Reproduktionsmedizin Chromosomen-Check vor der BefruchtungSeite 2/2

Entwickelt wurde die Technik von dem britischen Biotechnik-Unternehmen Bluegnome, die Methode nennt sich komparative genomische Hybridisierung und funktioniert auf der Basis von Genchips. Dabei wird unter dem Mikroskop zunächst das Polkörperchen aus der Eizelle gesaugt. Dann wird das in ihm enthaltene Erbgut (Genom) vermehrt, angefärbt und schließlich auf einen Genchip gegeben. Dieser enthält das gesamte Genom, unterteilt in große Abschnitte.

Je nach Umfang wird jedes Chromosom in 20 bis 80 Segmente unterteilt. Das macht die Analyse erheblich genauer. Die auf den Chip gegebene Erbinformation der Eizelle koppelt sich an die passenden Abschnitte des Genoms. An der Färbung lässt sich ablesen, ob das Genom intakt ist oder Störungen vorhanden sind. Dabei fungiert das Polkörperchen als "Spiegelbild" der Eizelle: hat es ein Chromosom zu viel, fehlt dieses dem Ei.

Der Eizell-Experte Markus Montag von der Universitätsfrauenklinik Bonn überprüft im Auftrag der Europäischen Gesellschaft für menschliche Reproduktion und Embryologie den Erfolg des neuen Verfahrens. Montag rechnet zwar nicht, wie sein britischer Kollege Fishel, mit einer Verdopplung der Schwangerschaftsraten, ist aber ebenfalls optimistisch. "Wir werden die Chancen erhöhen können", sagt er.

Auch Heribert Kentenich, Reproduktionsmediziner an den DRK-Kliniken in Berlin, setzt auf das Verfahren. Allerdings macht er Einschränkungen: "Die Methode muss geprüft werden, außerdem sollten sicherheitshalber beide Polkörperchen getestet werden." Das sei bislang nicht der Fall. Und schließlich kann der Test natürlich keine Aussage über das Genom der Samenzelle machen.

Noch kostet der Test mit dem Genchip mehr als 2000 Euro, Krankenkassen zahlen solche Untersuchungen nicht. Markus Montag hofft jedoch, dass der Preis deutlich fällt, wenn die Methode sich durchsetzt. Es könnte sein, dass Kinder wie Oliver irgendwann keine Seltenheit mehr sind.

 
Leser-Kommentare
  1. Wenn es stimmt, was Sie schreiben, lieber Herr Wewetzer, dann werden die Eizellen vor der Befruchtung untersucht. Also gibt es noch keine Embryonen.

  2. ...alles ein wenig spitzfindig.

    Der Trend geht eindeutig zu "Katalogkindern", der nächste Schritt ist dann "Anreicherung" der Eizelle mit Bausteinen aus dem "Genkatalog", den sicher eine findige Warenhauskette demnächst anbietet.

    Ob das für die Menschheit positiv ist, sei dahingestellt, jedenfalls werden weder Kirche noch Staat die Entwicklung verhindern (können).

  3. Redaktion

    Lieber Balanus,

    Die Unterzeile zum Artikel war etwas missverständlich. Das Verfahren verläuft so, wie sie es schreiben (Und Herr Wewetzer im Text). Es ist richtig, dass die Eizelle für eine Untersuchung herangezogen werden, ehe es zur Befruchtung kommt.

    Grüße,
    Sven Stockrahm

    Redakteur Wissen, ZEIT ONLINE

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