Gerlinde Kaltenbrunner Bis zur Brust im Schnee
Als erste Frau will Gerlinde Kaltenbrunner alle 14 Achttausender der Erde besteigen. Eine Profibergsteigerin über ihr Scheitern am K2, Everesttourismus und Babybrei
© dpa - Bildfunk - Daniel Bartsch

Rast am zweithöchsten Berg der Erde. Extrem-Bergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner im August 2009 auf dem Weg zum K2
ZEIT ONLINE: Frau Kaltenbrunner, Sie verbrachten über vier Monate in Nepal und Pakistan auf extremen Höhen. Seit einer Woche sind Sie wieder zu Hause im Schwarzwald. Haben Sie sich schon erholt von der letzten Expedition?
Gerlinde Kaltenbrunner: Die ersten Tage waren mühsam. In den Bergen habe ich viel Muskelmasse verloren, mein Körper ist ausgezehrt. Ich habe sehr viel geschlafen, bis zu 13 Stunden am Stück. Inzwischen mache ich wieder leicht Sport und am Wochenende war ich sogar schon wieder in der Schweiz beim Bergsteigen.
ZEIT ONLINE: Zwölf von vierzehn Achttausendern haben Sie bereits bestiegen. Doch der K2 scheint zu ihrem Schicksalsberg zu werden. Nach 2007 sind Sie 2009 bereits zum zweiten Mal gescheitert.
Kaltenbrunner: Die Entscheidung aufzugeben fiel uns nicht leicht. Wir hatten wunderschönes Wetter und es waren nur noch 300 Höhenmeter bis zum Gipfel. Doch wir steckten bis zur Brust im Schnee, das Spuren dauerte zu lang, die Lawinengefahr war zu groß. Ich dachte mir: Wenn wir jetzt weitermachen, begehen wir genau die Fehler wie die, die nicht wieder heruntergekommen sind. Die beiden kasachischen Bergsteiger, mit denen ich unterwegs war, sind bereits zum fünften Mal gescheitert.
ZEIT ONLINE: Werden Sie es gleich im nächsten Jahr wieder probieren oder versuchen Sie sich zuerst am Mount Everest, ihrem zweiten noch fehlenden Achttausender?
Kaltenbrunner: Für den Everest gibt es zwei mögliche Zeiträume – vor und nach dem Monsun – für den K2 nur einen. Ich überlege, im Frühjahr nach Nepal zu fliegen, um den Everest zu versuchen und im Sommer nach Pakistan zum K2.
ZEIT ONLINE: Ihren ersten Achttausender bestiegen Sie mit nur 23 Jahren. Wann haben Sie sich dazu entschieden, Profibergsteigerin zu werden?
Kaltenbrunner: Im Jahr 2003 nach der Besteigung des Nanga Parbat bekam ich die ersten Sponsorenverträge angeboten. Gleichzeitig kamen Anfragen, ob ich Vorträge halten könnte, die heute neben den Sponsorengeldern mein zweites finanzielles Standbein sind. Da beschloss ich: Ich wage es, gebe meinen Beruf als Krankenschwester auf, und versuche vom Bergsteigen zu leben. Am Anfang war es nicht leicht, das tägliche Leben zu bestreiten und die Expeditionen zu finanzieren.
ZEIT ONLINE: Wie teuer sind Ihre Expeditionen ins Hochgebirge?
Kaltenbrunner: Die Expedition zum K2 kostete mich 12.500 Euro, den Flug von Deutschland nach Islamabad und zurück nicht einberechnet. Die Genehmigung vom Tourismus-Ministerium, die man braucht, um den Berg zu besteigen, ist teuer. Auch der Transport der Ausrüstung und ein Koch im Basislager müssen bezahlt werden.
- Datum 03.09.2010 - 14:25 Uhr
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In der Bildunterschrift beim Nanga Parbat wird Reinhold Messner als "deutscher Bergsteiger" bezeichnet. Das klingt nach 1936. JEdenfalls: Er ist Südtiroler.
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