Google-Mail Kann man ohne Google leben?
Gmail war für zwei Stunden offline. Ein guter Anlass, über die Abhängigkeit vieler Menschen von Google nachzudenken. Oder gar ein Leben ohne den Konzern zu versuchen
© Martin Bureau/AFP/Getty Images

Eric Schmidt, Gründer und Chef von Google
Was für ein Verlust: Laut einer Umfrage der amerikanischen Marktforscher von Harris Interactive würden 30 Prozent aller Männer und 46 Prozent aller Frauen lieber zwei Wochen lang auf Sex als aufs Internet verzichten. Gestern konnten sie da schon einmal üben, immerhin fast zwei Stunden lang war der weltweit drittgrößte Email-Dienst Gmail des Suchmaschinen- und Werbeunternehmens Google tot. "Wir verstehen euren Schmerz", bloggte Direktor David Besbris auf der Gmail-Seite.
Überlastete Systeme waren für den Ausfall verantwortlich, erklärte der verantwortliche Techniker Ben Treynor später an gleicher Stelle. Man habe einen kleinen Teil der Mailserver für Wartungsarbeiten vom Netz genommen – eigentlich Routine. Normalerweise weicht der Traffic dann auf andere Server aus. Aufgrund vorangegangener Änderungen an den Request-Servern, die dazu dienen, die Mailabfragen weiterzuleiten, knickten diese vor dem zusätzlichen Ansturm unerwartet ein.
Treynor kündigte gleich ein ganzes Bündel von Sofortmaßnahmen an. Er versprach allerdings nicht, dass es nie wieder vorkommt, sondern nur: "Diese Ereignisse sollten sich vor allem durch ihre Seltenheit auszeichnen." Kritiker werfen Google vor, für die Wartungsmaßnahmen einen ungünstigen Zeitpunkt gewählt zu haben: nordamerikanische Nutzer traf der Ausfall mitten am Tag.
Vielen von ihnen mag dadurch klar geworden sein, wie sehr sie inzwischen an den Diensten des Unternehmens hängen. Google ist inzwischen ein eigenes Universum. Allen voran die Suchmaschine – die schließlich auch schon einen Ausfall zu vermelden hatte. Mit Google kann man nicht nur nach Seiten, sondern auch nach Bildern, Videos, Karten, Nachrichten, Blog-Postings und vielem mehr suchen. Man kann Texte und Tabellen schreiben und verwalten, mit dem Browser "Google Chrome" surfen, via "Latitude" nach Freunden in der Nähe schauen und inzwischen wird auch ein eigenes Betriebssystem entwickelt.
Umsonst ist das nicht. Im Gegenzug sammelt der Konzern Daten seiner Nutzer. Über deren Surfverhalten, ihre Mailinhalte, ihre Kontakte. Dadurch kann Google regelrechte Bewegungsprofile erstellen. Vor allem aber: Mehr als 85 Prozent der Suchanfragen aus Deutschland werden an Google gerichtet. Das ist so, als würden 85 Prozent der deutschen Fernsehkonsumenten nur einen Sender einschalten. Oder 85 Prozent der Zeitungsleser nur zu einem Blatt greifen. Es nicht unwichtig, von wem man seine Informationen bekommt.
Ich habe daher öffentlich die Frage gestellt, ob es auch ohne Google geht. Am 1. August habe ich ein Weblog mit dem Aufruf publiziert, eine Woche auf Google und seine Dienste zu verzichten. (www.eine-woche-ohne.de) Das geht natürlich nicht ohne Alternativen, soll es doch nicht das Ziel sein, vom Internet abstinent zu leben. Daher stehen dort Möglichkeiten, sich an anderen Orten zu informieren. Eine ähnliche Sammlung gab es schon mal bei ZEIT ONLINE.
Es scheint schwer zu fallen, sich seine Unabhängigkeit zu bewahren. Die Meinungen der Leser sind nicht nur positiv. Neben zustimmenden Reaktionen gab es viele skeptische. Und es gab sogar heftige Ablehnung. Mancher scheint ohne Google nicht mehr leben zu können. Einer der Kommentator bezeichnet sich gar als "rundum vergooglet".
Selbstverständlich, der Konzern wäre nie so bedeutend geworden, wenn seine Suchergebnisse nicht brauchbar, seine Dienstleistungen nicht attraktiv wären. Dennoch stimmen solche Äußerungen bedenklich. Sie zeigen, wie sehr Google Teil des Alltags geworden ist, den wir gar nicht mehr reflektieren, den wir nicht mehr infrage stellen.
Google selbst verhält sich dabei geradezu zynisch. So sagte die Vizepräsidentin kürzlich, dass ja schließlich jeder freiwillig bei Google suche. Das stimmt. Aber dem Konzern ist selbstverständlich daran gelegen, diese "Freiwilligkeit", die eher eine Abhängigkeit ist, zu fördern. Wer beispielsweise den kostenlosen Browser "Firefox" installiert, hat Google als voreingestelltes Suchfenster. Das ist praktisch. Aber eben auch geschickte Ausnutzung unserer Faulheit.
Daher der Aufruf, es wenigstens einmal zu versuchen. Wie gut oder schlecht das gelingt, haben viele Leser hier beschrieben. Allerdings klagt eine ganze Menge, dass sie ausgerechnet auf ihre Mail-Adresse bei Google nur ungern verzichten würden.
- Datum 03.09.2009 - 10:46 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf mehreren Seiten lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 17
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







Leider schießt sich Herr Udeauf den falschen Feind ein. Rufen sie doch mal dazu auf, es eine Woche ohne Microsoft zu versuchen. Alternativen gibt es zuhauf. Oder meinen Sie, dass Microsoft weniger gefährlich sein kann wie google?
Naja. War klar das der MS Vergleich kommt. Am Ende geht es doch um die Abhängigkeit vom Netz (egal ob Internet oder Mobilfunk, oder, oder).
Naja. War klar das der MS Vergleich kommt. Am Ende geht es doch um die Abhängigkeit vom Netz (egal ob Internet oder Mobilfunk, oder, oder).
Der Erfolg von Google basiert nach wie vor auf der Suchmaschine. Und die Vergangenheit hat gezeigt, dass die User schnell abwandern.
Von Altavista zu Yahoo, von Yahoo zu Google.
Das bessere ist der Feind des guten, und ich frage mich z.B. auch mittlerweile, ob es möglich ist, mein Blog vom Google Dienst blogger.com abzuziehen und bei Wordpress unter zu bringen. Nicht weil ich Google nicht traue, sondern weil ich mittlerweile weis, das Wordpress Bloggern einfach mehr Flexibilität bietet.
Der Erfolg von Google basiert nach wie vor auf der Suchmaschine. Und eben die wurde im Laufe der Zeit eher schlechter als besser, denn sie hat deutlich an Präzision verloren, seit man die Ergebnisse zu allerlei Alternativschreibungen ("Verschlimmbesserungen"), nach denen man bewusst nicht suchen wollte, - wohl oder übel - bei jeder Suche mitangezeigt bekommt, was unter Umständen zum Verschwinden der eigentlich erwünschten Treffer unter "ferner liefen" führen kann. Dieses Entmündigen des Users kommt weder bei mir noch in meinem Bekanntenkreis sonderlich gut an, und die nächstbeste Alternative zu Google auf vergleichbarem Niveau wird genutzt werden.
aha. und geht das einfach so? alles mitnehmen und nahtlos irgendwo anders weiter machen?
"...mein Blog vom Google Dienst blogger.com abzuziehen und bei Wordpress unter zu bringen. Nicht weil ich Google nicht traue, sondern weil ich mittlerweile weis, das Wordpress Bloggern einfach mehr Flexibilität bietet."
Der Erfolg von Google basiert nach wie vor auf der Suchmaschine. Und eben die wurde im Laufe der Zeit eher schlechter als besser, denn sie hat deutlich an Präzision verloren, seit man die Ergebnisse zu allerlei Alternativschreibungen ("Verschlimmbesserungen"), nach denen man bewusst nicht suchen wollte, - wohl oder übel - bei jeder Suche mitangezeigt bekommt, was unter Umständen zum Verschwinden der eigentlich erwünschten Treffer unter "ferner liefen" führen kann. Dieses Entmündigen des Users kommt weder bei mir noch in meinem Bekanntenkreis sonderlich gut an, und die nächstbeste Alternative zu Google auf vergleichbarem Niveau wird genutzt werden.
aha. und geht das einfach so? alles mitnehmen und nahtlos irgendwo anders weiter machen?
"...mein Blog vom Google Dienst blogger.com abzuziehen und bei Wordpress unter zu bringen. Nicht weil ich Google nicht traue, sondern weil ich mittlerweile weis, das Wordpress Bloggern einfach mehr Flexibilität bietet."
Google hat bereits sehr viel für das Internet getan und fördert es weiter. Die Dienste sind überdurchschnittlich gut und hängen die Konkurrenz ab. Man stelle sich einmal vor Google gäb es nicht und Microsoft würde die Lücke füllen, wir wären mindestens 5 Jahre hinterher. Microsoft hat das Internet immer möglichst ausgebremst und Kreativität unterdrückt, Google macht genau das Gegenteil. Man muss Google nicht mögen und man muss nicht die Dienste in Anspruch nehmen, aber die Leistungen sollte man achten. Meine Meinung.
PS: Nutze wenig Google Dienste und suche mit Bing, da Google zu große Marktanteile hat. Als Linux Nutzer bin ich zudem weit davon entfernt ein M$-Freund zu sein.
Ich finde die Initiative an sich gut, weil man wirklich einmal darüber nachdenken sollte welche Unternehmen wieviel Informationen über den Einzelnen sammeln können. Ich glaube aber nicht, dass es viel bringt die Dienste mal für eine Woche nicht zu benutzen, zumal die kritischsten Informationen eigentlich über Google Analytics gesammelt werden, auf das man relativ wenig Einfluß hat, weil es von allen möglichen Webseitenbetreibern benutzt wird.
Auch muss ich zustimmen, dass man Microsoft viel kritischer betrachten sollte. Wenn man moniert, dass im Firefox Google als Standardsuchmaschine eingestellt ist(was legitim ist), sollte man vielleicht auch erwähnen, dass der Internet Explorer mit Live/Bing-Suche Standardeinstellug des weit verbreitesten Betriebssystem ist. Wo ist denn da die Faulheit?
Unter dem Bild zum Artikel steht Eric Schmidt, Gründer und Chef von Google. Diese Information ist schlicht und einfach falsch. Google wurde von Larry Page und Sergey Brin gegründet.
Obwohl Google für meinen Geschmack immer noch hinter den Möglichkeiten zurückbleibt, der einzige Pluspunkt ist Schnelligkeit. Das Manko von Google ist das Fehlen Semantischer Technik. Ich sehe immer wieder, wie Leute auf meiner Seite landen, obwohl sie etwas ganz anderes gesucht haben, nur weil bestimmte Begriffe auf meiner Site vorkommen.
Goolges Einnahmen basieren nach wie vor auf der Suchmaschine, die Basis ist eher prekär. Der erste, der semantische Technik in die Suchmaschinenwelt einführt, bekommt Googles Werbeeinnahmen.
Naja. War klar das der MS Vergleich kommt. Am Ende geht es doch um die Abhängigkeit vom Netz (egal ob Internet oder Mobilfunk, oder, oder).
insgesamt vertraue ich Google mehr als der Deutschen Telekom.
Da fällt alle paar monate mal das Internet für über einen Tag aus ;). Dann nützt es mir auch nichts wenn bei Google alles i.O. ist
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren