Jürgen Trittin (55) ist mit Renate Künast Spitzenkandidat der Grünen für die Bundestagswahl. Der Ex-Umweltminister ist Wortführer des linken Flügels seiner Partei.

Frage: Herr Trittin, sind die Grünen mittlerweile zu Mehrheitsbeschaffern geworden, für die Macht wichtiger ist als Inhalte?

Jürgen Trittin: Nein, wie kommen Sie darauf?

Frage: Im Bund würde Ihre Partei gerne mit der SPD koalieren, in Hamburg koalieren Sie mit der Union, die Saar-Grünen prüfen ergebnisoffen, ob sie Jamaika oder Rot-Rot-Grün machen.

Trittin: Wir streiten in allen Ländern und im Bund für das Gleiche, nämlich mehr Kitas, eine gemeinsame Schule, den Ausstieg aus der Atomenergie, die Verhinderung neuer Kohlekraftwerke. Das ist das Gegenteil von inhaltlicher Beliebigkeit.

Frage: Es gibt bei den Saar-Grünen Befürworter von Jamaika und von Rot-Rot-Grün. Sie sehen mehr inhaltliche Übereinstimmung mit SPD und Linken. Warum?

Trittin: Die Grünen im Saarland haben sich schon während des Wahlkampfes wegen der Übereinstimmung in der Schul- und Familienpolitik für einen Ministerpräsidenten Heiko Maas ausgesprochen. Auch die Abschaffung der Studiengebühren ist ein gemeinsames Projekt von Rot und Grün. In all diesen Fragen ist die Union anderer Auffassung. In der Familienpolitik vertritt auch die Linke andere Positionen als die Grünen.

Frage: Ist es nicht so, dass eine Koalition von Grünen, Union und FDP im Saarland den Bundes-Grünen den Wahlkampf verhageln würde, weil rot-grüne Wechselwähler Ihre Partei als dann unberechenbar ablehnen?

Trittin: Wir sind sehr berechenbar. Wir wollen im Bund Schwarz-Gelb verhindern. Wenn uns das gelingt, werden wir nicht den Steigbügelhalter von Schwarz-Gelb machen.

Frage: Müssen die Saar-Grünen nicht vor der Bundestagswahl klar sagen, dass sie keinen CDU-Ministerpräsidenten wählen, damit die Glaubwürdigkeit Ihrer Partei im Bund nicht leidet?