Was für ein Verlust: Laut einer Umfrage der amerikanischen Marktforscher von Harris Interactive würden 30 Prozent aller Männer und 46 Prozent aller Frauen lieber zwei Wochen lang auf Sex als aufs Internet verzichten. Gestern konnten sie da schon einmal üben, immerhin fast zwei Stunden lang war der weltweit drittgrößte Email-Dienst Gmail des Suchmaschinen- und Werbeunternehmens Google tot. "Wir verstehen euren Schmerz", bloggte Direktor David Besbris auf der Gmail-Seite .

Überlastete Systeme waren für den Ausfall verantwortlich, erklärte der verantwortliche Techniker Ben Treynor später an gleicher Stelle. Man habe einen kleinen Teil der Mailserver für Wartungsarbeiten vom Netz genommen – eigentlich Routine. Normalerweise weicht der Traffic dann auf andere Server aus. Aufgrund vorangegangener Änderungen an den Request-Servern, die dazu dienen, die Mailabfragen weiterzuleiten, knickten diese vor dem zusätzlichen Ansturm unerwartet ein.

Treynor kündigte gleich ein ganzes Bündel von Sofortmaßnahmen an. Er versprach allerdings nicht, dass es nie wieder vorkommt, sondern nur: "Diese Ereignisse sollten sich vor allem durch ihre Seltenheit auszeichnen." Kritiker werfen Google vor, für die Wartungsmaßnahmen einen ungünstigen Zeitpunkt gewählt zu haben: nordamerikanische Nutzer traf der Ausfall mitten am Tag.

Vielen von ihnen mag dadurch klar geworden sein, wie sehr sie inzwischen an den Diensten des Unternehmens hängen. Google ist inzwischen ein eigenes Universum. Allen voran die Suchmaschine – die schließlich auch schon einen Ausfall zu vermelden hatte. Mit Google kann man nicht nur nach Seiten, sondern auch nach Bildern, Videos, Karten, Nachrichten, Blog-Postings und vielem mehr suchen. Man kann Texte und Tabellen schreiben und verwalten, mit dem Browser "Google Chrome" surfen, via "Latitude" nach Freunden in der Nähe schauen und inzwischen wird auch ein eigenes Betriebssystem entwickelt.

Umsonst ist das nicht. Im Gegenzug sammelt der Konzern Daten seiner Nutzer. Über deren Surfverhalten, ihre Mailinhalte, ihre Kontakte. Dadurch kann Google regelrechte Bewegungsprofile erstellen. Vor allem aber: Mehr als 85 Prozent der Suchanfragen aus Deutschland werden an Google gerichtet. Das ist so, als würden 85 Prozent der deutschen Fernsehkonsumenten nur einen Sender einschalten. Oder 85 Prozent der Zeitungsleser nur zu einem Blatt greifen. Es nicht unwichtig, von wem man seine Informationen bekommt.

Ich habe daher öffentlich die Frage gestellt, ob es auch ohne Google geht. Am 1. August habe ich ein Weblog mit dem Aufruf publiziert, eine Woche auf Google und seine Dienste zu verzichten. ( www.eine-woche-ohne.de )  Das geht natürlich nicht ohne Alternativen, soll es doch nicht das Ziel sein, vom Internet abstinent zu leben. Daher stehen dort Möglichkeiten, sich an anderen Orten zu informieren. Eine ähnliche Sammlung gab es schon mal bei ZEIT ONLINE .

Es scheint schwer zu fallen, sich seine Unabhängigkeit zu bewahren. Die Meinungen der Leser sind nicht nur positiv. Neben zustimmenden Reaktionen gab es viele skeptische. Und es gab sogar heftige Ablehnung. Mancher scheint ohne Google nicht mehr leben zu können. Einer der Kommentator bezeichnet sich gar als "rundum vergooglet".