Strom aus der Wüste Ein guter Plan?

Das Desertec-Projekt ist hochambitioniert und sein möglicher Nutzen nicht nur für die Umwelt enorm. Doch wollen wir es wirklich? Ein Kommentar

Mit Parabolspiegeln wird hier das Sonnenlicht eingefangen

Mit Parabolspiegeln wird hier das Sonnenlicht eingefangen

Haben die Konzerne den Stein der Weisen gefunden? Sie wollen Wüstengebiete in Nordafrika bis hin in den Nahen Osten nutzen, um dort riesige Solarthermieanlagen für Europas Stromversorgung zu installieren. Mehr als 20 Hochspannungsgleichstromleitungen (HGÜ) soll der Strom dann mit gerade einmal 10 bis 15 Prozent Verlusten nach Europa fließen und dort rund 15 Prozent des Elektrizitätsbedarfs decken.

Das nützt nicht nur uns. "Am meisten werden die Staaten in Nordafrika profitieren", prognostiziert Hans Müller-Steinhagen von der Universität Stuttgart, der als einer der Väter des Projekts Desertec gilt (siehe Interview im aktuellen Spektrum-der-Wissenschaft-Heft: "Strom aus der Wüste", das Sie kostenfrei online lesen können).

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Der Lebensstand in Nordafrika werde durch die Stromproduktion für den eigenen Bedarf steigen, im Lauf der Zeit sollen diese Länder zu Stromexporteuren werden. Und umweltverträglich ist das Ganze sowieso.

Ersatz für 100 Kernkraftwerke

Kosten soll Desertec 400 Milliarden Euro, verteilt auf die Jahrzehnte bis 2050. Das ist für ein europaweites Projekt, dessen Planungsvorstufe DII (Desertec Industrial Initiative) bislang allerdings fast ausschließlich deutsche Banken und Versicherungen, Energieversorger und Technikanbieter angehören, nicht allzuviel, zumal die angestrebten 100 Gigawatt exportierbarer Leistung (zusätzlich zum Verbrauch in den Produktionsländern) etwa dem entsprechen, was 100 Kernkraftwerke produzieren.

Dass die notwendige Technik für Desertec verfügbar ist, belegen zum Beispiel die solarthermischen Andasol-Kraftwerke in Südspanien, die rund 200.000 Haushalte mit Strom versorgen, und HGÜ-Leitungen, wie sie etwa von Siemens gebaut werden und mittlerweile weltweit Einsatzgebiete gefunden haben.

Das Stuttgarter Institut für Technische Thermodynamik des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) lieferte – im Auftrag des Bundesumweltministeriums – mit seiner "Bestandsaufnahme zur Verfügbarkeit erneuerbarer Energiequellen für die Stromerzeugung im Großraum Europa-Mittlerer Osten-Nordafrika, kurz EU-MENA, das wissenschaftliche Fundament für das Projekt Desertec".

Selbst Greenpeace bescheinigt "Modellcharakter"

Und auch Greenpeace setzt sich für Wüstenstrom ein und bescheinigt der Desertec-Initiative "Modellcharakter": "Solarthermische Kraftwerke können künftig bis zu einem Viertel des weltweiten Strombedarfs umweltfreundlich, preiswert und zuverlässig decken", habe die Studie "Globaler Ausblick auf die Entwicklung solarthermischer Kraftwerke 2009" gezeigt. Auch die Speichertechnik sei ausgereift, sind die Greenpeace-Experten überzeugt. "Deutschland und Europa sollten" mit Staaten aus Nahost und Nordafrika "gemeinsam eine Roadmap für den Bau von Wüstenkraftwerken und dem erforderlichen Stromverbundnetz erarbeiten".

Nun dürften dem Projekt manche Hürden entgegenstehen. Die Abstimmungen zwischen den Konzernen werden schwierig genug werden, ganz zu schweigen von den Verhandlungen mit den Standortländern und der Dauerhaftigkeit entsprechender Kooperationsvereinbarungen. Extreme Abnutzungsbedingungen werden die Kraftwerke beeinträchtigen. Und wie bei allen Großprojekten werden die künftigen Kosten den heutigen Rahmen mit einiger Wucht sprengen.

Leser-Kommentare
  1. Inwiefern es ökologisch sinnvoll ist, riesige Flächen unberührter Natur mit so einem Schrott vollzupflastern erschließt sich mir nicht. Zumal alleine die Produktion und Transport dieser Anlagen einen gigantischen Energieaufwand bedeutet. Von der Anbindung über tausende von Kilometern und der Entsorgung ganz zu schweigen.
    (Und was hat Afrika nochmal davon?)

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    • PGMN
    • 29.08.2009 um 17:51 Uhr

    lassen Sie uns stattdessen Land zupflastern, wo irgendwas drauf steht... So wie Bäume... und Häuser... und irgendwas anderes als Steine und Sand. Abgesehen davon ist der Schrott auf unseren Dächern viel besser aufgehoben, nicht wahr? Der Einwand wäre vielleicht berechtigt, wenn dort irgendetwas wäre, was es aber nicht ist. Folglich: Es tut mir Leid, so einen unüberlegten Einwand habe ich noch nie gehört.

    DIsclaimer: Ich bin weder für noch gegen Desertec per se, ich habe nur eine Allergie gegen Unsinn, wenn ich ihn lese.

    Hoffentlich nicht wieder mal Deutschland, wie gewöhnlich. Diesmal wird es unseren ewigen deutschen Neinsagern und Meckerern jedoch nichts nutzen, denn Desertec wird gebaut, mit oder ohne unsere Beteiligung. In sechs Tagesstunden liefert die Sonne schließlich mehr Energie gratis, als die gesamte Menschheit benötigt.

    Sie vergessen auch ganz am Rande, dass Desertec bis zu 240.000 Jobs allein in Deutschland schaffen kann. Und das zu einem Zeitpunkt, wo die Bundesregierung bereit ist, viereinhalb Milliarden an Steuergeldern zu vergeuden, bloß um Opel an die Russen auszuliefern.

    • PGMN
    • 29.08.2009 um 17:51 Uhr

    lassen Sie uns stattdessen Land zupflastern, wo irgendwas drauf steht... So wie Bäume... und Häuser... und irgendwas anderes als Steine und Sand. Abgesehen davon ist der Schrott auf unseren Dächern viel besser aufgehoben, nicht wahr? Der Einwand wäre vielleicht berechtigt, wenn dort irgendetwas wäre, was es aber nicht ist. Folglich: Es tut mir Leid, so einen unüberlegten Einwand habe ich noch nie gehört.

    DIsclaimer: Ich bin weder für noch gegen Desertec per se, ich habe nur eine Allergie gegen Unsinn, wenn ich ihn lese.

    Hoffentlich nicht wieder mal Deutschland, wie gewöhnlich. Diesmal wird es unseren ewigen deutschen Neinsagern und Meckerern jedoch nichts nutzen, denn Desertec wird gebaut, mit oder ohne unsere Beteiligung. In sechs Tagesstunden liefert die Sonne schließlich mehr Energie gratis, als die gesamte Menschheit benötigt.

    Sie vergessen auch ganz am Rande, dass Desertec bis zu 240.000 Jobs allein in Deutschland schaffen kann. Und das zu einem Zeitpunkt, wo die Bundesregierung bereit ist, viereinhalb Milliarden an Steuergeldern zu vergeuden, bloß um Opel an die Russen auszuliefern.

  2. Dieser Artikel erhebt einen berechtigten Einwand, der nicht nur bei den genannten oder aehnlichen Projekten beachtenswert ist.

    Oft werden in Projekten fuer die Zukunft, ob politisch, wissenschaftlich oder gesellschaftlich, die zu erwartende Verwaesserung der Ziele nicht besonders bereucksichtigt.
    Meistens laeuft es stattdessen so ab:
    1. eine Idee wird auf theoretische Realisierbarkeit ueberprueft
    2. voraussichtliche Kosten/Ertraege werden berechnet, unwaegbare Kosten mit einbezogen und es wird auf dieser Basis entschieden, ob der Plan offiziell werden soll
    3. Vertraege mit Beteiligten werden unterschrieben, eventuell schon verwaessert durch Lobbyisten
    4. Projekt wird begonnen
    5. Beteiligte unterwandern die Vertraege oder nutzen Luecken
    6. Projekt verfehlt das Ziel oder scheitert ganz, meistens aber erreicht es nicht die Ziele, es sei denn durch unerwartete Effekte

    Schon bei Punkt 2 sollten die unvermeidlichen Unregelmaessigkeiten der naechsten Punkte beruecksichtigt werden.
    Ich mag die Idee des Desertec-Projektes wirklich sehr, aber ein auf 40 Jahre in die Zukunft geplantes Projekt halte ich fuer ein wenig realitaetsfern.
    Wie soll man die Entwicklung der Welt in den naechsten 40 Jahren und deren Einfluss auf das Projekt ueberhaupt ausreichend abschaetzen koennen, wenn man bedenkt, wie schnell und mit welcher Beschleunigung im technischen Bereich sich die Welt in den letzten 40 Jahren entwickelt hat?

    • PGMN
    • 29.08.2009 um 17:51 Uhr

    lassen Sie uns stattdessen Land zupflastern, wo irgendwas drauf steht... So wie Bäume... und Häuser... und irgendwas anderes als Steine und Sand. Abgesehen davon ist der Schrott auf unseren Dächern viel besser aufgehoben, nicht wahr? Der Einwand wäre vielleicht berechtigt, wenn dort irgendetwas wäre, was es aber nicht ist. Folglich: Es tut mir Leid, so einen unüberlegten Einwand habe ich noch nie gehört.

    DIsclaimer: Ich bin weder für noch gegen Desertec per se, ich habe nur eine Allergie gegen Unsinn, wenn ich ihn lese.

    Antwort auf "Kein guter Plan"
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    Kommentare a la Wobster sind doch nichts anderes als das Pfeifen im Walde. Unsere gruenen Weltbegluecker fuerchten doch nur um ihr - von der Allgemeinheit subventioniertes - "Braguette" (politisch nicht korrekter Ausdruck, bitte in Wikipedia nachschauen) auf dem Hausdach. Die Realisierung von DESERTEC wuerde diese unsinnige Subventionierung ad absurdum fuehren, und das muss mit aller dialektischer "Argumentationsmacht" verhindert werden.

    Abgesehen von der Speicherungsproblematik von Photovoltaikstrom, auf die in allen Forendiskussionen nie weiter eingegangen wird: Um mit DESERTEC gleichzuziehen muesste das installierte Kilowatt (Peak) ca. 300-500 EUR kosten (heutzutage 4000 EUR !!!). Das ist voellig unrealistisch.
    Forderungen, beides zu subventionieren, muss entschieden widersprochen werden.

    Es ist natürlich sehr viel sinnvoller, den Dreck, der durch unsere Lebensweise entsteht, nicht auf unseren eigenen Dächern aufzuheben, sondern anderer Leute Hütten in fernen Ländern damit zuzuschaufeln. Wie Ihr wohlüberlegter Einwand funktioniert kann man bei der Entsorgung von Atommüll in aller Welt beobachten.

    Kommentare a la Wobster sind doch nichts anderes als das Pfeifen im Walde. Unsere gruenen Weltbegluecker fuerchten doch nur um ihr - von der Allgemeinheit subventioniertes - "Braguette" (politisch nicht korrekter Ausdruck, bitte in Wikipedia nachschauen) auf dem Hausdach. Die Realisierung von DESERTEC wuerde diese unsinnige Subventionierung ad absurdum fuehren, und das muss mit aller dialektischer "Argumentationsmacht" verhindert werden.

    Abgesehen von der Speicherungsproblematik von Photovoltaikstrom, auf die in allen Forendiskussionen nie weiter eingegangen wird: Um mit DESERTEC gleichzuziehen muesste das installierte Kilowatt (Peak) ca. 300-500 EUR kosten (heutzutage 4000 EUR !!!). Das ist voellig unrealistisch.
    Forderungen, beides zu subventionieren, muss entschieden widersprochen werden.

    Es ist natürlich sehr viel sinnvoller, den Dreck, der durch unsere Lebensweise entsteht, nicht auf unseren eigenen Dächern aufzuheben, sondern anderer Leute Hütten in fernen Ländern damit zuzuschaufeln. Wie Ihr wohlüberlegter Einwand funktioniert kann man bei der Entsorgung von Atommüll in aller Welt beobachten.

  3. Zuerst hat man den afrikanern ihre Rohstoffe und Edelmetalle geklaut, als das nicht genug war, hat man die Arfikaner selbst versklavt und verschachert. Und nun, wo nichts mehr zu klauen und zu versklaven ist, baut man auf ihrem Land Solarkraftwerke für Europa, die Afrikaner jubeln schon.

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    • otto_B
    • 29.08.2009 um 22:54 Uhr

    Ich schwanke, ob ich bei Ihrem Beitrag 5 oder einen Punkt anklicken soll.
    Sicher hat die "primäre Akkumulation des Kapitales" (...meine Schulbildung in der Ostzone....) woanders stattgefunden. Aber ob man deswegen die Akteure der Bergbauwirtschaft grundsätzlich als Diebe bezeichnen kann? Irgendwo las ich mal, der Abzug der Belgier war das Ende eines halbwegs organisierten Umganges mit der Schlafkrankheit. Sicher, in Katanga konnte man nur was mit gesunden Bergleuten anfangen.......Unter Mobutu war's dann eben etwas chaotischer. Und das Versanden geschenkter Gelder und Ausrüstungen im nachkolonialen (Schwarz-)afrika ist ja seinerseits sprichwörtlich. Oder auch kreditfinanziert, dann sind's eben Schulden.
    Bei Desertec werden die Konzerne schon nicht die Kontrolle aus der Hand geben.
    Ich teile aber Ihr Unbehagen betreffs der Vorstellung, daß es diesmal klappen sollte, mit ausländischem Kapital und ausländischer Technologie prosperierende Strukturen zu installieren. Ein paar Jobs für Wachmänner, Spiegel-Putz-Trupps, vielleicht auch Wartungs-Elektriker ...... das soll die Beteiligung der einheimischen Ökonomie an der Wertschöpfung sein?
    (und was man so liest, wird in Afrika Strom für 25 ct die kWh absetzbar sein?)

    • otto_B
    • 29.08.2009 um 22:54 Uhr

    Ich schwanke, ob ich bei Ihrem Beitrag 5 oder einen Punkt anklicken soll.
    Sicher hat die "primäre Akkumulation des Kapitales" (...meine Schulbildung in der Ostzone....) woanders stattgefunden. Aber ob man deswegen die Akteure der Bergbauwirtschaft grundsätzlich als Diebe bezeichnen kann? Irgendwo las ich mal, der Abzug der Belgier war das Ende eines halbwegs organisierten Umganges mit der Schlafkrankheit. Sicher, in Katanga konnte man nur was mit gesunden Bergleuten anfangen.......Unter Mobutu war's dann eben etwas chaotischer. Und das Versanden geschenkter Gelder und Ausrüstungen im nachkolonialen (Schwarz-)afrika ist ja seinerseits sprichwörtlich. Oder auch kreditfinanziert, dann sind's eben Schulden.
    Bei Desertec werden die Konzerne schon nicht die Kontrolle aus der Hand geben.
    Ich teile aber Ihr Unbehagen betreffs der Vorstellung, daß es diesmal klappen sollte, mit ausländischem Kapital und ausländischer Technologie prosperierende Strukturen zu installieren. Ein paar Jobs für Wachmänner, Spiegel-Putz-Trupps, vielleicht auch Wartungs-Elektriker ...... das soll die Beteiligung der einheimischen Ökonomie an der Wertschöpfung sein?
    (und was man so liest, wird in Afrika Strom für 25 ct die kWh absetzbar sein?)

  4. Kommentare a la Wobster sind doch nichts anderes als das Pfeifen im Walde. Unsere gruenen Weltbegluecker fuerchten doch nur um ihr - von der Allgemeinheit subventioniertes - "Braguette" (politisch nicht korrekter Ausdruck, bitte in Wikipedia nachschauen) auf dem Hausdach. Die Realisierung von DESERTEC wuerde diese unsinnige Subventionierung ad absurdum fuehren, und das muss mit aller dialektischer "Argumentationsmacht" verhindert werden.

    Abgesehen von der Speicherungsproblematik von Photovoltaikstrom, auf die in allen Forendiskussionen nie weiter eingegangen wird: Um mit DESERTEC gleichzuziehen muesste das installierte Kilowatt (Peak) ca. 300-500 EUR kosten (heutzutage 4000 EUR !!!). Das ist voellig unrealistisch.
    Forderungen, beides zu subventionieren, muss entschieden widersprochen werden.

    Antwort auf "Ja, genau"
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    Während wir die technischen, ökologischen und ökonomischen Möglichkeiten und Probleme sondieren, sollten wir uns nicht ernsthaft überlegen, ob wir uns von einer politischen Abhängigkeit (dem Öl) in eine andere (Desertec) bewegen möchten. Was ist es uns wert unsere politische Unabhängigkeit von den Machtinteressen fremder Länder und weniger Energiekonzerne zu bewahren? Sollte nicht hier die Diskussion über Subventionen ansetzen?

    Ihre dialektische "Argumentationsmacht" in allen Ehren aber ist Ihr Diskussionsansatz nicht sehr einseitig, wenn Sie die Subvention der einen Seite als völlig unrealistisch einschätzen? Ich stimme zu, beides zu subventionieren, muss entschieden widersprochen werden, die Diskussion sollte aber nicht aus rein ökonomischer Sicht geführt werden.

    Während wir die technischen, ökologischen und ökonomischen Möglichkeiten und Probleme sondieren, sollten wir uns nicht ernsthaft überlegen, ob wir uns von einer politischen Abhängigkeit (dem Öl) in eine andere (Desertec) bewegen möchten. Was ist es uns wert unsere politische Unabhängigkeit von den Machtinteressen fremder Länder und weniger Energiekonzerne zu bewahren? Sollte nicht hier die Diskussion über Subventionen ansetzen?

    Ihre dialektische "Argumentationsmacht" in allen Ehren aber ist Ihr Diskussionsansatz nicht sehr einseitig, wenn Sie die Subvention der einen Seite als völlig unrealistisch einschätzen? Ich stimme zu, beides zu subventionieren, muss entschieden widersprochen werden, die Diskussion sollte aber nicht aus rein ökonomischer Sicht geführt werden.

  5. Was ist das Problem?

    Problem Nr. 1
    Im schlimmsten Fall funktioniert das ganze aus technischen oder politischen Gründen nicht und wir verlieren wir Milliarden oder auch eine Billion Euro. Aber hey! Im Unterschied zur Spekulation an der Börse weiß ich, dass es für ein großes Projekt eingesetzt wurde.

    Problem Nr. 2
    Abhängigkeit von einer Energiequelle? Öl, Erdgas und Uran wird auch nirgends verschenkt. Ich weiß, ich weiß, wir stellen uns jetzt alle vor, dass es mehr Kernkraft gibt, aber keinen Verteilungskonflikt um Uran... Das gibt es ja überall und ist umsonst.

    Problem Nr. 3
    Wären wir erpressbar durch afrikanische Staaten? Was für ein machtbesessener Paranoiker doch der Weiße Mann ist: Die wären doch viel abhängiger als wir. Die könnten den Strom ja nicht einfach so nach Asien oder in die USA verkaufen. Und was würde uns davon abhalten, einfach trotzdem ein paar Kraftwerke zu unterhalten, die mit Zentralasiatischem Erdgas oder norwegischen Öl laufen?

    Problem Nr. 4
    Die Macht der Konzerne. Was wäre schlimmer als die gegenwärtige Macht von ExxonMobile und Gazprom?

    Problem Nr. 5
    Konflikte mit anderen Staaten... Nein Moment: Denen würden ja gerade aus dem Weg gehen. Was gibt die Nato jährlich für Rüstung aus? Und das Projekt kostet eine Milliarde im Jahr über vierzig Jahre lang? Geopolitisch würde uns das ganze langfristig von Verteilungskonflikten um Energieträger mit Russland, China und USA befreien.

    Wir können das Geld natürlich auch sinnvoll ausgeben für Rüstung, Kernkraftwerke, Immobilienspekulation...

    • LH
    • 29.08.2009 um 19:21 Uhr

    Selbstverständlich wollen wir es, das ist endlich mal eine gute Idee.
    1. Was soll schlecht daran sein, wenn die nordafrikanischen Länder profitieren? Auch das ist europäische Peripherie, an der uns etwas liegen sollte. Zudem werden sie dabei europäische Exportprodukte kaufen.
    2. Für die Beteiligten ist es eine gute Möglichkeit langfristig große Geldsummen zu investieren. Damit etwas zu bauen, was tatsächlich reale Renditen bringt, ist der Investition in Finanzblasen deutlich vorzuziehen.
    3. Nur weil es Desertec gibt, muss man die lokale Energieversorgung doch nicht aussetzen. Desertec wird nur ein kleiner Teil im Energiemix Europas sein.

    Man hätte schon im letzten Jahrhundert anstatt das Geld im Weltkrieg zu verbrennen den Staudamm bei Gibraltar bauen sollen.

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    Wie immer gibt es zwei Seiten einer Medalie.

    1. Es wäre nicht schlecht, wenn die allgemeine Bevölkerung profitieren würde. Die Erfahrung lehrt uns, daß nur die Eliten an solchen Großprojekten verdienen (z.B- Öl), für die Allgemeinheit erwachsen meist nur Nachteile (Mittlerer Osten, Sudan, Uganda). Der europäische Export, wie bisher gehandhabt, verschärft nur diese Nachteile.

    2. Dem Staat wird bei dieser Diskussion bisher die Hauptrolle zugeschusert. Der Staat hat allerdings viele andere Investitionsmöglichkeiten (auch Pflichten), die sich selten in Zinszahlen als Rendite ausdrücken lassen.

    3. Ich sehe keinen Grund, nicht in Desertec zu investieren, die Frage ist doch, ob es im Sinne der Allgemeinheit und zu deren Vorteil ist, wenn der Staat darin investiert.

    Wie immer gibt es zwei Seiten einer Medalie.

    1. Es wäre nicht schlecht, wenn die allgemeine Bevölkerung profitieren würde. Die Erfahrung lehrt uns, daß nur die Eliten an solchen Großprojekten verdienen (z.B- Öl), für die Allgemeinheit erwachsen meist nur Nachteile (Mittlerer Osten, Sudan, Uganda). Der europäische Export, wie bisher gehandhabt, verschärft nur diese Nachteile.

    2. Dem Staat wird bei dieser Diskussion bisher die Hauptrolle zugeschusert. Der Staat hat allerdings viele andere Investitionsmöglichkeiten (auch Pflichten), die sich selten in Zinszahlen als Rendite ausdrücken lassen.

    3. Ich sehe keinen Grund, nicht in Desertec zu investieren, die Frage ist doch, ob es im Sinne der Allgemeinheit und zu deren Vorteil ist, wenn der Staat darin investiert.

  6. Es ist natürlich sehr viel sinnvoller, den Dreck, der durch unsere Lebensweise entsteht, nicht auf unseren eigenen Dächern aufzuheben, sondern anderer Leute Hütten in fernen Ländern damit zuzuschaufeln. Wie Ihr wohlüberlegter Einwand funktioniert kann man bei der Entsorgung von Atommüll in aller Welt beobachten.

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    • PGMN
    • 29.08.2009 um 19:49 Uhr

    per Flaschenpost (?) in einem Internetforum, denn schließlich haben Sie etwas gegen unsere Lebensweise und würden daher niemals Elektrizität verbrauchen um etwa einen Rechner zu betreiben, oder?

    Spaß beiseite, irgendwo muss der Strom herkommen, den die westliche Zivilisation verbraucht, so man ihr denn nicht abschwören will (und wenn man das will, sollte man bei sich selbst anfangen und es nicht von Anderen zuerst verlangen).

    (Der folgende Satzteil ist nicht unbedingt an Sie gerichtet. Wer sich betroffen fühlt, wird es schon selbst wissen.)
    Es wird Zeit, aus dem Traumland zurückzukehren und einzusehen, dass Strom notwendig ist und es nur eine begrenzte Anzahl von Möglichkeiten gibt, diese zu gewinnen. Es hilft nichts, immer nach Alternativen zu verlangen, wenn einmal eine überlebensfähige Lösung gefunden ist (Ob Desertec eine solche ist, muss sich herausstellen, aber hier geht es ums Prinzip), da uns langsam die Optionen ausgehen. Es kristallisiert sich mit der Zeit eben die Dichotomie heraus, entweder eine der bestehenden Lösungen (Atom (Zu gefährlich?), Kohle (Klimaschädlich?), Gas (Wohl auch Klimaschädlich?), Desertec (funktioniert?)), oder keine Stromgewinnung. Ich meine, wir sind schließlich in sonst keinem gesellschaftlichen Bereich im Kindergarten (außer im Kindergarten natürlich), warum sollte es ausgerechnet in der Energiepolitik anders sein?

    • PGMN
    • 29.08.2009 um 19:49 Uhr

    per Flaschenpost (?) in einem Internetforum, denn schließlich haben Sie etwas gegen unsere Lebensweise und würden daher niemals Elektrizität verbrauchen um etwa einen Rechner zu betreiben, oder?

    Spaß beiseite, irgendwo muss der Strom herkommen, den die westliche Zivilisation verbraucht, so man ihr denn nicht abschwören will (und wenn man das will, sollte man bei sich selbst anfangen und es nicht von Anderen zuerst verlangen).

    (Der folgende Satzteil ist nicht unbedingt an Sie gerichtet. Wer sich betroffen fühlt, wird es schon selbst wissen.)
    Es wird Zeit, aus dem Traumland zurückzukehren und einzusehen, dass Strom notwendig ist und es nur eine begrenzte Anzahl von Möglichkeiten gibt, diese zu gewinnen. Es hilft nichts, immer nach Alternativen zu verlangen, wenn einmal eine überlebensfähige Lösung gefunden ist (Ob Desertec eine solche ist, muss sich herausstellen, aber hier geht es ums Prinzip), da uns langsam die Optionen ausgehen. Es kristallisiert sich mit der Zeit eben die Dichotomie heraus, entweder eine der bestehenden Lösungen (Atom (Zu gefährlich?), Kohle (Klimaschädlich?), Gas (Wohl auch Klimaschädlich?), Desertec (funktioniert?)), oder keine Stromgewinnung. Ich meine, wir sind schließlich in sonst keinem gesellschaftlichen Bereich im Kindergarten (außer im Kindergarten natürlich), warum sollte es ausgerechnet in der Energiepolitik anders sein?

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