Internet Das Netz als literarische RevolutionSeite 2/2

Sie könnten sich irren, wie die Stanforder Psychologen Clifford Nass, Eyal Ophir und Anthony Wagner herausgefunden haben. Laut ihrer Forschungen erzielen extreme Multi-Tasker schlechtere Ergebnisse in verschiedenen psychologischen Standardtests als Menschen, die sich in der Regel auf nur eine Aufgabe konzentrieren. Multi-Tasker seien offenbar grundsätzlich "mental desorganisierter", so die Forscher.

Selbst in einem Test, der zeigt, wie schnell der Proband zwischen zwei verschiedenen Aufgaben hin- und herschalten kann, waren die Multi-Tasker unterlegen, obwohl das doch eigentlich deren Kernkompetenz sein sollte.

Vielleicht schlägt sich die neue Schreiblaune auch aus inhaltlichen Gründen nicht in besseren Noten nieder: Drei von fünf Schülern bezeichnen ihre elektronische Kommunikation noch nicht einmal als "Schreiben", wie eine Studie des Pew Internet & American Life Projects herausgefunden hat. Diese Einschätzung sei durchaus richtig, findet der Direktor des Writing in Digital Environments Research Center der Michigan State University, Jeffrey T. Grabill.

Die meisten außerschulischen Texte seien oftmals das Gegenteil von schulischen und akademischen Texten, sagt Grabill. Sie richteten sich an viele Menschen und nicht nur an einen Lehrer oder Professor, und sie behandelten zumeist Themen des alltäglichen Lebens und nicht abstrakte akademische Probleme. Die Internettexte seien eher als Teil eines Gesprächs zu sehen, doch in Schule und Universität seien zusammenhängende Abhandlungen gefragt.

Sein Fazit: Wenn jemand ein erfolgreicher Blogger sei, sage das nichts darüber aus, ob ihm sonst  auch gute akademische Texte gelingen könnten. Auch Professor Bauerlein warnt vor Euphorie angesichts der neuen Schreiblaune. Viele Kollegen würden bereits überlegen, wie sie die neuen Schreibformen in die Lehrpläne einbauen könnten. Das sei aber voreilig: "Wir wissen einfach noch nicht, was die Folgen der neuen Technologien sein werden."
 

 
Leser-Kommentare
  1. Nette Idee. Wie packe ich eine Nachricht in kleinste Päckchen (Twitter, SMS). Was sind die gängigsten Abkürzungen.
    Was sollte ich beachten, wenn ich Blogge (vielleicht mit einem kurzem Seitenausflug auf Rechtsbelange)

    Eigentlich gar nicht so dumm. Die Chance, das ein Schüler eine SMS scheibt, Twittert oder Bloggt ist doch letztlich deutlich höher, als das er später reihenweise akademische Texte oder Romane schreibt.

    Und was die Qualitätangeht. Mein letztes Blog (ist bereits mein zweites Fachblog zu jeweils einem anderen Thema) hat 200 Einträge. Die haben kein gleichbleibendes Niveau. Manche schreibe ich emotional geladen, manchmal angeheitert und andere sind reichlich recherchierte und gut formulierte Texte, auf die ich auch später noch stolz bin. Nimmt man den Schnitt, sieht es eben dennoch nicht nach grosser Literatur aus ;-)

    • Ranjit
    • 06.09.2009 um 14:33 Uhr

    Ich persönlich brgrüße es, dass durch die neuen Medien mehr geschrieben wird. Es ist aber nicht so, dass nur Social Networks dies vorantreiben. Es wird auch generell mehr geschrieben. Häufig auch Prosa (z.B. Fanfictions) oder argumentative Texte.
    Was akademisches Schreiben angeht, so finde ich dass es ein Fehlinterpretation hier von einer Sprach- bzw. Schreibfähigkeit zu sprechen. Der zentrale Baustein akademischen Schreibens ist akademisches Denken. Die Formulierung eines Textes unter verwendung gängiger Termini und Wendungen ist zwar wichtig, kann jedoch nie gelingen wenn der Schreiber nicht in der Lage ist, sein Thema mental zu organisieren.

    Daher würde ich sagen: Lasst den Schülern ihre Schreibweise; Konzentriert euch lieber darauf ihnen Denken beizubringen.

    Ansonsten entstehen nur leere Wortgerüste, die kompliziert nichts aussagen.
    (Ich denke da an einige aktuelle Philosophische Traktate die ich zum Thema "Freier Wille" durchgesehen habe...
    Was in den Sozialwissenschaften mit dem Satz "Korrelation ist nicht gleich Kausalität" abgehandelt wird, bedurfte dort einem ein einhalb seitigen Ergusses...)

  2. Dass Konzentration auf eine Sache derselben förderlich ist und eine wie auch immer verursachte Ablenkung davon eben gegenteilig, also schädlich wirkt, dürfte lernpsychologisch ein alter Hut sein. Der Lati-Anglizismus "Multi-Tasking" sollte suggerieren, die neue Welt erfordere eine Aufsplitterung des intensiven zum zerfaserten Handeln.
    Welche anderen "Tasks" musste der Verfasser des Textes gleichzeitig erledigen? Denn sonst wäre kaum unentdeckt geblieben, dass der "Proband" in der Wortbildung aus dem lateinischen Gerundivum kommend auf jeden Fall hinten ein "d" benötigt und nicht ein "t". Ein Trost, dies ist eine Schreibweise, die schon bei den "beliebten Fehlern" gelandet ist.

  3. Diejenigen, die gern und viel schreiben, werden sich durch Internetaktivitäten sicher verbessern. Diejenigen aber, die von Grund auf nicht besonders gute Schreiber sind, gewöhnen sich gleich noch mehr Rechtschreibfehler an als sie sowieso machen würden, schließlich werden sie im Internet nicht oder kaum korregiert.

  4. vielen Dank für Ihren Hinweis, wir haben den Fehler entsprechend korrigiert.

    Schöne Grüße, Atila Altun/ Redaktion ZEIT ONLINE

    • Scampi
    • 06.09.2009 um 17:35 Uhr

    ...schließlich werden sie im Internet nicht oder kaum korregiert.

    KorrIgiert;)

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Aaaah ich hab's gewusst, irgendwo bring ich auch noch einen Rechtsschreibfehler rein. Ist übrigens auch so ein "beliebter Fehler".

    Und hier hab ich jetzt auch noch einen solchen reingebracht. Wer ihn findet darf ihn behalten.

    Aaaah ich hab's gewusst, irgendwo bring ich auch noch einen Rechtsschreibfehler rein. Ist übrigens auch so ein "beliebter Fehler".

    Und hier hab ich jetzt auch noch einen solchen reingebracht. Wer ihn findet darf ihn behalten.

    • Rusty
    • 06.09.2009 um 18:48 Uhr

    Ich hoffe, dass das im neuen ZEIT ONLINE Schule macht, dass kleinere Fehler nachträglich korrigiert werden. Diesen riesigen Vorteil des Mediums Internet nutzen allzu wenige, obwohl es so leicht wäre. Man verließe dadurch auch das Niveau seines Konkurrentenkreises, räusper.
    Mag sein, dass ich einer der ganz wenigen im kleinen Karo bin, aber in meinen Augen mindern Rechtschreib- oder Satzstellungsfehler die gefühlte Qualität des Inhalts erheblich.
    Man könnte sich zu diesem Zweck auch der intelligenten Masse bedienen, die der Redaktion auch außerhalb des Kommentarbereichs Korrekturvorschläge unterbreiten könnte.

  5. Aaaah ich hab's gewusst, irgendwo bring ich auch noch einen Rechtsschreibfehler rein. Ist übrigens auch so ein "beliebter Fehler".

    Und hier hab ich jetzt auch noch einen solchen reingebracht. Wer ihn findet darf ihn behalten.

    Antwort auf "@dreher-of-tomorrow:"

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