Ökoleder und Biobaumwolle Die Dogma-Schneiderinnen
Hotpants aus Ökoleder, Abendkleider aus Bio-Baumwolle: Zehn deutsche und dänische Designerinnen haben in Kopenhagen bewiesen, dass "grüne" Mode viele Farben hat
© Jan Rasmus Voss

Weit entfernt von "Öko"-Chic: Ein Entwurf der Berliner Designerin Esther Perbandt auf der Modenschau "Bright Green Fashion" im Kopenhagener Rathaus
Es ist einige Jahre her, da überraschten ein paar junge dänische Filmemacher die Welt mit ihren "Dogma"-Regeln: Gedreht werden durfte nur mit Handkamera, strengstens verboten waren künstliches Licht, nachträglich eingespielte Filmmusik und Spezialeffekte. Ihr Ziel: einen puren Stil, frei von künstlichen Elementen.
Ein vergleichbares Regelwerk haben sich nun zehn dänische und deutsche Modelabels auferlegt. Ziel der Initiative "Bright Green Fashion" ist Modedesign, das frei ist von Schadstoffen, Chemikalien und menschenverachtenden Produktionsbedingungen. Vor drei Monaten haben sich die jungen Designerinnen und Designer aus Berlin und Kopenhagen die Regeln aufgestellt, nach denen sie eine Modenschau konzipiert haben.
"Wir waren ziemlich hart", sagt die Berliner Designerin Magdalena Schaffrin, "und haben lange diskutiert, was geht und was nicht geht." Das Ergebnis: Es müssen ausschließlich natürliche Materialien verwendet werden. Kunstfasern wie Polyester sind nur in recycelter Form erlaubt, Färbungen nur ohne Chlorbleichung und Leder nur, wenn es nicht mit Chrom gegerbt wurde. Außerdem sollten 98 Prozent aller Stoffe aus lokaler Produktion stammen. Das klingt für den Außenstehenden nicht so kompliziert, den Designerinnen trieben die Vorgaben allerdings den Schweiß auf die Stirn. "Es fängt schon mit den Knöpfen an", sagt Schaffrin, "die dürfen zum Beispiel nicht aus Plastik sein."
Was für die anderen Beteiligten eine Ausnahmesituation darstellt, ist für Schaffrin nichts Neues. Sie arbeitet seit der Gründung ihres eigenen Labels vor zwei Jahren nach ökologischen Standards, die die "Dogma"-Regeln sogar noch übertreffen. Mit ihrer schlichten und zeitlos eleganten Kollektion hat sie es geschafft, sich den Respekt von Umweltexperten als auch dem Berliner Modemarkt zu verschaffen.
Nachhaltigkeit bedeutet für Schaffrin nicht nur, dass ihre Materialien 100-prozentig den ökologischen Richtlinien entsprechen und fair gehandelt sind. Statt wie die meisten anderen Designer jedes Jahr zwei Kollektionen auf den Markt zu bringen, baut die 30-Jährige ihre bestehende Kollektion immer weiter aus und achtet darauf, dass die Einzelteile miteinander kombiniert werden können.
Billig ist das nicht gerade, allerdings auch nicht teurer als bei vergleichbaren, nicht ökologisch produzierenden Designern: 370 Euro kostet ein nachtblaues Hängerkleid, 170 Euro ein weißes Hemd. Fragt man Schaffrin, ob ihr am Anfang ihrer Karriere nicht ein wenig bange gewesen sei, ob sich diese Art der Produktion auch rechne, schaut sie einen überrascht an. "Nein, eigentlich haben mir alle gesagt, dass es eine gute Idee ist."
"Junge Designer heute haben die große Chance, auf die neue Welle der Ökomode aufzuspringen", sagt Rolf Heimann, Ökologieexperte von Deutschlands größtem "grünen" Label Hess Natur. "Sie dürfen nur nicht den Fehler der ersten Generation machen und die Ökologie über die Mode stellen."
Diese Gefahr sieht man nicht auf dem Laufsteg im Kopenhagener Rathaus, wo die "Bright Green Fashion"-Show am Rande der Copenhagen Design Week stattfindet. Einigen Entwürfen der zehn jungen Designer haftet zwar noch etwas Sprunghaftes, Unentschlossenes an. Aber viele beweisen Witz und Innovation. Das dänische Duo Vilsbol de Arce etwa führt fantastische Hotpants aus "Öko"-Leder vor, mit gewagten Schlitzen am Oberschenkel sowie aufwendig geraffte Kleider mit raffiniertem Faltenwurf. Die Berliner Designerin Tarané Hoock sticht ebenfalls heraus mit ihren bezaubernden Kleidern, die aussehen wie durchsichtige Blütenkelche.
Und dann gibt es noch Barbara í Gongini. Die Designerin mit den langen roten Haaren ist so etwas wie die Vivienne Westwood Dänemarks. Sie entwirft expressive, unheimliche Stoffexplosionen, mixt wild Materialien wie Tüll, Baumwolle, Plastik und Leder mit artfremden Materialien wie Schuhspannern und Kabeln.
- Datum 04.09.2009 - 17:01 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Umweltschutz wird zusehends von einer Option zur simplen Notwendigkeit. Doch statt übergreifenden, grundlegenden Konzepten steckt man lieber enormen Aufwand in Ökodesignermode.
Nun ist es natürlich zu begrüßen, wenn sich auch Modedesigner um das Thema Umweltschutz kümmern. Doch frage ich mich schon, ob sie sich ihrer Entfremdung von der Realität bewusst sind.
Nehmen wir einmal an, dass die verwendeten Materialien wirklich umweltschonender sind, wenn man Transport, Herstellung, Verarbeitung, Entsorgung und die Effizienzverluste durch geringe Mengen mit bedenkt.
Dann stellt sich noch immer die Frage: Wie viele Prozent aller Konsumenten kaufen Designermode? Und wieviele Prozent von jenen kaufen dann Ökodesignermode?
Nehmen wir an 10% aller Menschen kauft Designermode (eine viel zu hohe Zahl weltweit betrachtet). Nehmen wir weiter an 50% davon kaufen Ökoklamotten (und wieder eine sehr optimistische Schätzung).
Nehmen wir als letztes an, das normale Kleidung etwa 100 Verschmutzungspunkte verursacht, Ökomode hingegen nur 50 (ebenfalls unwahrscheilich günstig).
Die folge wäre eine Verringerung der Umweltverschmutzung durch Mode um sage und schreibe 2,5%.
Besser als nichts könnte man sagen. Doch ist offensichtlich, dass selbst kleinste Verbesserungen bei den Herstellungsprozessen anderer Kleidung bereits mehr Effekt hätte.
Einen ähnlichen Effekt hätte der Verzicht auf Mode und die betonung von Kleidung. Mode beschleunigt schließlich den Lebenszyklus von Kleidung. Somit fallen durch den gesellschaftlichen Druck häufiger als von Material her nötig neue Kleidung zu kaufen hohe Material-, Herstellungs- und Transportkosten an. Der Modeberieb ist also bereits intrinsich Umweltschädlich (ähnlich wie die Computer- und Elektronikindustrie mit ihrer Gadget-Schwemme).
Man aber noch einwenden, dass solche Initiativen doch ein positives Signal senden. Jedoch ist es eher so, dass durch solche Designerinitiativen Umweltfreundlichkeit zum Premium wird, zur optionalen Zusatzleistung die sich teuer vermarkten lässt. Ökomode wird somit zum Privileg und verliert dadurch ihre Wirkung.
Aber Öko verkauft sich derzeit eben gut. Und es ist eben angenehmer Öko zu kaufen als die Lebensweise zu ändern.
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