Atommülllager Regierung will Asse schließen

Plutonium in einem Salzbergwerk, in das Wasser eindringt – Kanzlerin Merkel und Umweltminister Gabriel drängen nun auf eine Lösung für das marode Atommülllager Asse

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat die Kriterien für ein Konzept zur Schließung des maroden Atommülllagers Asse vorgelegt. Die drei diskutierten Optionen – Verfüllen der Stollen, das Zurückholen der Atommüllfässer oder die Umlagerung innerhalb des ehemaligen Salzbergwerks – sollen anhand von 80 Kriterien beurteilt werden, sagte Gabriel im niedersächsischen Remlingen.

Bei der Entscheidung wird etwa die Langzeitsicherheit und die Sicherheit des laufenden Betriebs ebenso eine Rolle spielen wie das technisch Machbare. Gabriel geht von einer Entscheidung über die Sanierung noch in diesem Jahr aus. "Ich bin sicher, dass wir bis Ende des Jahres diese Entscheidung treffen können", sagte er im ARD-Morgenmagazin.

Anzeige

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) pflichtete ihm bei: "Wir haben den Stier jetzt bei den Hörnern gepackt." Die Asse werde "ordentlich saniert" und es werde "ein Weg gefunden wird, bei dem sich keiner Sorgen machen muss".

Die Kanzlerin lobte indirekt auch das Vorgehen Gabriels. Die Bundesregierung habe gesagt, die Asse müsse die Aufgabe des Bundesamts für Strahlenschutz werden und es müsse eine genaue Analyse geben. "Mit dieser schonungslosen Analyse wird dann auch das Thema bewältigt werden können." Der Stollen war auf Gabriels Betreiben von der Bergbehörde in die Hoheit des Bundesamtes übergegangen.

Gabriel hatte sich am Vormittag im niedersächsischen Remlingen gemeinsam mit dem Präsidenten des Bundesamtes für Strahlenschutz, Wolfram König, zu möglichen Konzepten zur Sanierung des Lagers geäußert. Offen ist, ob der radioaktive Müll aus dem Bergwerk herausgeholt werden muss oder nur umgelagert werden kann. Dritter Vorschlag sei die Auffüllung mit Beton.

Der Umweltminister sagte, es gebe für die Bevölkerung "keine akute Gefährdungen durch Radioaktivität. Aber es gibt Langzeitgefährdungen." Auch diese müssten ausgeschlossen werden. "Es kann nicht sein, dass hier sozusagen 'Deckel drauf und Augen zu' gemacht wird."

Offenbar wurde jahrelang nach diesem Motto verfahren: In den Stollen bei Asse nahe Wolfenbüttel waren von 1967 bis 1978 schwach und mittel radioaktive Abfälle eingelagert worden. Seit Jahren dringt Wasser in das ehemalige Salzbergwerk ein – doch die damalige schwarz-gelbe Bundesregierung ignorierte diese Missstände. Am Wochenende war schließlich bekannt geworden, dass in der Schachtanlage dreimal so viel Plutonium liegt wie bisher angenommen.

Beide Politiker sprachen in ihren Interviews auch weitere Aspekte der Atomkraft in Deutschland an. So betonte Gabriel in puncto Gorleben, er rechne nicht mehr damit, dass es in dem niedersächsischen Ort ein Endlager für Atommüll geben werde: "Ich glaube, dass Gorleben aus dem Spiel ist." Nun müsse es in Deutschland endlich einen Vergleich anderer möglicher Standorte nach internationalen Kriterien geben.

Kanzlerin und CDU-Chefin Merkel hingegen warnte vor einem zu schnellen Atomausstieg. "Wir haben sehr, sehr gute Vorstellungen von den Sicherheitsanforderungen." So würden auch in Finnland und Frankreich neue Atomkraftwerke gebaut, Italien und Großbritannien stiegen ebenfalls wieder in die Technologie ein. Allerdings fügte Merkel hinzu: Wenn es andere Möglichkeiten als die Atomenergie gebe, etwa mit erneuerbaren Energien oder mehr Energiesparen, "würde ich das immer vorziehen, weil die Folgen natürlich geringerer Natur sind".

 
Leser-Kommentare
  1. von schwerem Realitätsverlust

    Karl Müller

  2. Können die Kosten für die Sanierung von Asse auf die Verursacher umgelegt werden?
    Können diejenigen, die Druck ausgeübt haben, damit Gutachten geschönt werden, strafrechtlich belangt werden, da sie zum Schaden des Volkes gehandelt haben?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Leider ist die Helmholtz Gesellschaft eine öffentlich finanzierte Gesellschaft. Alle Busgelder zahlt dann. . . na wer? Genau.

    Die strafrechtliche Relevanz wurde leider mittels der Einstufung nach Bergbaurecht locker umgangen. Einzig das Verschweigen von verfahrensrelevanten Fakten ist wohl strafrechtlich belangbar. Aber das endet nur in Busgeldern...siehe oben.

    Das einzige was der Bürger tun kann, ist die politische Verantwortung einzuholen. Dafür muss der mündige Bürger zur Wahl gehen und Schwarz-Gelb zur Verantwortung ziehen. Denn die haben die Sache erst möglich gemacht. Auch rot-grün aus den Folgejahren konnte da leider noch wenig dran drehen und das momentane Managment unter Gabriel macht für mich einen guten Eindruck..

    • keox
    • 03.09.2009 um 14:04 Uhr

    Ab einer bestimmten Größenordnung gilt kein Verursacherprinzip mehr, da gerinnt alles zu einer Frage der Macht.

    Siehe 'Bankenrettung', siehe die Kostenverteilung bei den militärischen Abenteuern der HerrenDamen.

    Gabriel: "und es werde "ein Weg gefunden wird, bei dem sich keiner Sorgen machen muss".

    eben.

    und besonders keine/r von den verantwortlichen/verursachern.

    Leider ist die Helmholtz Gesellschaft eine öffentlich finanzierte Gesellschaft. Alle Busgelder zahlt dann. . . na wer? Genau.

    Die strafrechtliche Relevanz wurde leider mittels der Einstufung nach Bergbaurecht locker umgangen. Einzig das Verschweigen von verfahrensrelevanten Fakten ist wohl strafrechtlich belangbar. Aber das endet nur in Busgeldern...siehe oben.

    Das einzige was der Bürger tun kann, ist die politische Verantwortung einzuholen. Dafür muss der mündige Bürger zur Wahl gehen und Schwarz-Gelb zur Verantwortung ziehen. Denn die haben die Sache erst möglich gemacht. Auch rot-grün aus den Folgejahren konnte da leider noch wenig dran drehen und das momentane Managment unter Gabriel macht für mich einen guten Eindruck..

    • keox
    • 03.09.2009 um 14:04 Uhr

    Ab einer bestimmten Größenordnung gilt kein Verursacherprinzip mehr, da gerinnt alles zu einer Frage der Macht.

    Siehe 'Bankenrettung', siehe die Kostenverteilung bei den militärischen Abenteuern der HerrenDamen.

    Gabriel: "und es werde "ein Weg gefunden wird, bei dem sich keiner Sorgen machen muss".

    eben.

    und besonders keine/r von den verantwortlichen/verursachern.

    • joG
    • 03.09.2009 um 11:06 Uhr

    ...aufgeführt wurde bzw als der kontrollierenden Behörde bekannt war und da hat die Frau den Nerv zu sagen:

    Kanzlerin und CDU-Chefin Merkel hingegen warnte vor einem zu schnellen Atomausstieg. "Wir haben sehr, sehr gute Vorstellungen von den Sicherheitsanforderungen."

    Das ist schon dick!

    • Chali
    • 03.09.2009 um 11:08 Uhr

    Die Regierung? Die Gute!

    - - - - - - - - -


    "Aristoteles war kein Belgier. Die Hauptbotschaft des Buddhismus lautet nicht: 'Jeder kämpft für sich selbst'. Und die Londoner Untergrundbahn ist keine politische Bewegung."
    A Fish called Wanda

  3. 5. Ach?

    Hat die so billige Variante der Atomkraft etwa Folgekosten?
    Eine sehr überraschende Sache!

    • Chali
    • 03.09.2009 um 11:15 Uhr

    Aber natürlich keine, die die Atomindustrie - und sei es auch nur anteilig - zu tragen hätte.

    - - - - - - - - -


    "Aristoteles war kein Belgier. Die Hauptbotschaft des Buddhismus lautet nicht: 'Jeder kämpft für sich selbst'. Und die Londoner Untergrundbahn ist keine politische Bewegung."
    A Fish called Wanda

  4. Denn die "damaligen" Verursacher sind durch geschickte Firmen-Umgruppierungen natürlich keinesfalls mehr haftbar zu machen, außerdem war das ganze sowieso ein "Forschungsprojekt", und überhaupt haben die Energiekonzerne anscheinend so viel Geld in schwarzen Kassen zur Verfügung, daß sie auf ewige Zeiten die Politiker fast aller Parteien in ihre Richtung "lenken" können.

  5. Und da musste es dann hopplahopp gehen. Und wie immer, wenn das Militärische im Vordergrund steht, aber unsichtbar bleiben soll, wurde gelogen und betrogen, was das Zeug hielt.
    Zum Beispiel musste die Stromindustrie zum Jagen getragen werden. Die fanden das Risiko zu hoch und die Folgekosten erschienen ihnen - zu Recht - unabsehbar. Da konnte unsere gute christliche Pachtei aber schön helfen: Die Risiken und Folgekosten trägt - ungefragt - der Bürger, so machen die Stromer Profit und F.J.S. hatte seine Tür zur Bombenoption offen.
    Das ist 40 Jahre her und den Schaden haben immer noch wir. Und bei der Qualität des Abfalls könnte es 40000 Jahre her und den Schaden hätte: Raten Sie mal...

    _________________________________________________
    Lassen wir Taten folgen:
    Werden Sie Mitglied, wählen Sie die Piratenpartei.
    Für Freiheit und Demokratie.
    Denn etwas besseres als den Tod finden wir überall.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service