Auslöser der Kämpfe in der nordafghanischen Provinz Kundus war die Entführung zweier Tanklastzüge. Nach Angaben der Bundeswehr hatten Aufständische gegen 1.50 Uhr Ortszeit in der Nähe von Kundus an einem vorgetäuschten Checkpoint zwei beladene Treibstofftransporter in ihre Gewalt gebracht. Dem Nachrichtensender BBC sagte einer der Fahrer, die Taliban hätten zwei seiner Kollegen geköpft.

Laut Bundeswehr wollten die Taliban den Treibstoff in den Unruhedistrikt Char Darah bringen und selbst nutzen. Sie schickte eine unbemannte Drohne los, die 67 Aufständische entdeckte. Gegen 2.30 Uhr Ortszeit habe das Militär diese erfolgreich bekämpft, hieß es am Freitag. Zur Opferzahl gibt es unterschiedliche Angaben, ob Zivilisten starben, ist strittig.

Das Einsatzführungskommando der Bundeswehr teilte zum Hergang mit, das deutsche Wiederaufbauteam (PRT) in Kundus hätte dafür Luftunterstützung angefordert. Offenbar explodierten die Tanker bei dem Angriff. Die Nato in Brüssel bestätigte, dass Luftangriffe geflogen wurden, Bodentruppen seien nicht beteiligt gewesen. Der Feuerbefehl kam von einem Bundeswehroffizier, wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin sagte.

Ein Taliban-Sprecher bestätigte, Aufständische hätten die Tanklastzüge gekapert. Dabei seien die Fahrzeuge in einem Fluss stecken geblieben. Die Taliban öffneten der Schilderung nach daraufhin Ventile, um den Treibstoff abzulassen und die Fahrzeuge wieder flottzumachen.

Daraufhin strömten aus dem nahegelegenen Dorf etwa 500 Bewohner herbei, um den Treibstoff aufzufangen. Man habe sie vor einem eventuell bevorstehenden Luftangriff gewarnt. Die Menschen seien jedoch an den Fahrzeugen geblieben.

Die Bundeswehr geht von mehr als 50 getöteten Aufständischen aus. Am Morgen hatte die Bundeswehr mitgeteilt, dass keine Zivilisten und deutschen Soldaten verletzt worden seien. In einem Punkt äußerte sich der Sprecher des Einsatzführungskommandos in Berlin nun vorsichtiger: "Vermutlich hat es keine Unbeteiligten gegeben", sagte er. Um diese Frage zu klären, hätten die Schutztruppe Isaf und afghanische Stellen eine Untersuchungskommission eingerichtet.

Mit Blick auf Berichte über zivile Opfer und Kritik an der Verhältnismäßigkeit des militärischen Vorgehens nahm der Ministeriumssprecher den deutschen Kommandeur in Schutz. Es handele sich um einen ausgesprochen besonnenen Offizier.

Berichten zufolge ist die Darstellung der Bundeswehr, bei dem Angriff seien keine Zivilisten ums Leben gekommen, nicht aufrechtzuerhalten. Die Nato dränge die Bundeswehr, von ihrer bisherigen Informationspolitik Abstand zu nehmen, berichten Kölnische Rundschau und Stuttgarter Nachrichten unter Berufung auf laut Nato-Kreise. Es widerspreche allen Erfahrungen, dass sich 50 Aufständische um zwei liegengebliebene Tanklaster versammelten, heißt es unter Berufung auf andere Quellen.

Bereits am Morgen hatte der Gouverneur der Provinz, Mohammed Omar, von zivilen Opfern gesprochen. Er nannte 90 Tote als Opferzahl, darunter seien lediglich 45 Taliban. Auch deren Kommandeur sei getötet worden. Auch laut Omar hätten die Taliban die Tanklaster entführt. Die Explosion habe sich in dem Moment ereignet, als die Aufständischen gerade dabei waren, Benzin an die Bevölkerung zu verteilen.