Tauschbörse Großbritannien plant Sperre für Filesharer

Wer Illegales herunterlädt, fliegt aus dem Netz: Dieser Plan wurde schon in einigen Ländern diskutiert, nun will London ihn umsetzen: "Three Strikes" heißt das Modell

Strike one – ein Schiedsrichter in der amerikanischen Major League zählt den ersten Fehler des Batters

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Laut einer am Donnerstag veröffentlichen Erklärung wird in der britischen Regierung erwogen, als Strafe gegen das illegale Tauschen und Herunterladen von Daten den Betroffenen den Zugang zum Internet zu sperren. Der Text, der vom 2009 neu geschaffenen Ministerium für Wirtschaft, Innovation und Kompetenzen verfasst wurde, will Ideen zum Kampf gegen Filesharing debattieren.

Die Autoren wünschen sich einen "kraftvollen Werkzeugkasten", um gegen Filesharer auch in Zukunft etwas ausrichten zu können. Die bisherigen Maßnahmen seien zu leicht zu umgehen und würden zu schnell von neuen Techniken überholt. Daher schlagen sie vor, die Sperrung von Accounts als letztes Mittel zu ermöglichen. Wenn dreimal verwarnt wurde, wird der Account gekappt. "Three-Strikes" heißt das Modell, drei Treffer. Der plakative Name kommt aus dem Baseball, wo der Schlagmann nach drei Fehlschlägen nicht weiterspielen darf.

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Die Täter ermitteln sollen die Rechteinhaber, also die Industrie. Die Serviceprovider setzen die Strafe durch. Von einem Gericht als unabhängige Instanz ist in dem Text nicht die Rede.

Wie ernst ein solcher Eingriff ist, scheint den Beamten bewusst zu sein. Immerhin steht in dem Papier, die Sperrung werde sicher nicht nur den Beschuldigten betreffen, sondern auch all jene, die in dessen Haushalt leben. Zudem werde auch nicht einfach nur das Internet unterbrochen, sondern der Zugang zu diversen Kommunikationsformen. Außerdem wird eingestanden, dass die Beobachtung "illegaler P2P-Aktivität über verschiedene Netzwerke und unterschiedlichen Inhalt hinweg sehr schwierig ist". Trotzdem halten die Autoren es für ein angemessenes Mittel im Kampf gegen Datendiebstahl.

Um Kollateralschäden zu begrenzen, solle "so gut wie möglich sichergestellt werden", dass Unschuldige ihren Internetzugang zurückbekommen können, sollten sie von den "technischen Maßnahmen" betroffen sein.

Rechtliche Probleme kommen nicht zur Sprache. Dabei sind sie es, die bislang verhindert haben, dass dieses sogenannte Modell irgendwo offiziell eingeführt wurde. In Frankreich beispielsweise wurde das entsprechende Gesetz gerade vom Obersten Gericht gestoppt, da es gegen mehrere Grundrechte verstieß.

Das heißt jedoch nicht, dass es nicht bereits angewendet wird. Nach einem Bericht des Guardian klemmt der britische Internetprovider Karoo schon länger den Zugang ab, wenn seine Kunden Urheberrechte verletzt haben. Karoo versorgt in der nordostenglischen Stadt Kingston upon Hull ungefähr 90.000 Nutzer und ist der einzige Anbieter dort.

Seit Jahren geschehe der Rausschmiss ohne Warnung, schreibt die Zeitung. Anschließend würden die Kunden in einem Brief über den Grund informiert und dürften gegen ein Schuldeingeständnis und Zahlung von 30 Pfund einen neuen Zugang beantragen. Für die Betroffenen eine riskante Methode, haben sie doch bei späteren Klagen von Rechteinhabern mit einem solchen schriftlichen Schuldgeständnis schlechte Aussichten.

Inzwischen gebe es heftige Proteste gegen diese Praxis, schreibt der Guardian, auch wenn der Fall Karoo bislang nicht allzu viel Bekanntheit erlangt habe. Geändert habe sich dadurch aber nur eines: die Betroffenen bekommen nun vorher eine Warnung zugeschickt, dreimal.

 
Leser-Kommentare
  1. Da trifft ein Herr Mandelson (Britischer Wirtschaftsminister und bis dahin gegen Websperren) auf einer Dinnerparty der Bankiersfamilie Rothschild mit David Geffen zusammen.

    Und schwuppdiwupp ändert er seine Meinung und will plötzlich ganz schnell und dringend Websperren einführen.

    Zufall ?
    Korruption ?

    • MeIkor
    • 27.08.2009 um 16:51 Uhr

    Wer 3 Punkte in Flensburg ansammelt, dem sollte auch zusammen mit allen Familienangehörigen der Zutritt zum Straßenverkehr verweigert werden.
    Verhältnismäßigkeit stört ja offensichtlich kaum jemanden.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... und zwar nicht von einem Gericht sondern von Volkswagen auf Anfrage von BMW.

    ... und zwar nicht von einem Gericht sondern von Volkswagen auf Anfrage von BMW.

  2. Das zeigt nur wie industriehörig die Politik ist.
    Wenn ich das schon lese:
    Der Beweis wird vom Urheberrechtsbesitzer (Sprich: Medienkonzern) erbracht und die Provider sperren dann den Zugang.
    Wo ist da das gute alte Dreiersystem aus Exekutive, Judikative und Legislative. Mit der gegenseitigen Kontrolle der Drei ist es damit aus.
    Man hat sich der Industriediktatur ergeben.
    Schöne neue Welt.

  3. Wieso eigentlich nicht gleich alle illegalen Downloadseiten sperren. Ginge doch in Deutschland jetzt super. Und wer nicht so recht weiß wie das geht, bucht sich eben einfach einen Flug nach China. Die haben da schon die eine oder andere Erfahrung mit gemacht.
    Am besten wäre aber wirklich das ganze Internet einfach wieder abzuschaffen. Keine illegalen Downloads mehr und die "klassischen" Medien lassen sich eh viel einfacher für die eigenen Zwecke einspannen.

  4. So wie Stealthnet, I2P, GnuNet und ko.

  5. Seit Jahrzehnten beansprucht die Musikindustrie Speicherplatz in unseren Gehirnen mit Musik-Müll, den man sich nie freiwillig anhören wollte.
    Dummes Gedudel, welches man in der Oeffentlichkeit anhören muss, ohne sich wehren zu können.
    Wertvolle verlorene Kapazitäten, welche die eigene Leistungsfähigkeit mindern.

    Es gibt bereits Organisationen in den USA, welche die ersten Klagen gegen Industrie und "Künstler" vorbereiten.

    Der Streitwert pro Gehirn/Song wird auf ca 10'000 Dollar angesetzt.

    Bin gespannt, wann dies auch hierzulande Schule machen wird.

  6. Technisch wird es immer Mittel und Wege geben, Material über das Netz zu tauschen. Lasst Euch mit solchem Schwachsinn nicht blenden, Leute.

  7. ... und zwar nicht von einem Gericht sondern von Volkswagen auf Anfrage von BMW.

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