Gesellschaft "Es gibt keine falschen Antworten, nur ehrliche"

Die Leute stellen keine interessanten Fragen mehr. Davon ist der Autor Mikael Krogerus überzeugt. Sein "Fragebuch" soll Abhilfe schaffen

Die "Fragebuch"-Autoren Mikael Krogerus (li.) und Roman Tschäppeler

Die "Fragebuch"-Autoren Mikael Krogerus (li.) und Roman Tschäppeler

ZEIT ONLINE: Herr Krogerus, Sie haben ein Buch verfasst, in dem mehr als 700 Fragen zu den unterschiedlichsten Themen stehen. In der Anleitung schreiben Sie, dass man bei der Beantwortung dieser Fragen nicht zu lange überlegen sollte. Wie würden Sie folgende Fragen aus Ihrem Buch spontan beantworten: Welche drei Dinge würden Sie retten, wenn Ihr Haus/Ihre Wohnung brennt?

Mikael Krogerus: Ich glaube, ich würde nichts retten. Ich könnte ohne alles leben, was ich momentan besitze.

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ZEIT ONLINE: Hätten Sie sich gerne selbst als Freund?

Krogerus: Ja, aber ich würde mir nicht immer trauen.

ZEIT ONLINE: Warum?

Krogerus: Weil ich Seiten an mir habe, die ich nicht gut finde. Ich habe zum Beispiel Freunde so behandelt, wie ich nicht behandelt werden will. Ich war nicht immer 100-prozentig ehrlich, nicht immer loyal, und ich habe nicht immer unsere Freundschaft über alles gestellt. Das wünsche ich mir nicht von meinen Freunden. Die Frage wäre also: Darf man von anderen etwas erwarten, was man selbst nicht einhalten kann?

ZEIT ONLINE: Ein Film, bei dem Sie richtig Angst hatten?

Krogerus: Ich habe bei fast allen Filmen Angst. Aber kürzlich habe ich mir den spanischen Horrorfilm Rec angesehen. Ein wahnsinnig schrecklicher Film, in dem dummerweise das Treppenhaus genauso aussieht, wie das Treppenhaus zu meiner Wohnung. Es ist jetzt drei Monate her, dass ich Rec gesehen habe und seitdem habe ich extreme Probleme, abends nach Hause zu kommen.

ZEIT ONLINE: Was weiß der Leser nach der Beantwortung der Fragen? Denn es gibt ja am Ende keine bestimme Auswertung, wie man sie aus anderen Fragebögen kennt.

Mikael-Krogerus

Krogerus wurde 1976 in Stockholm geboren. Seit 2005 arbeitet er für NZZ Folio, das Magazin der Neuen Züricher Zeitung. Mit seinem Co-Autor Roman Tschäppeler schrieb er bereits den Bestseller: "50 Erfolgsmodelle - Kleines Handbuch für strategische Entscheidungen"

Krogerus: Das Buch wurde nicht mit einer bestimmten Zielsetzung geschrieben. Ich wollte die Leute nicht kategorisieren, bewerten oder auswerten. Ich denke, das Buch ist mehr aus einer Lust heraus entstanden, Fragen zu stellen und aus einer noch viel größeren Lust, gute Fragen zu beantworten.

ZEIT ONLINE: Das Buch erinnert an das Buch Fragebogen von Max Frisch aus dem Jahr 1972, in dem auch elementare Fragen zu den unterschiedlichen Bereichen des Lebens gestellt werden. Hat das Buch Sie inspiriert?

Krogerus: Ja, natürlich. Wobei es zwischen unserem Buch und dem Fragebogen von Max Frisch einen großen Unterschied gibt. Max Frisch war ein exzellenter Schriftsteller und sein Fragebogen glänzt dadurch, dass er brillant Fragen stellen kann. Unser Buch lebt von den Antworten. Also der Leser, der die Antworten gibt, ist für uns der Star.

ZEIT ONLINE: Haben Sie sich mit Ihrem Mitautor, Roman Tschäppeler, über bestimmte Fragen gestritten?

Krogerus: Ja, wir haben uns sehr viel gestritten. Die Positionen waren dabei recht eindeutig verteilt. Ich war der Meinung, eine Frage soll gut klingen. Roman meinte wiederum, dass eine Frage gut beantwortbar sein muss. Ich muss zugeben, in den meisten Fällen hat er sich zu Recht durchgesetzt.

ZEIT ONLINE: Sie empfehlen, das Buch auch mal in geselliger Runde durchzugehen. Brauchen wir so ein Buch, um wieder mehr miteinander zu kommunizieren?

Krogerus: Ja, finde ich schon. Ich habe das Buch geschrieben, weil ich genervt war, dass mir in Gesellschaft ständig nichtssagende Fragen gestellt wurden. Ich selbst schließe mich da nicht aus, auch ich habe Fragen gestellt, bei denen ich schon vorher die Antwort wusste. Wir hoffen, dass das Buch gegen diese Phänomene hilft.

ZEIT ONLINE: Gibt es eine Frage, die Sie in dem Buch gerne gestellt hätten, die aber im Endeffekt zu peinlich oder indiskret war?

Krogerus: Wir hatten ursprünglich 1000 Fragen und davon sind viele ausgeschieden. Im Kapitel Sex hätte man noch viel indiskretere Fragen stellen können. Nach dem aufregendsten Ort, an dem Sie jemals Sex hatten, zum Beispiel. Aber letztendlich sind wir zu dem Schluss gekommen, dass eine Antwort darauf nichts aussagt und nur für eine gewisse Altersgruppe spannend ist.

ZEIT ONLINE: Wäre es Ihnen peinlich, wenn Ihre Partnerin Ihre Antworten aus dem Buch lesen würde?

Krogerus: Mir fällt spontan keine Anwort ein, die ich vor ihr gerne verheimlichen würde. Ich halte aber auch nichts von diesem Beziehungsmythos, dass man voreinander Geheimnisse haben muss, um füreinander spannend zu bleiben.

ZEIT ONLINE: Haben Sie alle Fragen für sich persönlich beantwortet? Gibt es dabei Fragen, auf die Sie selbst keine Antwort haben?

Krogerus: Ich konnte alle beantworten. Das war uns bei der Auswahl der Fragen wichtig. Natürlich gibt es Fragen, auf die man mal keine Antwort weiß, aber selbst die Antwort, "weiß ich nicht" ist interessant. Es gibt keine falschen Antworten, nur ehrliche.

ZEIT ONLINE: Welche Frage stellen Sie Sich immer wieder im Leben?

Krogerus: Warum immer ich?

Die Fragen stellte Laura Will

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Das Fragebuch von Mikael Krogerus und Roman Tschäppeler erscheint im September im Verlag Kain & Aber

Das Fragebuch von Mikael Krogerus und Roman Tschäppeler erscheint im September im Verlag Kain & Aber

Das Fragebuch der Autoren Mikael Krogerus und Roman Tschäppeler erscheint im September im Verlag Kein & Aber.

Im aktuellen ZEITmagazin können Sie 100 ausgewählte Fragen vorab lesen - und beantworten.


 

 
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