Arbeitsmarkt "Feste Arbeitsverträge sind ein Auslaufmodell"

Der Trend zu immer flexibleren Jobs ist nicht aufzuhalten, sagt Expertin Elke Jahn. Gäbe es den Niedriglohnsektor Leiharbeit nicht, wäre die Arbeitslosigkeit weit höher

ZEIT ONLINE: Die Gewerkschaften wollen die Bedingungen verbessern, zu denen Leiharbeiter beschäftigt werden. Sie fordern gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Das vernichtet Arbeitsplätze, sagen jedoch Kritiker. Wer hat recht?

Elke Jahn: Die Forderung der Gewerkschaften ist problematisch. Lohnunterschiede gibt es überall: zwischen Groß- und Kleinunternehmen, zwischen Branchen und Geschlechtern. Jemand, der in der Metallindustrie die gleiche Arbeit verrichtet wie sein Kollege in der Textilindustrie verdient deutlich mehr, selbst wenn beide gleich qualifiziert und erfahren sind. Frauen verdienen durchschnittlich 25 Prozent weniger als Männer, auch wenn alle personenspezifischen Eigenschaften – Ausbildung, Erfahrung, Arbeitszeit, Position – gleich sind. Für Leiharbeiter ist die Lohndifferenz mit 15 Prozent viel geringer. Warum setzt sich die Gewerkschaft nicht für die gleiche Entlohnung von Frauen ein?

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ZEIT ONLINE: Die Forderung nach gleichem Lohn ist doch in beiden Fällen berechtigt. In manchen Unternehmen arbeiten Leiharbeiter Seite an Seite mit ihren fest angestellten Kollegen, erledigen die gleichen Aufgaben, sind ebenso produktiv. Warum sollte das Unternehmen sie nicht gleichen entlohnen?

Jahn: Wie gesagt, Lohnunterschiede trotz gleicher Arbeit gibt es überall. Equal Pay würde aber die Kosten für Leiharbeiter in die Höhe treiben. Vermutlich würden Sie dann teurer als direkt eingestellte Mitarbeiter, denn die Zeitarbeitsfirma verlangt ja noch einen Aufschlag. Ein Beispiel: Viele Leiharbeiter sind in der Metall- und Autoindustrie oder im Flugzeugbau beschäftigt. In Ostdeutschland ist ihr Anteil besonders hoch. Vor allem Firmen, die unter extrem hohem internationalem Wettbewerbsdruck stehen, setzen Leiharbeiter ein. Lohnerhöhungen würden die Kosten für die Unternehmen so stark erhöhen, dass Betriebe ins Ausland gingen. Arbeitsplätze würden abwandern – vor allem die Jobs von gering Qualifizierten, die es auf dem deutschen Arbeitsmarkt ohnehin schon besonders schwer haben.

ZEIT ONLINE: Heutzutage werden doch auch Akademiker und Facharbeiter als Leiharbeiter eingestellt.

Jahn: Das mag sein. Aber immer noch sind überproportional viele Leiharbeiter als Hilfsarbeiter beschäftigt, und ihr Anteil nimmt ständig zu. Fast ein Drittel hat keine Berufsausbildung. Unter den Personen, die nicht als Leiharbeiter angestellt sind, ist der Anteil der Menschen ohne Ausbildung nur halb so hoch. Der Sektor bietet deshalb gerade schlecht Qualifizierten eine Beschäftigungsmöglichkeit. Das funktioniert allerdings nur, solange die Löhne flexibel sind. Wird Leiharbeit teurer, müssen wir einfach damit rechnen, dass Jobs verschwinden. Viele Arbeitnehmer sind bereit, Einbußen in Kauf zu nehmen, um ihre Stelle zu behalten. Das übersehen die Gewerkschaften.

ZEIT ONLINE: Ein wenig erinnert die Diskussion an die Debatte um Mindestlöhne. Auch da wurde lange argumentiert, eine Lohnuntergrenze zerstöre Arbeitsplätze. Aber Studien zeigten, dass es auf die Höhe des Mindestlohns ankommt. Ist er nicht zu hoch, vernichtet er keine Jobs.

Leser-Kommentare
  1. Diese im Beitrag geäußerten "Scheißhausparolen" kommen mir aus der Vergangenheit irgendwie bekannt vor. Hat Frau Jahn ihre Berufsausbildung oder ein Praktikum etwa bei IFO Institut absolviert. Warum schlägt Sie eigentlich nicht vor, den gesamten ÖD über 1 Euro Jobs abzuwickeln. Dann könnte wenigstens die Einkomenssteuer gesenkt werden. Solche Aussagen, wie von Frau Jahn, kommen zustande, wenn das eigene Dogma das pragmatische Denken ersetzt. Ein kleiner Blick über den Teich würde ihr vielleicht auf die Sprünge helfen.

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    • Chali
    • 02.09.2009 um 14:23 Uhr

    ... sind sie mir zuvor gekommen, werter Euklid.

    Vielleicht szeht bei der dame ja die Vertragsverlängerung an; da muss man eben rechtzeitig noch ein paar Sprechblasen entleeren ...
    Auch der Herr Hartung muss ja allerlei ... sagen wir, produzieren.
    Da kann man die Welt ja schon mal ein wenig selektiv sehen, oder etwa nicht?

    Die angegebene Biographie ist ja etwas kurz:
    Ich gehe davon aus, dass die Dame über reichliche Erfahrungen bzgl. Leiharbeit aus Erster Hand verfügt?

    Ich ahbe mir immer schon gedacht, dass man diese Posten durch viel billiger mit Rumänen oder Bulgaren besetzen könnte, so 200 Euro im Monat.

    - - - - - - - - -


    "Aristoteles war kein Belgier. Die Hauptbotschaft des Buddhismus lautet nicht: 'Jeder kämpft für sich selbst'. Und die Londoner Untergrundbahn ist keine politische Bewegung."
    A Fish called Wanda

    • Chali
    • 02.09.2009 um 14:23 Uhr

    ... sind sie mir zuvor gekommen, werter Euklid.

    Vielleicht szeht bei der dame ja die Vertragsverlängerung an; da muss man eben rechtzeitig noch ein paar Sprechblasen entleeren ...
    Auch der Herr Hartung muss ja allerlei ... sagen wir, produzieren.
    Da kann man die Welt ja schon mal ein wenig selektiv sehen, oder etwa nicht?

    Die angegebene Biographie ist ja etwas kurz:
    Ich gehe davon aus, dass die Dame über reichliche Erfahrungen bzgl. Leiharbeit aus Erster Hand verfügt?

    Ich ahbe mir immer schon gedacht, dass man diese Posten durch viel billiger mit Rumänen oder Bulgaren besetzen könnte, so 200 Euro im Monat.

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    "Aristoteles war kein Belgier. Die Hauptbotschaft des Buddhismus lautet nicht: 'Jeder kämpft für sich selbst'. Und die Londoner Untergrundbahn ist keine politische Bewegung."
    A Fish called Wanda

    • Chali
    • 02.09.2009 um 14:23 Uhr

    ... sind sie mir zuvor gekommen, werter Euklid.

    Vielleicht szeht bei der dame ja die Vertragsverlängerung an; da muss man eben rechtzeitig noch ein paar Sprechblasen entleeren ...
    Auch der Herr Hartung muss ja allerlei ... sagen wir, produzieren.
    Da kann man die Welt ja schon mal ein wenig selektiv sehen, oder etwa nicht?

    Die angegebene Biographie ist ja etwas kurz:
    Ich gehe davon aus, dass die Dame über reichliche Erfahrungen bzgl. Leiharbeit aus Erster Hand verfügt?

    Ich ahbe mir immer schon gedacht, dass man diese Posten durch viel billiger mit Rumänen oder Bulgaren besetzen könnte, so 200 Euro im Monat.

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    "Aristoteles war kein Belgier. Die Hauptbotschaft des Buddhismus lautet nicht: 'Jeder kämpft für sich selbst'. Und die Londoner Untergrundbahn ist keine politische Bewegung."
    A Fish called Wanda

    Antwort auf "Die Expertin"
  2. Auf welchem Planeten lebt denn diese Expertin? Mal eben mehrere Monate ohne Arbeit - was soll´s. Leben wir eben von den nicht vorhandenen Ersparnissen. Höhere Flexibilität? Macht nix - ziehen wir eben alle halbe Jahre mit der Familie um. Verdrängung von Stammarbeitnehmern durch Leihkräfte, Konkurrenzdenken, mehrere Niedriglöhner anstelle eines Vollzeitangestellten, Ausfall von Sozialversicherungsbeiträgen, sinkender Rentenanspruch - macht alles nix - in Dänemark geht es ja auch. Kein Geld in der Tasche - macht nix - gehen wir eben spazieren - ist gesund.
    Knapp vorbei ist auch (hier vollkommen) daneben.

    • Piepe
    • 02.09.2009 um 14:34 Uhr

    wenn in Dänemark 35% der Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst beschäftigt sind. Und in Deutschland 10% der Arbeitnehmer.
    Und in dem einen Land werden die Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst durch einen Spitzensteuersatz von 60% finanziert, während in dem anderen Land der Spitzensteuersatz auf 35% gesenkt werden.

    In welchem Land werden Arbeitnehmer flexibler sein können ohne einen Lohndumpingwettlauf nach unten befürchten zu müssen?

    Was fordern sie jetzt eigentlich Frau Endres.
    Sollen wir den Spitzensteuersatz erhöhen und die Beschäftigung im öffentlichen Dienst ausweiten.
    Und dann den Arbeitsmarkt flexibilisieren?

    In den USA ist die Sozialhilfeempfängerquote bedeutend höher als in Deutschland.

    Es lassen sich beliebig Argumente für oder gegen Mindestlöhne anführen.
    Da die wirtschaftlichen Gegebenheiten von Land zu Land unterschiedlich sind.

    Nur eines ist gewiss Herrschaft in einer Demokratie beruht auf Meinung.
    Und diese lässt sich von den Geldbesitzern kaufen.

    Diese haben es auch in der Hand immer niedrigere Löhne zu erpressen.
    In den USA beanspruchen 10% der Bevölkerung 49% des Volkseinkommens.

    Welche Ziele wollen sie erreichen?

  3. .... finde ich, dass Großunternehmen ihre eigenen Zeitarbeitsfirmen gründen. Der Vermittler wird ausgeschaltet - und somit die Kosten weiter reduziert. Die Entlassungen sind schneller durchzuführen und es gibt keine Verzögerungen auf dem Dienstweg.
    Es soll ja Firmen geben, die ihre Festangestellten an der einen Tür rausschmeissen und an der anderen Tür als Leiharbeiter für einen Bruchteil des Lohnes wieder hereinholen.
    Ich durfte mich auch ein Jahr als Leiharbeiter betätigen. Mein Kollege an meiner Seite verdiente das 2,5fache, hatte 8 Tage mehr Urlaub als ich und bei Nachtschichten fing "seine Nacht" für die Zulage auch eine Stunde früher an - ganz zu schweigen von seinen und meinen Zuschlägen.
    Alle Sozialleistungen, die der Weltkonzern seinen festen Mitarbeitern bietet, waren für mich unerreichbar. Falls ich mir einen Kantinenbesuch hätte leisten können, wurde ich als Leiharbeiter darauf hingewiesen, dass wir den Firmenzuschuss als Fremdfirmenangestellter nicht bekommen, d.h. doppelter Preis.....
    Ach ja, als die Superzocker von den Banken der Welt sich bonusgestützt mit fremden Geld verzockt hatten - sprich die Krise ins Rollen kam - wurde mein und die anderen Verträge der Leiharbeiter nicht verlängert. Die Bosse des Konzerns ließen sich aber in der Presse feiern, dass keiner der Mitarbeiter entlassen werde...
    Ich möchte mich hiermit - auch im Namen der anderen Leiharbeiter - beim Gesetzgeber bedanken, dass ich diese Erfahrung machen durfte. Wirtschaftlich und gesundheitlich habe ich gelitten, aber menschlich bin ich ein Stück weitergekommen.

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    • Chali
    • 02.09.2009 um 14:53 Uhr

    http://www.nrhz.de/flyer/...

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    "Aristoteles war kein Belgier. Die Hauptbotschaft des Buddhismus lautet nicht: 'Jeder kämpft für sich selbst'. Und die Londoner Untergrundbahn ist keine politische Bewegung."
    A Fish called Wanda

    • Chali
    • 02.09.2009 um 14:53 Uhr

    http://www.nrhz.de/flyer/...

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    "Aristoteles war kein Belgier. Die Hauptbotschaft des Buddhismus lautet nicht: 'Jeder kämpft für sich selbst'. Und die Londoner Untergrundbahn ist keine politische Bewegung."
    A Fish called Wanda

    • Chali
    • 02.09.2009 um 14:50 Uhr

    ... wie sich Staatsangestellte den Steuerzahlern denen Bescheid sagen, wo es lang gehen soll, und nun der Aufmunterung bedarf:

    Aus den nachdenkseiten (http://www.nachdenkseiten...)
    Er hat Herrn Professor Raffelhüschen per E-Mail gefragt, wie das denn so sei, mit der Rente, der Generationengerechtigkeit. Daran erinnert, wie das ist, wenn man 14 Jahren anfängt, 45 bis 50 Jahre arbeitet. Und wollte wissen, ob auch der Professor nach einem 48jährigen Arbeitsleben mit 1000 Euro Rente im Monat auskommen muß.
    Der Professor hat ihm höchst persönlich geantwortet: „Hallo Herr S., mit Verlaub, Sie sind ein Arschloch (hoch drei). Ihr Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen.“

    Ob die Dame auch über so einen Wortschatz verfügt?

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    "Aristoteles war kein Belgier. Die Hauptbotschaft des Buddhismus lautet nicht: 'Jeder kämpft für sich selbst'. Und die Londoner Untergrundbahn ist keine politische Bewegung."
    A Fish called Wanda

    • Chali
    • 02.09.2009 um 14:53 Uhr

    http://www.nrhz.de/flyer/...

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    "Aristoteles war kein Belgier. Die Hauptbotschaft des Buddhismus lautet nicht: 'Jeder kämpft für sich selbst'. Und die Londoner Untergrundbahn ist keine politische Bewegung."
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    Antwort auf "Pervers ...."
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    zwar auch Chemie aber mehr (schwarzer) Gummi - nicht Berlin sondern irgendwo in Rheinland-Pfalz - und ansonsten muss ich besser die Klappe halten, denn in dem Vertragswerk wird auch ausführlich darauf hingewiesen, dass man über ALLES zu schweigen hat - Arbeitsinhalte, Vertragsinhalte ... sonst kommt der Onkel Rechtsanwalt und so weiter und so fort.
    Aber sonst sind Parallelennicht von der Hand zu weisen.

    zwar auch Chemie aber mehr (schwarzer) Gummi - nicht Berlin sondern irgendwo in Rheinland-Pfalz - und ansonsten muss ich besser die Klappe halten, denn in dem Vertragswerk wird auch ausführlich darauf hingewiesen, dass man über ALLES zu schweigen hat - Arbeitsinhalte, Vertragsinhalte ... sonst kommt der Onkel Rechtsanwalt und so weiter und so fort.
    Aber sonst sind Parallelennicht von der Hand zu weisen.

  4. ... sind neoliberale Sprechblasen wie wir sie gewöhnt sind.

    Von wegen Politik kann nichts ändern, blablabla. Ja ja, die Globalisierung als Schicksal. Wer's glaubt.

    Bei einem kann ich ihr bedingt zustimmen:

    "Wir müssen lernen, Unterbrechungen in der Erwerbsbiographie als etwas ganz Normales zu betrachten. In Dänemark ist es kein Stigma, erwerbslos zu sein. Ich bin immer noch erstaunt darüber, wie bedenkenlos manche eine Auszeit vom Job nehmen."

    ... zumindest unter der Bedingung, die sie etwas später schreibt:
    "...(in Dänemark) Arbeitslose erhalten 80 Prozent ihres bisherigen Lohns"

    Ich wäre auch wesentlich lockerer, wenn mir nicht H4-Enteignung drohen würde, im Falle einer Arbeitslosigkeit.

    Nur kommt dieser Zusammenhang im Interview lediglich als Nebenpunkt vor, die Hauptaussage lautet: keine sozialen Standards und mehr Flexibilisierung. Und der übliche Seremon: wer wenig kann, hat auch nicht das Recht wie ein Mensch behandelt zu werden. Dazu pflegt sie auch weiter den Eindruck Niedriglöhner seien vor allem Menschen ohne Ausbildung und das obwohl sie selbst erwähnt, dass diese Leute nur ein Drittel der Niedriglöhner ausmachen.

    Aber sei's drum. Propaganda kurz vor der Wahl und sicher im Sinne von JJ und den ZEIT-Eigentümern.

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