Thomas Hitzlsperger "Reporter sollten mehr über Fußball wissen"

Thomas Hitzlsperger wundert sich über das deutsche Fernsehen. Am liebsten schaut er Fußballspiele, allerdings ohne Ton. Das Kolumneninterview

Thomas Hitzlsperger wünscht sich mehr Kommentatoren, die Fußball auf ein andere Art und Weise erklären

Thomas Hitzlsperger wünscht sich mehr Kommentatoren, die Fußball auf ein andere Art und Weise erklären

ZEIT ONLINE: Hallo Herr Hitzlsperger, heute schon ferngesehen?

Thomas Hitzlsperger: Nein, und der Fernseher bleibt heute auch aus.

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ZEIT ONLINE: Haben Sie keine Zeit zum Fernseh-Gucken?

Hitzlsperger: Doch. Wenn ich unterwegs bin, stehen im Hotel ja auch immer Fernseher. Aber tagsüber ist das Angebot wirklich nicht berauschend. Ich verbringe meine Zeit lieber im Internet und mit Lesen, sofern ich nicht trainiere.

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Alle Kolumnen von Andreas Beck, Philipp Lahm, Tobias Rau und Thomas Hitzlsperger auf unserer Serienseite

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ZEIT ONLINE: Gibt es überhaupt eine Sendung, die Sie nie verpassen?

Hitzlsperger: Eigentlich nicht. Die Büchersendung Druckfrisch schaue ich fast regelmäßig und manchmal gucke ich freitags Talksendungen. Vor kurzem habe ich gelesen, dass Charlotte Roche ab Herbst die Moderation der Talkshow 3nach9 zusammen mit Giovanni di Lorenzo übernimmt. Das werde ich mir auch anschauen.

ZEIT ONLINE: Und als Kind, was hat Sie da vor den Fernseher getrieben?

Hitzlsperger: Fußball natürlich. Und dann noch die Simpsons und Eine schrecklich nette Familie. Manchmal habe ich mir auch Talkshows wie Andreas Türk oder Arabella angesehen. Aber darauf hätte ich auch verzichten können. 

ZEIT ONLINE: Was denken Sie denn heute über die Talkshows am Nachmittag?

Hitzlsperger: Mich verwundert es wirklich, dass das so viele Menschen schauen, denn sonst würde es die Shows in der Form nicht geben. In den Programmdirektionen müsste ein Umdenken stattfinden, denn das Angebot trägt kaum zur Bildung bei und in den seltensten Fällen ist es unterhaltsam, oftmals sogar peinlich.

ZEIT ONLINE: Außer Fußball gucken Sie also gar nichts?

Hitzlsperger: Doch. Footballer's Wives fand ich eine Zeit lang sehr unterhaltsam, zudem habe ich unter anderem einige Folgen von Germanys next Topmodel und Deutschland sucht den Superstar gesehen. Unter uns Spielern wird viel über solche Sendungen geredet. Da war ich natürlich neugierig. Aber Serien wie 24 oder Prison Break, von denen meine Kollegen schwärmen, haben es mir nicht angetan.

ZEIT ONLINE: Wie viele Fernseher haben Sie denn und wo stehen die?

Hitzlsperger: Ich habe nur einen Röhrenfernseher, und der steht im Wohnzimmer.

ZEIT ONLINE: Haben Sie in England mehr ferngesehen?

Hitzlsperger: Ja, die Auswahl da ist ja sehr groß. Und da war auch meine Fernsehleidenschaft größer. Ich habe die englische Skybox auch mit nach Deutschland genommen, sie aber schon seit drei Jahren nicht mehr benutzt. Die ist auch nicht mehr aktiv.

Leser-Kommentare
  1. Lieber Herr Hitzlsberger,

    ich kann Ihnen nur zustimmen.
    Das Thema Taktik ist im Fußball so komplex, dass es mir regelmäßig die Sprache verschlägt, wie wenig selbst erfahrene Kommentatoren und Reporter davon verstehen. Das könnte ich genau so gut selbst, Fußballspiele habe ich zu Genüge im Fernsehen verfolgt, und das scheint die einzige Qualifikationshürde zu sein.
    Nur als Anmerkung: in den Niederlanden dauert der Schein 6 Jahre!!!
    Wenn man dann mal die Chance bekommt, in derartige Taktikgespräche hineinzuhören, klingt das Vokabular wie von einem anderen Stern. Wie gerne würde ich als interessierter Zuschauer in dieser Hinsicht mehr gefordert werden um ein bisschen mehr einzusteigen, aber wer sollte es einem vermitteln? Etwa Marcel Reif?
    Netzer und auch vor allem zuletzt Klopp haben Versuche unternommen, den Zuschauer näher an die Taktik zu bringen. Ich fürchte aber auch, dass das 90% der Zuschauer überfordert und diese lieber ihre Plattitüden loslassen, so wie das derzeit bzgl. des Nationaltorwarts der Fall ist.
    Aber zumindest im Umgang mit den Spielern würde ich es sehr begrüßen, insbesondere was die Fragen nach dem Spiel betrifft. Dieses "Woran lags?", "Können Sie es schon fassen?", "Wie fühlt man sich jetzt?" etc. braucht kein Mensch.

    • mhmmmm
    • 02.09.2009 um 15:40 Uhr

    Genau! Ein Blick in andere Länder reicht manchmal schon.
    z.B.:
    http://www.guardian.co.uk...

    Oder die Chalkboards des Guardian!

    ...ich guck ja nur noch GolTV...

    • bierus
    • 02.09.2009 um 16:02 Uhr

    ich würde sofort 100 Euro zahlen für ein Feature welches es mir erlaubte, den Kommentator separat abzuschalten...

  2. Ich habe von Fußball null Ahnung und auch kein wirkliches interesse daran. Aber die Interviews mit Herrn Hitzlsperger sind immer sehr lesenswert. Ich glaube er hat wirklich den Anspruch die Kommentierung eines Fußballspiels auf ein inhaltlich hohes Niveau zu heben. Bildungsfernsehen, wo man es nicht vermutut. Weiter so Herr Hitzlsperger. Ist immer erfrischend Ihre Gedanken zu lesen. Danke

  3. Neben den Reportern ist die Bildregie das Haupthinderniss, ein besseres Spielverständnis zu erreichen: Mehr als das eigentliche Spiel werden Zeitlupen, Großaufnahmen, Trainer und Publikum gezeigt.

  4. 6. Nein!

    Herr Hitzlsperger schaut 3nach9, weil da mit Giovanni di Lorenzo moderiert?
    Also, dann werde ich das auch sehen.
    Und anschließend lackiere ich mir die Fußnägel und baue den Kölner Dom mit Zahnstochern nach!
    ;-)

    http://www.hartz-aber-lus...

  5. Ich bin erstaunt wer sich alles als Berichterstatter, als Reporter ausgeben darf und auch noch dafür bezahlt wird. Bei allen Fernseheinrichtungen sind die Reporter schlecht, haben nur Google-Wissen. Meist berichten sie nicht über das Sportereignis sondern über Uninteressantes, also Boulevard. Das gilt nicht nur bei Fussballberichten sondern auch beim Boxen, Radfahren, bei der Formel 1 oder aber wenn über die Leichtathletik berichtet wird. Man sollte ein Ranging anstellen, wie bei den Lehrern und Universitäten. Ich mache es wie Hitzlberger, ich gehe über Teletext oder schalte den Ton ab.

  6. Der kann wenigstens vorher den Ton abstellen, weil er weiß dass ihn nur inhaltsloses Blabla erwartet.
    Ich hatte es da nicht so gut.
    Ich musste das Interview erst lesen und habe es dann gemerkt!

    ;-)

    http://www.hartz-aber-lus...

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