren Wahlprogrammen wäre eine Übereinkunft zwischen Sozialisten, Liberalen und Grünen gar nicht so schwierig. Und angesichts dessen, dass die Sozialisten sich bislang nicht auf einen eigenen Kandidaten einigen konnten, sollten sie sich um den ehemaligen belgischen Premierminister Guy Verhofstaft sammeln. Er hat bereits bewiesen, dass er erfolgreich eine solche violette Koalition zwischen Sozialisten und Liberalen führen kann: So hat er in Belgien zehn Jahre regiert.
Ein Beitrag aus dem "Social Europe Journal"
- Datum 04.09.2009 - 16:08 Uhr
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Ich kann nur hoffen das die Iren am 2.Oktober Nein sagen.
Allein schon die Frechheit den gleichen Text -unverändert - nochmal zu Abstimmung vorzulegen verdient die Ablehnung.
Den Politikern war also die Meinung des Volkes nicht recht, also muß nochmal gewählt werden bis das Volk die Entscheidung fällt die den Politikern gefällt.
Zumindest hat man in Irland den Wähler gefragt.
Sollte die Iren Nein sagen wird Herr Barroso Platz machen müssen für jemanden der neue Ideen hat und uns eine Vision von Europa gibt die uns gefällt - nicht nur den Politikern.
Wenn sie ja sagen kann man nur auf die Linken im EU Parlament hoffen.
Eine so wichtige Position wie den Präsidenten der EU Kommission kann man einen Jasager wie Barroso nicht überlassen.
Nicht nur in den USA, schon zu Zeiten William Fulbright `s, gibt es eine Arroganz der macht und der Mächtigen. Wenn das stimmt mit dem gleichen Text, dem man den Iren erneut vorlegt usw.......
Sicher hat Barroso nicht nur Fehlleistungen erbracht, aber seine Bilanz ist doch überwiegend negativ. Zu sehr im Fahrwasser Bush `s und der Konservativen, zu wenig für Arbeitsplätze, Industriepolitik, Forschung, Bildung. Die nach wie vor übertriebene Subventionierung der Agrarwirtschaft ist eine Fehlentwicklung.
Ich denke, neue Leute an die Spitze der EU
a) eine Art EU-Präsident, möglicherweise Blair. Bin nicht begeistert.
b) neuer oder alter Kommissionspräsident, Barroso oder NN
c) Ersatz für Solana
Natürlich spielen auch die Parteilager und Proporz eine Rolle.
Jedenfalls könnte es, bei guter Personalauswahl für die EU 27 weiter aufwärts gehen.
Ich denke, dass die EU, auch für uns Deutsche, eine Mega-Chance ist.
Wir müssen nur die Richtigen nach Brüssel entsenden.
Beim Parlament ist es teilweise in die Hose gegangen.
In Sachen Kommission ist noch nichts verloren.
Und in Sachen angemessene Präsenz der Deutschen in den Verwaltungen könnte viel mehr geschehen.
Nicht nur in den USA, schon zu Zeiten William Fulbright `s, gibt es eine Arroganz der macht und der Mächtigen. Wenn das stimmt mit dem gleichen Text, dem man den Iren erneut vorlegt usw.......
Sicher hat Barroso nicht nur Fehlleistungen erbracht, aber seine Bilanz ist doch überwiegend negativ. Zu sehr im Fahrwasser Bush `s und der Konservativen, zu wenig für Arbeitsplätze, Industriepolitik, Forschung, Bildung. Die nach wie vor übertriebene Subventionierung der Agrarwirtschaft ist eine Fehlentwicklung.
Ich denke, neue Leute an die Spitze der EU
a) eine Art EU-Präsident, möglicherweise Blair. Bin nicht begeistert.
b) neuer oder alter Kommissionspräsident, Barroso oder NN
c) Ersatz für Solana
Natürlich spielen auch die Parteilager und Proporz eine Rolle.
Jedenfalls könnte es, bei guter Personalauswahl für die EU 27 weiter aufwärts gehen.
Ich denke, dass die EU, auch für uns Deutsche, eine Mega-Chance ist.
Wir müssen nur die Richtigen nach Brüssel entsenden.
Beim Parlament ist es teilweise in die Hose gegangen.
In Sachen Kommission ist noch nichts verloren.
Und in Sachen angemessene Präsenz der Deutschen in den Verwaltungen könnte viel mehr geschehen.
"... Europäische Parlament an Macht gewinnt, wäre es logisch, dass das Parlament die Kommission ernennt und sich der Rat um seine eigenen Angelegenheiten kümmert."
Wirklich gut wäre es, wenn alle europäischen Bürger in direkter Wahl den Präsidenten wählten. Dann wäre er wirklich legitimiert.
Wenn man Demokratie will, muss man sie machen. Und, das wäre wirklich Demokratie.
...demokratisch. Lediglich dem Personenkult förderlich, zudem wäre es schwierig einen Kandidaten für so viele Länder aufzubauen. Wirklich demokratisch wären Abstimmungen zu Sachthemen. Aber ich bleibe prinzipiell dabei: Europa ist einfach zu groß und heterogen um eine gute Demokratie zu werden. Wir sollten bei den Nationalstaaten bleiben, selbst die haben ihre Demokratiedefizite schliesslich noch nicht annähernd aufgearbeitet und genügend lokale Konfliktthemen, gerade Deutschland. Ich bin für einen lockeren europäischen Staatenbund und entschieden gegen einen europäischen Bundesstaat!
...demokratisch. Lediglich dem Personenkult förderlich, zudem wäre es schwierig einen Kandidaten für so viele Länder aufzubauen. Wirklich demokratisch wären Abstimmungen zu Sachthemen. Aber ich bleibe prinzipiell dabei: Europa ist einfach zu groß und heterogen um eine gute Demokratie zu werden. Wir sollten bei den Nationalstaaten bleiben, selbst die haben ihre Demokratiedefizite schliesslich noch nicht annähernd aufgearbeitet und genügend lokale Konfliktthemen, gerade Deutschland. Ich bin für einen lockeren europäischen Staatenbund und entschieden gegen einen europäischen Bundesstaat!
Projekt Europa ist nicht zu retten und das ist auch gut so. Die EU ist von Lobbyisten zerfressen, extrem Bürokratisch und mutiert immer schneller zum einen Diktatorischen Überwachungsstaat.
...demokratisch. Lediglich dem Personenkult förderlich, zudem wäre es schwierig einen Kandidaten für so viele Länder aufzubauen. Wirklich demokratisch wären Abstimmungen zu Sachthemen. Aber ich bleibe prinzipiell dabei: Europa ist einfach zu groß und heterogen um eine gute Demokratie zu werden. Wir sollten bei den Nationalstaaten bleiben, selbst die haben ihre Demokratiedefizite schliesslich noch nicht annähernd aufgearbeitet und genügend lokale Konfliktthemen, gerade Deutschland. Ich bin für einen lockeren europäischen Staatenbund und entschieden gegen einen europäischen Bundesstaat!
konnt sowas bei raus.
Ich befürworte ausdrücklich den Gedanken der EU und finde es sehr angenehm, ohne Pässe durch ganz Europa fahren zu können und meistens mit dem gleichen Geld bezahlen zu können
Was aus dieser doch recht simplen Idee geworden ist, zeigt aber, dass die EU zu einem Selbstbedienungsladen für abgehalferte Politker geworden ist, denen die Lobbygrüppchen ein angenehmes Leben bereiten dürfen.
So wird aus einer schönen Idee nur noch ein Misthaufen. Schade drum!
Außerdem: Baqrroso bekam seine derzeitige Position als Belohnung dafür, dass er die Politik W. Bushs gegen den Irak unterstützte - er bekaqm die Position insbesondere durch die damalige "Koalition der Willigen": Heute ist man doch auch in diesen Ländern klüger, oder?
M. Flöger
"Ich befürworte ausdrücklich den Gedanken der EU und finde es sehr angenehm, ohne Pässe durch ganz Europa fahren zu können und meistens mit dem gleichen Geld bezahlen zu können"
Mit dieser "doch recht simplen Idee" wurde tatsächlich für ein €uropa der €liten getrommelt.
Das nenne ich eine politische KaffeeFahrt.
Außerdem: Baqrroso bekam seine derzeitige Position als Belohnung dafür, dass er die Politik W. Bushs gegen den Irak unterstützte - er bekaqm die Position insbesondere durch die damalige "Koalition der Willigen": Heute ist man doch auch in diesen Ländern klüger, oder?
M. Flöger
"Ich befürworte ausdrücklich den Gedanken der EU und finde es sehr angenehm, ohne Pässe durch ganz Europa fahren zu können und meistens mit dem gleichen Geld bezahlen zu können"
Mit dieser "doch recht simplen Idee" wurde tatsächlich für ein €uropa der €liten getrommelt.
Das nenne ich eine politische KaffeeFahrt.
Ich bin ein großer Fan der EU, aber nicht solcher Artikel und Kommentare. Ein Professor, der in einer Analyse erklären soll, was der noch amtierende Kommissionspräsident für Initiativen auf den Weg gebracht hat und was nicht, kann doch nicht als einziges Argument aufbringen. "Barroso hat eine neoliberale Politik unterstützt." Das ist altes Schubladen-Denken, das zum einen die wissenschaftliche Integrität des Professors ehrblich in Frage stellt und zum anderen einfach nur plump und zu kurz gegriffen ist. Hätte sich doch dieser Wissenschaftler mal lieber mit den Gesetzesvorschlägen und Deklarationen der Barroso-Kommission inhaltich auseinander gesetzt, anstatt irgendwelche halbseidenen Studien aus linken Think-Tanks zu zitieren...
finde ich den Gedanken einer wirklich praktizierten sozialen Marktwirtschaft in der EU deutlich unterrepräsentiert. Es scheint eher so zu sein, dass sich auch Staaten mit einem dereinst verhältnismäßig sichern sozialen Netz, eben so wie Deutschland es früher einmal hatte, sich eher nach oben allein hin zum Shareholder und seinem Großkapital orientieren, auf Kosten der vielen wehrlosen Bürger, die nicht von einer mächtigen, finanzkräftigen Lobby gepampert werden.
Da bedarf es auch in der EU endlich einer sozialen politischen Strömung, die in Deutschland, spätestens seit Kohl und auf jeden Fall vollends unter Schröder, stetig im Rachen des Raubtierkapitalismus und seiner vielen Heuschrecken dem Untergang preisgegeben worden ist.
Ein ausgesprochener Neoliberalist an der Spitze der EU, scheint mir da eher den Bock zum Gärtner gemacht!
________________
"Dubito, ergo sum."
finde ich den Gedanken einer wirklich praktizierten sozialen Marktwirtschaft in der EU deutlich unterrepräsentiert. Es scheint eher so zu sein, dass sich auch Staaten mit einem dereinst verhältnismäßig sichern sozialen Netz, eben so wie Deutschland es früher einmal hatte, sich eher nach oben allein hin zum Shareholder und seinem Großkapital orientieren, auf Kosten der vielen wehrlosen Bürger, die nicht von einer mächtigen, finanzkräftigen Lobby gepampert werden.
Da bedarf es auch in der EU endlich einer sozialen politischen Strömung, die in Deutschland, spätestens seit Kohl und auf jeden Fall vollends unter Schröder, stetig im Rachen des Raubtierkapitalismus und seiner vielen Heuschrecken dem Untergang preisgegeben worden ist.
Ein ausgesprochener Neoliberalist an der Spitze der EU, scheint mir da eher den Bock zum Gärtner gemacht!
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"Dubito, ergo sum."
Außerdem: Baqrroso bekam seine derzeitige Position als Belohnung dafür, dass er die Politik W. Bushs gegen den Irak unterstützte - er bekaqm die Position insbesondere durch die damalige "Koalition der Willigen": Heute ist man doch auch in diesen Ländern klüger, oder?
M. Flöger
"Ich befürworte ausdrücklich den Gedanken der EU und finde es sehr angenehm, ohne Pässe durch ganz Europa fahren zu können und meistens mit dem gleichen Geld bezahlen zu können"
Mit dieser "doch recht simplen Idee" wurde tatsächlich für ein €uropa der €liten getrommelt.
Das nenne ich eine politische KaffeeFahrt.
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