Älteste Glühbirne der WeltDas ewige Licht von Kalifornien

In einer Feuerwache in Kalifornien brennt seit 108 Jahren die älteste Glühbirne der Welt. Niemand dort versteht, warum die EU das Licht der Glühfäden verbietet von 

Fünf Meter hoch hängt sie über dem Boden der Feuerwehrstation 6 in Livermore, Kalifornien, gehalten von einem schwarzen Metallschwengel, dicht unter der Decke. Gesellschaft leistet ihr da oben eine kleine Videokamera.

Sie ist laut Guinnessbuch der Rekorde die am längsten brennende Glühbirne der Welt: Seit 108 Jahren spendet sie Licht. Und wie sie da dieser Tage so hängt und brennt, beständig und bescheiden mit ihren vier Watt, verströmt sie den Charme einer alten Dame, die allerhand in ihrem Leben gesehen hat. Und die nur staunen kann, über das, was ihren Enkeln und Urenkeln nächste Woche auf dem alten Kontinent droht: In der EU beginnt am 1. September der schrittweise Abschied von der herkömmlichen Glühbirne, aus Sorge um Stromverbrauch und Umwelt. 2012 dürfen nur noch die in der Anschaffung teureren, aber langlebigeren Energiesparlampen im Handel sein.

Denen ist die alte Dame, die "Light Bulb", aus Livermore, eine Kleinstadt nahe San Francisco, in zwei Punkten überlegen: Sie kommt ohne Quecksilber aus. Und ihre Lebensdauer wird nicht mehr debattiert: Die ist längst ein dokumentiertes technisches Wunder.

Am 8. Juni 1901 wurde die Glühbirne eingeschaltet. Ein Geschenk von Dennis Bernal, dem Besitzer des örtlichen Elektrizitätswerks "Livermore Power and Light Co." an die Feuerwehr, die damals noch im Erdgeschoss des Rathauses untergebracht war. Damit die Männer bei nächtlichem Alarm nicht erst Kerosinlampen anzünden mussten, um ihre Ausrüstung zu finden.

Sie hat seither bis auf drei kleine Unterbrechungen ununterbrochen geleuchtet. Zwei waren Umzügen geschuldet, eine der Gebäuderenovierung. An den zweiten Umzug im März 1976 erinnert sich Lynn Owens noch gut. Er war damals Chef der alten Feuerwache im Stadtzentrum. Die hätte nach den damaligen Vorschriften erdbebensicher gemacht werden müssen. Der Neubau von Station 6 am Stadtrand kam billiger. "Wir haben die Birne in eine Styroporbox gepackt und die auf dem Vordersitz eines Pick-ups angeschnallt. Dann ging es mit Polizeieskorte an den neuen Einsatzort", erzählt Lynn, ein gedrungener 65-Jähriger, unter dessen roter Baseballkappe dichtes weißes Haar hervorquillt. "Der städtische Elektriker hat die Drähte miteinander verbunden, alle hielten den Atem an – aber das verdammte Licht wollte nicht leuchten. Da hat er ihr einen kleinen Stoß versetzt, und prompt ging sie an. Ich glaube, das war das letzte Mal, dass sie jemand angefasst hat."

"Bloß nicht berühren!" Das war die wichtigste Verhaltensregel, die Captain Peter Richert, der heutige Schichtleiter, lernte, als er vor zwei Jahren auf Station 6 versetzt wurde. "Keiner will der Typ sein, unter dessen Aufsicht die Birne ihren Geist aufgibt." Das könne Unglück bringen, ergänzt Schichtkollege John, der an dem Wagen mit der langen ausfahrbaren Leiter herumwerkelt, den sie "The Truck" nennen. Daneben steht "The Engine", der rote Pumpenwagen. Vorne parkt "The Grashopper", ein Jeep mit Allradantrieb, der besonders in abgelegenen Gebieten in Kaliforniens Waldbrandsaison gute Dienste leistet.

Tragen eigentlich alle Feuerwehrleute Schnurrbart? Peter Richerts ist dunkelblond, der von Lynn Owens ist eisgrau, Johns ist schwarz.

Richerts stellt sich direkt unter die Birne und guckt hoch. Der glühende Draht liest sich wie ein "ON" in Neonschrift. Dann dreht er sich um 180 Grad, und nun schreibt der Draht ein "NO". Warum das so ist, weiß Richert nicht. Ein optischer Effekt, der bis jetzt noch jeden Besucher Schmunzeln ließ, wie er sagt.

Vom Glühbirnenverbot der EU hat man hier noch nichts gehört, man will es auch nicht so recht, soll der Staat über so etwas entscheiden? Das finden sie nicht einmal hier in Kalifornien mit seinen vielen Umweltauflagen. Owens und Richert sitzen im Aufenthaltsraum der Feuerwache, über alte Fotos gebeugt, und tauschen Anekdoten aus. Wie sie in den sechziger Jahren zum Zeitvertreib mit einem Football gespielt hätten und es einmal voll die Glühbirne erwischte. Die – obwohl schon 65 Jahre alt – nahm das nicht übel. Oder wie sich einen Spaß daraus gemacht hätten, den schwarzen Metallstab, an dessen Ende sie hing, wie ein Pendel schwingen zu lassen. Oft seien die Männer unbeabsichtigt an sie gestoßen, weil sie auf der alten Wache so niedrig hing. Und manche, sagt Lynn, hätten sie, wenn es zum Einsatz ging, kurz berührt – wie einen Talisman, der Glück bringt.

Dass sie es bei ihrer Glühbirne aber mit einer Sensation zu tun hatten, das war damals niemandem bewusst.

Das änderte sich 1970/71, als in Fort Worth, Texas, plötzlich jemand behauptete, dort hätten sie die älteste brennende Glühbirne. Am 21. September 1908 habe die ein gewisser Barry Burke am Bühneneingang von Byers Opera House eingeschraubt. Die Texaner nannten sie "das ewige Licht". Da fühlte sich in Kalifornien einer provoziert: Mike Dunston von der Lokalzeitung Livermore Herald & News trug die Belege für den eigenen Anspruch auf den Titel zusammen. Lynn nennt ihn stolz "unseren Historiker".

Livermore konnte lebende Zeitzeugen aufbieten, allen voran die Tochter des Glühbirnenspenders Dennis Bernal. Sie sagte, sie wisse genau, dass die Birne am 8. Juni 1901 eingeschaltet worden sei. Und das Guinnessbuch erkannte Livermores Anspruch an.

Als der Wettstreit zwischen Fort Worth und Livermore durch die Medien ging, meldete sich die Herstellerfirma aus Shelby, Ohio, und wollte das ausdauernde Leuchtmittel gerne kaufen. Angeblich seien fünfstellige Summen geboten worden, "believe it or not", sagt Lynn. "Seither haben wir das Ding mit etwas mehr Respekt behandelt." Die Football- und Pendelspiele hörten auf, Anfassen wurde unter Bann gestellt.

Juliette Goodrich schrieb später ein Kinderbuch, The Little Light Shines Bright über die Birne und was sie alles erlebt hat, illustriert mit den technischen Errungenschaften seither: 1903 der erste Motorflug der Brüder Wright. 1908 das T-Modell von Ford. Und 1969, nach vielen weiteren Erfindungen, der erste Mensch auf dem Mond.

Generell wuchs nun die Wertschätzung für die lokale Geschichte in Livermore. In der "Duarte Garage", einem "historic marker" am Lincoln Highway, können Touristen heute den ersten pferdegezogenen Feuerwehrwagen besichtigen, dazu einen als Löschfahrzeug umgebauten Ford T und zwei schwerere Maschinen, eine aus den zwanziger Jahren, die andere aus den dreißiger Jahren. Eine treibende Kraft hinter all dem ist der 80-jährige Gary Drummond.

Drummond hat mit Freunden 1972 den Geschichtsverein "Heritage Guild" gegründet, er sammelt Fotos und Alltagszeugnisse aus früheren Zeiten. Sie haben auch eine Internetseite. Auf der kann man durch die Webcam der Wache einen Blick auf die Glühbirne werfen. Eifrig zählen Drummond und seine Freunde die Klickzahlen, die ihre Homepage erzielt. Und freuen sich diebisch, dass sie mehr haben als der Internetauftritt der Gemeinde Livermore.

Dass die Männer es mit der Birne nicht übertreiben, dafür sorgt Drummonds Ehefrau Anna, die aus Dänemark stammt. Sie hat eine eher subversive Freude an den komischen Seiten dieser kleinen Berühmtheit. An dem Brief, zum Beispiel, den der damalige Präsident George W. Bush 2001 zur 100-Jahr-Feier sandte und der nun gerahmt schräg unter der Glühbirne an der Wand in der Feuerwache hängt. Oder sie erinnert an den Tag, als eine "Schwester-Glühbirne" aus derselben Produktion zu Besuch kam.

Bei den beiden Umzügen der Feuerwache sei damals vieles weggeworfen worden. Sammler bedienten sich aus der Entsorgungsmasse. Eine Frau aus Colorado hatte die Geschichte vom Jubiläum der kleinen Leuchte aus Livermore im Radio gehört und sich daran erinnert, dass ihr Vater damals ein Ersatzexemplar mitgenommen und jahrzehntelang, in Papier gehüllt, in einer metallenen Kaffeekanne aufbewahrt hatte. "Die Frau kam angereist", erzählt Anna Drummond. "Wir haben ihre Birne eingeschraubt und ganz vorsichtig den Stromregler hochgefahren – und sie brannte."

Am liebsten aber beschreibt sie den Jubiläumstag 8. Juni 2001, der "eine Geschichtslektion für die städtische Jugend" gewesen sei: das Festkomitee, dem auch sie angehörte, die 640 Essen für die angemeldeten Gäste, die drei Bands aus verschiedenen Stilepochen – "die Rockmusik war für die Älteren etwas zu laut" – und dann diese "wunderbar absurde Situation: Stellen Sie sich das mal vor", sagt sie glucksend. "640 Menschen, die um eine Glühbirne herumstehen und Happy Birthday singen!"

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Leserkommentare
  1. "Richerts stellt sich direkt unter die Birne und guckt hoch. Der glühende Draht liest sich wie ein "ON" in Neonschrift. Dann dreht er sich um 180 Grad, und nun schreibt der Draht ein "NO". Warum das so ist, weiß Richert nicht. Ein optischer Effekt, der bis jetzt noch jeden Besucher Schmunzeln ließ, wie er sagt."

    Das wird wohl auf ewig eines der großen Mysterien der Menschheit bleiben, ähnlich wie mit den Ziffern"8" und "69". Echt unerklärlich, mhh oder vielleicht auch nicht.

    • Azenion
    • 28. August 2009 17:41 Uhr
    2. 4 Watt

    Was lehrt uns diese nette Geschichte? Wäre man bei 4-Watt-Funzeln geblieben, sähe die Welt heute anders aus... (vor allem dunkler:)

  2. ...ist die lange Lebensdauer nicht wirklich. Glühbirnen gehen beim Anschalten kaputt oder durch Krafteinwirkung, nicht durch das brennen an sich. Schade um die Sensation :) Sollte die Birne weiterhin nur ca. alle 30 Jahre aus- und eingeschaltet werden kann sie vermutlich noch einige tausend Jahre brennen.

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    • xicht
    • 02. Juli 2012 11:24 Uhr

    Glühlampen gehen kaputt, weil Wolfram von der Wendel abdampft und ausdrücklich nicht durchs Einschalten. Warum sich dieses dumme Gerücht so hartnäckig hält, weiß ich nicht. Vielleicht deshalb, weil Glühlampen beim (nicht durch!) Einschalten kaputt gehen. Das hängt aber damit zusammen, dass beim großen Einschaltstrom die magnetische Kraft (Rückwirkung) auf die Wendel am größten ist und sie bei Schädigung durch langen Betrieb schon dünn geworden ist. Einschalten macht keinen Verschleiß bei der Glühlampe. Halogenlampen halten bis 4mal länger als gewöhnliche Glühlampen trotz deutlich höherer Temperatur, weil der Druck in der Lampe viel höher ist und daher das Wolfram weniger abdampft.

    • zetti
    • 28. August 2009 17:50 Uhr

    Was lehrt uns die Geschichte weiter?

    Daß uns die Industrie verar...t und es nur um garantiertes Geld für bestimmte Kassen geht.

    Zetti

  3. Die Zukunft dürfte eher den LEDs gehören: Langlebig und effizient, quecksilberfrei, aber halt zur Zeit noch ziemlich jung und teuer, aber jedes Jahr bringt neue Fortschritte. Bis 2012 sind mehr als 2 Jahre, da wird sich auf der LED-Front noch einiges tun.

    • Chaled
    • 29. August 2009 10:56 Uhr

    In Europa hat sich leider die Lobby der Leuchtmittelhersteller durchgesetzt. Das Verbot von Glühbirnen spült ihnen Milliarden von Euros in ihre Kassen.
    (Rechnet man nur für Deutschland den Tausch von 10 Lampen pro Einwohner und 3,00€ Gewinn pro neuem Leuchtmittel sind das schon 2,4 Milliarden !)
    Dass das Verbot reine Lobbyarbeit ist, wird durch die schlechte Umweltverträglichkeit und den absolut minimalen Einsparrungseffekt sog. Energiesparlampen deutlich. Auf Cadmium, Quecksilber und co. bzw. deren nicht ungefahrlichere Ersatzstoffe möchte ich nicht näher eingehen, dafür aber den "Energiespareffekt" doch näher beleuchten. Vom der Gesamtmenge des verbrauchten elektrischen Stroms in Deutschland wird für Licht 1,7% genutzt.
    Zieht man davon die Beleuchtung von Autobahnen, Strassen, öffentlichen Plätzen überhaupt alle Gemeind- und Stadtbeleuchtungen ab bleiben 0,8% übrig. (Diese Plätze haben alle schon Energiesparlampen.) Wird davon noch der jetzt schon in "Energiesparlampen" gesteckte Teil abgezogen bleiben noch 0,6% übrig. Werden diese 0,6% durch Energiesparlampen ersetzt, wird eine Energieersparnis von 0,3% erzeugt. (Diese Rechnung ist pro Energiesparlampe, also ohne Halogenlampen, berücksichtig aber, dass nicht überall die günstigste Variante eingesetzt werden kann. Werden Halogenlampen in die Rechnung mit eingeschlossen, vermindert sich die Energieersparnis auf 0,15% !)
    Um es noch deutlicher zu machen, 0,3% der in Deutschland verbrauchten Energie sind ein zehntel Kernkraftwert oder 1/5 Kohlekraftwerk oder ein großes Wasserkraftwerk oder ein sechstel Wind- oder Solarstrom.
    Mit LED Lampen kommen wir vielleicht auf eine Einsparrung von 0,4% oder 0,5%. Das ist leider auch nicht wirklich viel.
    Vergessen habe ich noch ungeklärte psychische Effekte von Energiesparlampen und den Vergleich Energiesparlampen zu anderen Geräten wie Energiesparkühlschränken oder Induktionskochfelder die alle viel mehr Ersparnis bringen. Der psychische Effekte ist nicht zu unterschätzen. Ich war in den 80er Jahren im Rechenzentrum (war im Keller fast ohne Tageslicht) der UNI Karlsruhe. Damals gabs noch die "schönen" grünen Monitore und Neonlampen. Wenn ich nach 6 Std. Arbeit an den Dingern wieder ans Tageslicht kam, war das gegenüberliegende Gebäude (der Mathebau) in rosa Nebel gehüllt. Das ist jetzt kein Witz: Nur an der Farbe erkannte ich, dass es kein echter Nebel war. Nach ca. 10 Minuten war der Effekt wieder vorbei.

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    In Europa hat sich leider die Lobby der Leuchtmittelhersteller durchgesetzt.

    Das ist ein Mythos. Die Leuchtmittelhersteller haben um jedes einzelne Watt gerungen, da das Aus der Glühbirne für sie bedeutet, dass ganze Produktionsstraßen von Heute auf Morgen stillgelegt werden müssen. Und das ist teuer. Nicht hinter allem, was Gesetz wird, steckt die Industrie.

    Ich persönlich begrüße das Aus der Glühbirne und kann das Gejammer incl. Hamsterkäufe nicht nachvollziehen. Die Energiesparlampe spart Geld. Ich habe seit 1991 alleine eine im Einsatz, die still und leise vor sich herleuchtet. Mein ganzer Haushalt ist inzwischen auf Energiesparlampen umgerüstet, was mich zwar beim Einkauf etwas mehr Geld gekostet, mir aber jedes Jahr eine Rückzahlung beim Strom beschert hat. Inzwischen weiß ich, dass ich Energiesparlampen nicht in den Hausmüll werfen darf (Stichwirt Quecksilber), dank des Gejammers einiger Ewiggestriger, die am liebsten alles so lassen würden wie es ist.

    Von kaltem Licht kann ich auch nicht sprechen. Das liegt halt daran, ob man eine Energiesparlampe in eine nackte Fassung hängt oder eine Verkleidung hat, die so (mit Energiesparlampe) oder so (mit Glühbirne) warmes Licht spendet. Die Energiesparlampe ist sicher nicht das Ende der Fahnenstange, aber die Entwicklung wird weitergehen und irgendwann haben wir vielleicht die optimale Energiesparlampe, wie auch immer diese aussehen wird. Aber mit Zähnen und Krallen ein Relikt aus den Anfängen des letzten Jahrunderts zu verteidigen, würde sicher nicht dazu führen, dass der technische Fortschritt weitergeht. Der Druck auf die Hersteller von Energiesparlampen wird weitergehen, um ein optimales Produkt zu entwickeln.

    Mir tun die leid, die plötzlich meinen, die Glühbirne sei etwas, was sich zu verteidigen lohnt. Das wäre Stillstand. Und Stillstand ist bekanntlich Rückschritt. Aber irgendwas zu meckern brauchen einige halt offenstichtlich, um glücklich zu sein. Frohes Meckern.

  4. Ergänzend zum Kommentar von Chaled ein paar Fakten zum Quecksilber und den ebenfalls von der EU gemachten RoHS Verordnung. Die RoHS verbietet bzw beschränkt einige Stoffe in Elektro und Elektronik Geräten. Das Quecksilber hat hier einen Grenzwert von 1000ppm - maximal 0,1 Gewichtsprozent, gleiches gilt für sechswertiges Chrom, Blei und PBB und PBDE. Cadmium hat einen noch geringeren Grenzwert von 100ppm - maximal 0,01 Gewichtsprozent.
    Quecksilber wird in den Lampen zum Zünden des Leuchtgases eingesetzt. Während deutsche Hersteller einen möglichst geringen Anteil des Quecksilbers einsetzen, können wir uns bei ausländischen, vor allem bei asiatischen Herstellern nicht auf die minimale Belastung verlassen. Mit der RoHS Verordnung sollte Quecksilber aus den Produktionen verbannt werden. Produktionstechnisch lässt es sich in einigen Fällen jedoch nicht vermeiden. Und so gibt es -EU sei Dank Ausnahmen - Diese Ausnahmen existieren aufgrund der Lobbyarbeit um die Produkte weiter im Markt vertreiben zu dürfen. Quecksilber nimmt bei den Ausnahmen eine Rolle ein, die mit dem Zusatz Quecksilber in anderen Lampen, die in diesem Anhang nicht gesondert aufgeführt sind. Mit diesem Zusatz stehen den Herstellern alle Türen offen.
    Für den Anwender heißt es, gehen sie vorsichtig mit den Energiesparlampen um und entsorgen sie die Lampen nicht im Hausmüll. Ich werde so lange als möglich die gute alte Glühlampe verwenden.

  5. In Europa hat sich leider die Lobby der Leuchtmittelhersteller durchgesetzt.

    Das ist ein Mythos. Die Leuchtmittelhersteller haben um jedes einzelne Watt gerungen, da das Aus der Glühbirne für sie bedeutet, dass ganze Produktionsstraßen von Heute auf Morgen stillgelegt werden müssen. Und das ist teuer. Nicht hinter allem, was Gesetz wird, steckt die Industrie.

    Ich persönlich begrüße das Aus der Glühbirne und kann das Gejammer incl. Hamsterkäufe nicht nachvollziehen. Die Energiesparlampe spart Geld. Ich habe seit 1991 alleine eine im Einsatz, die still und leise vor sich herleuchtet. Mein ganzer Haushalt ist inzwischen auf Energiesparlampen umgerüstet, was mich zwar beim Einkauf etwas mehr Geld gekostet, mir aber jedes Jahr eine Rückzahlung beim Strom beschert hat. Inzwischen weiß ich, dass ich Energiesparlampen nicht in den Hausmüll werfen darf (Stichwirt Quecksilber), dank des Gejammers einiger Ewiggestriger, die am liebsten alles so lassen würden wie es ist.

    Von kaltem Licht kann ich auch nicht sprechen. Das liegt halt daran, ob man eine Energiesparlampe in eine nackte Fassung hängt oder eine Verkleidung hat, die so (mit Energiesparlampe) oder so (mit Glühbirne) warmes Licht spendet. Die Energiesparlampe ist sicher nicht das Ende der Fahnenstange, aber die Entwicklung wird weitergehen und irgendwann haben wir vielleicht die optimale Energiesparlampe, wie auch immer diese aussehen wird. Aber mit Zähnen und Krallen ein Relikt aus den Anfängen des letzten Jahrunderts zu verteidigen, würde sicher nicht dazu führen, dass der technische Fortschritt weitergeht. Der Druck auf die Hersteller von Energiesparlampen wird weitergehen, um ein optimales Produkt zu entwickeln.

    Mir tun die leid, die plötzlich meinen, die Glühbirne sei etwas, was sich zu verteidigen lohnt. Das wäre Stillstand. Und Stillstand ist bekanntlich Rückschritt. Aber irgendwas zu meckern brauchen einige halt offenstichtlich, um glücklich zu sein. Frohes Meckern.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
  • Schlagworte Energie | Energieverbrauch | Technik | Energiesparen | Elektrohaushaltsgerät | Geschichte | USA
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