Ein Jahr Lehman-Pleite "Eine Rakete mit unwissender Besatzung"
Larry McDonald arbeitete im dritten Stock der Lehman-Zentrale, als die Bank unterging – und die Welt in die Krise stürzte. Jetzt erzählt er im Interview seine Geschichte
© Michael Nagle/Getty Images

Die Lehman-Zentrale in New York, aufgenommen am 14. September 2008. Wenige Stunden später schlittert die Bank in die größte Pleite der Wirtschaftsgeschichte
Lawrence McDonald – genannt Larry - war Vice President bei Lehman Brothers. In seinem Buch "A Colossal Failure of Common Sense: the Inside Story of the Collapse of Lehman Brothers“, das zum Jahrestag in den USA erschienen ist, erzählt er aus der Perspektive des Mitarbeiters im dritten Stock des Lehman Hauptquartiers, wie die 158 Jahre alte Institution dank Arroganz und Größenwahn in der Chefetage im 31. Stock in die größte Pleite der Wirtschaftsgeschichte schlingerte – und die Welt in die Rezession kippte. Obwohl er sich früh entschlossen hatte, es an die Wall Street zu schaffen, startete McDonald seine Karriere zunächst als Vertreter, der gefrorene Schweinesteaks von Haustür zu Haustür anbot, bevor er 2004 einen Job als Bondhändler in Lehmans Handelsraum landete. Heute arbeitet er bei einem Investmentfonds. Mit Hilfe seines Co-Autors Patrick Robinson hat McDonald seine eigenen Erlebnisse aufgeschrieben und die Ereignisse detailliert nachrecherchiert. Im Rue 57, einem Bistro nur ein paar Häuserblocks von Lehmans einstigem Gebäude in Manhattan entfernt, plaudert er bei zwei Gläsern Weißwein und einem Bacardi über seine Erfahrungen.
ZEIT ONLINE: Sie berichten mit Namen und Details über die Vorgänge bei Lehman. Haben sich Ihre Kollegen nicht verraten gefühlt?
Lawrence McDonald: Im Gegenteil! Als sie herausfanden, dass ich ein Buch schreibe, hat mein Telefon nicht aufgehört zu klingeln, mein elektronischer Briefkasten, meine Facebookseite waren voller Nachrichten von Lehmanangestellten, die mit mir reden wollten. Ich habe mit 150 Leuten gesprochen, darunter auch vielen in höheren Positionen in der Abteilung Risikomanagement und der Vorstandsebene (executive committee). Alle wollten ihre Geschichten erzählen.
ZEIT ONLINE: In Ihrer Darstellung liegen die Ursachen des Zusammenbruchs lange vor der Kreditblase.
McDonald: Lehman hatte sich verrannt. Es war über 150 Jahre lang eine traditionelle Investmentbank, deren Geschäft hauptsächlich die Vermittlung und Zusammenstellung von Finanzierungen für große Unternehmen war. Campbell Soup etwa gehörte zu den ersten wichtigen Kunden. Das war der Deal: Lehman arrangiert die Herausgabe von Aktien und Anleihen, mit den Mitteln baut Campbell eine neue Suppenfabrik und Lehman erhält eine Gebühr. Alles sehr transparent und nicht sehr riskant. Doch in den vergangenen acht bis zehn Jahren drängte die Chefetage immer mehr auf eigene Rechnung und mit eigenem Kapital zu spekulieren. Ein sehr gefährliches Spiel.
ZEIT ONLINE: Das dann besonders brisant wurde, als zweifelhafte Hypotheken ins Spiel kamen.
McDonald: Als mein Vater unser erstes Haus kaufte, saß er seinem Banker so gegenüber wie wir beide uns jetzt gegenüber sitzen. Ich spielte mit seinen Kindern Baseball. Man kannte sich. Das war der American Way, so funktioniert Kapitalismus. Aber das Modell wurde zugunsten eines neuen Finanzierungsmodells abgeschafft. Die Banken wollten die Darlehen nicht mehr in ihren Büchern halten, sondern gaben sie – etwa via Lehman - an Investoren ab. Da liehen dann plötzlich isländische Investoren über Lehman einem Busfahrer in Newport Beach in Kalifornien das Geld für ein 350.000 Dollar teures Eigenheim. Und der Mann musste auf dem Kreditantrag nicht mal sein Einkommen angeben.
ZEIT ONLINE: Sie haben bei Lehman selbst Hypothekenverkäufer kennen gelernt. Und waren beeindruckt.
McDonald: Das kann man wohl sagen. Wir haben in der Handelsabteilung immer Witze gerissen über diese Bodybuildertypen, die Hypotheken drückten. Wenn man sie gefragt hat, was passiert, wenn die Kreditnehmer nicht mehr zahlen können, zuckten sie bloß mit den Achseln. Das ist deren Problem, sagten sie – dann heißt es halt "back to the ghetto". Ich meine, man merkte, dass die nicht so helle waren. Einmal sind wir nach Kalifornien geflogen, um so einen Laden auszuchecken. Da saß ich auf dem Parkplatz. Ich habe in meinem Leben auf Gottes grüner Flur nicht so viele Luxusschlitten auf einmal gesehen. Ferrari, Lotus, Jaguar ....
ZEIT ONLINE: Daraufhin begannen Sie und Ihre Kollegen gegen die Hypothekenanbieter zu wetten.
- Datum 08.09.2009 - 15:37 Uhr
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Jetzt versuchen sich die sogenannten "Insider" an der Leichenfledderei. Aus Klischees und Stammtischweisheiten und ein paar Börsenmythen wird ein Cocktail für das Publikum zusammengemixt.
Wer dieses Gebräu schluckt verhält sich wie der Gammelfleischesser, der noch eine Pulle Glykolwein hinterherschüttet.
Die vielbeschworene heile Welt hat es bei Lehman nie gegeben. Die klaren Strukturen der Vergangenheit sind ein Phantasiegebilde. Die achso ehrliche Welt des altehrwürdigen Hypothekenverkaufs ist ein Märchen.
Man schaue sich nur die Geschichte von Lehman und die Geschichte der Finanzkrisen an. Das "Früher war alles besser"-Strickmuster löst sich dann sehr schnell auf.
Früher war alles viel besser haben die Altvorderen immer gesagt. Früher, das war die DDR, die Nachkriegszeit, der Weltkrieg, die Inflation, der 1. Weltkrieg ...
In der Finanzwelt gibt es auch ein früher ...
Leser, die solche Bücher kaufen, haben aus der Finanzkrise nichts gelernt
wie eine Rakete vom Typ Minuteman III
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"Dubito, ergo sum."
Und dann: Weit gefehlt - sie haben sie entworfen und gebaut. Wer glaubt, dass es lohnt, alles aufzuräumen und beherzt aber bewusstlos weiter zu hantieren, dem kann nicht geholfen werden. Nicht mit intellektuellen Mitteln.
Übrigens: Ich wusste gar nicht, dass die deutsche Politik tutto completto in 31. Stockwerken angesiedelt ist. Aber mir leuchten die resultierenden Probleme ein.
Was sollen die auch unten, in der Lobby, wo die Lobby ihnen doch schon längst im 31. auf dem Schoß sitzt. Volksnähe ist schliesslich böseböse Demagogie.
Übrigens gab es schon früher Pleiten wie die von Lehman. Und es gab Verantwortliche wie Fuld. Der Unterschied ist: Die haben sich früher erschossen. Sie selbst sich selbst.
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Lassen wir Taten folgen:
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Für Freiheit und Demokratie.
Denn etwas besseres als den Tod finden wir überall.
Tragen Entscheider'innen in Banken und Regierungen eigentlich nie die Verantwortung für ihr Handeln? Die westlich, zivilisiert-genannten Staaten sind praktisch pleite, wo bleiben die Verhaftungen und Verurteilungen?
Unser aller öffentliche Kassen, seit 40 Jahren geplündert im Namen von sogenannten systemimmanenten Zwängen, wie notwendigem Wachstum. Im vorherrschenden System ist Wachstum notwendig, da hat sich nichts geändert, sonst kollabiert es.
Konsequente Korrekturen werden von zur Feuerwehr erhobenen Brandstiftern verhindert. Krampf- und zwanghaft festhaltend an der eigenen Alternativlosigkeit.
Voller Stolz werden die größten Peinlichkeiten verkündet und damit auch noch Geld verdient.
Keinen Mumm, einen Strich unter die Rechnung zu machen. Man läßt sich nicht in die Karten gucken. Keine Ehrlichkeit! Wir zählen die Zahlen zusammen, wir lassen ihnen die Hosen runter und gucken unter die Röcke. Das ganze Ausmaß kommt ans Licht.
Bei all'den verhungerten Kindern, die ich seit Mitte der siebziger Jahre zähle, assoziiere ich ein sehr, sehr dunkles Kapitel der Menschheitsgeschichte. Es findet derzeit statt. Es wurde wieder und wieder darauf hingewiesen, bekannt gemacht und benannt. Es ist zum heulen .. Haben wir wieder 'nur' mit gemacht; haben wir wieder von alledem nichts gewusst?
Also, ich gebe zu, dass ich das ganze Finanz-Geschwabbel im Artikel nur schwerlich verstanden habe. Kennt jemand eine Seite oder Buch oder irgendwas, aus dem man mal verstehen koennte, was CDS, Hebelkredite, Hedge Funds und all diese Hypothekenpapiere eigentlich bedeuten, was die FED damit zu tun hat, was eine Investmentbank eigentlich tut/tun sollte usw.? Ich habe den Eindruck, dass auf einmal jedem Bild-Leser voellig klar ist, dass Investmentbanker schon immer alles voellig falsch gemacht haben, aber ich steige einfach nicht durch, warum genau?
Gerade vor einem Jahr, als die Krise ihren Höhepunkt erreichte, diskutierte man öffentlich in den TV-Talkshows, dass man definitiv nicht alle retten solle, sondern eine Firma müsse geopfert werden. Firmen wie Goldman, Morgan, Citi und AIG waren offensichtlich "too big to fail", es musste also eine etwas kleinere sein. Nun fehlt nur noch das post mortem, um zu erklären, warum die Wahl damals gerade auf Lehman fiel. Vermutlich werden wir warten müssen, bis ein Hollywoodfilm uns alles genau erklärt. Ich wette, das wird nicht mehr lange dauern.
Unwissende Besatzung? Mitnichten!
Hier läuft der geplante 9/11 des Finanzsystems ab! Die wissen genau wie man das macht.
Die eigenen Banken läßt man pleite gehen, um wenige Tage später unter Chapter 11 wieder auf zu machen. So vernichtet man Fremdvermögen und sichert seine Vorherrschaft!
Das Protektorat - O-Ton des Sicherheitsberaters http://de.wikipedia.org/w... in seinem Buch "Die einzige Weltmacht - Amerikas Strategie der Vorherrschaft - muß zahlen.
Dem protektierten Volk wird bei den 140 Milliarden für die Hypo Real Estate die Mär aufgetischt, andernfalls würde das Weltfinanzsystem zusammenbrechen.
Warum führen Sie kein Interview mit dem Staatsekretär Jörg Asmussen - http://de.wikipedia.org/w... - und stellen ihm die Frage warum er in Deutschland den Handel der CDO´s 2001 durchgedrückt hat, obgleich der Handel mit amerikanischen CDO´s in den USA verboten ist?
Warum fragen Sie nicht die deutschen Banker warum Sie diese Papiere den Ihren deutschen Kunden in die Depot gedrückt haben?
Bücher, die die Welt nicht braucht. Was will mir McDonald eigentlich sagen? Das man hätte Lehman retten müssen, weil "to big to fail?" Hätte man Lehman gerettet, wäre die jetzige Krise irgendwann später gekommen. Schneeballsysteme haben die Eigenschaft, dass sie irgendwann kollabieren.
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