Krise Japans Wirtschaft kommt kaum in Gang

Seit dem Zweiten Weltkrieg waren nie so viele Japaner arbeitslos wie zurzeit. Das wird sich auch auf die Unterhauswahl am Sonntag auswirken

In Japan ist die Arbeitslosenquote im Juli auf den höchsten Stand der Nachkriegszeit gestiegen. Sie erhöhte sich um 0,3 Prozentpunkte auf 5,7 Prozent, wie die Regierung in Tokio am Freitag bekannt gab. Die Zahl der offiziell als arbeitslos erfassten Menschen wuchs im Vergleich zum Vorjahr um 1,03 Millionen auf 3,59 Millionen an. Auf 100 Jobsuchende kamen nur noch 42 offene Stellen.

Im zweiten Quartal war Japans Wirtschaft erstmals seit mehr als einem Jahr gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg von April bis Juni um 0,9 Prozent gegenüber dem 1. Vierteljahr. Doch im Juli verzeichnete die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt einen Exportrückgang, nachdem die Ausfuhren drei Monate lang gestiegen waren. Japans Wirtschaft ist sehr vom Export abhängig.

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"Die japanischen Daten deuten darauf hin, dass die Erholung an Schwung verliert", sagte der Chef-Volkswirt Seiji Shiraishi von der Bank HSBC Securities. Damit sei fraglich, ob die Exportwirtschaft weiter Boden gutmachen könne, wenn die Konjunkturprogramme nun ausliefen, ohne dass die Nachfrage weltweit tatsächlich anspringe.

Zugleich fielen die Preise so schnell wie nie zuvor: Im Juli sanken sie in der sogenannten Kernrate um 2,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In der Kernrate sind Nahrungsmittelkosten ausgeschlossen. Der Preisrückgang ist zum Teil auf Basiseffekte wie den fallenden Ölpreis zurückzuführen, denn in der Kernrate sind Energiepreise einberechnet, Nahrungsmittelkosten aber ausgeschlossen. Spätestens im Herbst ist daher mit einem geringeren Preisverfall zu rechnen, wenn der Ölpreis-Effekt ausläuft.

Allerdings dürfte die schwache Nachfrage aus dem Inland die Deflationssorgen wachhalten. Weil viele Japaner auf weiter fallende Preise warten, stellen sie größere Anschaffungen zurück. Infolgedessen sehen sich die Unternehmen zu weiteren Preissenkungen veranlasst. Lohnkürzungen, Arbeitsplatzabbau und eine zähe Wirtschaftskrise sind die Folge. Japan steckte in den neunziger Jahren in einem derartigen Kreislauf fest, gegen den Notenbanken kaum etwas machen können. 

Bisher erwartet die Bank von Japan zwei Jahre lang fallende Preise – nun wird damit gerechnet, dass sie diese Zeitspanne bei ihrer nächsten Prognose im Oktober auf drei Jahre verlängert. Die Notenbank sieht jedoch noch keinen Handlungsbedarf, solange die Wirtschaft nicht in eine Deflationsspirale abgleitet. 

Zwar scheint die schlimmste Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit in Japan nach massiven Konjunkturprogrammen der Regierung überwunden. Die drastisch verschlechterte Arbeitsmarktlage dürfte jedoch das Verhalten der Wähler bei der Unterhauswahl an diesem Sonntag mit beeinflussen. Dabei droht der seit mehr als einem halben Jahrhundert fast ununterbrochen herrschenden Regierungspartei LDP des unbeliebten Ministerpräsidenten Taro Aso eine schwere Niederlage.

Umfragen zufolge haben die erst 1996 gegründete Demokratische Partei und ihr Spitzenkandidat Yukio Hatoyama beste Chancen, die Regierung zu bilden. Den seit 1955 nahezu ununterbrochen regierenden Liberal-Demokraten (LDP) droht der Gang in die Opposition. Ein Wahlsieg der Demokraten würde auch das parlamentarische Patt beenden. Im Oberhaus hat die Partei Hatoyamas bereits die Mehrheit, mit der sie Vorhaben der Regierung blockieren kann.

 
Leser-Kommentare
  1. An einem vierten Konjunkturprogramm führt kein Weg vorbei. Die vergangenen Progrämmchen waren allesamt viel zu klein, auch wenn es mehr und insgesamt größere gab als in Deutschland. Ob die Rezession im technischen Sinne bereits vorbei ist, ist egal. Es müssen solange neue Konjunktur- und Investitionsprogramme aufgelegt werden, bis die Arbeitslosigkeit wieder auf den Stand vor der Krise zurückgeht. Es scheint aber, als sei auch Japan mittlerweile dem neoliberalen Irrglauben vollständig verfallen - verfallen wird vielleicht auch das Land. Dabei waren die Japaner lange Zeit der letzte Zufluchtsort für vernünftige Ökonomen, bis das neoliberale Virus in den 90ern auch hier um sich griff.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, dpa
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  • Schlagworte Japan | Finanzen | Notenbank | Yukio Hatoyama | BIP | Wirtschaftskrise
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