Internet
Das Netz als literarische Revolution
Durch das Internet schreiben wir mehr als zuvor. Wirkt sich das auf unseren Stil und die Textqualität aus? Wissenschaftler sind sich uneins
Schüler und Studenten schreiben heute mehr als jemals zuvor. Das haben Studien der Stanford University gezeigt. Der Grund dafür: Junge Menschen organisierten ihr Sozialleben vermehrt über das Netz. Ob soziale Netzwerke, Instant Messenger, Blogs oder E-Mail – alle wichtigen Kommunikationsmedien der Generation Internet funktionieren durch Text.
Mitterweile finde fast 40 Prozent aller Textproduktion außerhalb der Bildungseinrichtungen statt, fand Andrea Lunsford heraus. Sie leitet die Stanford Study of Writing, in der zwischen 2001 und 2006 alle Schriftstücke von 14.672 Studenten und Studentinnen gesammelt und analysiert wurden. Zwar schrieben Schüler und Studenten weiterhin zumeist für ihre Lehrer – dennoch sei der Befund spektakulär.
"Ich denke, dass wir zurzeit eine literarische Revolution erleben, wie sie die Menschheit seit der griechischen Zivilisation nicht gekannt hat", sagt Lunsford. Schließlich hätten noch vor wenigen Jahren die meisten Jugendlichen fast ausschließlich nur geschrieben, um Schulpflichten zu erfüllen. Auch in den meisten Berufen habe man selten einen Text verfassen müssen. Dank Internet sei privates Schreiben aber wieder zu einer alltäglichen Praxis geworden.
In den außerschulischen Texten ginge es häufig um die Organisation von außerschulischen Aktivitäten, sagt der Assistenz-Professor für Englisch an der George Mason University, Paul M. Rogers, der an der Studie mitwirkt. Die Texte seien in der Regel für ein größeres Publikum gedacht und sollten in erster Linie die Leser von etwas überzeugen. Dadurch würden die Schüler und Studenten lernen, Ton und Stil ihrer Texte unterschiedlichen Zielgruppen anzupassen, sagt Rogers. Viele junge Menschen "sind heute viel sensibler, was die Wirkung ihres Schreibens auf andere Menschen angeht".
Dennoch haben diese Veränderungen der Schreibgewohnheiten nicht zu einer Generation von Rhethorikgenies geführt. Der Professor für Englisch an der Emory University, Mark Bauerlein, hat die Testergebnisse von Englisch-Studenten in den letzten Jahrzehnten verglichen: Das Niveau habe sich nicht verbessert. Es sei doch merkwürdig, sagt er, "dass junge Menschen heute mehr lesen und schreiben als jemals zuvor in der Geschichte der Menschheit, wir aber nicht feststellen, dass sie in den Tests besser abschneiden."
Vielmehr seien die Texte heutzutage "stilistisch verarmt", meint Bauerlein. Das läge an dem sozialen Zweck der heutigen Textproduktion: "Wer immer nur für seinen Freundeskreis schreibt, bleibt auch auf dem Niveau seines Freundeskreis."
Eine andere Ursache des sprachlichen Stillstands könnte aber auch sein, dass infolge der vermehrten Internetnutzung Schüler und Studenten sich einen Lebensstil des Multi-Tasking angewöhnt haben. Zugleich chatten, E-Mail beantworten und nebenbei noch mindestens eine Hausarbeit schreiben – das sei normal und auch kein Problem, denken viele junge Schreiber.
- Datum 6.9.2009 - 15:19 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Nette Idee. Wie packe ich eine Nachricht in kleinste Päckchen (Twitter, SMS). Was sind die gängigsten Abkürzungen.
Was sollte ich beachten, wenn ich Blogge (vielleicht mit einem kurzem Seitenausflug auf Rechtsbelange)
Eigentlich gar nicht so dumm. Die Chance, das ein Schüler eine SMS scheibt, Twittert oder Bloggt ist doch letztlich deutlich höher, als das er später reihenweise akademische Texte oder Romane schreibt.
Und was die Qualitätangeht. Mein letztes Blog (ist bereits mein zweites Fachblog zu jeweils einem anderen Thema) hat 200 Einträge. Die haben kein gleichbleibendes Niveau. Manche schreibe ich emotional geladen, manchmal angeheitert und andere sind reichlich recherchierte und gut formulierte Texte, auf die ich auch später noch stolz bin. Nimmt man den Schnitt, sieht es eben dennoch nicht nach grosser Literatur aus ;-)
Ich persönlich brgrüße es, dass durch die neuen Medien mehr geschrieben wird. Es ist aber nicht so, dass nur Social Networks dies vorantreiben. Es wird auch generell mehr geschrieben. Häufig auch Prosa (z.B. Fanfictions) oder argumentative Texte.
Was akademisches Schreiben angeht, so finde ich dass es ein Fehlinterpretation hier von einer Sprach- bzw. Schreibfähigkeit zu sprechen. Der zentrale Baustein akademischen Schreibens ist akademisches Denken. Die Formulierung eines Textes unter verwendung gängiger Termini und Wendungen ist zwar wichtig, kann jedoch nie gelingen wenn der Schreiber nicht in der Lage ist, sein Thema mental zu organisieren.
Daher würde ich sagen: Lasst den Schülern ihre Schreibweise; Konzentriert euch lieber darauf ihnen Denken beizubringen.
Ansonsten entstehen nur leere Wortgerüste, die kompliziert nichts aussagen.
(Ich denke da an einige aktuelle Philosophische Traktate die ich zum Thema "Freier Wille" durchgesehen habe...
Was in den Sozialwissenschaften mit dem Satz "Korrelation ist nicht gleich Kausalität" abgehandelt wird, bedurfte dort einem ein einhalb seitigen Ergusses...)
Dass Konzentration auf eine Sache derselben förderlich ist und eine wie auch immer verursachte Ablenkung davon eben gegenteilig, also schädlich wirkt, dürfte lernpsychologisch ein alter Hut sein. Der Lati-Anglizismus "Multi-Tasking" sollte suggerieren, die neue Welt erfordere eine Aufsplitterung des intensiven zum zerfaserten Handeln.
Welche anderen "Tasks" musste der Verfasser des Textes gleichzeitig erledigen? Denn sonst wäre kaum unentdeckt geblieben, dass der "Proband" in der Wortbildung aus dem lateinischen Gerundivum kommend auf jeden Fall hinten ein "d" benötigt und nicht ein "t". Ein Trost, dies ist eine Schreibweise, die schon bei den "beliebten Fehlern" gelandet ist.
Diejenigen, die gern und viel schreiben, werden sich durch Internetaktivitäten sicher verbessern. Diejenigen aber, die von Grund auf nicht besonders gute Schreiber sind, gewöhnen sich gleich noch mehr Rechtschreibfehler an als sie sowieso machen würden, schließlich werden sie im Internet nicht oder kaum korregiert.
vielen Dank für Ihren Hinweis, wir haben den Fehler entsprechend korrigiert.
Schöne Grüße, Atila Altun/ Redaktion ZEIT ONLINE
...schließlich werden sie im Internet nicht oder kaum korregiert.
KorrIgiert;)
Aaaah ich hab's gewusst, irgendwo bring ich auch noch einen Rechtsschreibfehler rein. Ist übrigens auch so ein "beliebter Fehler".
Und hier hab ich jetzt auch noch einen solchen reingebracht. Wer ihn findet darf ihn behalten.
Ich hoffe, dass das im neuen ZEIT ONLINE Schule macht, dass kleinere Fehler nachträglich korrigiert werden. Diesen riesigen Vorteil des Mediums Internet nutzen allzu wenige, obwohl es so leicht wäre. Man verließe dadurch auch das Niveau seines Konkurrentenkreises, räusper.
Mag sein, dass ich einer der ganz wenigen im kleinen Karo bin, aber in meinen Augen mindern Rechtschreib- oder Satzstellungsfehler die gefühlte Qualität des Inhalts erheblich.
Man könnte sich zu diesem Zweck auch der intelligenten Masse bedienen, die der Redaktion auch außerhalb des Kommentarbereichs Korrekturvorschläge unterbreiten könnte.
Aaaah ich hab's gewusst, irgendwo bring ich auch noch einen Rechtsschreibfehler rein. Ist übrigens auch so ein "beliebter Fehler".
Und hier hab ich jetzt auch noch einen solchen reingebracht. Wer ihn findet darf ihn behalten.
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