Trägt man das jetzt so? Schön auf dem Boden bleiben!
Warum tun Großstädter plötzlich, als wären sie auf hoher See? Unsere Modekolumnistin über den neuen Hang zu Segelschuhen.
© privat

Mit Segelschuhen, hochgekrempelten Hosen und einem zufriedenem Hund zu seinen Füßen fühlt sich der Großstädter wie in den Hamptons
"Als ich letztens auf einer Grillparty auf einer Dachterrasse mitten in Berlin stand, trugen Männer wie Frauen Segelschuhe", empört sich mein Freund Nils. Er hat den Sommer damit verbracht, seinen Segelschein zu machen und ist seitdem der festen Überzeugung, dass nur Menschen verwitterte Bootsschuhe tragen dürfen, die auch eine Nussschale navigieren können.
"Lass ihnen doch den Spaß", beruhige ich ihm. "Das sind die Großstadt-Gatsbys mit großer Hamptons-Sehnsucht im Herzen und Slippern an den Füßen. Freu dich lieber darüber, dass sie wenigstens auf den aufgestellten Poloshirt-Kragen verzichten. Der ist diesen Sommer passé."
Ganz so offensichtlich mit rosa-weiß-gestreiftem Hemd oder Pullunder über dem Polo wird der Preppie-Style (angelehnt an den College-Look der privaten amerikanischen "Prep"-Schools, deren Absolventen gerne Elite-Universitäten besuchen) glücklicherweise nicht mehr getragen. Stattdessen kombiniert man zu leichten Baumwollhosen in Knallfarben ein schlichtes, gerne auch ausgewaschenes T-Shirt oder ein Karohemd. Plus hochgekrempelte Hosenbeine für noch mehr Sommerfeeling. Lässig soll der Look rüberkommen, bloß nicht zu geleckt. Neue Segelschuhe sind deshalb auch nur halb so begehrt wie eingetragene.
Tatsächlich sind sie unter den Männer-Halbschuhen derzeit die beste Wahl. Seit Michael Jacksons Ableben verkaufen sich schwarze Lack-Loafer zwar wieder, aber die heben wir uns für den Herbst auf. Mokassins an Männerbeinen? Bitte nicht. Slip-on-Vans sind Turnschuhe, die zu schnell ausgetreten sind, bekommen keine Patina und sehen nach einem Festivalbesuch nur noch gammelig aus. Zudem: warum will ein erwachsener Mann mit einem Skateboard in Verbindung gebracht werden? Dann doch lieber mit einem Boot.
Paul Weller, die "Kate Moss der Männermode", trägt diesen Sommer auch wieder seine "Boat Slipper". Natürlich in Dandy-Weiß mit braunen Schnüren. Sein Argument: "Der Schuh ist ein Klassiker, den kann man jedes Jahr wieder rausholen. Außerdem sind Halt und rutschfeste Gummilaufsohle unübertroffen."
Trotzdem stellt der Schuh einige Männern plötzlich vor ungeahnte Herausforderungen. Ein Freund von mir, der ein braunes Paar Segelschuhe mit weißer Sohle besitzt, rasierte sich wegen des kurzen Spanns der Schuhe tatsächlich den Fuß, damit kein Haar auf dem Fußrücken zu sehen ist. Das könnte zwar ein Ausnahmefall sein, zeigt aber, wie heikel der Schuh zu tragen ist. Socken sind indiskutabel, sie würden ihm jeden Charme nehmen, zumal es auch nicht nötig ist. In den Lederschuhen schwitzt man einfach nicht so schnell wie in Freizeitschuhen aus Baumwolle.
- Datum 19.11.2009 - 13:41 Uhr
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- Serie Trägt man das jetzt so?
- Quelle ZEIT ONLINE
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ist schon richtig. Denn wer segelt eigentlich? Ein Hauptschüler dessen Vater auf dem Bau arbeitet wird nicht auf die Idee kommen, Segeln zu gehen. Der geht eher fischen, aber das ist was anderes.
Auch diese hohen Stiefel bei Frauen im Winter: das gleiche. Wer reitet? Adel.
Nun ist die Zeit da, dass Elite sich zeigt, man ist ja Leistungsträger und so und das ist was, worauf man jetzt ruhig stolz sein sollte.
Es bedeutet natürlich eine radikale Distanzierung vom Rest der Welt. Ich wage mal zu behaupten, wer diese Trends mitmacht, hat sich unbewusst schon von allen möglichen Weltproblemen wie Armut so weit distanziert, dass er nicht nur nichts mit den anderen zu tun haben möchte, er nimmt sie gar nicht mehr wahr. Nach der Arbeit, die er natürlich vorbildhaft ausführt, steckt der Kopf einer solchen Person irgendwo auf einem Boot, einem Golfplatz oder dem Reiterhof.
Überlege schon seit Wochen, ob ich mir Bootsschuhe kaufen soll. Geht das in der Großstadt, ist das nicht affig? Jetzt les ich den famosen Artikel hier - werte das als weises Zeichen. Sind ja auch super für den Übergang, laughing in the face of Spätsommergewitter und so. Glaub, ich wag's einfach mal. Hab zwar weder Führer- noch Segelschein. Dafür aber keine haarigen Füße.
Auch auf die Gefahr, mich hier als Dilettantin zu outen...
Ich wusste bislang nicht, dass diese Schuhe ... Segelschuhe sind. Wirklich.
Ich habe sie nie gekauft. Jedoch nicht weil ich keinen Segelschein habe und damit keine Anrecht sie zu tragen,
sondern ... weil ich sie immer grässlich und bieder fand. :-)
Aber jetzt, HAHA, jetzt wo ich weiß,
dass es sich um Segelschuhe handelt
und dass dieses fürchterliche Design höchstwahrscheinlich darauf zurückzuführen ist,
dass diese Schuhe auch hohe Funktionsansprüche erfüllen müssen…
… siehe ich sie in einem völlig anderen Licht!
Zum Kauf wird es wohl aber doch nicht reichen, trotz glatter Haut
Grüße
Messala
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"Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist" (H. Ford)
Da war ich nämlich bei Famila in Timmendorf an der Küste und war erstaunt darüber, dass mindestens die Hälfte der dort anwesenden Kunden die Segelschuhe anhatten.
Naja, wieder Mal nen Trend verschlaffen :)
...warum ? - fragt die Autorin.....weil es kapitalistischer Schnick-Schnack ist sage ich...die merken gar net das sie somit uniformiert rumlaufen, so wie seiner Zeit die Chinesen in der Kulturrevolution....sind eben manipulierbar - aber heutzutage durch die Gier, die Gier nach Geld !
Segleschuhe waren hier in Frankreich schon lange in Mode. Vielleicht weil es mehr Segler gibt, und übrigens nicht nur Adelige und Leistungsträger. Trotzdem, die Schuhe sind Salzwasserfest und haben eine rutschfeste weiche Sohle, die mit dem Obermaterial vernäht wird (Kleber löst sich im Salzwasser auf). Wenn man sie auf Asphalt trägt ist der Schuh meist nicht mehr zum Segeln zu gebrauchen, auch wenn er schnell die gewünschte Patina bekommt. Der Rest ist wie bei den meisten Sportartikeln geschmacksfrage (siehe Rucksack, Reitstiefel un Baseballkappe ...). Übrigens werden bei den Seglern mitlerweile Schuhe aus Kunsstoff bevorzugt, die besseren Halt bei Manövern geben und schnelle trocknen.
Segelschuhe gehoeren eigentlich schon seit Jahrzehnten zu den akzeptableren Optionen der maennlichen (und weiblichen) Sommerfussbekleidung. Gewiss sollte ihre Nutzung eher auf die Freizeit (wie besagtes Grillfest) beschraenkt bleiben, aber in den meisten Faellen ist ein Segelschuh klar und deutlich solchem zweifelhaften Schuhwerk wie Flipflops und den ewigen Turnschuhen vorzuziehen.
Auf dem Bild sind die Schuhe geschnürt. Eigentlich halten die Bänder, die aus feinen Lederstreifen bestehen dem Schüren nicht lange stand. Deshalb werden die Enden mit einem Zierknoten versehen, und lose zugezogen. Halt bieten sie daher nur wenig, schützen aber den Fuss vor der Ankerkette und Beschlägen aus Metall die überall auf Bootsdecks zu finden sind. Es sind eher Barfuss-slipper oder so ähnlich.
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