Leserdebatte Wie stellen Sie sich Generationsgerechtigkeit vor?
Die ältere Generation fühlt sich vernachlässigt, die jüngere überfordert. Wie könnte ein zufriedenstellendes Zusammenleben aussehen? Diskutieren Sie mit!
Einen Ausgleich zwischen den Generationen herzustellen bedarf einer Reform unseres sozialen Sicherungssystems. Experten zweifeln an einem wissenschaftlich haltbaren Konzept für die monetäre Generationsgerechtigkeit. Gibt es ein geeignetes Modell - und wenn ja, wie könnte dies aussehen? Und brauchen wir im Alltag neue Modelle für das Zusammenleben zwischen Alt und Jung?
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- Datum 05.09.2009 - 14:38 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 6
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...ist der demographische Wandel und die damit einhergehende Problematik bekannt. Nötige, aber möglicherweise unpopuläre Reformen wurden von den Politikern durchweg vermieden (weil man damit die nächste Wahl verloren hätte, und die eigene Karriere weitaus wichtiger war und ist als das Wohl des Volkes). Von den Bankern fordert man endlich Verantwortung für ihre Fehler zu übernehmen, wieso gilt das nicht auch für Politiker? Aber zurück zum Thema.
Es ist absehbar das eine komplette Generation rententechnisch (trotz arbeitslebenslanger Einzahlung) "leerausgeht". Rein rechtlich sind die Rentenansprüche der "Wirtschaftswunder-Generation" unantastbar, dennoch ist es die einzige Generation die durch sonstigen Vermögensaufbau zumindest teilweise in der Lage wäre (selbstverständlich auf freiwilliger Basis) auf Ihre gesetzliche Rente zu verzichten, wenn diese eh nur einen kleinen Teil ihres Alterseinkommens ausmacht.
Das sich stetig verschlimmernde Missverhältniss aus Transfer-/Sozialleistungsempfändern zu -zahlern wird das System überlasten. Der "eiserne" englische Weg Ende der 80ger könnte helfen.
Drachentöter
Generationengerechtigkeit ist das, was alle wollen. Bei dem schönen Wort Gerechtigkeit meint der Benutzer oft, er selbst sei derjenige, dem etwas ihm Zustehendes vorenthalten wird. Auch Altersrollenträger reden gern selbstgerecht; siehe Stereotype wie "verwöhnte Kids", "Generation Praktikum", "Karrieremütter", "Mallorca-Rentner". Mich stört an den Diskussionen rund um den demografischen Wandel erstens die Einseitigkeit, mit der auf dem Aspekt "kostenträchtigen Alte / überlastete Erwerbstätige" herumgeritten wird, und zweitens die Verengung des Themas auf Transfer, d. h. Verteilungsgerechtigkeit. Was nützt aber z. B. einem medienverwahrlosten Kind sein höheres Kindergeld, das die verantwortlichen Erziehungsträger aber nicht zu seiner Entwicklungsförderung einsetzen? Was nützt einem vereinsamten, hilfebedürftigen alten Menschen eine höhere Rente, die ihm die Sozialpflegedienst-Lobby (oder kriminelle Betrüger) wieder aus der Tasche ziehen? Dem Kind wie dem Alten, und darüber hinaus den jungen Familien wäre besser mit einem funktionierenden Sozialnetzwerk gedient. Nachbarschaften, Vereine, kirchliche u. a. Organisationen müssen gestärkt werden - auch mit Geldmitteln! - um hier Hilfen zu leisten und auf Gefährdete zu achten. Menschen, egal welchen Alters brauchen nicht bloß Geld, sondern wollen weg vom Rand und rein in die Mitte der Gesellschaft. Das ist meiner Meinung nach der beste Lösungssansatz für das viel zitierte Problem DEMOGRAFISCHER WANDEL.
Warum sollte ein junger Mensch, der heute ins Berufsleben eintritt, sich Gedanken um sein Auskommen im Alter machen? Schließlich wird er/sie höchstwahrscheinlich kein hohes Alter mehr erreichen.
Schuld daran sind vor allem die Menschen, welche zwischen 1930 und 1985 geboren wurden (ich selbst falle leider auch in diese Gruppe). Sie waren und sind es, welche die natürlichen Ressourcen unseres Planeten so stark ausgebeutet haben, dass für die nachfolgenden Generationen kaum noch Hoffnung auf ein langes Leben in relativem Wohlstand besteht. Bisher konnte noch jede neue Generation darauf bauen, dass die vorhergehenden Generationen ihnen eine bessere Welt hinterlassen würden. Wir haben diesen Pakt zwischen den Generationen gebrochen. Unsere Kinder werden höchstwahrscheinlich eine wesentlich schlechtere, ärmere und verschmutztere Welt erben, weil wir weit über unsere Verhältnisse gelebt haben.
Ich persönlich (Jahrgang 1978) sorge nicht mehr für mein Alter vor. Ich habe mich darauf eingestellt so lange zu arbeiten (selbstständig, damit ich nicht in die Rentenkasse einzahlen muss) bis ich es nicht mehr kann, und dann mein Leben zu beenden. Ich werde keine Kinder haben obwohl ich gerne welche hätte, weil ich keine Zukunft für sie sehe.
Mein 12 Jahre jüngerer Bruder sieht seine Zukunft noch viel düsterer.
Ältere Menschen reden gern von der faulen Jugend. Ich kann das nur bestätigen. Die heutige Jugend ist faul, weil es für sie keine bessere Zukunft mehr geben kann.
Film: Age of Stupid
"Wie könnte ein zufriedenstellendes Zusammenleben aussehen?" Dazu müsste man zunächst einmal ermitteln, was Menschen unter Zufriedenheit verstehen. Eine Antwort geben Sie hier schon selbst: "Die ältere Generation fühlt sich vernachlässigt, die jüngere überfordert." Mit anderen Worten möchte sich die ältere Generation nicht vernachlässigt und die jüngere nicht überfordert fühlen. Oder, um es zu übersetzen: Die ältere Generation möchte eine auskömmliche Rente, die jüngere ein nicht zu stark mit Abgaben belastetes Einkommen.
Wer legt nun Rentenhöhe und Abgabenquote fest? Das Parlament, der Bundestag vornehmlich. Er bestimmt als "verlängerter Arm" der Bürger, mit wieviel Rente ein Älterer und mit wieviel Abgaben ein Jüngerer als zufrieden gelten soll. Resultat heute?
"Die ältere Generation fühlt sich vernachlässigt, die jüngere überfordert."
Und ich sehe an diesem Fakt auch künftig so recht keine Möglichkeit der Besserung: Der ältere Mitbürger hat sein Leben lang gearbeitet und möchte im Alter Anerkennung für sein Lebenswerk. Der jüngere Mitbürger möchte zunächst einfach erst mal leben, eine Familie gründen, sich seine materiellen Bedürfnisse erfüllen.
Wie also wird Zufriedenheit hergestellt, wenn die Einsicht in Notwendigkeiten von beiden Seiten nicht so recht und falls doch, dann zu Lasten der Gegenseite gesehen wird.
Kurz und knapp: Zufriedenheit wird -wie heute schon- über politische Entscheidung machtpolitisch herbeigeführt. Nun mag man anmerken, dass es da wohl Wahlalternativen gibt und Parteien, die es da gar zu wüst zu Lasten einer Bevölkerungsgruppe treiben, abgewählt werden können. Das ist zwar prinzipiell richtig, allein wird die Zahl der Rentner oder rentennahen Jahrgänge absehbar bald die Mehrheit der Wahlbevölkerung stellen. Wird sich diese Gruppe ihrer politischen Macht bewusst und findet sich in Masse in einer Partei wieder, scheint mir klar zu sein, wer per Mehrheitsbeschluss und wie definiert, mit wieviel ältere und jüngere Generation zufrieden "sind" bzw. eher zu sein haben.
Und um eine gewisse Stoßrichtung in kommenden Kommentaren ein wenig Hoffnung zu nehmen a la "Dann wandere ich eben aus", den möchte ich auf unbewegliches Vermögen aufmerksam machen, das leider nicht mit auswandern kann und auf das bei sich erschöpfenden Einnahmequellen aus laufendem Einkommen steuerpfiffige Alte dann gewiss ihr neue Einnnahmemöglichkeiten suchendes Auge legen werden.
Nicht daß ich vom Fach wäre, aber manche psychologischen Tricks sind auch uns gewöhnlich sterblichen bekannt.
So z.B.folgendes: Wenn Du Angst hast vor verschiedenen Feinden, dann versuche diese Feinde gegeneinander auszuspielen oder aufeinander zu hetzen.
Nichts anderes machen die wirklich Mmächtigen auf dieser Welt und auch in Deutschland.
Fakt ist, daß 5 % der Bevölkerung über mehr als 50% des Vermögens verfügt (und natürlich auch über entsprechende Einkommen). Also versucht man die Alten gegen die Jungen, oder die Inländer gegen die Ausländer, die Arbeitsplatzbesitzer gegen die Arbeitslosen .... usw. auszuspielen. Die Medien und die Politik helfen gerne mit und nutzen die Situation auch noch zum eigenen Vorteil.
Solange nur niemand auf die Idee kommt, den wirklichen Grund für Unrecht anzuprangern oder anzugreifen.
Zufriedenheit hat mit der Einstellung zum eigenen Leben und seinen Chancen und Risiken zu tun, ist also höchst individuell und kann deshalb nicht "von oben" verordnet werden. Der Staat kann nur Generationengerechtigkeit auf seinen "Tätigkeitsfeldern" leisten, also bei der Rentengewährung, dem Gesundheitswesen, den Steuern und Abgaben, die er von seinen BürgerInnen verlangt. Das Rentensystem hat zwei tragende Säulen, die Beitragszahlung und die Aufrechterhaltung der Bevölkerungspyramide. Beides haben die jetzigen RentnerInnen geleistet, Beiträge bezahlt und Familien gegründet. Ein erheblicher Teil der nachwachsenden Generation vernachlässigt den Bevölkerungsaufbau durch Kinderlosigkeit. Deshalb müssen die Folgen für ihre soziale Absicherung auch diejenigen tragen, die sie herbeigeführt haben, also die "Jungen" und nicht die "Alten", das ist gerecht. Wer sich die Mühe und die Ausgaben für eigene Kinder spart, muss zum Ausgleich eben entweder das Doppelte oder Dreifache an Beiträgen zahlen oder eine deutlich niedrigere Rente im Alter akzeptieren. Die jetzige Seniorengeneration zum "Verzicht" auf erworbene Ansprüche aufzufordern, ist sachlich ungerechtfertigt. Gerecht ist das "Verursacherprinzip", deshalb sollten in Zukunft kinderlos gebliebene Personen beim Renteneintritt nicht die gleichen Zahlungsansprüche erhalten wie Familienväter und -mütter, es sei denn, sie hätten durch hohe Zusatzbeiträge ihren fehlenden Beitrag zum Bevölkerungsaufbau ausgeglichen!
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